Historische Tatsachen – Nr. 6 – Hans Kehrl – Realitäten im Dritten Reich

Das komplette Heft “Historische Tatsachen” Nr. 6 von 1979 inklusive Fotos kann hier heruntergeladen und abgespeichert werden:

Historische Tatsachen – Nr. 6 – Hans Kehrl – Realitäten im Dritten Reich

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Hans Kehrl – Realitäten im Dritten Reich
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Aus den “Regeln für die politisch-psychologische Subversion”, die der Chinese Sun Tsu etwa 500 v. Christi Geburt aufgestellt hat:Die höchste Kunst besteht darin, den Widerstand des Feindes ohne Kampf auf dem Schlachtfeld zu brechen. Nur auf dem Schlachtfeld ist die direkte Methode des Krieges notwendig; nur die indirekte kann aber einen wirklichen Sieg herbeiführen und festigen.

  • “Die höchste Kunst besteht darin, den Widerstand des Feindes ohne Kampf auf dem Schlachtfeld zu brechen. Nur auf dem Schlachtfeld ist die direkte Methode des Krieges notwendig; nur die indirekte kann aber einen wirklichen Sieg herbeifuh ren und festigen.
  • Zersetzt alles was im Lande des Gegners gut ist!
  • Verwickelt die Vertreter der herrschenden Schichten in verbrecherische Unternehmungen; unterhöhlt auch sonst ihre Stellung und ihr Ansehen; gebt sie der öffentlichen Schande vor ihren Mitbürgern preis!
  • Nutzt die Arbeit der niedrigsten und abscheulichsten Menschen!
  • Stört mit allen Mitteln die Tätigkeit der Regierungen!
  • Verbreitet Uneinigkeit und Streit unter den Bürgern des feindlichen Landes!
  • Fordert die Jungen gegen die Alten!
  • Zerstört mit allen Mitteln die Ausrüstungen, die Versorgung und die Ordnung der feindlichen Streitkräfte!
  • Entwendet alte Überlieferungen und ihre Götter!
  • Seid großspurig mit Angeboten und Geschenken, um Nachrichten und Komplizen zu kaufen!
  • Bringt überall geheime Kundschafter unter!
  • Spart überhaupt weder mit Geld noch mit Versprechungen, denn es bringt hohe Zinsen ein!”

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So begann der Frieden

Ministerpräsident von Frankreich, George Clemenceau, am 7. Mai 1919 vor den Delegierten aller alliierten und assoziierten Staaten im Palasthotel „Trianon“ zu Versailles:

“Meine Herren Delegierten des Deutschen Reiches! Es ist weder Zeit noch der Ort für überflüssige Worte. Sie sehen vor sich die bevollmächtigten Vertreter der kleinen und großen Mächte, die sich vereinigt haben, um den schrecklichen Krieg, der ihnen aufgezwungen worden ist, zu Ende zu führen. Die Stunde der schweren Abrechnung ist gekommen. Sie haben uns um Frieden gebeten. Wir sind geneigt, ihn Ihnen zu gewähren. Wir überreichen Ihnen hiermit das Buch, das unsere Friedensbedingungen enthält ..“

Der deutsche Reichsaußenminister Graf Brockdorff-Rantzau darauf:

“Wir täuschen uns nicht über den Umfang unserer Niederlage, den Grad unserer Ohnmacht. Wir wissen, daß die Gewalt der deutschen Waffen gebrochen ist; wir kennen die Wucht des Hasses, die uns hier entgegentritt, und wir haben die leidenschaftliche Forderung gehört, daß die Sieger uns zugleich als Überwundene zahlen lassen und als Schuldige bestrafen sollen.

Es wird von uns verlangt, daß wir uns als die allein Schuldigen bekennen; ein solches Bekenntnis wäre in meinem Munde eine Lüge. Die öffentliche Meinung in allen Ländern unserer Gegner hallt wider von den Verbrechen, die Deutschland im Kriege begangen habe. Auch hier sind wir bereit, getanes Unrecht einzugestehen. Aber auch in der Art der Kriegführung hat nicht Deutschland allein gefehlt. Jede europäische Nation kennt Taten und Personen, deren sich die besten Volksgenossen ungern erinnern. Die Hunderttausende von Nichtkämpfern, die seit dem 11. November (1918) an der Blockade zugrunde gingen, wurden mit kalter Überlegung getötet, nachdem für unsere Gegner der Sieg errungen und verbürgt war. Daran denken Sie, wenn Sie von Schuld und Sühne sprechen.”

Im Kriegsschuldartikel § 231 des Versailles Friedens hieß es:

“Die alliierten und assoziierten Regierungen erklären und Deutschland erkennt an, daß Deutschland und seine Verbündeten als Urheber für alle Verluste und Schäden verantwortlich sind, die die alliierten und assoziierten Regierungen und ihre Staatsangehörigen infolge des Krieges, der ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten auf gezwungen wurde, erlitten haben.”

Zu den wichtigsten Bedingungen des Vertragswerkes gehörten die Deutschland aufgezwungenen Landabtretungen, die Reparationsforderungen und die damit verbundenen wirtschaftlichen Eingriffe in das geschlagene Deutschland. Abgetreten wurden:

Nordschleswig an Dänemark (mit Abstimmung) -
Eupen und Malmedy an Belgien -
Elsaß-Lothringen an Frankreich -
Saargebiet für 15 Jahre wirtschaftlich Frankreich ausgeliefert -
Posen und Westpreußen, Teile von Ostpreußen und Hinterpommern an Polen
Danzig – problematischer Freistaat unter Völkerbundmandat mit polnischen Rechten
Memelgebiet, Teil Oberschlesiens an Polen -
Sudetenland an die Tschecho-Slowakei- 3,5 Millionen Deutsche
Anschlußverbot für das verkleinerte Österreich
Süd-Tirol an Italien -
Sämtliche Kolonien -

Die Reparationssumme wurde im Januar 1921 erstmalig definiert:

226 Milliarden Goldmark in 42 Jahresraten, jährlich von 2 bis 6 Milliarden ansteigend. Die Reparationskommission reduzierte auf 223,5 Milliarden, schließlich wurden 132 Milliarden ultimativ unter Androhung der Besetzung des Ruhrgebietes gefordert.

Das Ruhrgebiet wurde schließlich besetzt. Zwischenzeitlich glitt Deutschland in eine ungeheure Inflation:

Im Januar 1922 zahlte man für einen Dollar 200 Mark, im Juli = 500, im Januar 1923 = 18.000 Mark, im Juli 1923 = 350.000, im August 1923 = viereinhalb Millionen, im September fast 100 Millionen, im Oktober 25 Milliarden, am 15. November 1923 (Ende der Inflation) = 4,2 Billionen. Und “clevere ausländische Geschäftsleute” nutzten diese Zeit, um sich in Deutschland kräftig einzukaufen. – Welche Probleme haben gerade diese Tatbestände angereichert! Die mit dem V e r s a i l l e r F r i e d e n verbundenen Abrüstungsbedingungen usw. schienen demgegenüber harmlos.

Der chronische Ohnmachtszustand Deutschlands diesen Entwicklungen gegenüber auf der einen Seite und der hierdurch noch stärker angefachte Hochmut auf der anderen, der sich insbesondere bei Polen und Tschechen in einem fatalen Volkstumskampf entlud, haben – ganz abgesehen von der kommunistischen Revolution in Rußland und in anderen Ländern – Verhältnisse geschaffen, die bei Beibehaltung “der Ordnungsgrundlagen von Versailles” nicht friedlich regelbar waren.

……….

Wirtschaftswunder im Dritten Reich

Es ist in den letzten Jahren üblich geworden, in Zeitungen, Zeitschriften, im Rundfunk und im Fernsehen von der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg als den “goldenen zwanziger Jahren” zu sprechen. Das muß bei denen, die diese Zeit nicht miterlebt haben, einen falschen Eindruck erwecken. Die zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts waren furchtbare Jahre, von Anfang bis Ende für den größten Teil des deutschen Volkes. Entstanden ist dieser Begriff aus dem Wiedererwachen von Kunst; Literatur und Musik, die im Kriege und in der unmittelbaren Nachkriegszeit erloschen schienen. Die Wiederbelebung des geistigen Lebens fand vornehmlich in der Hauptstadt Berlin statt oder in Städten wie München, Hamburg und Frankfurt. Die zwanziger Jahre in Deutschland allgemein als die “goldenen” zu bezeichnen, ist eine groteske Geschichtsfälschung.

Die ersten vier Jahre wurden durch den Verfall der Reichswährung in einer Inflation ohne Beispiel bestimmt. Im Januar 1923 wurde der Dollar noch mit 18.000 Mark notiert, Banknoten über eine Million Mark waren aber schon zum Zahlungsmittel geworden. Bis zum 25. Oktober 1923 war der Kurs der Mark neu auf 40 Milliarden Mark für einen Dollar gestiegen. Am 15. November 1923 endete der Spuk.

Finanzpolitisch und volkswirtschaftlich gesehen gelang der Regierung Stresemann während ihres kurzen Bestehens mit Hilfe von Schacht als Reichswährungskommissar und Luther als Reichsfinanzminister die Durchsetzung einer neuen, stabilisierten Währung. Nach zehn Jahren Weltkrieg, Bürgerkrieg und Verfall war ein neuer Anfang gesetzt. Aber wer nicht über Sachwerte verfügte, war verarmt und mittellos. Das gesamte Geldkapital wurde ausgelöscht, denn für eine Billion – 1.000 Milliarden Papiermark gab es nur eine Rentenmarke. Auch das Kapital der meisten vor der Inflation gut finanzierten Firmen war durch die Geldentwertung radikal zusammengeschmolzen. Jahrelang schwand das Umlaufvermögen dahin, weil zu lange mit wertvollen Devisen eingekauft und zu Papermark verkauft werden mußte. Der gewaltige Geldstrom aus rasch ansteigender Auslandsverschuldung vernebelte zunächst die Wirklichkeit. Es schien dann ein kurzes Zwischenhoch zu geben, aber es gelang dem demokratisch-parlamentarischen System der Weimarer Republik nicht, eine Regierung auf die Beine zu stellen, die die soziale, finanzielle und wirtschaftliche Lage in den Griff bekam.

Da der Reichstag lebensfähige, d.h. effiziente Regierungen nicht zustande brachte, berief Reichspräsident Hindenburg am 29. März 1930 das erste Präsidial-Kabinett. Brüning versuchte, die Inflation durch Deflation abzulösen, aber das hieß letztlich, den Teufel durch Beelzebub austreiben. 1932 war fast ein Drittel der arbeitenden Bevölkerung arbeitslos, das Einkommen der Arbeiter war von 23,9 Milliarden RM im Jahre 1929 auf 11 Milliarden 1932 gesunken.

Nach der Steuerstatistik verdienten von rund 31 Millionen sogenannten Einkommensbeziehern 69,2 Prozent unter 1.200 Mark im Jahr, 21,7 Prozent zwischen 1.200 und 3.000 Mark pro Jahr und nur 7,1 Prozent darüber. Auf zehn Beschäftigte entfielen 4,3 Arbeitslose.

Als am 30. Januar 1933 Reichspräsident Hindenburg Herrn Hitler mit der Bildung einer neuen Reichsregierung beauftragte, war ein unvorstellbarer Tiefpunkt der wirtschaftlichen und sozialen Lage erreicht. Von insgesamt 18 Millionen “vorhandenen” Arbeitern und Angestellten gingen nur ca. 12 Millionen einer Beschäftigung nach. Von den ca. 6 Millionen Arbeitslosen war über ein Drittel aus der Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge ausgesteuert; sie erhielten als “Wohlfahrtserwerbslose” im Durchschnitt nur 55 RM pro Monat Unterstützung.

Die Vergütung der bessergestellten Arbeitslosenlag etwa 15 bis 20 RM im Monat höher. Trotzdem mußten 1932 für die Arbeitslosen insgesamt 4 Milliarden RM aufgewandt werden. Das waren 16 Prozent der Summe aller Löhne und Gehälter, 9 Prozent des gesamten Volkseinkommens und 57 Prozent der gesamten jährlichen Einnahmen von Reich und Ländern. Das “Einkommen je Kopf der Bevölkerung” war von 1929 mit 1.187 RM bis 1932 auf 627 RM zurückgegangen.

Um das Ausmaß der Verelendung zu ermessen, muß man wissen, daß z.B. in der Bundesrepublik Deutschland 1968 dieselbe statistische Größenordnung 8.759 DM betrug. Im Februar 1933 bestand eine Auslandsverschuldung von ca 19 Milliarden RM. Um einen Begriff davon zu geben, was 19 Milliarden RM damals bedeuteten: Die Auslandsverschuldung in Beziehung gesetzt zur Jahresausfuhr entsprach etwa 3,3 Jahren Warenausfuhr. Mit der Bundesrepublik von 1969 verglichen, würden 3,3 Jahre Ausfuhr 374 Milliarden DM bedeuten! Begriffe wie “Tiefstand der Konjunktur” oder “Arbeitslosigkeit” charakterisieren die geschilderte Lage nur ganz unzulänglich. Nach dem spektakulären Aderlaß durch die Inflation, den Zusammenbrüchen im Bankwesen und der sich immer mehr verschärfenden Arbeitslosigkeit war der größte Teil der Industrie am Ende seiner finanziellen Kräfte.

Die Landwirtschaft verelendete durch Preisverfall und Absatzrückgang und wurde nur durch Moratorien und Pfändungsstops mühsam am Leben erhalten. Mehr als zwei Drittel des Volkes vegetierten ohne Hoffnung weit unter einem normalen Existenzminimum. Die Regierungen der letzten fünf Jahre hatten ihre Unfähigkeit in der Wirtschafts- und Sozialpolitik durch Ideenlosigkeit und antiquierte Wirtschaftsvorstellungen bis zum Staatsbankrott unter Beweis gestellt. Verelendung und Verzweiflung der Bevölkerung und Erbitterung gegen ein Regierungssystem, daß das nicht zu ändern vermochte, waren die zwangsläufige Folge.

In dieser Lage konnte es für die nationalsozialistische Regierung nur eine Wirtschaftspolitik geben: Kampf gegen die Arbeitslosigkeit sowie Arbeitsbeschaffung um jeden Preis. Vor 1932 hatte der Fraktionsvorsitzende der NSDAP-Reichstags-Fraktion, Gregor Strasser, in einer großen, der Wirtschaftspolitik gewidmeten Rede sich entschieden gegen die Deflationspolitik und die Tatenlosigkeit der Regierung gewandt, die vorgebe, wegen Mangel an Kapital und Abhängigkeit von der Weltkonjunktur aus eigener Kraft keinen Ausweg aus der wirtschaftlichen und sozialen Katastrophe finden zu können. Strasser sagte damals u.a.:

“Je ärmer ein Volk ist, desto mehr muß es arbeiten, denn: nicht Kapital schafft Arbeit, sondern Arbeit schafft Kapital!”

Am 1. Februar 1933 kündigte Adolf Hitler im Reichstag an:

“Die nationale Regierung wird das große Werk der Reorganisation der Wirtschaft unseres Volkes mit zwei großen Vierjahresplänen lösen: Rettung der deutschen Bauern zur Erhaltung der Ernährung – und damit Lebensgrundlage der Nation. Rettung des deutschen Arbeiters durch einen gewaltigen und umfassenden Angriff gegen die Arbeitslosigkeit.”

Hitler rief zur “Arbeitsschlacht” auf. Nicht nur Regierung und Partei, sondern jeder Staatsbürger sollte mit Ideen und Anregungen zur Arbeitsbeschaffung beitragen. Die Regierung wollte durch große öffentliche Arbeiten einen ersten Anstoß geben, aber auch die Wirtschaft wurde aufgefordert, Initiativen zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit zu ergreifen. Diese Aktion lief unter dem Motto: “Erst jedem einen Arbeitsplatz, dann jedem seinen Arbeitsplatz!”

Hitler war überzeugt, daß die furchtbare Lage nur zu überwinden sei, wenn eine gewaltige Welle der Mitwirkung des ganzen Volkes erreicht werden könnte. Er setzte daher alle Kräfte der Parteiorganisationen, sowie den Propaganda-Apparat von Josef Goebbels konzentriert auf das eine Ziel ein: “Wir müssen und wir werden wieder Arbeit für alle schaffen.” Das Wirtschaftswunder wurde Wirklichkeit, weil es gelang, einen aktivistischen Optimismus im ganzen Lande zu wecken und ein Klima allgemeiner Solidarität zu schaffen.

Im Frühjahr 1937, d.h. nach vier Jahren seit Beginn der “Arbeitsschlacht“, waren die 33 Prozent der Arbeitslosen auf nur noch 6,5 Prozent zurückgegangen und im Frühjahr 1938 (vor dem Anschluß Österreichs) gab es nur noch 507.000 statistisch gezählte Arbeitslose – 2,7 Prozent. Die Vollbeschäftigung war unter Berücksichtigung der Fluktuation fast erreicht und wurde Anfang 1939 Wirklichkeit. Die Zahl der zur Arbeit zur Verfügung stehenden Kräfte hatte sich außerdem in den fünf Jahren von 18 Millionen auf 20,5 Mill. erhöht. Von diesem Zuwachs entfielen allein 700.000 auf Frauen, die sich der Berufsarbeit neu zuwenden konnten.

In diesen fünf Jahren hatte sich die Zahl der gebauten Wohnungen gegenüber 1932 verdoppelt, die Investitionen der Verkehrswirtschaft waren bis 1938 mit 3,8 Milliarden RM gegenüber 1932 auf das 4,5 fache gestiegen. Von diesen Investitionen entfielen 1938 allein 45 Prozent auf den Straßenbau (davon schon 1934 jene 178 Millionen RM für die Reichsautobahnen). Für 1938 lauteten die Zahlen 15 Millionen bzw. 50%. Die größte Steigerung erreichten die Industrie-Investitionen. Sie waren nach 2,6 Milliarden RM 1928 auf ein Tief von nur 439 Millionen 1932 abgesunken. Ein Betrag von 2,6 Milliarden wurde schon 1937 wieder überschritten und 1939 ein Industrieinvestitionsvolumen erreicht, das dem Zehnfachen von 1932 entsprach. Die Zahl der Personenkraftwagen und Lastkraftwagen hatte sich seit 1933 verdreifacht. Die Beschäftigung der Industrie (Altreichsgebiet) steigerte sich nach den Indexzahlen (1928 = 100) in den sieben Jahren von 1932 bis 1938 um 112 Prozent, das sind etwa 13 Prozent im Jahr. Die Gesamtumsätze der Wirtschaft stiegen (geschätzt nach Umsatzsteuerzahlungen) von 1932-1938 um das 2,6fache. Das deutsche Volkseinkommen (Altreich) – in etwa dem heutigen Sozialprodukt vergleichbar – betrug 1939 ziemlich genau das Doppelte von 1932, nämlich 90 Milliarden RM. Das Jahreseinkommen der Arbeiter hatte sich seit 1932 gleichfalls mehr als verdoppelt. Dabei blieben die Preise fast stabil: Die Reichsindexziffern für Ernährung, Wohnung, Heizung, Bekleidung, Beleuchtung und diverse Gebrauchs- und Verbrauchsgüter stiegen in den gleichen Jahren insgesamt nur um 5,6 Punkte, d.h. Um ca. 0,8 Prozent im Jahresdurchschnitt. Die Bruttoverdienste pro Woche stiegen von 1932 bis 1939 in absoluten Zahlen um 30 Prozent und in realer Kaufkraft um 22,6 Prozent, also um über 3 Prozent im Jahr.

Diese Zahlenreihen lesen sich wie eine Bilderbuchillustration zum Thema “Wachstum und Stabilität”. Entgegen einer weitverbreiteten Ansicht spielten für diese Wirtschaftsentwicklung die Aufwendungen für die Rüstung in den Jahren 1933/35 eine nur geringe, 1936/37 etwa eine normale und erst 1938/39 eine große Rolle. Sie blieben aber auch dann noch als Motor wirtschaftlichen Wachstums weit hinter den Investitionen für den nicht rüstungsbedingten Bereich zurück. Für Industrie, Landwirtschaft, Verkehr, Wohnungsbau, Energiewirtschaft und öffentliche Verwaltung wurden von 1933 bis 1939 rund 100 Milliarden RM investiert.

Die Ausgaben für Wehrmacht und Rüstung dagegen betrugen:
1933/34 = 1,9 Mrd. RM = 4% des Volkseink.
1934/35 = 1,9 Mrd. RM = 4% des Volkseink.
1935/36 = 4 Mrd. RM = 7% des Volkseink.
1936/37 = 5,8 Mrd. RM = 9% des Volkseink.
1937/38 = 8,2 Mrd. RM = 11% des Volkseink.
1938/39 = 18, 4 Mrd. RM = 22% des Volkseink.

Nach den Berechnungen des Instituts für Konjunkturforschung betrug 1934 der Anteil der Rüstungsausgaben am Volkseinkommen in Großbritannien 3,0%, in Frankreich (1932) 8,1 %, in Japan 8,4%, und in Sowjetrußland 9,0%. Ein ‘normales’ Maß an Ausgaben für Wehrmacht und Rüstung wurde erst überschritten, als die Arbeitslosigkeit nahezu beseitigt war. Wie war ein solcher “Aufschwung nach Maß” finanzpolitisch überhaupt möglich? Erst im Jahre 1936 hat der englische Nationalökonom Keynes damit begonnen, seine bahnbrechenden Gedanken über eine aktive Konjunkturpolitik zu veröffentlichen. Die Finanzierung des Wirtschaftsaufschwungs im “Dritten Reich” beruhte auf ähnlichen Gedankengängen (Gregor Strasser: “Arbeit schafft Kapital”), wenn auch nicht auf so exakt angestellten wissenschaftlichen Überlegungen basierend. Der Aufschwung wurde durch “produktive Geldschöpfung” ermöglicht. Ausgesprochene Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wurden wie schon unter Brüning und Papen, wenn auch damals im “Miniformat” – durch Zwischenschaltung verschiedener Trägergesellschaften von der Reichsbank auf Wechselbasis bei mehrfacher Prolongation finanziert. Die Gesamtaufwendungen für diese Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen beliefen sich in den Jahren 1933/36 auf ca. 5 Milliarden RM, von denen bis 1939 ca. 4 Milliarden durch Wechseleinlösungen über den ordentlichen Etat abgedeckt wurden.

Die bedeutenden Wirtschaftsinvestitionen für Österreich, das Sudetenland und das “Protektorat” wurden ganz überwiegend auf normalen wirtschaftlichen Kreditwegen mit “Reichsbürgschaften” finanziert. Für Rüstungsgüter wurden durch Sonderfinanzierung (Mefowechsel, Lieferschatzanweisungen, Steuergutscheine, Reichsbürgschaften und ähnliche Finanzierungsmittel) bis 1939 höchstens 20-25 Milliarden RM aufgewandt. Die Investitionen der die Rüstungsgüter erzeugenden Werke wurden durch vereinbarte Abschreibungen über den Preis finanziert und sind daher in den Kosten der Rüstungsgüter enthalten. Aufwendungen für den laufenden Bedarf der im Aufbau befindlichen Wehrmacht (Personalkosten, Baukosten und Inventar) konnten ganz überwiegend aus dem ordentlichen Etat bestritten werden, hatte sich doch das Aufkommen aus Steuern und Zöllen durch die Wirtschaftsbelebung von 6,8 Milliarden RM 1932 auf 23,5 Milliarden 1939 erhöht und damit mehr als verdreifacht! Allein aus dem Zuwachs von Steuern und Zöllen über das Niveau von 1933 hinaus standen in diesen sieben Jahren über 40 Milliarden RM zusätzlich im Etat zur Verfügung (natürlich keineswegs nur für den Wehrmachtsetat).

Die Notenpresse wurde zur Finanzierung nicht herangezogen. Der Geldumlauf stieg vom 31.Dezember 1932 bis zum 28. Februar 1939 (letzte Zahl vor Kriegsausbruch) von 5,6 Milliarden nur auf 10,9 Milliarden, d.h. die Umlaufmenge stieg um ca. 100 Prozent bei einer Zunahme des Wirtschaftsvolumens um mehr als 100 Prozent und einer Vergrößerung des Währungsbereichs nach Kopfzahl gemessen (Österreich, Sudetenland) um mehr als 15 Prozent. Die deutsche Auslandsverschuldung ging von 19 Milliarden im Februar 1938 zurück. Einem “Kapitalverzehr” von 2.894 Millionen RM im Jahre 1932 stand eine Geldkapitalbildung von 7.000 Millionen RM im Jahre 1938 gegenüber.

Wirtschaftskrise und Wirtschaftselend waren bis 1938 beseitigt. Ebenso war aber auch der zweite Vierjahresplan zu einem erfolgreichen Abschluß gekommen: Die Rettung des deutschen Bauern zur Erhaltung der Ernährungs- und Lebensgrundlage der Nation war in fünf Jahren gelungen. Das Preisniveau der aus der deutschen Landwirtschaft zum Verkauf gelangenden Erzeugnisse wurde von 1932/33 bis 1938/39 -stark differenziert im Gesamtdurchschnitt um 35 Prozent heraufgesetzt. Aber die Reichsindexziffern der Lebenshaltungskosten für die Ernährung der Bevölkerung stiegen nur um 6,5%. Die Handelsgewinne wurden nämlich stark gekürzt. Es wurde durch die Preispolitik die wichtige Verlagerung vom Getreide weg zu Kartoffeln, Schlachtvieh und Milch erreicht. Die Betriebsabgaben stiegen von 1932/33 bis 1938/39 um 33 Prozent, die Verkaufserlöse in der gleichen Zeit um 72 Prozent. Der für die gesamte Landwirtschaft (Altreich) statistisch errechnete Betriebsüberschuß stieg in einer kontinuierlichen Linie von 766 Millionen·RM in 1932/33 auf 3.480 Millionen RM in 1938/39, also auf über das Vierfache.

Die hier kurz geschilderte Entwicklung bedeutete für die Mehrheit des deutschen Volkes einen Ausweg aus Not, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit zu einem anscheinend gesicherten lebenswerten Dasein und verschaffte bei der überwiegenden Mehrheit des Volkes einen Vertrauensfundus, der bis weit in die Kriegsjahre hinein erhalten blieb.

Adolf Hitler hatte das deutsche Volk aus einer ausweglosen Lage gerettet. Daneben verblaßte für den einzelnen, was immer an Fehlentwicklungen personeller oder anderer Art in Partei und Staat, an Mißbräuchen, Übertreibungen durch die Propaganda und Verhetzung gegen Andersdenkende bekannt, geflüstert oder offenkundig wurde. Ihm, Hitler, schrieb man es nicht zu; er würde auch dies eines Tages zu bereinigen wissen, so tröstete man sich. Das selbst erlebte Wirtschaftswunder wirkte als beherrschendes Erlebnis noch lange nach.

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Hitlers außenpolitische Ziele

Diese mir von Historikern nahegelegte Thematik bringt mich etwas in Verlegenheit, denn sie setzt voraus, daß es außenpolitische Ziele Hitlers gegeben hat, die von Anfang an endgültig und unabänderlich feststanden oder – nach allgemeinem Konsensus -jetzt feststehen. So vermag ich das nach meinem überblick nicht zu sehen. Hitler ging nach seiner ganzen Denk- und Arbeitsweise bei wichtigen Problemen nie von einem festgefügten ‘Plan aus, sondern brachte Entwicklungen durch eigene Aktivitäten oder Anstöße in Gang, verfolgte ihren Fortgang, kam oft sehr zögernd zu endgültigen Entschlüssen und trieb sie dann, wenn er die Entwicklung ftir reif hielt, entweder dynamisch vorwärts, gab ihnen eine andere Wendung oder blies sie ganz ab, wenn er zu anderen Erkenntnissen gekommen war. Das betraf sicher auch einen Teil der außenpolitischen Ziele, die wohl weder als zur Gänze feststehend, noch gar als weithin bekannt angesehen werden können, wie viele Historiker meinen. Dies gilt m.E. besonders für das Leitmotiv in seinem Buch Mein Kampf: “den Gewinn von Lebensraum”.

Von 1934 bis 1938 war ich engster und vertrauter Mitarbeiter von Wilhelm Keppler, damals “Wirtschaftsbeauftragter des Führers”. Er hatte schon viele Jahre vor 1933 engen Umgang mit Hitler, hatte über Baron v. Sehröder die Verbindung mit v. Papen hergestellt und Hitler auch v. Ribbentrop zugeführt, bei dem er später Staatssekretär im Auswärtigen Amt wurde. In den Jahren enger Zusammenarbeit mit Keppler und bei gemeinsamen Reisen wurde ich nicht müde, Keppler über alles, was er über Hitlers Zukunftspläne wußte oder zu wissen glaubte, auszufragen (Keppler war nicht der Mann strikter Diskretion). Zu keinem Zeitpunkt war zwischen ihm und Hitler oder ihm und v. Ribbentrop, mit dem sich Keppler duzte, in deb ganzen Jahren von “Lebensraum im Osten” oder gar einem “Ostimperium” als politischem Ziel die Rede gewesen, wohl aber von einer Revision, der Grenzziehung des Versailler Vertrages, der die preußischen Provinzen Posen, Westpreußen und Teile von Oberschlesien dem neu gebildeten polnischen Staat zugeschlagen hatte. Hitler wußte spätestens 1939 sehr wohl, daß wir weiteren “Siedlungsraum” im Osten, von dem er in den zwanziger Jahren geträumt hatte, weder benötigten noch hätten besiedeln können. In einem v. Neurath, dem damaligen “Reichsprotektor von Böhmen und Mähren”, selbst diktierten Bericht an das Auswärtige Amt über eine Besprechung mit Hitler im Dezember 1939 heißt es:

“Es wird davon abgesehen, das Land (Protektorat) in größerem Umfang mit Deutschen zu besiedeln, denn die Verdeutschung des neu-deutschen Ostens (Westpreupen, Posen, Oberschlesien) ist vordringlich und schon hierfür reicht die Zahl der deutschen Siedler kaum aus.

Rückblickend glaubt man vielfach, daß alle außenpolitischen Ziele Hitlers aus seinem 1924/25 geschriebenen Buch “Mein Kampf” hätten abgelesen werden können.

Nun, ich habe als politisch hochinteressierter Staatsbürger “Mein Kampf” einmal auf einer Geschäftsreise nach den USA im Jahre 1929 auf dem Schiff gelesen; seitdem nicht wieder. Schließlich war es keine Bibel, an die man hätte glauben sollen. Der Gefreite des Ersten Weltkrieges hatte den I. Teil des Buches mit 35 Jahren im Gefängnis geschrieben, fünf Jahre nach dem Zusammenbruch des Reiches; zu der Zeit also, als die Inflation große Teile des deutschen Volksvermögens zerstört hatte. Es war keine Zeit, in der man geneigt war, Utopien nachzuträumen. Damals waren Österreich und die Tschechosloswakei – künstlich neu konstruierte Staatsgebilde – kaum fünf Jahre alt: Österreich ein “Staat wider Willen”, denn seine Bevölkerung hatte den Anschluß an das Reich gewollt, und die Tschechoslowakei (zu einem bedeutenden Teil die alten Reichslande Böhmen und Mähren) bestand aus fünf Nationen, von denen die herrschenden Tschechen nicht ganz die Hälfte der Bevölkerung darstellten. Es bestand damals kein Anlaß anzunehmen, daß es sich bei diesen Gebilden um geschichtlich endgültige Lösungen handeln müßte.

(Wenn Hitlers Buch eine Revision der territorialen Bestimmungen des Versailler Vertrages verlangte (ohne Elsaß-Lothringen, das Hitler ausgenommen sehen wollte), so brauchte man daraus noch keine Hitler’schen “Kriegsziele” abzuleiten. Die Welt tat das damals nicht, und wir auch nicht. Schließlich haben ja die Ergebnisse bis Ende 1938 gezeigt, daß Revisionen tatsächlich ohne Blutvergießen möglich waren: Österreich, Sudetenland und 1939 sogar Böhmen und Mähren.)

Dreierlei konnte allerdings jeder über die außenpolitischen Ziele Hitlers wissen:

Er Würde zur gegebenen Zeit eine Revision der territorialen Bestimmungen der Verträge von Versailles, St. Germain und Trianon betreiben. Er würde die Gleichberechtigung des Reiches auch be­züglich der Stärke und Rüstung der Reichs­wehr verlangen. Außerdem schwebte ihm damals – ziemlich vage – die Ausdehnung des “deutschen Lebensraumes” – was immer das heißen mochte – vor.

Nach dem Anschluß Österreichs, des Sudetenlandes, der Bildung des Protektorates und der Wiederangliederung der alten preußischen Provinzen Posen, Westpreußen und Oberschlesien schien diese Problematik wohl den meisten abgeschlos­sen und vom Tisch.

Aber wir befanden uns im Kriegszustand mit Frankreich und England als Garantiemächten des besiegten Polen, und dieser Krieg hatte bestimmt nicht zu den außenpolitischen Zielen Hitlers gehört! Wir waren auch auf diesen Krieg mit zwei Großmächten zugleich sicher nicht vorbereitet, und Hitler hatte ihn zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt erwartet oder gewollt. Weder die Wirtschaftsadministration noch die Großindustrie hatten die Möglichkeit gehabt, sich zu den bisher geschilderten außenpolitischen Aktivitäten Hitlers vorab eine eigene Meinung zu bilden. Niemand hatte sie unterrichtet oder nach ihrer Meinung befragt.

Mein damaliger Chef, Reichswirtschaftsminister Funk, erfuhr von dem Einmarsch in Österreich, von der Konfliktentwicklung um das Sudetenland und von der Planung des Protektorates so gut wie nichts. Auch Funk war weder nach seiner Meinung gefragt noch angewiesen worden, Vorbereitungen zu treffen. Er war auf die Zeitungen und die öffentlichen Verlautbarungen angewiesen wie wir alle.

Es muß klar gesagt werden: Wir hatten formell, aber nicht tatsächlich ein Reichskabinett, das Beschlüsse faßte. Von den Reichsministern wurde außer v. Ribbentrop nur Göring als quasi Hitler-Stellvertreter, und auch das nicht immer, in frühen Planungsstadien zu Rate gezogen oder in Aktionen eingeweiht. Nicht konkrete Informationen, sondern Gerüchte bestimmten deshalb die “außenpolitische” Szenerie, die z.B. in der Wirtschaftsadministration und der Industrie vom Kenntnisstand über die Aufrüstung abgeleitet werden konnte. Das Thema der Aufrüstung wird daher in einem späteren Abschnitt dieses Beitrages gesondert behandelt.

Zunächst aber erscheint es notwendig, generell etwas über das Verhältnis der Wirtschaft und insbesondere der Industrie und Großindustrie zu Partei und Regierung im Dritten Reich zu sagen, da hier zum Teil selbst bei Historikern abenteuerliche Vorstellungen zu bestehen scheinen.

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Partei und Wirtschaft im Dritten Reich

Man kann und darf hier nicht von der Wirtschaft als einer Art monolithischem Gebilde mit gleichgelagerter Denkweise, gleichgelagerten Interessen und gleichgelagerten politischen Oberzeugungen und Zielen sprechen. So etwas hat es weder im Kaiserreich noch in der Weimarer Republik noch im Dritten Reich gegeben, und so etwas gibt es ja auch heute nicht; man muß also differenzieren. Wenn ich im folgenden eine entsprechende Kurzskizze entwerfe, so möchte ich mich für ein solches Vorhaben in aller Gedrängtheit legitimieren:

Bereits vor 19 33 habe ich in einer Reihe von Wirtschaftsverbänden mitgearbeitet; 1933 bis 1942 war ich Präsident
der Industrie- und Handelskammer für die Niederlausitz und Vizepräsident der Wirtschaftskammer Berlin- Brandenburg.

Etwas später gehörte ich auch dem Präsidium der Reichswirtschaftskammer an. Sehr viele Präsidenten und Geschäftsführer der Kammern im Reichsgebiet waren mir über ein Jahrzehnt hinweg dienstlich und z. T. auch persönlich gut bekannt. In der NSDAP war ich von 1933 bis 19 42 Gauwirtschaftsberater sowie Mitglied der Kommission für Wirtschaftspolitik und kannte aus parteiinternem Verkehr, von Tagungen, Kameradschaftsabenden und anderen Anlässen etwa zwei Drittel der Gauleiter, dazu alle Gauwirtschaftsberater im Reichsgebiet.

Seit meiner ausschließlichen Tätigkeit im und für den Staat in mannigfachen, zuletzt führenden Positionen lernte ich die wichtigsten Persönlichkeiten innerhalb und außerhalb der Wirtschaftsorganisationen dienstlich und viele persönlich zum Teil gut kennen. Ich war also “Mitarbeiter” und “Tatzeuge” zugleich und weiß, wovon ich rede, wenn ich hier folgende Feststellungen treffe:

a) Bauern und Landvolk gehörten zu den ersten und eifrigsten Anhängern Hitlers und stimmten schon zeitig in ihrer Mehrheit für die NSDAP. Schon vor der Machtergreifung wurden viele Spitzenstellungen in den landwirtschaftlichen Organisationen mit Nationalsozialisten besetzt. Gleichzeitig wurden ab 1933 die verbliebenen Groß-Agrarier deutschnationaler Prägung, die zu Zeiten Hindenburgs über und durch ihn politischen Einfluß besessen hatten, fast vollständig aus den Organisationen verdrängt. In dem für das landwirtschaftliche Geschehen nächst dem Reichsernährungsministerium tonangebenden Reichsnährstand, dem alle Landwirte qua Gesetz als Mitglieder angehörten, spielten die Nationalsozialisten die entscheidende Rolle. Der Reichsnährstand und seine Führung identifizierten sich mit Ausnahme der meisten Großagrarier mit Partei und Staat und standen der für ihre Begriffe “kapitalistischen” gewerblichen Wirtschaft eher mit Skepsis gegenüber. Unter anderem hatten sie das Gefühl, zu einer fast vollkommenen Preisstabilität für ihre Produkte angehalten zu werden, obwohl Preisstabilität für ihre Betriebsmittel von der gewerblichen Wirtschaft zunächst nicht zugebilligt wurde. Der Reichsnährstand galt in der “Partei” als ‘weltanschaulich gefestigt’ und fachlich hervorragend. Die Agrarwirtschaft und ihre Organisation erfüllten ihre “Pflicht für Volk und Staat”, wie sie sie sahen, optimal bis zum bitteren Ende.

b) Der gewerbliche Mittelstand, also Handwerk, Einzelhandel und Klemmdustrie, aber auch ein sehr hoher Prozentsatz der Angehörigen freier Berufe gehörten wie die Landwirtschaft frühzeitig zu den Anhängern Hitlers. Als Nebenorganisation der Partei spielte der “Kampfbund für den gewerblichen Mittelstand” bei Wahlen und Propaganda vor 193 3 eine bedeutende Rolle. Das “Gesetz zum Schutze des Einzelhandels” gehörte 1933 mit zu den ersten Gesetzen der neuen Regierung.

c) Das Sparkassen- und Genossenschaftsbankwesen fügte sich bei semer regionalen Verankerung schnell und ohne Reibungen in den NS-Staat ein. Privatbanken und vor allem Großbanken wurden im großen und ganzen als anti-nationalsozialistisch eingestellt beargwöhnt, denn die Partei empfand sich durchaus und eindeutig als “anti-kapitalistisch”, was immer man darunter verstehen mochte. Ein Vorstandsmitglied der reichseigenen Großbank “Reichskreditgesellschaft” wurde als Leiter der Reichsgruppe Banken präsentiert, und Vorstände und Aufsichtsräte der Großbanken wurden nach Ausscheiden jüdischer Mitglieder teilweise mit Anhängern und Sympathisanten des Nationalsozialismus oder solchen, die dafür galten, besetzt, aber die Beziehungen zwischen Partei und Banken waren allgemein mindestens kühl.

Einen ins Gewicht fallenden wirtschaftlichen oder gar wirschaftspolitischen Einfluß hatte die Bankenwelt nicht. Sie erholte sich nur langsam von der Bankenkrise 1931/32 (Zusammenbruch von Darmstädter und Dresdner Bank). Nach zwei bis drei Jahren rascher Vollbeschäftigung im Dritten Reich gewannen sie an Kraft und Unternehmungsgeist und waren sehr aktiv in der Ausbreitung ihres {auch industrielle ) Interessenbereiches auf Österreich, das Sudetenland und das Protektorat und die wiedergewonnenen Ostprovinzen des Reiches. Erstrebte Aktivitäten auch in den besetzten Westgebieten mußten gebremst werden.

Dr. Hjalmer Schacht wurde gewiß nicht von den Banken als Reichsbankpräsident und später als Reichswirtschaftsminister präsentiert oder auch nur begünstigt sondern Schacht startete als Einzelgänger in der Harzburger Front und suchte Anschluß an Kepplers Freundeskreis und Hitler selbst. Als geschäftsführender Reichswirtschaftsminister von 1934 bis 1937 wurde er von der Großindustrie als Schutzherr aufgebaut und zum Teil – z.B. im Streit mit der Stahlindustrie über die Errichtung der Reichswerke “Hermann Göring” – politisch mißbraucht.

Er gerierte sich bald bewußt, beinahe parteifeindlich. Seine Abneigung wurde in der “Partei” kräftig erwidert. Der mit Göring 1937 entbrennende Streit um dessen Weisungsbefugnisse als Beauftragter für den Vierjahresplan gegenüber Schacht als Reichswirtschaftsminister war aber die eigentliche Ursache seines Sturzes als Reichswirtschaftsminister.

d) Bereits vor dem Machtwechsel im Jahre 1933 gab es in den Reihen der Unternehmer aus derKlein- und Mittelindustrie eher vereinzelt überzeugte Anhänger der NSDAP und in größter Zahl Sympathisanten. Der rasche Erfolg der Arbeitsbeschaffungspolitik der NS-Regierung, die etwa ab 1937 in Vollbeschäftigung mündete, die nationalsozialistische Sozialpolitik (Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit und Aktivitäten der Arbeitsfront) und die Festigung des Nominallohnniveaus (die Nebenleistungen stiegen erheblich) beseitigten anfängliche Skepsis und veranlaßten bald zahlreiche Industrielle zu vertrauensvoller und engagierter Zusammenarbeit und zur Bereitschaft zu umfassender ehrenamtlicher Tätigkeit in den Wirtschaftsorganisationen. Die Industrie- und Handelskammern und ihre Spitzenorganisationen wurden daher bald ganz überwiegend von aktiven Nationalsozialisten geleitet, die auch das Vertrauen der örtlichen Parteiorganisationen besaßen. Ebenso fanden sich für die Leitung und die Beiräte der zentralen Wirtschaftsgliederungen, wie Fachgruppen, Wirtschaftsgruppen und Reichsgruppen, eine Fülle von Unternehmerpersönlichkeiten zu intensiver Mitarbeit und großem Kräfteeinsatz bereit. Das alles gilt für die Kreise
der Klein- und Mittelindustrie, also vor allem die Unternehmer der Verbrauchs- und Gebrauchsgüterindustrie und der Produktionsgüterindustrie im weitesten Sinne. Sie waren es schon im Kaiserreich und in der Weimarer Republik nicht gewöhnt, etwa über die politischen Parteien ins Gewicht fallenden Einfluß auf die Wirtschaftspolitik nehmen oder gar die “große Politik” beeinflussen zu können. Dazu reichte z.B. selbst das Gewicht der “Deutschen Volkspartei”, die in der Weimarer Republik der Industrie besonders nahestand, nicht aus.

e) Eine besondere Rolle außerhalb und neben der allgemeinen Industrie hatte politisch schon in der Weimarer Republik die “Schwer- oder Großindustrie” gespielt, zu der man im allgemeinen etwa die eisenschaffende Industrie, den Bergbau, die Großchemie, die Großelektroindustrie und Teile des Schwermaschinenbaus zählte, schließlich auch Großwerften und den Rüstungssektor, der aber in der Weimarer Republik quantitativ nur eine eher bescheidende Rolle spielte. Klar abzugrenzen war der Begriff “Großindustrie” nicht so leicht.

Es waren eben die “Großen”, die man mehr an ihren Familiennamen als den Firmennamen kannte: Krupp, Thyssen, Röchling, Stumm, Klöckner, Pönsgen, Vögler, Siemens, Bosch, Helfferich, Schaffgotsch, Friedrich Flick und natürlich die IG-Farben AG und manche andere. Sie verschafften sich vor 1933 durch besonders organisierte und gepflegte direkte Beziehungen zu Regierungskreisen im weitesten Sinne, zu Diplomaten, Ministerialbeamten, Großbanken und Reichswehrdienststellen Informations- und Einflußmöglichkeiten auch außerhalb des Verbandswesens, über die andere Industrielle nicht verfügten. Dieses Informations- und Einflußnetz wurde dadurch untermauert, daß mit Hilfe von ansehnlicher finanzieller Unterstützung der “wirtschaftsfreundlichen” Parteien wie der Deutschnationalen Volkspartei und der Deutschen Volkspartei (DVP) Gewährsmänner als Abgeordnete lanciert wurden oder einige Industrielle sich gar selbst als Abgeordnete im Reichstag aufstellen ließen, wie Hugenberg, Helfferich, Vögler und andere.

Ich habe in den zwanziger Jahren selbst in der DVP, deren Mitglied ich damals war, beobachtet, wie hinter den Kulissen agiert wurde: nüchtern, sachbezogen, eher harmlos und naiv als raffiniert oder gar diabolisch. Auch an Presseorganen besaß man Beteiligungen oder unterstützte sie finanziell. Hugenberg gar schuf für die Deutschnationale Volkspartei ein eigenes Presseimperium und erwarb die UFA als Filmmedium. Bei dem verhältnismäßig engen Kreis der in der Weimarer Zeit in Politik und Regierung wirklich echten Einfluß ausübenden Persönlichkeiten stellte die Großindustrie vor allem in Wirtschafts-, Finanz-, Steuer-, Handels- und Rüstungspolitik
(nicht in der Außenpolitik) einen Einfluß ausübenden Block dar, wenn er auch bei der parlamentarischen Stärke von Sozialisten, Kommunisten und Zentrum beileibe nicht die Macht und den Einfluß hatte, den die Kommunisten ihnen als angeblich hinter den Kulissen herrschendem “Monopolkapital” andichteten. Sie erstrebten – außer vielleicht Hugenberg – auch nicht politische Macht. Sie wollten die Geschäftsinteressen ihrer Großunternehmen im In- und Ausland und bei Staatsaufträgen sichern und fördern und allzu große Steuer- und Soziallasten abwehren. Sie konnte auch parlamentarisch vielleicht manches verhindern und umbiegen, aber bewirken konnten sie wirklich Wichtiges nicht.

Vor dem Nürnberger Gericht hat Friedrich Flick bekannt:

Ein Unternehmen müsse mit jeder Regierung leben und arbeiten können. Er habe daher auch in der Weimarer Zeit alle parlamentarischen Parteien – und deren gab es viele – immer mit Geld unterstützt, “mit Ausnahme der Kommunistischen Partei”. Aber der politische Einfluß der “Großindustrie” reichte nicht soweit, daß in der Zeit der Weimarer Republik auch nur eine einzige Regierung auf die Beine gestellt wurde, die die Kraft und Fähigkeit besessen hätte, die finanziellen und industriellen Probleme der deutschen Wirtschaft nach dem Währungszusammenbruch einer Lösung entgegenzuführen, die im vollen Gange befindliche Verelendung des deutschen Volkes zu stoppen und eine neue Vertrauensbasis zu schaffen.

Im März 1930 beauftragte der Reichspräsident v. Hindenburg Heinrich Brüning, ein erstes “Präsidialkabinett” zu bilden. Die Weimarer parlamentarische Republik als solche war damit am Ende.

Der in jeder Beziehung Respekt verdienende Dr. Brüning hatte den in den letzten Jahren der parlamentarischen Demokratie verlorengegangenen Mut zum Regieren. Ihn umgab jedoch von Anbeginn an die Aura einer gewissen Weltfremdheit; es war wahrscheinlich auch seine asketische Gesinnung und die auf den Reichshaushalt fixierte Betrachtungsweise, die ihm den Einblick in die tatsächliche wirtschaftliche und soziale Lage des deutschen Volkes versperrte und ihn auf den völlig unlogischPn Weg führte, eine in rapidem Abschwung befindliche kranke Wirtschaft durch massive Deflation heilen zu wollen.

Auf den Kampf um die Beseitigung der Reparationen fixiert und der Außenpolitik zugewandt, kam es ihm nicht ausreichend zum Bewußtsein, daß er ein Volk und eine Wirtschaft regierte, die durch ständige steigende Arbeitslosigkeit einer totalen Hoffnungslosigkeit und Verelendung verfielen.

Der letzte Reichskanzler der Weimarer Republik, der in wirtschaftlichen Dingen ahnungslose Reaktionär v. Papen, war an sich vielleicht ein Mann nach dem Herzen von Großagrariern und Großindustrie. Sie hatten Einfluß auf ihn, nur er selbst hatte auf niemanden und nichts Einfluß und verschwand so schnell wie er gekommen war. Hitler wurde Reichskanzler.

Für die Großindustrie kündigte sich eine neue Ära schon 1930 an, als 107 Nationalsozialisten in den Reichstag gewählt wurden.

Man muß es ganz drastisch sagen: für die Großindustrie brach mit der Machtübernahme Hitlers am 30. Januar 1933 die politische Informations- und Einflußposition, die sie sich in den 15 Weimarer Jahren geschaffen hatte, ersatzlos zusammen. Die bisherigen parlamentarischen Stützpunkte und Beziehungen im Reichstag verloren ihren Wert, Presse- und Filmbeeinflussung waren nicht mehr möglich, die befreundeten Deutschnationalen verschwanden sehr bald aus der Regierung von Reich und Ländern. Die Diplomatenkreise wurden durchforstet. Kaum ein altbekannter Landrat, Oberbürgermeister, Regierungspräsident oder Oberpräsident blieb auf seinem Posten. Wohin man sah: neue Leute. Nur die Verbindungen zur mittleren Ministerialbürokratie blieben bestehen, aber ihr Einfluß war stark gemindert. Für die fachlichen Industrieverbände, die Präsidenten der Industrie- und Handelskammern und für die Reichsgruppe “Industrie” waren die bisherigen Exponenten der Großindustrie nicht mehr gefragt und nur wenige geduldet. Denn die NSDAP war in ihrem Selbstverständnis zweifellos antikapitalistisch. Die Großindustrie stand politisch vor einem Vakuum. Man muß dies alles mit aller Deutlichkeit sagen, um die ganze Unsinnigkeit der Behauptungen klarzulegen, die ursprünglich von kommunistischer Seite lanciert und von zahlreichen “Historikern” der “DDR” schnell aufgegriffen wurde:

Die Wirtschaft oder die Großindustrie hätten Hitler an die Macht gebracht bzw. vor und nach der Machtergreifung finanziert. Das hat mit den Tatsachen nichts gemein. Natürlich konnten im Jahre 1932 und Anfang 1933 die Großindustriellen nicht wissen, wie das alles 1933/34 kommen würde. Aber sie begannen es zu ahnen, als Papen für sie zum ‘Fehlschlag’ wurde. Erst ab 1932 wurden neue Verbindungen zur NSDAP geknüpft (die wirkliche Bezeichnung “nationalsozialistische Arbeiterpartei”) war ihnen fatal.

Es war schwer genug und geschah – von weniger bedeutenden regionalen Kontakten abgesehen – zentral für das Reichsgebiet als Ganzes im wesentlichen auf vier Wegen. Hitler gab seinem damaligen Wirtschaftsberater Wilhelm Keppler, einem sehr erfolgreichen badischen Fabrikanten, die Anregung, zur Erweiterung seines Gesichtsfeldes und zur Vorbereitung seiner gesamtwirtschaftlichen Informationen und Beziehungen informelle Berater um sich zu scharen, und so entstand der “Keppler-Freundeskreis”. zu dem später Himmler Beziehungen aufnahm. Keppler gewann Persönlichkeiten seines Bekanntenkreises zunächst aus der mittelständischen Industrie dafür. Je näher die Stunde X rückte, um so leichter ging es. Aber es wurden dafür keine Leute präsentiert, sondern höchstens akzeptiert und sie mußten von Kepplers Art sein, große wirtschaftliche Erfahrung sowie einen gesunden Menschenverstand besitzen, eher bieder, weder ehrgeizig noch großspurig sein. Schacht gehörte lose dazu und führte seinen Mitarbeiter Blessing ein. Aus dem Reichsfinanzministerim gehörte dazu Ministerialdirektor Olscher, ferner ein HelferichBruder, der ein erfolgreicher Textilindustrieller war, der Bankier Baron v. Schröder, der ehemalige U-Boot-Kommandant Steinbrink aus der Flick-Gruppe, sowie Bosch und Oetker; zu Siemens bestanden Beziehungen.

All das ist mehr oder weniger bekannt. Ich habe sie später nach 1933 alle gekannt, und es ist viel darüber geschrieben worden. Von der Gestaltung der Zukunft war die Rede, von der Oberwindung der Arbeitslosigkeit, aber wenig von Geld: dazu war Keppler zu schüchtern und ungelenk – nicht der richtige Mann . Aber in der Zeit knappen Geldes wurden auch aus diesem Kreis Mittel flüssig gemacht für die Reichsleitung der NSDAP. Gauleitungen, Kreisleitungen, Ortsgruppen mußten sich selbst finanzieren . Verständlicherweise flossen die Gelder ab 1933 etwas reichlicher . Eine weitere Verbindung lief über “Bürgermeister Winkler” und über Walter Funk, damals in der Industrie, vor allem in der Schwerindustrie, als höchst fähiger Chefredakteur der “rechten” Berliner Börsenzeitung und Wirtschaftskenner bekannt und angesehen. 1933 wurde er Staatssekretär bei Goebbels und 1938 Reichswirtschaftsminister . Er verstand sich schon mehr aufs Geld und machte manchen Scheck locker, nicht ohne seine Geldgeber – darunter auch “Staatsrat” v. Stauss von der Deutschen Bank – lobend herzustellen. Er brachte seine Freunde und Gönner mit Hitlers rechter Hand, Hermann Göring, zusammen, der eine geschickte Art hatte, der Spendenwilligkeit nachzuhelfen. Göring war schließlich für Funks Freunde endlich einmal “aus unserer Kiste” – so sagte man damals -, mit dem man reden konnte: Jagdflieger aus dem Ersten Weltkrieg und Pour-le-meriteTräger. Schließlich war da noch der große Thyssen, der das “berühmte” Industriellentreffen in Düsseldorf arrangiert e und Hitler Gelegenheit zu einer Rede vor diesem “erlauchten” Kreis der echten Großindustrie gab und auch für Zahlungen an die Partei sorgte.

Aber das waren keine Riesensummen (sie wuchsen später mit den Erfolgen):

100.000 bis 150.000 RM pro Unternehmen – einer soll sogar einen Scheck über 250.000 RM ausgestellt haben; in den Zeiten der Wirtschaftskrise war das auch für Unternehmer viel Geld.

Für die NSDAP aber waren das damals nur Tropfen auf einen heißen Stein des Geldbedarfs, der durch die politische Propaganda und die mit großer Kraft geführten Wahlkämpfe und die Herausgabe von Parteizeitungen entstand. Ortsgruppen, Kreisleitungen und Gauleitungen, die vor 1933 ganz überwiegend mit ehrenamtlichen Mitarbeitern und freiwilligen Helfern arbeiteten , finanzierten sich aus den Monatsbeiträgen und Spenden ihrer Mitglieder , die damals schon die Millionengrenze überschritten hatten, und die Flut von Versammlungen und der große Druckaufwand wurden durch die Millionenscharen von Wählern finanziert (Hitler erhielt bei der Reichspräsidentenwahl 1932 = 11,3 Millionen Stimmen), die bei allen Kundgebungen, Wahlveranstaltungen und Straßensammlungen “für den Kampfschatz der NSDAP” in die überall entgegengehaltenen Sammelbüchsen ihr Geld steckten oder die offen oder diskret ihre nicht immer kleinen Scherflein bei der Ortsgruppe ablieferten.

Die Reichsleitung wurde innerhalb der Partei durch eine Art Matrikularbeiträge finanziert (wie die Länderbeiträge an das Reich heißen ). Aber die Aufwendungen für die überallhin zu Veranstaltungen fahrenden oder – wie Hitler – im Flugzeug reisenden führenden Nationalsozialisten, die im ganzen Lande sprachen, waren groß. Da kamen die Zahlungen der Ind ustrie natürlich äußerst gelegen, aber lebenswichtig für Kampf und Sieg Hitlers waren sie ganz gewiß nicht, sondern eine angenehme Beigabe, mehr nicht. Die Finanzierung der Großindustrie hat Hitler bestimmt nicht zur Macht verholfen! Für die Relationen ein Beispiel:

Für das erste Winterhilfswerk 1933 (!), also noch zur Zeit großer Not, wurden vom Volk damals – man muß das in Beziehung zu der damaligen hohen Kaufkraft des Geldes sehen – 350 Millionen RM gespendet! Nach damaligen Schätzungen entfielen davon auf Großspenden nicht mehr als 50 bis 75 Millionen Mark. Der größere Teil wurde in Form von Mittel- und Kleinbeträgen aufgebracht!

……….

Großindustrie und Staat im Dritten Reich

Um es gleich hier zu sagen:

Weder hat sich die Großindustrie als Gruppe Einfluß erkauft, noch hat sie zu irgendeiner Zeit wirklich ins Gewicht fallenden Einfluß besessen.

Vor 1933 und nach 1933 waren die Großindustriellen als Gruppe, als Einzelpersonen und als Unternehmensleiter unsicher, was sie von einer nationalsozialistischen Regierung halten und von ihr erwarten sollten. In ihrer Mehrzahl und als Gruppe verhielten sie sich daher eher abwartend, skeptisch oder auch besorgt. Das gilt besonders für die Zeit bis zum Röhm-Putsch, zum Tod Hindenburgs und bis zum Ausscheiden Bugenbergs aus der Regierung. Danach wirkte das Regime konsolidiert , kraftvoll und zielbewußt. Hitler hatte Partei und Staat vollends im Griff, der soziale Friede schien stabilisiert, dem Elend der Arbeitslosigkeit war das Rückgrat gebrochen, die Kaufkraft wuchs, Produktion und Volkseinkommen stiegen stetig, Erfolge der Landwirtschaftspolitik und der landwirtschaftlichen Marktordnung wurden sichtbar. Der revolutionäre Sturm war vorüber. Man konnte wieder hoffen, so schien es.

Die Fülle der öffentlichen Investitionen und die ersten Auswirkungen der Remilitarisierung machten sich in Bauwirtschaft und Schwerindustrie bemerkbar, und große Investitionen in der Rohstoffwirtschaft standen vor der Tür. Die ersten Rüstungsaufträge wurden erteilt, eine Luftfahrtindustrie ins Leben gerufen, die Werften erhielten Aufträge ; die Wirtschaftsbelebung war unverkennbar. Zugleich war der politische Horizont weniger umwölkt. Die außenpolitischen Aktivitäten Hitlers erschienen allerdings äußerst gewagt, aber der Austritt aus dem Völkerbund, die militärische Besetzung des linksrheinischen Gebietes gingen ohne besonderen Eklat vorüber, mit Großbritannien wurde ein Fl ottenabkommen geschlossen, mit Polen eine Art Nichtangriffspakt, zu Italien entwickelten sich freundschaftliche Beziehungen, beiderseitig nützliche Warenaustauschverträge mit den Staaten Südosteuropas kamen hinzu; die Olympischen Spiele in Berlin 1936 waren auch ein internationaler Erfolg; der überraschende, sensationelle Anschluß Osterreichs wurde akzeptiert.

Da folgte ein entsetzlicher Rückschlag:

Die Ereignisse der “Reichskristallnacht” (9.11.1938) und die völlig unerwartete und unlogische Verschärfung der antisemitischen Maßnahmen schufen im Inneren Empörung und Unsicherheit zugleich. Sie verschlechterten aber auch das außenpolitische Klima in aller Welt und brachten schwere Einbrüche im Export. Die Industrie war wieder schockiert und verunsichert. Sie erhob, wohl hauptsächlich mit dem Hinweis auf die Schädigung der außenwirtschaftliehen Beziehungen, Vorstellungen, fühlte sich aber mehr oder weniger hilflos – und war es auch. Hatte man doch nicht einmal die Möglichkeit gehabt, das Ausscheiden Schachts als Reichswirtschaftsminister, das die Großindustrie schockierte, zu verhindern. Trotz vieler guter persönlicher Beziehungen, vor allem zu vielen Wehrmachtsdienststellen, zu Göring und seinem Stabe, konnte von politischem Einfluß keine Rede sein. Zu mehr als der Möglichkeit persönlicher Vorstellungen im Interesse der eigenen Unternehmungen, in Fragen staatlicher Aufträge oder gewünschter Beteiligungen an Neuinvestitionen (leider auch an Arisierungen) oder Problemen minderen Ranges hinaus reichten Beziehungen und Einfluß nicht. Der einzige frühere Versuch der Stahlindustrie, 1936 gegen die Gründung der Stahlwerke in Salzgitter auf der Basis deutscher Eisenerze anzugehen, scheiterte gänzlich.

Außenminister von Ribbentrop unterhielt kaum Beziehungen zur Industrie; er gerierte sich ziemlich unnahbar. Beziehungen zum Auswärtigen Amt nützten nichts, da von Ribbentrop selbst zu seinem eigenen Ministerium eher lose Beziehungen unterhielt. Am Entscheidungsprozeß in wichtigen politischen Fragen war das AA schon aus Gründen der Gehehrthaltung viel weniger beteiligt als früher; daneben gab es keine Organisation, die es einer noch so wichtigen Gruppe ermöglicht hätte, auf außenpolitische Entscheidungen oder sonst auf die Außenpolitik einzuwirken. Der Führungsstil Hitlers ließ das einfach nicht zu. Bekanntlich wurde nicht einmal das Reichskabinett zu Rate gezogen, geschweige denn an der Entscheidungsfindung beteiligt. Hitler war offenbar bei seinen außenpolitischen Aktivitäten der Meinung, daß nur äußerste Geheimhaltung erfolgreiches Handeln ermögliche.

Insoweit war also der Regierungsstil rein diktatorisch. Das galt aber nur für die Angelegenheiten, die Hitler selbst an sich zog.

Es gab auch keine Organisationszentrale, keinen allumfassenden Befehlsfluß von oben nach unten, keinen Informationsprozeß von unten nach oben. Hitler wollte nur auf ausdrückliches Verlangen informiert oder um Weisungen angegangen werden. Göring, jeder Reichsminister und alle etwaigen Sonderbevollmächtigen in allen Ebenen hatten freie Entscheidungsbefugnis in ihrem Arbeitsbereich. Zu übergeordneten wirtschaftlichen oder rüstungspolitischen Problemen wurden – wenn auch selten – Einzelpersönlichkeiten – nicht Gruppen – als Sachverständige von Göring, oder im Kriege von Hitler selbst hinzugezogen. Die Wehrmachtsteile bedienten sich zwar im breiten Umfang der Mitarbeit sachverständiger Persönlichkeiten der Wirtschaft und in technischen Fragen der Rüstung, aber das alles hatte mit Politik und mit politischem Einfluß nichts zu tun. Die Wirtschaft trat nicht als Partner oder gar gleichberechtigter Partner des Staates auf, sondern eher als nachgordnetes Organ, etwa als Diener des Staates, wie die Beamtenschaft oder auch die Wehrmacht.

Das Wesen des Führerstaates, der Diktatur manifestierte sich hauptsächlich darin , daß Staat und Regierung eine höhere Ebene einnahmen als z.B. in der Weimarer Republik; denn – so die Staatsphilosophie – allein die NSDAP und ‘der Führer’ repräsentierten den Volkswillen und vollstreckten ihn. Es gab keine Parteien neben der NSDAP; die früheren waren aufgelöst worden. Es gab keine wirtschaftlichen, sozialen oder “gesellschaftlichen” Kräfte, die als Partner der Regierung hätten auftreten oder sich als solche fühlen können oder die Forderungen von Gruppen hätten annehmen können. Als in völliger Verkennung dieses Prinzips ein gewisser Kessler sich 1933 als “Führer der Wirtschaft” etablieren und als solcher dem Reichswirtschaftsminister gegenüber als gleichberechtigter Partner zu agieren beginnen wollte, wurde er mit Zustimmung Hitlers von dem damals amtierenden beamteten Staatssekretär des Reichswirtschaftsministeriums Posse sofort abberufen. Der Nicht-Nationalsozialist Dr. Schacht war es dann, der 1934 durch das Gesetz zur Vorbereitung des organischen Aufbaus der deutschen Wirtschaft und die Folgegesetze eine sehr logische und gekonnte lückenlose Wirtschaftsorganisation aufbaute, die den Weisungen des Reichswirtschaftsministers, d.h. des Staates unterstand und die auch in Personalfragen seiner Zustimmung bedurfte.

Diese Wirtschaftsorganisation sollte den Grundsatz verwirklichen:

Staatliche Direktive, wirtschaftliche Exekutive. Die NSDAP als Partei hatte so gut wie keinen Einfluß auf diese Wirtschaftsorganisation, die sich im Frieden z.B. vor allem auch in der Organisat ion der Außenwirtschaft und im Kriege in der Mitwirkung an der Kriegswirtschaft außerordentlich als Instrument des Staates bewährte. Außer dieser Wirtschaftsorganisation gab es noch andere Verzahnungen des Staates in der Wirtschaft. Etwa in der von Schacht initiierten “Pflichtgemeinschaft der deutschen Braunkohlenindustrie” als finanzieller Basis der Treibstoffhydrierung aus Braunkohle oder in der von Hitlers Wirtschaftsbeauftragtem Wilhelm Keppler forcierten Heranziehung von Wirtschaftlern für die staatliche Exekutive. Professor Krauch (IG- Farben) wurde zum Vorsitzenden des Vorstandes der von der “Pflichtgemeinschaft” getragenen Braunkohlen-Benzin-AG berufen und brachte viele Mitarbeiter aus den “IG-Farben” mit. Er wechselte über in Görings “Amt für Deutsche Roh- und Werkstoffe” und wurde später auch Leiter der Reichsstelle für Wirtschaftsausbau und Görings “Generalbevollmächtigter für Sonderaufgaben der Chemie”. Die breite Beteiligung der IG-Farben AG war beinahe selbstverständlich, denn der größte Teil der Erfindungen synthetisch erzeugter Rohstoffe beruhte auf jahrelangen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten der IG. Für die anderen Rohstoffarten berief Keppler in seinen Rohstoffstab Pleiger und mich als Wirtschaftler.

Das Prinzip: Wirtschaft durch Wirtschaftler führen zu lassen, dehnte sich im Frieden und Krieg bis in die Ära Speers hinein immer mehr aus. Aber alle, die so berufen wurden, schieden damit sozusagen automatisch aus den Reihen der Wirtschaft aus und wurden wegen ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten im Nebenberuf Staatsbeauftragte und hatten sich dessen bewußt zu sein; sie waren es ganz überwiegend auch. Im Prinzip konnte man sagen:

nicht die IG-Farben hatten über Krauch Einfluß auf den Staat, sondern der Staat hatte über Krauch Einfluß auf die IG. Und nicht die Stahlindustrie gewann über Pleiger Einfluß auf den Ausbau der Stahlkapazitäten, sondern umgekehrt.

……….

Die Speer – Ära

Und in der Speer-Ära: Die zahlreichen Ausschuß- und Ringleiter aus der Wirtschaft in Speers Rüstungsministerium regierten für Speer die Wirtschaft und nicht etwa Speer für die Wirtschaft . Nicht die Kohlenindustrie hatte durch die spätere Reichsvereinigung Kohle (RVK) Einfluß auf den Staat, sondern die RVK vollstreckte – exekutiv selbständig – die Direktiven des Staat es. Daß bei der außerordentlichen Breite, die dieses Prinzip gewann, nicht alle Wirtschaftler sich schnell genug in die Rolle von Nur-Staatsbeauftragten finden konnten und es so zu Interessenkonflikten kam, soll nicht verkannnt werden. Aber jede Regelung und jedes Prinzip ist beinahe vollko mmen, wenn es zu 80% funktioniert, und das war damals sicher der Fall . Im Kriege identifizierten sich Hunderte von Wirtschaftlern mit dem Staat, der ja uneingeschränkt – ob wir es wollten oder nicht – Wohl und Wehe seiner Bevölkerung in den Händen hielt. Die Frage einer Opposition oder gar Revolution der Wirtschaft stellte sich zu keinem Zeitpunkt, auch nicht bei denen, die ihr Vertrauen zum Staat verloren hatten oder ihn mißbilligten. Die auch von Historikern gestellte Frage, warum “unternahm” die Wirtschaft nichts, ist irreal. Sie hatte keine Macht, sie hatte niemanden, auf den sie sich bei Staatsstreich-Gedanken hätte stützen können. Sie saßen in einem Boot in schwerem Sturm:
Schaukeln versprach keine Rettung. Auch die Offiziersverschwörung des 20. Juli hatte ja niemanden hinter sich. Sie wußten es nur nicht.

Bis zu welcher Groteske “Historiker” der “DDR” das Verhältnis zwischen Staat und Wirtschaft verzerren können, zeigt die Behauptung, daß Kehrl als “Beauftragter des Monopolkapitals” in der zentralen Planung der eigentliche Macher war und die Mitglieder der Zentralen Planung nur Staffage. Es hat sicher niemanden in der Großindustrie gegeben, der auch nur für einen Augenblick ausgerechnet mich mittleren Industriellen als “Beauftragten der Großindustrie” angesehen hätte, zumal ich auch noch als Nationalsozialist bekannt war.

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Wirtschaft und Aufrüstung im Dritten Reich

In einem früheren Abschnitt dieses Beitrages wurde bereits dargelegt, daß weder die Wirtschaftsadministration noch die Industrie über die beabsichtigten außenpolitischen Aktivitäten Hitlers und über seine langfristigen außenpolitischen Ziele, wenn es solche überhaupt gegeben haben sollte, unterrichtet waren. Eine Aussöhnung mit Frankreich wurde auf den verschiedensten Ebenen auch in der Parteiorganisation betrieben:

Ein endgültiger Verzicht auf Elsaß- Lothringen, nicht aber auf das Saargebiet wurde propagandistisch vorbereitet. Großbritannien, Belgien und Holland galten außenpolitisch und militärisch, so viel man wußte, als tabu. Den einzigen echten, weil nicht zu verheimlichenden Hinweis auf Möglichkeiten künftiger kriegerischer Verwicklungen gaben Remilitarisierung und Aufrüstung. Jeder aufmerksame Beobachter in Wirtschaftsadministration und Industrie konnte aus Kasernen- und Flugzeugbau, aus der Garnisonvermehrung, aus den neuerrichteten Flugzeugwerken und ihrem Ausstoß sowie aus den Bestellungen von Bekleidung und Ausrüstung einerseits und aus Waffenaufträgen andererseits seine Schlüsse ziehen.

Der durch das 100.000 Mann-Heer bedingte Nachholbedarf bei allen Waffengattungen war so groß, daß mindestens bis 1938 nichts Auffallendes in Erscheinung trat , was auf weit gesteckte Ziele hätte schließen lassen. Wohl wurde Dr. Schacht 1936 in seiner Eigenschaft als Reichswirtschaftsminister “für den Fall drohender Kriegsgefahr” – so genannter MOB-Fall (Mobilisierungsfall) – zum “Generalbevollmächtigten für die Wirtschaft” (GBW) (inklusiv Agrar-, Finanz- und Arbeitsressort) bestellt und ein System von Mobilmachungsvorbereitungen in allen Ministerien institutionalisiert, doch war dies nicht Aufsehen erregend. Das 100.000 Mann-Berufsheer hatte Mobilmachungsvorbereitungen nicht nötig gehabt: es war ein Kader-Heer gewesen. Als Funk in der Nachfolge von Schacht 1938 Reichswirtschaftsminister wurde, wurde auch er GBW; Funk war sicher keine martialische Gestalt, wie man sich einen Generalbevollmächtigten im Kriege vorstellen konnte. In seiner Eigenschaft als GBW wurde ihm ein Staatssekretär nur für die Mobvorbereitungen zunächst mit dem beamteten Staatssekretär Dr. Posse beigegeben. Im RWM und in militärischen Dienststellen witzelte man, daß diese beiden Personalentscheidungen “ein überzeugender Friedensbeweis” Hitlers wären. Beide waren als “Krisenmanager” im Kriege schwer vorstellbar.

Im Programm des Vierjahresplanes, der mir in seiner Gesamtheit, auch des militärischen Sektors, damals bekannt wurde, war nichts enthalten, was nicht sinnvollerweise auch in denselben Größenordnungen ohnehin aufgrund des Devisenmangels und des Rohstoffeinfuhrbedarfs unserer Industriewirtschaft hätte getan werden müssen, wenn auch gleichzeitig die im Amt für Deutsche Roh- und Werkstoffe und im Wirtschafts- und Rüstungsstab des Generals Thomas tätigen Offiziere nicht müde wurden, sogenannte “Forderungen der Wehrmacht” auf allen Gebieten als vordringlich zu repräsentieren. Aber eigentlich wären nur die Kapazitäten für Flugtreibstoff und Sprengstoffe und ihre Vorprodukte und vielleicht Aluminium für die Luftwaffe für die erwartete gesamtwirtschaftliche Entwicklung im Friedensfall in dieser Größenordnung nicht nötig gewesen. Von einem echten methodischen Gesamtplan für die Wehrmacht, die einen großen Krieg hätte führen sollen, war damals nichts wahrnehmbar. Es gab viele, oft nicht zusammenhängende Einzelplanungen zahlreicher Dienststellen (nach dem bewährten militärischen Grundsatz: zuviel fordern schadet nie, Unterdeckung macht Ärger). Von einer durchdachten, auf einen großen Krieg abgestellten Planung aber konnte überhaupt keine Rede sein. Noch nicht einmal über den echten Bedarf war man sich auch nur einigermaßen klar. In dem über Erwarten kurzen Polenkrieg 1939 hatte sich z. B. die Luftwaffe an Bomben total verworfen, d.h. man war am Ende des Krieges fast ohne Bestände. Für den Frankreichkrieg aber war das Vielfache des Munitionsbedarfes der Artillerie vorhanden. (im “Blitzkrieg” kam die Artillerie weniger zum Schießen, als man errechnet hatte).

(Aus den Rüstungsplanungen konnte weder die Wirtschaftsadministration noch die Rüstungsindustrie das Bevorstehen eines großen  Krieges, geschweige denn eines Weltkrieges ablesen oder auch nur erahnen. Nicht zuviel ist behauptet, wenn ich sage: die eigentliche echte Aufrüstung für den Krieg begann erst im Kriege!
Auch militärische Tatsachen beweisen das eindeutig!)

Ende August 1939, vor Ausbruch des Polen-Krieges, wurden in großer Breite über Nacht Angehörige der Jahrgänge 1896-1900 zur Wehrmacht eingezogen, um die aktive Truppe mit Soldaten aufzufüllen, die aus dem Ersten Weltkrieg über Kriegserfahrungen verfügten. Die Mannschaften, Unteroffiziere und Feldwebel sollten die aktiven Einheiten sozusagen durch ein Korsett Kriegserfahrener abstützen. Diese Jahrgänge wurden bald nach Beendigung des Polen-Krieges wieder entlassen.

Bei Beginn des Krieges im August 1939 waren die Nachbarn des Deutschen Reiches ihm an militärischen Einheiten und Zahl der kriegsbereiten Soldaten weit überlegen, auch wenn man nur Frankreich und Polen berücksichtigt. Nach dem Aufmarsch gegen Polen verbleiben für die Westfront ganze 18 Reservedivisionen, acht aktive Divisionen und keine einzige Panzerdivision. Ihnen standen 110 französische Divisionen gegenüber! Unsere Treibstoffvorräte deckten bei Kriegsausbruch einen angenommenen Bedarf von 4 bis 5 Monaten bei voller Mobilisierung.

Remilitarisierung und Rüstung waren bei Ausbruch des Weltkrieges zwar in vollem Umfang angelaufen, hatten aber bei weitem noch nicht die Stärke der uns umgebenden Streitkräfte erreicht. Es war daher nur natürlich, daß Wirtschaftsadministration und Industrie rein gefühlsmäßig, ohne Kenntnis der exakten militärischen Zahlen, die Entwicklung seit dem Münchener Abkommen mit großer Sorge und tiefer Skepsis verfolgten. Hier war die Entwaffnung der Tschechoslowakei durch militärische Erpressung der eigentliche Wendepunkt. Hitler hatte in München eine Garantie für die Rest-Tschechei zwar nicht schriftlich abgegeben, aber eindeutig in Aussicht gestellt; erstmalig wurden Nichtdeutsche der Souveränität des Reiches unterstellt. Beides mußte uns – so unsere Meinung – das Vertrauen der Welt kosten. Die Eröffnung des Krieges gegen Polen und die Kriegserklärung Englands und Frankreichs stießen dann die Tore zu einer gefahrdrohenden Zukunft weit auf.

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Krieg als Ausweg?

War die Aufrüstung für die Besserung der wirtschaftlichen Binnenstruktur des Reiches notwendig?

Hat gar die gesamtwirtschaftliche Situation 1938/39 Hitler zum Kriege getrieben, um seine Popularität mit neuen Erfolgen vor dem Sinken zu bewahren oder weil die Wirtschaftslage ihn zu dieser expansionspolitischen Ersatzhandlung zwang?

Beide Thesen kann man nur als völlig aus der Luft gegriffen, ja absurd bezeichnen.

1. Hitlers Popularität war, wie schon geschildert, 1938/39 auf einem kaum noch zu überschreitenden Höhepunkt angelangt. Politisch war die volle Einbeziehung des linksrheinischen Gebietes in die Souveränität des Reiches erreicht, die Eingliederung Österreichs und des Sudetenlandes, die vom ganzen Volk gebilligt wurde, war ohne einen Schwertstreich gelungen. Das Saargebiet gehörte wieder voll zum Reich. Die diskriminierenden Einschränkungen des Versailler Vertrages auf dem militärischen Gebiet (100.000 Mann-Berufsheer, keine Luftwaffe, keine Kriegsflotte) waren beseitigt. Das Deutsche Reich war gleichberechtigt auf allen Gebieten.

2. Die Wirtschaft und Volk vernichtende Arbeitslosigkeit war, wie geschildert, überwunden, Vollbeschäftigung ab Ende 1938 erreicht, dabei sogar noch in der gleichen Zeit die deutsche Auslandsverschuldung von 19 Mrd. RM im Februar 1933 auf 9 Mrd. RM 1938 reduziert.

Nein, die Aufrüstung war 1938/39 nicht ein notwendiger Motor der Volkswirtschaft, sie behinderte im Gegenteil eine gleichberechtigte Entwicklung aller Bereiche der Industrie, da z.B. die Gebrauchsgüter- und Verbrauchsgüterindustrie durch mangelnde Devisen- und Rohstoffkontingentzuteilung gegenüber der an der Rüstung beteiligten Industrie benachteiligt und bei Maschineninvestitionen behindert war.

3. Leys Arbeitsfront plante umfassende soziale Investitionen und das Ernährungsministerium hatte ein großes Programm der Mechanisierung und Motorisierung der Landwirtschaft auf Lager, ja der Aufbau einer kompletten Kühlkette vom Produzenten bis zum letzten Verbraucher für leicht verderbliche landwirtschaftliche Produkte – damals noch eine ganz neue Idee – wurde vorbereitet! Die Motorisierung stand für heutige Begriffe erst am Anfang, die Reichsbahn hatte große Investitionspläne und sogar der Export, insbesondere nach Südosteuropa und Südamerika, hätte wesentlich gesteigert werden können, wenn nur die notwendigen Kontingente verfügbar gewesen wären. Bauten für die Handelsflotte hätten anstelle der bevorzugten Kriegsflotte begünstigt werden können. Überall hatte es an Investitions- und Produktionsideen nur so gesprudelt bei der Dynamik, die die Wiederbelebung der Industrie aus der Erstarrung der Krisenjahre freigesetzt hatte. All das wurde durch die Präferenz für Rüstungsgüter und Rüstungsinvestitionen verhindert. Ohne Krieg und ohne neuen “Lebensraum” hätten Wirtschaft und Volk volkswirtschaftlich einer erfolgreichen Zukunft entgegengehen können.

4. Einige Autoren scheinen noch andere “innenpolitische Motive” Hitlers zu vermuten oder für möglich zu halten.

Ich zitiere nur einige Hinweise aus den Beiträgen zum Sammelwerk. Forstmeier/Volkmann “Wirtschaft und Rüstung am Vorabend des zweiten Weltkrieges”!

Timothy W. Mason spricht u.a. von “Krisenerscheinungen im Inneren, von einer inflationären Zerrüttung der deutschen Geld- und Kreditwirtschaft” oder davon, daß “die Staatsfinanzen aus den Fugen geraten wären”, davon daß “DAF (Deutsche Arbeitsfront) völlig versagte”, von einer “Exportmüdigkeit”, von “einer schweren sozialen Spannung”, ja sogar “vom Abbau der sozialpolitischen Errungenschaften” (Seite 189) – ohne klarzumachen, was er damit meint. Und schließlich “Opferbereitschaft der Beherrschten war nicht gegeben”.

Allan S. Milward spricht gar von “einer extremen Anti-Arbeiterpolitik”, Hans-Erich Volkmann von einer “unüberwindbaren Krisensituation 1938/39″.

Hier sind anscheinend aus mir nicht bekanntem und von den Verfassern auch nicht erwähntem Quellenmaterial viel zu weitgehende Schlüsse gezogen worden. General Thomas z.B. übernahm vielfach kritiklos die absichtliche Schwarzmalerei von Schacht oder auch des Preiskommissars Wagner oder vielleicht auch der von mir sehr häufig gelesenen Wochen- oder Monatsberichte des S.D. Ihnen allen fehlte es nur allzu oft am Verständnis für Größenordnungen und Zusammenhänge.

Eines kann ich als zeitgenössischer, vollorientierter Betrachter und Mittäter mit aller Entschiedenheit sagen:

“Von schweren sozialen Spannungen”, von “einer extremen Anti-Arbeiterpolitik” oder davon, daß die “DAF völlig versagte”, konnte 1938/39 nicht die Rede sein. Und daß eine “hohe Opferbereitschaft der Beherrschten” gegeben war, das hat der Verlauf des Krieges doch wohl unwiderlegbar bewiesen. Zu dieser Problematik möchte ich ausnahmsweise aus meinem Buch “Krisenmanager im Dritten Reich” zitieren. (S. 45)

“Vor einiger Zeit las ich in einem Artikel der Gräfin Dönhoff in der ‘Zeit’:

‘Eigentlich ist es verblüffend, daß bei der vielfältigen Repräsentanz, die dem Bürger vom Elternbeirat bis zum Parlament zur Verfugung steht, das Gefühl, nicht beteiligt zu sein, sich heute zu so unerträglicher Bedrückung auswächst – während in der Hitlerzeit, als die individuelle Meinung überhaupt nicht zählte, die Mehrzahl das Gefühl hatte, unendlich viel zu bewirken.’
—————–
Es war damals einfach das Gefühl, daß nicht ‘die’ etwas be wirkten, sondern daß ‘wir’ etwas bewirkten. Je der war dabei oder konnte dabei sein, wenn er wollte. Ich befürchte, die Geschichte der für die Arbeitsfront, die Frauenschaft, die Volkswohlfahrt, für ‘Kraft durch Freude’, für ‘Mutter und Kind’ arbeitenden Hunderttausenden von Idealisten wird nie geschrie benwerden. Für die aber, die sich der damaligen Zeit erinnern, war das ein wichtiger – wenn nicht der wichtigste – Inhalt der Zeit des Dritten Reiches, der erst mit dem Kriegsbeginn mehr in den Hintergrund trat.

Ausgehend von den Gedanken des Gesetzes ‘zur Ordnung der nationalen Arbeit’ wurde die soziale Gesinnung und Verantwortung der Unternehmer auf breitester Front geweckt und mobilisiert. Jahrelange  erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Vertrauensräten und der Arbeitsfront bewirkten, daß der Hauptsinn, die Überwindung des Klassenkampfdenkens und die Ausschaltung des Streiks als mögliches Kampfmittel in überraschendem Ausmaß gelang.”

Nur eins habe ich diesem Zitat jetzt hinzuzufügen: Ich habe begründete Hoffnung, daß von in hohem Maße kompetenter Seite die Geschichte der Sozialpolitik des Dritten Reiches bald geschrieben werden wird.

Zutreffender wird vielfach die wirtschaftliche Entwicklung historisch behandelt. Sie ist z.B. in “Außenhandel und Aufrüstung in Deutschland 1933 bis 1939″ auf den Seiten 81 bis 111 (nicht 112) vollkommen zutreffend nachgezeichnet worden.

5. Auch Timothy W. Mason kann nicht widersprochen werden, daß “eine gewaltige Inflation in Gang gekommen war” – nur nach den Erfahrungen aus Vergangenheit und Gegenwart ist das Wort “gewaltig” allerdings bei weitem zu hoch gegriffen -, und die “Finanzen (auch 1938/39) kritisch zu werden begannen”, zumal gerade in diesen beiden Jahren (aber erst dann !)”der internationale Rüstungsboom” sich auszuwirken begann.

Aber von einer echten Krise oder gar einer bedrohlichen Krise kann zu diesem Zeitpunkt nach meiner Kenntnis keinesfalls gesprochen werden.

Es trifft zwar auch zu, daß anzunehmen war, daß “der Finanzbedarf der öffentlichen Hand weiter wachsen”, daß “permanenter Devisenmangel” sich verstärken würde. Aber krisenhaft war die Lage trotz alledem zu diesem Zeitpunkt nicht. Die von Mason geschilderte Problematik war ja auch einer der Streitpunkte, derentwegen Dr. Schacht 1938 als Reichswirtschaftsminister und im Januar 1939 als Reichsbankpräsident ausschied.

Funk ersetzte ihn in beiden Funktionen. Er, die Männer seines Reichsbankdirektoriums und gar der Reichsfinanzminister Schwerin-Krosigh waren kenntnis- und ideenreiche Persönlichkeiten und sicher eher vorsichtige Naturen. Sie traten natürlich alsbald zur Bestandsaufnahme zusammen. Zur Panik war kein Anlaß. Man würde die Finanzen und die inflationäre Entwicklung im Griff behalten, ohne daß spektakuläre Maßnahmen notwendig wären.

Man hatte beides noch immer im Griff, als das Jahr 1940 zu Ende ging und die besetzten Gebiete sowie die wirtschaftliche Lage Italiens schwierige Probleme aufwarfen.

Geldsteuerung, strikte Devisenbewirtschaftung, Rohstoff- und Produktionssteuerung sowie Preiskontrollen waren in den letzten Jahren zu einem Instrumentarium entwickelt worden, das sich sehen lassen konnte und eine beachtliche Flexibilität ermöglichte. Allerdings, weder der von einigen Historikern als Zeuge zitierte Darre noch General Thomas und sein Wirtschafts- und Rüstungsstab waren mit Wesen, Arbeitsweise und Ineinandergreifen dieses Instrumentariums vertraut.

Auch die pessimistischen Voraussagen Schachts bewahrheiteten sich mindestens bis zum Ausbruch des Rußland- Krieges so gut wie nicht.

6. Timothy W. Mason schreibt in seinem wiederholt erwähnten Beitrag (auf Seite 165):

“Auch im Sommer 1939 war ein Raubkrieg ganz gewiß nicht der einzige Ausweg aus dieser Sackgasse.”

Sehr richtig! Ein Raubkrieg wurde auch garnicht geplant, vielleicht aus dem einfachen Grunde, weil niemand im Reich zu wissen schien, daß in den niederländischen, belgischen und französischen Häfen gewaltige Mengen von Rhstoffen zur Kriegsvorbereitung angehäuft lagerten. Und man hätte es wissen können! Denn die “BI Z” in Basel. “Bank für internationalen Zahlungsausgleich”, hatte treu und brav über diese Sonderimporte und Einlagerungen laufend berichtet. Aber diese Berichte wurden wohl von den ressortmäßig Zuständigen nicht gelesen, vielleicht weil sie zu geheim waren! Als ich in der ersten Juniwoche 1940 im Auto die neuen besetzten Gebiete Niederlande, Belgien und Nordfrankreich besuchte, besichtigte ich u.a. auch die Häfen Rotterdam, Antwerpen und Calais, die mit Importen auch oder gerade an Rohstoffen aller Art vollgestopft waren (fast ausschließlich vorsorgliche Einkäufe der Regierungen selbst).

Niemand hatte sich bis dahin für den Inhalt der Lagerhallen interessiert. Sie waren durch Wachen des OKW und der Marine “gesichert”. Die militärischen Dienststellen stritten sich darüber, wem die Kriegsbeute zustände. Dafür, daß der Hafeninhalt und dazu tief gestaffelte Läger im Inland durch mögliche Luftangriffe und daraus entstehende Flächenbrände aufs äußerste gefährdet waren, schien bei uns niemand zuständig zu sein, so wie offenbar bei Englands und Frankreichs Streitkräften niemand zuständig war für solche leicht durchführbaren Zerstörungen durch Luftangriffe.

Ich hatte die eingelagerten Mengen verschiedenster Rohstoffe über den Daumen geschätzt und General von Hanneken bei meiner Rückkehr unterrichtet. Weder er als Rohstoffzuständiger im RMW noch General Thomas hatten davon gehört oder sich jedenfalls auch nur dafür interessiert. Mit dem OKW vereinbarte ich eine sofortige Abtransportaktion durch zivile Stellen. (Die Intendantur wäre zu langsam gewesen). Die Vereinnahmung dieser Bestände, die dann zügig weitergeführt wurde, war im übrigen völkerrechtlich völlig einwandfrei, da es sich fast zur Gänze um Staatseigentum handelte, das nach der Haager Landkriegsordnung als “Beute” einzustufen war. Durch zähe Verhandlungen mit dem OKW wurde schließlich festgelegt, daß alle Rohstoffbestände der Dispositionsgewalt des Reichswirtschaftsministeriums unterlägen.

……….

“Autarkie” – Teil der NS – Weltanschauung?

Im Jahre 1968 hat Dieter Petzina – wohl als erster – eine gründliche Arbeit vorgelegt, die unter sorgfältiger Auswertung aller damals verfügbaren Quellen und vor allem auch Statistiken die Landwirtschaftspolitik, die Rohstoffpolitik, die Devisenpolitik und zum Teil die Außenhandelspolitik des Dritten Reiches in den Jahren 1933- 1939 im großen und ganzen durchaus zutreffend nachzeichnet.

Dazu möchte ich aber mit einigen kurzen Ergänzungen und zusätzlichen Betrachtungen beitragen:

1. Mir ist keine Führungspersönlichkeit im Dritten Reich bekannt, die “Autarkie” als Schlagwort propagiert oder als unverzichtbaren Teil einer NS-Lebensraumpolitik ausgegeben hätte.

2. Einige beiläufige Bemerkungen von Herrn Petzina könnten den Eindruck erwecken, als ob Autarkiepolitik Teil irgendwelcher Bestrebungen gewesen wäre, “ein antiliberales Wirtschaftssystem zu errichten” (Seite 10). An anderer Stelle heißt es kurz : ” . . . daß der Vierjahresplan Deutschland aus dem weltwirtschaftliehen Verbund herauslösen sollte” (Seite 18). Die Lockerung eines weltwirtschaftlichen Verbundes – wenn von einem solchen nach der katastrophalen Wirtschaftskrise überhaupt in dieser konkreten Form in den Dreißiger Jahren die Rede sein konnte – war höchstens die zwangsläufige Folge von Devisenmangel und Exportrückgang, nicht aber ein etwa angestrebtes Ziel.

3. Petzina weist selbst darauf hin, daß die mangels anderen Dokumentenmaterials “wichtige Quelle seiner Untersuchungen” Material des ehemaligen Wehrwirtschafts- und Rüstungsamtes gewesen sei, das Oberst Thomas leitete. Dieses Material darf für historische Untersuchungen nur mit einer gewissen Vorsicht benutzt werden. Mir war Oberst Thomas persönlich gut bekannt, zumal er verwandtschaftlich mit der Niederlausitzer Tuchindustrie verbunden war, daher weiß ich auch zuverlässig, daß er damals und später eng mit Schacht liiert war. Das erklärt vielleicht zum Teil, daß Thomas in seinen umfangreichen Ausarbeitungen, Vermerken und Protokollen vieles einfach durch die Brille Schachts sah, und Schacht neigte – vorsichtig ausgedrückt – beileibe nicht zu großer Objektivität, wenn er argumentierte.

4. Mindestens in drei wichtigen Punkten hatte Schacht eindeutig völlig Unrecht.

a) Er maßte sich mit übergroßer Überheblichkeit und in einem unmöglichen Stil an, die Landwirtschaftspolitik des Reichsernährungsministers Darres zu kritisieren und Abänderungen zu verlangen, obwohl Darre ihm keinesfalls unterstellt, sondern gleichgestellt war. Ich erhielt zur damaligen Zeit laufend Kopien der gewechselten Briefe über diese Zusammenhänge von beiden Seiten.

b) Schacht verweigerte die Zuteilung von Devisen an das REM, die diese zu Recht angefordert hatte, um den ihm, Schacht, unterstellten Wirtschaftsbereich mit Devisen ausreichender versorgen zu können. Er wollte also als Richter in eigener Sache fungieren.

c) Die Tatsache, daß Schacht als Reichsbankpräsident die Devisen verwaltete, bedeutete keineswegs den Besitz einer Verfügungsgewalt. Einigten sich zwei Ressorts nicht, so stand die Entscheidung nur dem Reichskanzler zu. Hitler übertrug daher auch folgerichtig die Entscheidungsbefugnis über die Devisen für die Zukunft Göring als seinem (quasi Reichskanzler-Stellvertreter).

d) Gegenüber Keppler und später auch Göring nahm Schacht den Standpunkt ein, die Herstellung von Ersatzstoffen (wie er das zu nennen beliebte, obgleich diese Bezeichnung verpönt war) wäre nur “wirtschaftlich vertretbar”, wenn sie nicht teurer wären als ausländische Rohstoffe. Diese Behauptung war ebenso willkürlich wie unlogisch. Sie richtete sich vorwiegend gegen Buna, gegen deutsches Eisenerz und chemische Fasern. Wenn wir nicht genug Devisen zur Verfügung hatten, um unseren Bedarf an diesen Rohstoffen decken zu können, so konnte unmöglich daraus der Schluß gezogen werden,  kein teures Buna oder teure chemische Fasern zu verwenden.

Es wäre etwa ebenso logisch gewesen, wenn Schacht sich auf den Standpunkt gestellt hätte: Wenn wir nicht gewinnbringend exportieren könnten, müßte eben der Export unterbleiben, weil ein Exportverlust wirtschaftlich “nicht vertretbar” wäre.
Hier nahm aber Schacht eine völlig andere Stellung ein. Im “neuen Plan” wurde u.a. der Export massiv durch Exportzuschüsse gefördert, die bis zu 60% der erzielbaren Verkaufspreise gingen. Die Motive Schachts waren also offensichtlich andere als “wirtschaftliche Vertretbarkeit.”

5 . Petzina schreibt über die Zeit der Devisenkrise 1936 u.a.:

“Göring versuchte zunächst einer Entscheidung auszuweichen, indem er die Erfassung aller “in deutschem Besitz befindlichen ausländischen Wertpapiere, sowie die beschleunigte Eintreibung deutscher Warenaußenstände und die mögliche Realisierung deutscher Auslandsbeteiligungen anordnete.”

Es wird hier verkannt, daß die “Devisenkrise “ganz überwiegend darauf zurückzuführen war, daß die exportierende Wirtschaft, besonders in deh letzten zwölf Monaten, eine Tendenz an den Tag gelegt hatte, nicht auf schnelle Bezahlung der Außenstände zu drängen; ihr war es vielfach lieber, auf alle Fälle frei verfügbare Devisenguthaben im Auslande zu wissen und daher auf ihre prompte Bezahlung nicht nur nicht zu drängen, sondern – wie es schien – sie in manchen Fällen sogar ….?

Ich selbst hatte diesen Tatbestand durch Stichproben in meinem Handelskammerbezirk ermittelt und Keppler eine entsprechende Aktion der Reichsbank angeraten, die auch prompt ausreichenden Erfolg hatte. Es handelte sich daher keineswegs um die “Ausschöpfung der letzten Ressourcen”, wie Petzina meint, sondern um die Beseitigung einer Fehlentwicklung.

Was hatte es also mit der Autarkie tatsächlich auf sich? Petzina weist mit Recht darauf hin, daß der Begriff Autarkie eine weit zurückreichende Geschichte hat . Im “Ploetz – Auszug aus der Geschichte -” wird das Wort “Autarkie” im Sachregisterverzeichnis auf fünf Seiten aufgeführt, zum ersten Mal in archaischer Zeit, zum zweiten Mal wird das Wort erwähnt in der ägyptischen Geschichte unter den Ptolomäern, dann im Rahmen der Wirtschaftspolitik Mexikos während des zweiten Weltkrieges und schließlich im Zusammenhang mit der Wirtschaftspolitik Argentiniens zwischen 1944 und 1946. Der Brockhaus 1921 definiert Autarkie “als Wirtschaftsform eines Staates, der infolge des Besitzes von fruchtbarem Boden, Bodenschätzen und Kraftquellen (Kohle und Wasser) vom Ausland wirtschaftlich unabhängig ist”. Das alles waren wir leider nicht. Was fälschlicherweise als Autarkiepolitik angegriffen wird oder wurde, war nichts anderes als durchdachtes, intensives, umfassendes, pragmatisches Handeln in einer wirtschaftlichen Krisenlage. Das hatte mit Weltanschauung oder nationalsozialistischem Gedankengut überhaupt nichts zu tun.

Dies ist vielleicht der geeignete Platz, noch einigen anderen Irrtümern entgegenzutreten:

Ich bin z.B. von Historikern gefragt worden, ob die Wirtschaftsadministration in ihrem Handeln durch nationalsozialistische Philosophien oder weltanschauliche Zielsetzungen beeinflußt oder behindert wurde. Das wurde sie nicht. Politische Begriffe wie Rassismus, Lebenraumerweiterungen oder gar Germanisierung, waren im wirtschaftspolitischen Bereich einfach nicht vorhanden. Die Germanisierung war eher eine Privatphilosophie Himmlers im SS-Bereich, von der verschwommenen Idee ausgehend, daß germanische Erbrassen wertvoller wären als andere Rassen und daher Beziehungen zu Völkern germanischen Ursprungs besonders eng geknüpft werden müßten. In der Wirtschaftspolitik hatten solche Träume keinen Platz. Es wurde auch in keiner Weise an die in der Wirtschaftspolitik Tätigen herangetreten, um Einfluß zu gewinnen. Die Wirtschaft und die Wirtschaftspolitik hatten im Dritten Reich auch in der Außenpolitik nichts zu suchen. Wir wurden an der Gestaltung der Außenpolitik in keiner Weise beteiligt. Wenn Entscheidungen getroffen waren, wurden wir nur spät und unvollkommen informiert.

Zuständig für die Außenpolitik war natürlich theoretisch das Auswärtige Amt, aber das war mehr Theorie. Denn die echte Außenpolitik spielte sich im kleinsten Kreise auf hoher Ebene ab:

Hitler, Reichsaußenminister, sein Staatssekretär, einige Ministerialdirektoren des AA und wichtige Botschafter. Das Auswärtige Amt war in seiner Ministerialbürokratie etwa in gleicher Weise besetzt wie eh und je. Daran hat auch von Ribbentrop nichts geändert, obwohl er mit drastischen Plänen umging. Es gab nur einen Teil der Außenpolitik, auf dem die Bürokratie des Auswärtigen Amtes eine Priorität beanspruchte und weitgehend durchsetzte, und das war
der Abschluß von Außenhandelsverträgen. Hier wachte die Leitung und Büro kratie des Auswärtigen Amtes eifersüchtig darüber, daß sie die Richtlinien der Außenhandelsverträge zu bestimmen hätten, was immer man sich darunter vorstellte. Die Richtlinien ergaben sich fast zwangsläufig aus dem Klima, das mit den einzelnen Staaten bestand, aber im übrigen ist die Aushandlung von Außenhandelsverträgen ja eine ganz pragmatische Sache. Das Auswärtige Amt konnte beim Wirtschaftsministerium zwar darauf drängen, daß die nie endenwollenden Wünsche Italiens einigermaßen befriedigt oder Spanien bedeutende Zusagen für Lieferungen gegeben würden, falls es auf unserer Seite in den Krieg einträte (was nicht möglich war) oder daß schließlich die Handelsvertragswünsche Südeuropas möglichst pfleglich behandelt werden sollten. Hier aber endete schon der politische Einfluß.

Wenn ich im vorhergehenden von “Wirtschaftsadministration” gesprochen habe, so meine ich damit nicht nur das Reichswirtschaftsministerium, sondern auc h die ministerielle Organisation des Vierjahresplanes. Sie war nicht sehr umfangreich, und ich kannte so ziemlich alle dort Tätigen. Aber ich kann mich an keinen einzigen entsinnen, der behauptet hätte, er wäre aus Überzeugung Anhänger des Nationalsozialismus, oder dem es, hätte er dies behauptet, geglaubt worden wäre. Auch im Reichswirtschaftsministerium waren engagierte Nationalsozialisten eine absolute Minderheit. Es ist schon möglich, daß neu eintretende Assessoren oder Regierungsräte ein Parteibuch hatten, aber eine Rolle spielte das eigentlich nicht, denn wir waren ja nicht im eigentlichen Sinne mit Politik befaßt. Die Unterschiede lagen mehr im Temperament: Wir Nationalsozialisten legten weniger Vorsicht, weniger Ängstlichkeit, weniger Bürokratismus an den Tag und wir besaßen möglicherweise mehr Verantwortungsfreudigkeit, mehr Durchsetzungsfähigkeit, mehr Tempo, vielleicht auch mehr sachliches Engagement.

Schließlich und wohl hauptsächlich waren wir Nationalsozialisten optimistisch, die Bürokratie von eh und je und jetzt noch mehr eher pessimistisch und skeptisch.

Der Bewegungsspielraum für die Wirtschaftsadministration war gering. Alles drehte sich um die “Ressourcen”, ihre Vergrößerung so weit es in unserer Möglichkeit lag, das sparsame Umgehen mit ihnen, das sinnvolle Verteilen in der Gegenwart und Vorbereitung für eine schwärzer werdende Zukunft. Über die zuständigen Militärbefehlshaber berieten wir die Administration in den besetzten Gebieten 1943 fuhr ich mit meinem Minister Funk nach Italien, um unseren Bundesgenossen zu beraten, wie er mit seinen Ressourcen besser haushalten könnte. Im Laufe der letzten Kriegsjahre war natürlich immer das Hauptproblem, Ressourcen für die Rüstung frei zu machen und trotzdem das Wirtschaftsleben aufrecht zu erhalten, so gut es ging.

Für uns war das nicht Politik. Es war Krisenmanagement im wahrsten Sinne des Wortes. Deswegen habe ich auch mein Buch “Krisenmanager im Dritten Reich” genannt.

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Machtstrukturen

Eike Henning nimmt in einem Beitrag zu dem Sammelband “Wirtschaft und Rüstung am Vorabend des Zweiten Weltkrieges” an einer Stelle daran Anstoß, daß für Ernst Nolte” in der Führerbewegung nur der Führer verbindliche Aussagen machen kann”. Das war aber in der Tat so. Hitlers Macht drückte sich darin aus, daß er Partei und Staat total regierte. Personelle Entscheidungen in der obersten Führungsregion von Partei und Staat konnten nur von ihm und wurden nur von ihm getroffen. Das galt für Reichsminister, Reichsstatthalter und Botschafter im Staat ebenso wie für die höchsten SA- und SS-Führer sowie Reichsleiter und Gauleiter in der Parteiorganisation. Jeder dieser Machtträger konnte zu jedem Zeitpunkt abberufen werden, ohne daß es vorstellbar gewesen wäre, daß er je Widerstand geleistet oder sich gar damit durchgesetzt hätte. Das gilt ganz merkwürdigerweise auch noc h für die Zeit des letzten halben oder dreiviertel Jahres des Krieges, als Hitler – meiner Meinung nach – gar nicht mehr regierungsfähig war. Es erstreckt sich auch auf die ranghöchsten Machtausübenden, wie z.B. Göring oder Himmler (oder auf Gauleiter); sie alle besaßen gewissermaßen nur eine abgeleitete Macht.

Es wäre nicht vorstellbar gewesen, daß die Macht, die einer der Großen hatte, von ihnen gegen Hitler hätte eingesetzt werden können. Natürlich gab es aber Per sönlichkeiten, die großen Einfluß hatten. Aber Macht und Einfluß sind ganz verschiedene Kategorien. Der Führungsstil Hitlers, über den ich noch getrennt schreiben will, war in allen Bereichen darauf abgestellt, daß er selbst so “wenige Entscheidungen wie möglich” treffen wollte. Er wollte auch nicht laufend ohne Not über alles Geschehen oder auch das wichtigste Geschehen in allen Bereichen informiert oder gar um Weisungen gebeten werden. Hitler bildete für sich zeitlich und sachlich Entscheidungsschwerpunkte, auf die er sich ausschließlich konzentrierte. Es kam allerdings auch vor, daß er – eher selten – Entscheidungen zu Einzelproblemen an sich zog.

Aber generell galt, daß z.B. jeder Gauleiter, Reichsminister oder “Reichskommissar” in besetzten Gebieten alles nach eigenem Ermessen entscheiden konnte, es sei denn, er traute sich selbst in einem bestimmten Fall eine eigene Entscheidung nicht zu. Dasselbe Prinzip galt auch für Sonderbevollmächtigte auf allen Stufen.

Es mußte von niemandem, der Vollmachten oder Befugnisse besaß, mit Gremien oder Personen “Übereinstimmung” herbeigeführt werden. Auf diesem – gefährlichen – System beruhte die Schlagfertigkeit und Schnelligkeit, mit der eine Riesenorganisation zeitweise über weite Teile Europas unbürokratisch funktionierte.

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“Faschismus”  im Dritten Reich – kommunistischer Etikettenschwindel

Schlägt man den “Ploetz”, Auszug aus der Geschichte, Ausgabe 1968, auf, so liest man in der Zusammenfassung zu Neueste Geschichte auf Seite 1211 u .f. .

“Während sich die bolschewistische Herrschaft mit aller Rücksichtslosigkeit innerpolitisch durchsetzt und Rußland sich zur gewaltigen Industriemacht entwickelt, krankt Europa an den Gegensätzen, die im Jahre 1919 nicht beseitigt, sondern vervielfacht worden sind. Verfassungspolitisch ist dies begleitet von einer allgemeinen ‘Krise der Demokratie’, wirtschaftspolitisch von einem Zurückbleiben des Potentials der europäischen Staaten gegenüber der Entwicklung der großen Weltmächte. Der heraufkommende Gegensatz zwischen dem weltrevolutionären bolschewistischen Rußland einerseits, den Vereinigten Staaten von Amerika und Westeuropa andererseits wird in den Dreißiger Jahren überdeckt durch die Expansionspolitik der im Gegensatz zu den anderen großen Völkern eingeengten Deutschen, Italienern und ]apanern. In Italien und Deutschland werden im Faschismus und Nationalsozialismus neue politische Ideologien und Verfassungsformen entwickelt, in denen die Krise der Demokratie überwunden und die militante Abwehr gegen den Bolschewismus  ausgedrückt sein soll.”

In historischen Beiträgen zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Dritten Reiches stößt man vor allem bei “Historikern” in der “DDR” darauf, daß “Nationalsozialismus” generell durch “Faschismus” ersetzt wird. Die in der “DDR” heranwachsenden Generationen sollen gar nicht erfahren, daß es National s o z i a 1 i s t e n gab oder gar, daß die NSDAP eine “Arbeiter-Partei” war. Gleichzeitig soll dadurch offenbar der “Kapitalismus” als mit schuldig – oder gar Hauptschuldiger – am Kriege einbezogen und abgestempelt werden, in dem die Unternehmer einer “faschistischen Machtstruktur” bezichtigt werden. Diese Verfremdung wird auch erstaunlich unbekümmert von nicht wenigen “Historikern” und “Historiographen” in der Bundesrepublik Deutschland übernommen, obwohl sie wissen müßten, daß es sich um echte Geschichtsfälschung handelt.

Es hat nun einmal im Dritten Reich keine Faschisten, keine faschistischen Machtstrukturen und keine faschistische Organisation gegeben. Der Name “Faschismus” oder “faschistisch” wurde auch von Gegnern des Nationalsozialismus im Dritten Reich nie gebraucht, und noch nicht einmal von den Siegern, als sie das Deutsche Reich besetzten. Sie sprachen schlicht von “Nazis und Nazismus”.

In seinem Buch “Die deutsche Diktatur – Entstehung, Struktur und Folgen des Nationalsozialismus” hatte der Historiker Karl Dietrich Bracher als Erster eine staatspolitisch relevante deutsche Gesamtdarstellung des Nationalsozialismus gegeben. Erfreulicherweise hat er diese Arbeit jetzt ergänzt durch das Buch “Zeitgeschichtliehe Kontroversen zum Faschismus, Totalitarismus, Demokratie” (Serie Piper, Band 142).

Das Wort “Totalitarismus” führt Bracher als einen Oberbegriff ein, in dem sich alle Bedrohung der Freiheit” vereinigt. Er definiert komprimiert die Merkmale des Totalitarismus – mögen sie nun rechts oder links sein – so:

“Ausschließlicher Führungsanspruch einer Partei und Ideologie, volle Kontrolle aller Kommunikationsmittel und aller Mittel des Zwanges.”

Bracher weist darauf hin, daß auch wenn das totalitäre System, wie der sowjetische Kommunismus, mit kollektiver Führung beginnt, die Tendenz zum “Führerkult” immanent ist: Stalin, Mao, Castro.

Der Begriff “Faschismus” oder “faschistisch” hat in den letzten Jahren zunehmend seinen ursprünglichen Sinn verloren, wenn er je einen hatte. In einer Betrachtung über Brachers Buch schreibt Joachim Besser, früher Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeiger, u.a.:

“Wer ist eigentlich ein Faschist? Darauf ließe sich, wenn man eine Summe aus vielen politischen Diskussionen ziehen will, antworten: jeder, der mir nicht paßt.
In der Tat ist die Faschismus-Diskussion ins Ideologische entartet. Sie hat völlig den historischen Boden unter den Füßen verloren.
Jedes nicht westlich-demokratische System wird so schlagwortartig anqualifiziert, obwohl es vielleicht nur einige wenige `faschistische´ Elemente in sich trägt, wenn überhaupt. Strauss wird als Faschist bezeichnet. Linke Studenten erhielten den gleichen Vorwurf von Günter Grass zugespielt und die radikalen Linken wiederum nennen simplifizierend alle, die nicht ihrer Meinung sind, Faschisten.
Die Moskauer Propaganda läuft auf gleichen Touren. Wer dem Kreml widerspricht, ist ein Faschist, und Sozialdemokraten sind der Einfachheit halber `Sozialfaschisten´. Ein so verwendeter Begriff wird sinnlos, man schämt sich, ihn noch zu gebrauchen.”

Eins steht jedenfalls fest, wer mit dem Wort “faschistisch” in der Geschichte des Dritten Reiches um sich wirft, will nicht geschichtliche Tatbestände klären, sondern vernebeln oder verfälschen.

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Hitlers Führungsstil

Als ich Ende 1934 vom “Beauftragten des Führers und Reichskanzlers für Wirtschaftsfragen”, Wilhelm Keppler, nach Berlin berufen wurde, stürzte ich mich nicht nur in die mir zugedachte spezielle Arbeit. Als Provinzler wollte ich auch von vornherein möglichst viel über die politische Landschaft in Erfahrung bringen, in der ich arbeiten sollte: über die wichtigsten Persönlichkeiten in der neuen Ära und ihre Eigenheiten, über die wirtschaftspolitischen Ziele der Partei, über die beabsichtigte Regierungsorganisation, über Hitlers Arbeitsweise, über Informationsfluß und über Entscheidungsprozesse und vieles mehr.

Die wichtigste Informationsquelle war für mich damals zunächst Keppler selbst, der Hitler seit Jahren gut kannte. Bald lernte ich viele Persönlichkeiten aus Partei und Staat kennen und begann, mir selbst ein gewisses Bild zu machen. Meine Erkenntnisse wurden noch vertieft und überwiegend bestätigt, als ich später im Wilhelm-Straßen-Prozeß über ein Jahr lang auch täglichen Umgang mit Lammers und Meissner hatte, die die Reichskanzlei bzw. die “Präsidialkanzlei” geleitet hatten. Sie bestätigten nachträglich fast in allem das Bild, das ich schon früher über das gewonnen hatte, was ich als “Hitlers Führungsstil” bezeichnen möchte.

Keppler hatte mir in den Anfangswochen unserer Zusammenarbeit einmal gesagt:

“Sie als präziser und in Ordnungskategorien denkender Preuße (noch dazu aus Brandenburg an der Havel) werden sich schwer tun die Denk- und Arbeitsweise Hitlers nachzuvollziehen. Denn erhat in vielem doch eher das Temperament und vielleicht auch die Denkweise eines österreichischen Künstlers.”

Als Keppler ihn bedrängt hatte, das noch aus dem Jahre 1923 stammende, äußerst unzulängliche und kleinkarierte so genannte Programm der NSDAP, das z.B. für die Wirtschaft überhaupt keinen Aussagewert habe, zu revidieren, lehnte Hitler das strikt ab. Seiner Meinung nach war die Arbeit an Parteiprogrammen schädlich, weil die Diskussion darüber die Einheit der Partei durch Meinungsverschiedenheiten unterhöhlt, und außerdem zwecklos, da fortlaufend neue Probleme auftreten, deren Lösung nicht durch abstrakte theoretische Festlegungen behindert werden dürfe. Hitler habe sich – so Keppler auch immer wieder entschieden gegen Staatswirtschaft gewandt, weil sie zu “unschöpferischem Bürokratismus” führen müsse. Die größten Leistungen gingen in der Wirtschaft – wie auch sonst im Leben – von Einzelpersönlichkeiten aus. Diese müßten auch als Unternehmer genügend Bewegungsfreiheit haben, dürften aber nicht – z.B. durch Interessenverbände – Einfluß auf die Wirtschaftspolitik als Ganzes gewinnen. Dieses sei ausschließlich Sache des Staates als Treuhänder des ganzen Volkes.

Eine Entwicklung zum Ständestaat hin, wie er von Mussolini mit den Korporationen eingeleitet worden war, lehnten Keppler und Hitler strikt ab. Die Wirtschaft dürfe kein Staat im Staate werden. Aus dieser Einstellung folgte in etwa, daß der Staat sich in der Wirtschaftspolitik auf eine Art Richtlinienkompetenz beschränken und nach Möglichkeit die Durchführung im einzelnen Organisationen der gewerblichen Wirtschaft überlassen sollte, mit Pflichtmitgliedschaft ausgestattet, aber nicht nur mit gewissen Rechten, sondern vor allem auch Pflichten.

Hitler hatte auch eine hohe Meinung von “preußischer Verwaltung”. Die preußischen Beamten wären stets integer, pflichtbewußt, fleißig und auch nicht ungeschickt gewesen, wenn auch sehr konservativ beharrend und Veränderungen abhold. Er brauche daher in die eigentliche Verwaltung nicht einzugreifen. Aber Regierung und Politik bestehen keineswegs nur aus Verwaltung. Schnelle, gekonnte Reaktionen auf neue Entwicklungen könne man von der Beamtenschaft nicht erwarten. Schnelle Entscheidungen wären mcht ihre Sache. Bei den folgenden Betrachtungen klammere ich den militärischen Bereich ganz aus. Über ihn ist sehr viel geschrieben worden, und David Irving hat in seinem Buch “Hitler und seine Feldherren” durch die undoktrinäre und wirklichkeitsnahe Darstellung erst vor kurzem einen hervorragenden Beitrag geleistet.

Aus der oben geschilderten Sicht zog Hitler – so sehe ich das – folgende Konsequenzen, die u.a. seinen Führungsstil bestimmten:

1. Er wollte selbst so wenig Zeit wie möglich mit verwaltender Regierungsarbeit verbringen. Die Reichskanzlei leitete Staatssekretär, später Reichsminister, Lammers, der früher im Reichsinnenministerium für Verfassung zuständig war – von Haus aus Jurist. Er erwies sich als Meister bei der Abfassung und Begründung von Gesetzen, Verordnungen, Erlassen und Regierungsverlautbarungen aller Art.

Die Präsidialkanzlei war – wie bekannt – zuständig für die Aufgaben Hitlers als Staatsoberhaupt, die Reichskanzlei für seine Tätigkeit als Reichskanzler. Als Leiter der Präsidialkanzlei wurde Staatssekretär, später Staatsminister, Meissner von Hindenburg übernommen. Beide Kanzleichefs hatten keine Macht, aber auf ihrem Gebiet Einfluß, insbesondere bestimmte Lammers, was Hitler in seiner Eigenschaft als Reichskanzler vorgelegt werden sollte und machte meist akzeptierte Vorschläge für erforderliche Reaktionen oder Antworten. Hitler unterschrieb sehr bald ziemlich alles, was Lammers ihm zur Unterschrift vorlegte; er vertraute ihm.

2. Besprechungen im größeren Kreise waren nach Hitlers Auffassungen Zeitverschwendung. Sie produzierten vor allem Bedenken, brachten Zeitverzögerung und behinderten zügiges Handeln. Richtige Informationen oder Aufklärung ohne Diskussionen waren, wenn überhaupt, besser und schneller durch Besprechungen unter vier Augen oder im kleinsten Kreise zu erzielen. Daher auch seine Abneigung gegen Kabinettssitzungen, aber auch z.B. gegen Tagungen und Besprechungen mit den Gauleitern in ihrer Gesamtheit. Auch den “Notenaustausch” zwischen den Ministerien mißbilligte Hitler. Den Ministerbesprechungen sollte aber in jedem Falle Lammers beiwohnen, um – sofern er das für nötig hielte – Hitler orientieren zu können.

3. Im allgemeinen seien Ministerien und andere Verwaltungseinheiten nach ihrer Struktur, Arbeitsweise und Denkweise ungeeignet, neu auftauchende Probleme und Aufgaben zügig und wirkungsvoll zu lösen, besonders dann, wenn sie – was häufig der Fall war – auf Versäumnissen der Vergangenheit beruhten. In letzterem Falle würde jeder zuständige Minister natürlich geneigt sein, zur Selbstrechtfertigung gegen die Behauptungen einer Fehlentwicklung anzukämpfen oder die Lösung verzögerlich zu behandeln.

4. Aus alldem ergibt sich Hitlers besondere Bevozugung von Sonderaufträgen und Sondervollmachten aller Art. Für die Ministerialbürokratie waren sie natürlich allgemein äußerst lästig, zumal oft Abgrenzungsschwierigkeiten auftraten. Hitler blieb aber dabei und Göring ahmte ihn darin nach – übertrieb es aber -, eintretende Krisen oder neu auftretende Probleme außerhalb der üblichen Regierungsmaschinerie bearbeiten zu lassen. Hitler war dabei der Meinung, daß ideenreichen und tatkräftigen Einzelpersönlichkeiten, denen man zeitlich dringende und auch zeitlich begrenzte Aufgaben stellte, ein zügiges Arbeiten durch ausreichende Vollmachten ermöglicht werden müsse. Reibungen und Überschneidungen mit bestehenden oder sich zuständig fühlenden Organisationen oder Dienststellen
mußten dann eben notfalls in Kauf genommen werden. Eine frustrierte Behörde könne leichter ertragen werden als eine frustrierte unentbehrliche Persönlichkeit.

Dazu einige Beispiele:

Als Hitler sich zum großzügigen Ausbau der Autobahnen entschloß, wurde nicht das Verkehrsministerium, sondern Fritz Todt beauftragt. Als die Devisenlage eine Verbreiterung der Rohstoffbasis erforderte, wurde nicht das Reichswirtschaftsministerium, sondern Wilhelm Keppler beauftragt, “alle diejenigen wirtschaftlichen Maßnahmen durchzuführen, welche in Anbetracht der Devisenlage erforderlich sind, um ausländische Rohstoffe durch solche aus inländischer Erzeugung zu ersetzen.”

Als dies sich als unzureichend erwies, erhielt Göring (nicht Schacht) wegen seiner bewährten Durchschlagskraft eine umfassende Vollmacht auf diesem Gebiete. Als inflationäre Erscheinungen das Preisniveau 1936 in Bewegung brachten, wurde nicht das Reichswirtschaftsministerium und Reichsernährungsministerium angewiesen, dem in ihren Bereichen entgegenzuarbeiten, sondern Gauleiter Josef Wagner wurde “Preiskommissar” mit weitreichenden Vollmachten, weil die zuständigen Ministerien die Entwicklung verschlafen hatten.

5. Alles, was bis hierher geschildert wurde, hat eine stark formalistische Komponente. Der Führungsstil Hitlers beschränkte sich aber darauf keineswegs.

Hitler empfand sich – mit vollem Recht – als plebiszitärer Führer. Das Volk hatte sich für ihn entschieden, nicht in erster Linie für die NSDAP. Und er hielt die Durchführung seiner Ziele, die er anstrebte, nur für gesichert, wenn seine Autorität in Volk und P a r t e i völlig unangefochten war.

Partei- “Nebenregierung” war für ihn unakzeptabel, ja unvorstellbar. Nach dem Röhm-Putsch – der entgegen manchen Behauptungen von Historikern und solchen, die es sein möchten, ein echter Putsch war (ich habe im Gau Kurmark regional Einblick in ihn gehabt) – war sein Führungsstil darauf gerichtet, hier ganz klare Verhältnisse zu schaffen.

“Machtstrukturen” sollte es nicht geben. Nach dem Putsch wurde die SA hinsichtlich ihrer Aufgaben sowie personell entmachtet und führte nur noch ein Schattendasein; darüber hinaus wurde den Gauleitern – soweit noch notwendig – unübersehbar klar gemacht, daß sie nur regionale Aufgaben und Befugnisse und keinen darüber hinausgehenden Einfluß hätten. Es gab kein NSDAP-”Politbüro.”

6. Die Geschichte der Gauleiter, ihrer Funktionen und ihrer Arbeitsweise ist in einer hervorragenden zeitgeschichtlichen Forschungsarbeit festgehalten worden: Peter Hüttenherger “Die Gauleiter – Zum Wandel des Machtgefüges in der NSDAP”.

Diese Arbeit ist von besonderer Qualität und gibt m.E. die Wirklichkeit des Dritten Reiches zutreffend wieder. Die Zusammenfassung und der Gesamtüberblick auf der Rückseite des in der Schriftenreihe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte herausgegebenen Artikels ist m.E. formal und tatsächlich optimal.

7. Es gehörte auch zu Hitlers Führungsstil, daß er aus den Reihen der Gauleiter immer wieder Leute seines Vertrauens mit Sonderaufgaben im Staat betraute, wie Bürckel, Sauckel, Lohse, Josef Wagner, Koch, Kube, und daß er ihnen – oft über die Grenze des Möglichen und Einträglichen hinaus – die in der Gemeinsamkeit alter Tage gewachsene Treue hielt.

Erteilte aber Hitler solche Aufträge, so waren die betreffenden Persönlichkeiten nicht in ihrer Funktion als Gauleiter tätig, sondern als Staatskommissare, die Hitler in seiner Eigenschaft als Reichskanzler und nicht in seiner Eigenschaft als Parteiführer unterstanden.

Abschließend muß eindeutig festgehalten werden:

Es gab niemanden in Partei und Staat, den Hitler nicht in jedem Augenblick aus seiner Position hätte abberufen können: Diese Gesamtkonstruktion schloß es aus, daß Hitler mit Querelen aller Art hätte kämpfen müssen. Insoweit war dieser Zustand eine wichtige Voraussetzung für seinen Führungsstil; er brauchte weder Arbeitskraft noch Zeitaufwand zu verschwenden, um mit Widerständen in Partei oder Regierung zu kämpfen. Und dieser Zustand der Omnipotenz dauerte – ganz unverständlicherweise – auch dann noch fort, als Hitler längst die Schwelle der Regierungsfähigkeit überschritten hatte, was nach meinen Beobachtungen und Vorstellungen spätestens im Juni 1944 der Fall war.

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“Deutscher Sozialismus” im Dritten Reich

Als die NSDAP unter dem Namen “Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei” gegründet wurde, geschah das zweifellos im bewußten Gegensatz zum internationalen Marxismus und besonders auch unter scharfer Ablehnung von dessen Grundidee, nämlich der Notwendigkeit des Klassenkampfes. An seine Stelle sollte der “Deutsche Sozialismus” treten, der keine Apparatur, kein Programm, sondern eine Gesinnung war.

Im Brockhaus 123 ist das Stichwort “Sozialismus” wie folgt formuliert:

“Der Inbegriff der weltanschaulichen und ökonomischen Theorien und praktischen Maßnahmen, die eine neue Lebens- und Wirtschaftsordnung unter stärkster Betonung der Wirtschaftsidee erstreben, im Gegensatz zu den individualistischen Auffassungen von Wirtschaft und Gesellschaft.”

Genau das war die vage Idee des deutschen Sozialismus. Hitler rief nicht zum Kampf aller gegen alle auf, sondern zur Volksgemeinschaft “aller Deutschen”. Dem Klassenkampf von rechts und links galt sein politischer Kampf. Das bald eingeführte Wort vom “Arbeiter der Stirn und der Faust” sollte eine Kluft zwischen Handarbeitern und geistig Arbeitenden schließen und das soziale Empfinden des Volkes ansprechen. Staat und Partei aber sollten die Aufgabe und die Pflicht haben, im Auftrag des Volksganzen den Schwachen im Volke zu helfen, sich selbst zu helfen. Mit dieser Zukunftsvision, gepaart mit der Forderung nach der Befreiung vom Versailler Diktat, wurde Hitler Führer einer Massenbewegung und schließlich Kanzler des deutschen Reiches. Von Gregor Strasser, dem Fraktionsvorsitzenden der NSDAP im Reichstag, stammt dazu das Wort von der “antikapitalistischen Sehnsucht des deutschen Volkes” (so Gauleiter Jordan in seinem Buch “Im Zeugenstand der Geschichte”). Diese “antikapitalistische Sehnsucht” erfüllte nach meiner Kenntnis auch die überwältigende Mehrheit der für das innenpolitische Geschehen stark bestimmenden Gauleiter sowohl nach ihrem Werdegang als auch nach ihren Lebenserfahrungen. Insoweit würde man sie nach heutigen Vorstellungen zweifellos als “Linke” einstufen, mindestens als “links von der Mitte” eingruppieren. In der Zeit zwischen der Machtübernahme und der ersten Reichstagswahl im Dritten Reich, im März 1933, stellte Keppler an Hitler die Frage, ob es nicht an der Zeit sei, den Namen der Partei zu ändern, nachdem doch jetzt von der Partei das ganze deutsche Volk angesprochen würde und die Mitglieder zu einem sehr hohen Anteil aus der Landwirtschaft und dem kleinbürgerlichen Mittelstande stammten. Hitler wies das ohne Besinnen zurück. Der Name der Partei solle und müsse so bleiben, wie er jetzt laute: Arbeiterpartei (nicht Partei der Arbeiter). Das bedeutete f ü r die Arbeiter – und das sei gut so. Es müßten sich alle Nationalsozialisten immer wieder einprägen, daß die Arbeiter am meisten der Hilfe der Partei bedürften. Die übrigen Berufsgruppen könnten sich schon eher selbst helfen.

Nach dem 30. Januar 1933 wurde nur wenig Zeit verloren, um die Grundgedanken einer Beendigung des Klassenkampfes durchzusetzen. Die Organe des Klassenkampfes, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, wurden aufgelöst. Der traditionelle Feiertag der Werktätigen, der 1. Mai, wurde am 1. Mai 1933 als Tag der “nationalen Arbeit” zu einem Feiertag des ganzen Volkes erklärt.

Die Beziehungen zwischen Unternehmern und Betriebsangehörigen wurden sehr bald durch das “Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit” auf eine ganz neue Basis gestellt und ein staatlicher Schutz für die Arbeiter durch das “Gesetz über die Treuhänder der Arbeit” geschaffen.

Da heißt es in § 3:

“Bis zur Neuordnung der Sozialverfassung regeln die Treuhänder anstelle der Vereinigungen von Arbeitnehmern, einzelnen Arbeitgebern oder der Vereinigung von Arbeitgebern für die beteiligten Personen die Bedingungen über den Abschluß von Arbeitsverträgen… Im übrigen sorgen die Treuhänder für die Aufrechterhaltung des Arbeitsfriedens. Sie sind zur Mitarbeit un einer neuen Arbeitsverfassung berufen.”

Die Treuhänder der Arbeit wurden im wesentlichen nicht als Berufsbeamte bestellt, sondern als Persönlichkeiten von bewährter sozialer Gesinnung und Vergangenheit.

Im folgenden Jahr wurde das “Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit” und auch das “Treuhändergesetz” geschaffen. Im übrigen wurde die Durchführung des deutschen Sozialismus, so möchte ich das nennen, von Adolf Hitler Robert Ley, dem Reichsorganisationsleiter der NSDAP, übertragen, indem er ihn mit der Schaffung der deutschen Arbeitsfront als Nebenorganisation der NSDAP beauftragte. “Betriebsführer” und “Arbeitnehmer” sollten in gleicher Weise Mitglied der DAF sein.

Über Robert Ley schreibt Joachim C. Fest in seinem Buch  “Das Gesicht des Dritten Reiches”:

”Die Erscheinung Robert Leys hingegen in ihrem zugleich schwächlichen, verstiegenden und derben, insgesamt aber dürftigen Zuschnitt legte den Verzicht auf einen zusätzlichen Beitrag um so eher nahe, als die persönlichen Strukturen sich in diesem Falle sich mit denen einiger Partner aus dem Gefolge Hitler weitgehend decken.”

Die Bemerkung zeugt von einer völligen Unkenntnis der Wirklichkeit des Dritten Reiches, und wahrlich nicht nur in diesem Falle. Robert Ley war eine der bedeutendsten, eigenständigsten Persönlichkeiten im Dritten Reich; von großem Ideenreichtum, großer motorischer, schwer zu bremsender Durchsetzungskraft und einem nie erlahmenden Idealismus und Willen, dem deutschen Arbeiter in seiner Gesamtheit zu einem besseren Leben zu verhelfen, so weit es nur irgendwie in seiner Macht stand. Insoweit war er der Ideenträger des “deutschen Sozialismus” schlechthin.

Die DAF vermochte mit der Autorität einer Parteiorganisation das an Lohn für die Arbeiter zu erkämpfen, was im Frieden betrieblich, gesamtwirtschaftlich und im Rahmen der erstrebten Preisstabilität irgend möglich war. Dabei nahmen zunehmend neben der Lohnhöhe selbst im Laufe der Jahre umfangreiche Nebenleistungen der verschiedensten Art einen besonderen Raum ein.

Im folgenden soll nur ein kurzer Überblick gegebenwerden durch ein Zitat aus der Schriftenreihe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte Nr. 19 von Peter Hüttenherger “Die Gauleiter” – eine in jeder Beziehung sorgfältig recherchierte und objektiv wertende historische Arbeit:

“Die Übernahme der Gewerkschaftsvermögen und das Einkommen der Mitgliedsbeiträge machten die DAF zu einer außerordentlich finanzstarken Organisation. Als “angeschlossener Verband” der NSDAP besaß sie im Gegensatz zu den Gliederungen der NSDAP eigenes Vermögensrecht. Der Reichsschatzmeister der NSDAP hatte nur bestimmte Aufsichts- und Revisionsvollmachten, war aber nicht Verwalter des DAF – Vermögens. Mit ihren (1938) rund 23 Millionen Mitgliedern war die DAF zahlenmäßig fast fünfmal so stark wie die NSDAP und während viele NSDAP-Gaue in den ersten Jahren des Dritten Reiches noch immer verschuldet waren, konnte die DAF eigene Banken und po tente wirtschaftliche Organisationen errichten und ihren Einfluß kontinuierlich ausdehnen. Ley, dem  Gauleiter Wahl “krankhafte Organisationswut” nachsagte und der tüchtige Organisatoren wie Selzner zur Seite hatte, baute ab Januar 1934 das Reichsheimstättenamt auf, das bis 1936 über 200.000 Bauprojekte in Angriff nahm. Die DAF errichtete zahlreiche Schulen und Werkstätten für Berufserziehung und Umschulung, in denen nach Aussagen Leys bis 1936 250.000 Lehrkräfte beschäftigt und 2,5 Millionen Arbeitnehmer geschult wurden. Sie organisierte die Reichsberufswettkämpfe und gab in eigenen Verlagen 88 Fach- und Berufszeitschriften mit einer Gesamtauflage von I0 Millionen Exemplaren, außerdem eine Reihe von politisch propagandistischen Zeitschriften heraus (‘Arbeitertum’, ‘Schönheit der Arbeit’, ‘Der Aufbau’). Sie überwachte und leitete Einrichtungen zur Förderung der Volksgesundheit, das Riesenunterneh men ‘Kraft durch Freude’, baute Tausende von Grünanlagen, Hunderte von Sportplätzen und Schwimmbädern, unterhielt  igene Theater, ein Reichssymphonieorchester usw. , besaß ein Volksbildungswerk und einen sogenannten ‘Arbeiterdank’ zur Betreuung von Wehrmachtsreservisten. Zur Schulung der eigenen Funktionäre betrieb die DAF 9 Reichsschulen und 40 Gauschulen. Sie finanzierte auch die Parteischulen in den ‘Ordensburgen’ Vogelsang, Sonthofen und Grössinsee, die Ley in seiner Eigensechaft als Reichsorganisationsleiter der NSDAP unterstanden. Letztere waren ein Beispiel dafür, daß die Mittel und der Apparat der DAF auch dem Reichsorganisationsleiter zugute kam und dessen Stellung stärkten.”

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Motor der Außenpolitik Hitlers: Furcht vor dem Bolschewismus

Zwei Jahre war ich nach dem Kriege in alliierten Internierungslagern, zwei Jahre im Justizpalast in Nürnberg und zwei Jahre im Zuchthaus in Landsberg. Ich hatte damals ausreichend Zeit, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nachzudenken. In bezug auf die Vergangenheit beschäftigte mich dabei natürlich und immer wieder die Frage: was war die Motivation für Hitlers Außenpolitik? Seitdem sind 40 Jahre vergangen und ich habe einen großen Teil des historisch Relevanten über die 6 Jahre Frieden und 6 Jahre Krieg des Dritten Reiches gelesen. In bezug auf die Motivation von Hitlers Außenpolitik bin ich im wesentlichen bei der Überzeugung geblieben, die ich mir schon im Justizpalast in Nürnberg gebildet hatte:

Der alles andere überschattende Leitstern von Hitlers Außenpolitik war die Furcht vor dem Bolschewismus.

1. Im August 1936 verfaßte Hitler eine Denkschrift über die Aufgaben des Vierjahresplanes. Sie war damals nur in drei Exemplaren vorhanden. Göring war es von Hitler untersagt worden, aus ihr vorzulesen oder sie gar weiterzugeben. Sie war also zweifellos nicht für Propagandazwecke bestimmt. Sie sollte auch nicht Dritte beeinflussen. Soweit ich daraus im folgenden zitiere, sind Unterstellungen aus dem Original übernommen. Die Zitate stammen sämtlich aus dem ersten Teil der Denkschrift, der die Unterüberschrift trägt:

Die politische Lage

“Politik ist die Führung und der Ablauf des geschichtlichen Lebenskampfes der Völker. Das Ziel dieser Kämpfe ist die Behauptung des Daseins. Auch die idealistischen Weltanschauungskämpfe besitzen ihre letzten Ursachen und erhalten ihre tiefsten Antriebe aus völkisch gegebenen Lebenszwecken und Zielen. Religionen und Weltanschauungen vermögen aber solchen Kämpfen stets eine besondere Härte zu geben und verleihen ihnen daher auch eine große geschichtliche Eindringlichkeit. Sie prägen dem Inhalt von Jahrhunderten ihren Stempel auf. Es ist dann nicht möglich, für Völker und Staaten, die im Bannkreis solcher weltanschaulicher oder religiöser Auseinandersetzungen leben, sich von den Ereignissen abzusondern oder auszuschließen. 

Christentum und Völkerwanderung bestimmten den geschichtlichen Inhalt von Jahrhunderten. Der Mohammedismus erschütterte den Orient und zugleich das Abendland ebenfalls auf die Dauer von einem halben Jahrtausend. Die Reformation zog ganz Mitteleuropa in den Bereich ihrer Folgen. Es war einzelnen Staaten dabei nicht möglich, sich – sei es durch Klugheit oder durch gewollte Teilnahmslosigkeit – von den Ereignissen auszunehmen. Seit dem Ausbruch der Französischen Revolution treibt die Welt in immer schärferem Tempo in eine neue Auseinandersetzung, deren extremste Lösung Bolschewismus heipßt, deren Inhalt und Ziel aber nur die Beseitigung und Ersetzung der bislang führenden Gesellschaftsschichten der Menschheit durch das international verbreitete Judentum ist. Kein Staat wird sich dieser geschichtlichen Auseinandersetzung entziehen oder auch nur fern halten können.

Seit sich der Marxismus durch seinen Sieg in Rußland eines der größten Reiche der Welt als Ausgangsgebiet für seine weiteren Operationen geschaffen hat, ist diese Frage zu einer bedrohlichen geworden. Einer in sich selbst weltanschaulich-zerrissenen demokratischen Welt tritt ein geschlossener, autoritär weltanschaulich fundierter Angriffswille gegenüber.

Die militärischen Machtmittel dieses Angriffswillens steigern sich dabei in rapider Schnelligkeit von Jahr zu Jahr. Man vergleiche mit der heute tatsächlich geschaffenen Roten Armee die Annahmen des Militärs vor 10, 15 oder 20 Jahren, um sich ein Bild der dann eintretenden Verhältnisse zu machen.

Deutsc hland wird wie immer als Brennpunkt der abendländischen Welt gegenüber den bolschewistischen Angriffen anzusehen sein. Ich fasse dies nicht als eine erfreuliche Mission auf, sondern als eine leider durch unsere unglückliche Lage in Europa bedingte Erschwerung und Belastung unseres völkischen Lebens. Wir können uns aber diesem Schicksal nicht en ziehen.

Unsere politische Lage ergibt sich aus folgendem:

Europa hat zur Zeit nur zwei dem Bolschewismus gegenüber als standfest anzusehende Staaten: Deutschland und Italien. Die anderen Länder sind entweder durch ihre demokratische Lebensform zersetzt, marxistisch infiziert und damit in absehbarer Zeit selbst dem Zusammenbruch verfallen oder von autoritären Regierungen bcherrscht, deren einzige Stärke die militärischen JMachtmittel sind, d. h. aber: sie sind infolge der Notwendigkeit, die Existenz ihrer Führung den eigenen Völkern gegenüber durch die Brachialgewalt der Exekutive zu sichern, unfähig, diese Brachialgewalt zur Erhaltung der Staaten nach außen anzusetzen. Alle diese Länder wären unfähig, jemals einen aussichtsvollen Krieg gegen Sowjetrußland zu führen.

Wie denn überhaupt außer Deutschland und Italien nur noch Japan als eine der Weltgefahr gegenüberstehende Macht angesehen werden kann. Es ist nicht der Zweck dieser Denkschrift, die Zeit zu prophezeien, in der die unhaltbare Lage in Europa zur offenen Krise werden wird. Ich möchte nur in diesen Zeilen meine Überzeugung niederlegen, daß diese Krise nicht ausbleiben kann und nicht ausbleiben wird, und daß Deutschland die Pflicht besitzt, seine eigene Existenz dieser Katastrophe gegenüber mit allen Mitteln zu sichern und sich vor ihr zu schützen und daß sich aus diesem Zwang eine Reihe von Folgerungen ergeben, die die wichtigsten Aufgaben betreffen, die unserem Volk jemals gestellt worden sind.

Denn ein Sieg des Bolschewismus über Deutschland würde nicht zu einem Versailler Vertrag führen, sondern zu einer endgültigen Vernichtung, ja Ausrottung des deutschen Volkes.

Das Ausmaß einer solchen Katastrophe kann nicht abgesehen werden. Wie denn überhaupt der dicht bevölkerte Westen Europas (Deutschland inbegnffen) nach emem bolschewistischen Zusammenbruch wohl die grauenhafteste Völkerkatastrophe erleben würde, die seit dem Verlöschen der antiken Staaten die Menschheit heimgesucht hat.

Gegenüber der Notwendigkeit der Abwehr dieser Gefahr haben alle anderen Erwägungen als gänzlich belanglos in den Hintergrund zu treten! …

Die militärische Auswertung soll durch die neue Armee erfolgen. Das Ausmaß und das Tempo der militärischen Auswertung unserer Kräfte können nicht groß und nicht schnell genug gewählt werden!

Es ist ein Kapitalirrtum zu glauben, daß über die Punkte irgendein Verhandeln oder ein Abwägen stattfinden könnte mit anderen Lebensno twendigkeiten. So sehr auch das gesamte Lebensbild eines Volkes ein ausgeglichenes sein soll; so sehr müssen doch in g wissen Zeiten einseitige Verschiebungen zuungunsten anderer, nicht so sehr lebenswichtiger Aufgaben vorgenommen werden. Wenn es nicht gelingt, in kürzester Frist die deutsche Wehrmacht in der Ausbildung, in der Aufgabenstellung der Formationen, in der Ausrüstung und vor allem auch in der geistigen Erziehung zur ersten Armee der Welt zu entwickeln, wird De utschland verloren sein!”

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2. Dieselben Gedankengänge wurden von Hitler in einer parteiinternen Rede wiederholt, die ich selbst Ende April 1937 auf einer “Schulungstagung” auf der Ordensburg Sonthofen hörte. Ich habe darüber in meinem Buch “Krisen manager im Dritten Reich” berichtet:

”Durch eine zielbewußte, aber auch rücksichtslose Politik des Kommunisms habe Stalin in den letzten Jahren aus dem Bauernvolk des früheren Rußland und aus einem Volk mit einer hohen Quote von Analphabeten ein Industrievolk wirtschaftlicher Potenz in nicht weniger als 15 Jahren geschaffen. Ausgehend von der hohen Begabung und dem Fleiß des russischen Volkes, der unverbrauchten Kraft undder starken Bevölkerungszunahme werde dieser Prozeß sich beschleunigen und in einem weiteren Jahrzehnt spätestens daraus eine wirtschaftliche und militärische Kraft entstehen lassen, der Europa nichts Gleichwertiges en tgegenzusetzen habe.

`Das ist für uns eine tieftragische Situation, aber unvermeidlich. Das Reich, sagte Hitler, ist nun einmal geographisch Europas Sperre gegen den Osten. Die Aufgabe, eine Überflutung politischer, militärischer und völkischer Art abzuwehren, ist uns vom Schicksal auferlegt, und wir können der Aufgabe nicht ausweichen.´ Er habe daher im Vierjahresplan alle Schritte vorbereitet, um uns durch Aufbau einer Rüstung und einer starken, schlagkräftigen Wehrmacht Möglichkeiten zu verschaffen, dieser Drohung mit Erfolg widerstehen zu können. Für ihn sei sicher, daß die Zeit nicht für uns, sondern für den Osten arbeitete.”

3. Die Teilmobilisierung der tschechoslowakischen Streitkräfte am 20. Mai 1938 und die Erwartung des hohen Wahlsieges Konrad Henleins, des Führers der Sudetendeutschen, am 22. Mai 1938 entschied über das Schicksal der Tschecho-Slowakei. Hitler wurde schlagartig klar, daß ohne die Ausschaltung der tschechoslowakischen Streitkräfte und Flugplätze, auf denen die Sowjetunion generelle Landeerlaubnis hatte, die Sowjetunion uns jederzeit in eine militärisch hoffnungslose Lage bringen könnte. Im Zusammenhang damit fiel das Wort “die Tschecho-Slowakei als Fulgzeugmutterschiff im offenen Leibe des Reiches” . Die dramatischen Maitage 1938 sind von Gauleiter Jordan als Tatzeuge dieser Tage (Hitler war bei ihm in Dessau) in seinem Buch ‘Im Zeugenstand der Geschichte’ geschildert.

4. Der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt am 23. August 1939 und das gleichzeitig abgeschlossene Geheimabkommen über die Aufteilung Ost-Mittel – Europas in Interessensphären besiegelten auf Grund des hierdurch unbeeindruckten britischen Kriegswillens das Schicksal Polens. Nie wieder würde die Möglichkeit bestehen, mit Zustimmung der Sowjetunion die Ostgrenze des Deutschen Reiches so weit ostwärts vorzuschieben.

5. Die Besprechungen Hitler’s mit Molotow, dem Außenminister der Sowjetunion, am 12. und 13. November 1940 entschiedend ie Frage endgültig, ob es eventuell möglich sein würde, den Expansionsdrang der Sowjetunion nach Asien abzuleiten. Molotow bestand darauf, daß Rumänien, Bulgarien und die Dardanellen eindeutig zur Interessensphäre Sowjetrußlands gehören müßten. Als Molotow Berlin verlassen hatte, wurde von Hitler die Vorbereitung der Aktion “Barbarossa” angeordnet.

Während die Führung der Wehrmachtsteile gegen die Aggression gegen Dänemark und Norwegen und den Westfeldzug schwerste Bedenken geltend gemacht hatte, wurden solche Bedenken gegen einen Rußland-Feldzug kaum geltend gemacht. Man glaubte, wiederum einen Blitzkrieg erfolgreich durchführen zu können. Dann zeigte sich aber, daß dabei von falschen Voraussetzungen ausgegangen worden war. Trotz des hohen Lobes, das damals und auch noch von manchen Leuten heute dem deutschen Militärattacbe in Moskau und einem Teil des Nachrichtendienstes “Fremde Heere Ost” unter Gehlen gespendet worden ist, zeigte sich, daß rüstungsmäßig, militärisch und politisch von vollkommen falschen Voraussetzungen ausgegangen wurde.

Hitlers Furcht vor dem Bolschewismus erwies sich als voll begründet.

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Albert Speer`s  “Erkenntnisse”

Albert Speer
Schriftliche, beeidete Erklärung vom 15. Juni 1977

“Ich, Albert Speer, kenne die Bedeutung einer Eidesstattlichen Versicherung und erkläre hiermit wie folgt an Eides Statt:

Heute in Heidelberg, Schloß-Wolfsbrunnenweg 50, wohnhaft, habe ich das Studium eines Architekten an der Technischen Universität Berlin-Charlottenburg mit dem akademischen Grad eines Diplom-lngenieurs abgeschlossen. Ich wurde nach 1933 Hitlers Architekt, ab 1942 der für die Rüstung in der Regierung Hitlers verantwortliche Minister. Im Prozeß des lnternationalen Militärtribunals in Nürnberg zu zwanzig Jahren Haft verurteilt, wurde ich am 1. Oktober 1966 entlassen. Danach schrieb ich zwei Bücher “Erinnerungen” und “Spandauer Tagebücher”.

Der Judenhaß war der Motor und Zentralpunkt Hitlers, vielleicht sogar das eigentliche ihn bewegende Element. Das deutsche Volk, die deutsche Größe, das Reich, das alles bedeutete ihm letzten Endes nichts. Daher wollte auch der Schluß-Satz seines Testaments uns Deutsche nach dem apokalyptischen Untergang auf einen erbärmlichen Judenhaß festlegen.

Ich war in der Reichstagssitzung vom 30. Januar 1939 anwesend, als Hitler versicherte, daß bei einem Krieg nicht die Deutschen, sondern die Juden vernichtet würden. Dieser Satz war mit derartiger Bestimmtheit gesagt, daßich an der Absicht, sie durchzuführen, nicht hätte zweifeln dürfen. Er hat diese Ankündigung seiner Absichten am 30. Januar 1942 in einer Rede, die mir ebenfalls bekannt war, wiederholt: Der Krieg würde nicht enden, wie die Juden es sich vorstellen, durch die Auslöschung der europäisch-arischen Völker, sondern das Ergebnis des Krieges würde die Vernichtung der Juden sein. Diese Wiederholung seiner Worte vom 30. Januar 1939 war nicht einmalig. Oft pflegte er seine Umgebung an die Bedeutung dieses Satzes zu erinnern.

Wenn er auf die Opfer der Bombenangriffe zu sprechen kam, besonders nach den schweren Angriffen auf Harnburg im Sommer 1943, wiederholte er ein ums andere Mal, daß er diese Opfer an den Juden räche ganz als käme ihm der Luftterror gegen die Zilvilbevölkerung gerade recht und liefere ihm ein spätes Ersatzmotiv für ein lang beschlossenes und aus ganz anderen Persönlichkeitsschichten stammendes Verbrechen. Ganz, als wollte er mit diesen Bemerkungen das eigene Massenmorden rechtfertigen.

Bei temperamentvollen Haßausbrüchen konnte bei Hitler eher auf eine Änderung in gemäßigtere Bahnen gehofft werden.

Es war daher die Bestimmtheit und Kälte, die seine Haßausbrüche gegen die Juden so glaubhaft machten. Wenn er auf anderen Gebieten mit kalter und leiser Stimme grauenhafte Entschlüsse bekanntgab, so wußte seine Umgebung urtd ich, daß es nun ernst geworden war. Und gerade eben mit dieser kalten Überlegenheit stellte er, auch bei der gemeinsamen Mittagstafel fest, daß er die Juden in Europa vernichten will.

Der Gauleiter von Niederschlesien, Karl Hanke, besuchte mich im Sommer 1944. Hanke hatte sich im polnischen und französischen Feldzug durch seine Tapferkeit ausgezeichnet. Er war sicher kein Mann, der ohne weiteres in Schrecken versetzt wurde. Daher hatte es besonderes Gewicht, als er mir damals erschüttert sagte, daß sich in einem Konzentrationslager seines Nachbargaues Oberschlesien ungeheuerliche Dinge ereignen. Er sei dort gewesen, und nie könne er verrgessen, was er an Furchtbarem dort gesehen habe. Er erwähnte zwar keine Namen, aber es muß sich um das in Oberschlesien gelegene Auschwitz gehandelt haben. Aus der Erregung dieses kampferprobten Soldaten konnte ich entnehmen, daß etwas Unerhörtes geschah, wenn es selbst diesen alten Parteiführer Hitlers fassungslos machte.

Es gehörte zur Arbeitsweise Hitlers, daß er auch wichtige Befehle an seine Vertrauten mündlich weitergab. Auch in den Führerprotokollen meiner Besprechungen mit Hitler, die im deutschen Bundesarchiv lückenlos enthalten sind, gibt es zahlreiche Befehle auch auf wichtigen Gebieten, die Hitler mir offensichtlich nur mündlich gab. Es ist daher der Arbeitsweise Hitlers entsprechend und darf nicht als eine Lücke angesehen werden, daß kein schriftlicher Befehl zur Vernichtung der Juden vorliegt.

Die Ermordung der Juden in den Vernichtungslagern wurde vor Gericht (l. M. T.) von Zeugen und durch Dokumente vorgebracht und von keinem der Angeklagten ernstlich bestritten. Die Rede Himmlers am 4. Oktober 1943 vor den SS-Führern in der er deutlich machte, was in den Vernichtungslagern geschah, wurde durch die Verteidigung nicht als Fälschung in Mißkredit gebracht, wie es beispielsweise mit dem Hossbach-Protokoll geschah.

Frank hat die Echtheit seines Tagesbuchs, das er nach eigener Angabe bei seiner Verhaftung den Amerikanern übergab, nie betritten. In ihm sind Bemerkungen enthalten, die beweisen, daß die Juden in Polen, bis auf einen Rest von 100.000, ausgelöscht seien. Auch diese Äußerungen Franks wurden von den Angeklagten ernst genommen, Kritik beschränkte sich auf die Dummheit, dieses diskriminierende Tagebuch den “Gegnern” überlassen zu haben.

Schirach bestätigte im vertraulichen Gespräch, schon während des Prozesses, daß er bei einer Rede Himmlers an die Gauleiter in Posen anwesend gewesen sei (am 6. Oktober 1943), in der Himmler klar und unmißverständlich die Tötung der Juden als ein zum größten Teil durchgeführtes Programm verkündete. Er kam auf dieses Ereignis, das ihn seelisch belastete, auch während der Spandauer Gefängniszeit zurück.

Göring hat in seinem Schlußwort von den schweren Verbrechen gesprochen, die im Prozeß bekanntgeworden seien, er verurteilte darin die furchtbaren Massenmorde, für die ihm jedes Verständnis fehle. Streicher verdammmte in seinem Schlußwort Hitlers Massentötungen der Juden. Für Fritzsche war, ebenfalls in seinem Schlußwort, der Mord von 5 Millionen eine grausige Warnung für die Zukunft. Die Worte dieser Angeklagten unterstützen meine Feststellung, daß die Angeklagten und die Verteidiger während des Nürnberger Prozesses die Massenmorde an den Juden als geschehen anerkannten.

Der Nürnberger Prozeß bedeutet für mich noch heute einen Versuch, zu einer besseren Welt vorzustoßen. Die Begründung meines Urteils durch dns Internationale Militärgericht erkenne ich auch heute noch als im allgemeinen korrekt an. Ich halte es aber darüberhinaus heute noch für richtig, die Verantwortung und damit die Schuld für alles auf mich zu nehmen, was nach meinem Eintritt in die Hitler-Regierung am 8. Februar 1942 an Ve rbrechen, in generellem Sinne, begangen wurde. Nicht die einzelnen Fehler belasten mich, so groß sie auch sein mögen, sondern mein Handeln in der Führung. Daher habe ich mich für meine Person im Nürnberger Prozeß zur Gesamtverantwortlichkeit bekannt und tue dies auch heute noch. Meine Hauptschuld sehe ich immer noch in der Billigung der Judenverfolgungen und der Morde an Millionen von ihnen.

gez. Albert Speer”

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Eine gebührende Antwort

Der “kleine Parteigenosse”, vornehmlich jener, der schon in der Weimarer Republik der NSDAP beigetreten war, wurde vom Sieger 1945 kriminalisiert, einer “verbrecherischen Organisation” beigetreten zu sein. Und dieser Vorwurf bezieht sich auf eine Zeit, da wirklich niemand erkennen konnte, was die Jahre 1933 bis 1945 bringen würden. Die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes – also auch die Parteilosen -, aber auch die Regierungen und Völker der Welt, die Hitler innen- und außenpolitische Basis, Anerkennung und Aufwertung verschafft hatten, wußten offensichtlich nicht, daß “Hitlers Motor und Zentralpunkt der Judenhaß “gewesen war und daß ihm “das deutsche Volk , die deutsche Größe, das Reich letzten Endes nichts bedeutete” und daß “ihm der Luftterror gegen die Zivilbevölkerung gerade recht käme und ihm ein spätes Ersatzmotiv für ein lang beschlossenes Verbrechen liefere”.

Wenn die ganze Welt das nicht wußte mit Ausnahme des Mannes Albert Speer, der sich freiwillig und engagiert in die Ministerriege Adolf Hitlers, ja an die entscheidungsvolle Position des Verantwortlichen für die Kriegsrüstung begab und dort in der kurzen Zeit seines zentralen Wirkens unmöglich Erscheinendes für Hitler möglich gemacht hat, dann muß das doch um den Charakter eines solchen Mannes grauenerregend bestellt sein!

Seit wann will Albert Speer das wissen? Seit dem 30. Januar 1939, als Hitler erklärte, daß, falls es dem internationalen Judentum gelingen sollte , die europäischen Völker in einen neuen Weltkrieg zu verstricken, dies nicht die Vernichtung der arischen Rasse, sondern der jüdischen zur Folge haben würde. Hitler hatte die Möglichkeitsform verwendet, wenn also andere als er einen Krieg erzwingen sollten, daß dann Entwicklungen eintreten würden, deren sich die Kriegstreiber bewußt sein sollten. Die Juden könnten sich in einem solchen Fall nicht als Unbetroffene betrachten. Zweifellos konnte eine solche Äußerung Hitlers auch als Drohung aufgefaßt werden und sollte es gewiß auch sein, doch sind in der Politik aller Zeiten jegliche Mittel der Abschreckung, zumal verbale Abschreckungsmittel, als legitim angesehen worden und sind es heute noch. Nicht nur Albert Speer hat diese
Reichstagsrede gehört, sondern die Welt hat sie gehört, Tonaufnahmen sind geschichtlich festgehalten. Auch Albert Speer hatte seinerzeit nicht jene Folgerungen aus diesen Sätzen gezogen, wie er dies nach dem Zweiten Weltkrieg tat. Seltsam nur, daß Albert Speer vom Handeln der anderen, das Hitler zu Reaktionen zwang, überhaupt nicht spricht! Denn er müßte sich ja auch überlegen, ob nicht vielleicht gerade jenen eine solche Äußerung Hitlers “gerade recht kam”, um ihn immer weiter in internationale Konflikte zu zwingen in der Erwartung, daß man nach einem Sieg über Hitler auf seinen Vernichtungswillen gegenüber den Juden verweisen und alle anderen Zusammenhänge verschweigen könne. Wenn nun Hitler im Verlauf des Krieges des öfteren darauf zurückkam, so ist das eine Folge der Tatsache, daß der im Weltjudenkongreß organisierte Weltzionismus Deutschland den Krieg erklärt hat, somit Kriegsgegner war und dieser Kriegsgegner an allen Fronten auch gegen Frauen und Kinder ungeachtet jeglicher Kriegsregeln kämpfte, – mit dem Ziel der Vernichtung Deutschlands. Er war selbst nach dem ausgebrochenen Krieg eine treibende Kraft, jegliche ‘Friedensinitiativen Hitlers scheitern zu lassen! Daran erinnerte sich Albert Speer bedauerlicherweise im Jahre 1977 nicht mehr.

Welches Verbrechen wiegt schwerer, ein Verbrechen im Verlauf eines Vernichtungskrieges oder eine Politik, “die zum Niedermetzeln von Millionen von Menschen führen muß”, wie sie selbst der britische Kriegspremier Winston Churchill in seinen Nachkriegsmemoiren allein bereits der britischen Garantie an Polen vom 31. März 1939 nachsagte? (“Der Zweite Weltkrieg” 1. Buch, Bd . 1 “Der Sturm zieht auf” S. 421/423)

An dererseits gibt Albert Speer zu, daß – “als Hitler mit leiser Stimme grauenhafte Entschlüsse bekanntgab” – er und seine Umgebung “wußten, daß es nun ernst geworden war”. Er wußte also um “grauenhafte Entschlüsse” und “daß es ernst war”. Dennoch mobilisierte er die Rüstung weiter, anstatt den von ihm als “Verbrecher erkannten Führer” und seine offenbar dann doch wo hl auch “verbrecherische Umgebung” umzubringen! Warum wohl tat er dies noch nicht einmal in Ansätzen?

Konkretes jedoch über die von ihm zitierten “grauenhaften Entschlüsse” (Mehrzahl), die auch noch vielerlei Personen gehört haben, hat er leider nicht genannt. Ein von allen Gegnern “mit allen grauenhaften Mitteln” geführter Vernichtungskrieg relativiert nämlich Vielerlei. Es muß wiederholt werden: Leider wußte Albert Speer im Jahre 1977 von den Gegnern Deutschlands nichts Nachteiliges zu berichten. Das alles macht seine Aussage so unrealistisch und unglaubwürdig.

Denn daß es nur einen Verbrecher mit seinen Helfershelfern gab und ansonsten nur “Friedensfreunde” und Humanisten, das kann doch wohl Albert Speer einer aufgeklärten Menschheit nicht glauben machen wollen!

Selbst der von ihm erwähnte Gauleiter von Niederschlesien, Karl Hanke, hatte ihm offenbar nichts Konkretes berichtet, wo doch Speer’s Stellung als Rüstungsminister eine solche war, daß er, wenn er wollte, Aufklärung hätte fordern können!

Daß Hitler Befehle auch mündlich gegeben hat, ist gewiß nicht zu bestreiten, doch der Beleg, den Albert Speer hierfür anführt, lautet doch, daß solche Befehle offensichtlich in den “Führerprotokollen” festgehalten worden waren, die zudem noch alle im Bundesarchiv Koblenz erhalten sind. Tatbestand aber ist doch, daß ausgerechnet der oder die angeblich mündlich erteilten Vernichtungsbefehle gegenüber den Juden n i c h t in irgendwelchen “Führerprotokollen” oder auch anderweitigen Protokollen vorliegen.

Daß Angeklagte im IMT-Prozeß von “Zeugen und vorgelegten Dokumenten” behauptete Vernichtungen “nicht ernstlich” bestritten haben, liegt in der Natur der Sache. Zum einen hat der völkische Vernichtungskampf im Osten naturgemäß auch auf deutscher Seite chaotische Auswüchse gebracht, die von keinem Angeklagten bestreitbar waren, und zum andern war von den Angeklagten des IMT-Prozesses niemand konkreter Sac hkenner oder Tatzeuge, um Behauptungen anderer konkret bestreiten zu können. Göring, Streicher, Fritzsche verurteilten die furchtbaren Massenmorde, “die im Prozeß bekannt geworden seien”. Hier nun müßte man ansetzen, ob die im IMT-Verfahren vermittelten Informationen wirklich zutrafen oder nicht. Daß in jenem Prozeß mit unter Todesdrohung stehenden Zeugen, unwahren Behauptungen, Dokumentenfälschungen und vielerlei anderen Rechtsbeugungen gearbeitet wurde, ist inzwischen allzu sehr bekannt, als daß ein Historiker die “im Prozeß bekanntgewordenen Fakten” ohne Prüfung für bare Münze ausgeben könnte. Hinzu käme der Vorbehalt, Aussagen der Angeklagten in jenem Prozeß unter dem Gesichtspunkt ihrer Verteidigung zu werten. Ein derartiges Verhalten als eine Art Beweis für geschehene systematische Vernichtungen auszugeben, ist unsachlich.

Zum Tagebuch Hans Frank ist zu sagen, daß es sich aus 42 Bänden (rund 12.000 Seiten) zusammensetzt. Hans Frank hat die stenografischen Niederschriften und sonstige niedergelegte Einzelheiten nicht jeweils überprüft und bestätigt. Im übrigen besteht ein großer Unterschied zwischen dem, was gesagt worden ist und jenem, was durchgeführt worden ist. Hierbei wird nicht bestritten, daß Frank großes Unrecht, grauenhafte Auswüchse im polnischen (Partisanen-) Kriegsgebiet zugegeben hat, das zu vereiteln nicht in seiner Macht stand. Das Tagebuch Hans Frank enthüllt aber gleichermaßen, daß sein Auftrag den ganzen Krieg hindurch dahingehend lautete, im Generalgouvernement eine im Rahmen des Kriegsgeschehens mögliche wirtschaftliche Wiederaufbau- und Zusammenarbeit mit Deutschland zu ermöglichen. Es enthüllt auch weiterhin, daß die Gegner Deutschlands mit ihren Vernichtungszielen und -methoden eine solche Aufgabe von Anfang an zu vereiteln versucht und schließlich gänzlich vereitelt und schreckenerregende Reaktionen ausgelöst haben. Krieg schafft unvorhersehbare Motivationen
und grauenerregende Verhältnisse! Solche nach Beendigung des Krieges nur auf der einen Seite als vorliegend gewesen darzustellen, wird den historischen Fakten nicht gerecht. Werden schließlich noch Ursachen und Wirkungen miteinander vertauscht, so ist die Gesamtdarstellung wertlos.

Die berüchtigte Rede Himmlers vom 6. Oktober 1943 ist nach wie vor umstritten, ihre angebliche Tonaufnahme unglaubwürdig. Wenn es einen zentralen Geheimplan zur Vernichtung von Juden gab, hätte ihn Himmler nicht vor einem großen Gremium politischer Führungskräfte des ganzen Reichsgebietes enthüllen dürfen, auch nicht können, ohne selbst in Regreß genommen zu werden. Wenn es aber dennoch stimmen sollte, daß Himmler am 6. Okt. 1943 dort die Vernichtung der Juden “als ein zum größten Teil durchgeführtes Programm verkündete”, so verbliebe als Zeitraum, innerhalb dessen dies mit allen seinen technischen Vorbereitungen hätte durchgeführt werden können, nur die Zeit zwischen Herbst 1942 und 1943, d.h. ein Jahr. Was aber ist in einem Jahr unter härtesten Kriegsbedingungen für die deutsche Seite überhaupt technisch, rohstoffmäßig usw. möglich gewesen? Und schließlich: Wo sind die Funde? Bis heute gibt es sie nicht! Der Historiker fordert diese und andere Indizien, – Albert Speer hat sie nicht geliefert! (Vergl. zu Dokumentenfälschungen und “Funden” aus der Zeitschriftenreihe “Historische Tatsachen” Nr. 2 und Nr. 5).

Ohne leugnen zu wollen, was Grauenhaftes im Verlauf des Krieges auf allen Seiten geschehen ist, so bleibt doch Vieles, was die Siegermächte nach dem von ihnen gewonnenen Krieg der deutschen Seite anlasten, außerordentlich merkwürdig, widerspruchsvoll und jedenfalls soweit unbelegt, wenn man die Strenge der Indizien- und Faktenbeweise anlegen würde, die in normalen Strafverfahren angelegt werden.

Am Beispiel der stets zitierten “Ereignismeldungen UdSSR” (Bundesarchiv Koblenz – R 58/221) mag dies kurz erläutert werden. Diese Ereignismeldungen sind auf Grund von Fernschreib-Berichten der Einsatzgruppen und -Kommandos zusammengestellt worden und wurden im April 1942 (letzte Meldung) in 75 Ausfertigungen versandt. Sie enthalten sehr detaillierte Einzelheiten, künden auch ständig von der Schwere der Partisa­neneinsätze und enthalten lediglich für das Jahr 1941 Za hlen von Massenliquidationen, d.h. zu einer Zeit, als eine sog. “Endlösung der Judenfrage” noch gar nicht zur Debatte stand. Merkwürdig bleibt, daß diejenigen, die in Berlin auf Grund von Fernschreibe n (die nicht mehr vorliegen) jene Zahlen niedergeschrieben haben,

a) entgegen allen Rücksichten und Befehlen auf Geheimhaltung publizierten, ohne je zur Rechenschaft gezogen zu werden,

b) an Empfänger publizierten, von denen sie wissen mußten, daß sie über solche Informationen zutiefst schockiert sein mußten,

c) nach Kriegsende von den Sowjets die doch nicht wegzuzaubernden Funde der Weltöffentlichkeit niemals beweiskräftig vorgeführt wurden.

Gerade der fehlende Nachweis nach Kriegsende, da die siegreiche Sowjetmacht Jahrzehnte Zeit hatte zu suchen und zu finden (die Positionen der vor Kriegsbegin  angelegten Panzergräben kannte sie ja zudem!), wird von der Geschichtsforschung als untrüglicher Beweis dafür gewertet werden müssen, daß die diesbezüglichen Seiten der nach dem Krieg aus dem Reichssicherheitshauptamt vorgelegten Papiere fragwürdig bleiben.

Am Beispiel der Autobiographie des Chefs der “Roten Kapelle”, der größten kommunistischen Spionageorganisation während des Zweiten Weltkrieges, Leopold Trepper, läßt sich wohl am beispielhaftesten nach den Gründen des Hasses fragen, der jene Leute angetrieben hat, gegen das nationalsozialistische Deutschland Sturm zu laufen. Leopold Trepper hat dies bei Verwendung von 440 Seiten für seine Lebenserinnerung mit keinem Satz begründet, sondern er hat wie selbstverständlich dargetan, daß dieser Haß – allgemein anerkannt – berechtigt war. Zitieren wir ihn in seinem Buch “Die Wahrheit” (Kindler Verlag, München 1 975) selbst:

“Von den Pogromen im zaristischen Rußand bis zur Dreyfus-Affäre hatte ich mich mit den Erscheinungsformen des Antisemitismus, seinem Ursprung und seinen Mechanismen beschäftigt, und das Nazitum schien mir im zwanzigsten Jahrhundert seine schlimmste Ausprägung zu sein. Je schneller das unreine Tier heranwuchs, desto mehr beunruhigte mich die Sorglosigkeit der Welt . . . . . .

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt – die Welt las es auf den Titelseiten ihrer Tageszeitungen. Auf mich als Kommunisten wirkte dieses Ereignis wie ein Alarmsignal. Die Tür zur Barbarei war aufgestoßen . . . . (S. 73)

Die Welt hatte versäumt, die braune Pest im Keim zu ersticken, die Krankheit grassierte, die Ansteckungsgefahr nahm zu. Als ich im Zusammenhang mit meiner ersten Mission am I. Mai 1937 nach Frankreich fuhr und in Berlin Station machte, traute ich meinen Augen nicht! Unerträglich der Anblick, der sich mir auf den Straften bot: Tausende von Arbeitern mit Schirmmütze, Tausende von Jugendliehen marschierten hin ter den Fahnen und Standorten der Nazis her und sangen laut die hitlerischen Hymnen. Gebannt stand ich am Straßenrand, unfähig zu begreifen, was ich sah. Welcher Massenwahn hatte die Deutschen befallen? In diesem Augenblick, unter dem Eindruck der schmetternden Gesänge, die bald ganz Europa hören sollt, gewann ich die Überzeugung, daß der Nazismus nur in eine Katastrophe, in einen Weltenbrand münden konnte, und ich beschloß, in diesem unerbittlichen Kampf, bei dem die Zukunft der Menschheit auf dem Spiel stand, meinen Platz einzunehmen. In vorderster Linie … “(S. 74)

Was würde wohl Herr Trepper sagen, wenn ein Deutscher am Straßenrand in Jerusalem stehen und gleichermaßen über den Israelischen Staat urteilen würde? Hätte er nicht besser getan, sich um seine eigenen Belange zu kümmern, als sich in die inneren Angelegenheiten eines fremden Volkes einzuschalten? Woher nahm er das Recht, den demokratischen Willensvollzug des deutschen Volkes zu bekämpfen?

Für wen aber setzte sich Leopold Trepper denn nun ein, für wen arbeitete, kämpfte er in vorderster Front? Er schreibt selbst über dieses “Sowjetparadies”:

“Freilich, wenn der Weg mit Arbeiterleichen übersät war, dann würde, dann konnte er nicht zum Sozialismus führen. Unsere Genossen verschwanden, die besten von uns kamen um in den Kellern des NKWD, das stalinistische Regime entstellte den Sozialismus bis zur Unkenntlichkeit. Zehn mal,  hundertmal mehr Kommunisten als Hitler hat Stalin, der große Totengräber, liquidiert . . . .

… als staatenloser polnischer Jude, der in Palästina gelebt hatte und in Moskau an einer jüdischen Tageszeitung arbeitete, war ich für das NKWD zehn mal verdächtig ….. .

Sie hben noch ungefähr zwei Jahre bis Kriegsausbruch’ meinte er (der später ebenfalls von Stalin liquidierte sowjetische General Bersin).’ Verlassen Sie sich in erster Linie auf sich selbst. Ihre Aufgabe ist einzig und allein der Kampf gegen das Dritte Reich, nichts sonst. Bis Kriegsbeginn muß Ihre Geheimorganisation in Ruhestellung bleiben . . . . . . . ‘ (S. 9o – das Gespräch fand im Herbst 1937 statt)

Wieso hatten sie mich verschont ? (gemeint waren Stalins Leute in Moskau)

Es kamen die Schauprozesse. Gegen verdiente Bolschewiki, treue Kampfgefährten Lenins, erhob man die unwahrscheinlichsten Anklagen, stempelte sie zu englischen, französischen, polnischen Spionen – die Nationalität spielte keine Rolle! Beweise wurden notdürftig zusammengeschustert. In jedem Prozeß zählte man Namen von Mitgliedern des Politbüros auf, die angeblich um Haaresbreite einem Attentat der Angeklagten entgangen seien. Die Liste wechselte. Manchmal saßen im nächsten Prozeß Leute auf der Anklagebank, die noch vor wenigen Monaten selbst von einem Komplott ‘bedroht’ waren – nun ihrerseits als Terroristen gebrandmarkt. Dieses traurige Schauspiel, grobschlächtig inszeniert, daß selbst die blindesten Augen hätten sehend werden müssen, sollte die Sowjetbürger in Angst und Schrecken versetzen. Eine unvorstellbare Massenpsychose, die vom gesamten Staatsapparat geschürt wurde, erfaßte das Land. Überall Maßlosigkeit und Ungeist ….. (S. 56)

Es wäre … zu sprechen von den körperlichen und seelischen Folterungen und der systematischen Erpressung der Beschuldigten durch Androhung von Repressalien gegen ihre Familien. Auch darf das ungerechte Schicksal einer begrenzten Zahl von Prozeßopfern uns nicht verleiten, die Unterdrückung von Millionen Sowjetbürgern zu übersehen, für die man keine Geständnisse brauchte.

Der Stalinismus scheiterte auf der ganzen Linie, der Wirtschaftsentwicklung, der Zwangskollektivierung, der Industrialisierung. Nur der Kadervernichtungsplan wurde mit Übersoll erfüllt. Die von Stalin verfügte ‘Rotation der Kader’ sah vor, jeden, der ein Amt bekleidet hatte, zu liquidieren. Mit wissenschaftlicher Akribie wurde die Säuberung durchgeführt, Kategorie für Kategorie, Viertel für Viertel, Ministerium für Ministerium, Fach für Fach. Jedes Opfer riß seine Kollegen, Freunde und Bekannte mit in die Tiefe . . . . . (S. 57-58)

Damals lebten in der sowjetischen Hauptstadt mehrere tausend ausländische Kommunisten, die in der Komintern, der Profitern, der Bauern-Internationale, der Jugend-Internationale und der Frauenorganisation tätig waren: Neunzig Prozent davon wurden liquidiert! Damit nicht genug, fanden Tausende politischer Flüchtlinge aus der ganzen Welt in der Sowjetunion eben jene Folterkammern und Hinrichtungskommandos wieder, vor denen sie in ihren Heimalländem geflohen waren . . . . . . (S. 59)

Nachdem XX. Parteitag 1956 tat dann jeder so, als fiele er aus allen Wolken; angeblich enthüllte die Rede Chruschtschows einen nie geahnten Vorgang. Dabei waren sie in Wirklichkeit Mitwisser und Komplizen der Liquidationen gewesen, selbst in Fällen, wo es sich um ihre eigenen Parteifreunde handelte!
Ich habe Erinnerungen an diese finstere Zeit, die ich nie mehr los werde . . . . . (S. 61)

Die Angst vor dem Morgen, die Angst, vielleicht die letzten Stunden in Freiheit zu leben, bestimmte all unser Tun, wurde uns zur zweiten Natur, machte uns vorsichtig und unterwürfig. Ich wußte, daß meine Freunde verhaftet waren und schwieg. Warum sie? Warum nicht ich? Ständig in der Erwartung, selbst an die Reihe zu kommen, bereitete ich mich innerlich auf dieses Nachspiel vor . . . . (S. 62)

Selber Teilchen des Appartes und vom Terror fast in den Wahnsinn getrieben, schufen wir die Instrumente unserer eigenen Unterwerfung. Alle, die sich nicht gegen die stalinistische Todesmaschinerie aufgelehnt haben, trifft Schuld, eine kollektive Schuld. Ich nehme mich selbst von diesem Richterspruch nicht aus.

Wer hat denn damals protestiert? Wer ist denn aufgestanden und hat seinen Ekel hinausgeschrien?” (S. 63)

Adolf Hitler zum Beispiel! Herr Trepper!

Brechen wir hier ab. Können Leute wie Leopold Trepper uns Deutschen Ratschläge geben, uns Moral predigen, Vorbilder sein, können solche Leute uns davon überzeugen, “auf der besseren Seite gestanden zu haben?” Können wir sie überhaupt verstehen in ihrem politischen Einsatz, in ihrem Haß gegen Deutschland? Kann hier Vernunft und Logik überhaupt noch einen Zugang haben? -
Dem Leser sei die Antwort überlassen.

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Dringender Aufruf an alle Leser: Bitte unbedingt lesen, entweder im Original als PDF oder hier online!

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Ostern auf Jüdisch – Blut-Pessach

“Der jüdische Ritualmord” nach Schramm oder “Blut-Pessach” nach Toaff

Von Cyrus Cox

Der christliche Ritualmordvorwurf gegen Juden kam im 12. Jahrhundert auf.

“Die Gier nach dem Blut von Christenkindern, das Juden für ihre Mazzen [Brot] beim Pessach zu verschiedenen magischen oder medizinischen Zwecken benötigten”,

so der damalige pauschale Vorwurf, hatte sich weithin in Europa verbreitet.

Der jüdische Ritualmord

Natürlich hätten wir Dr. Schramms wissenschaftliches Werk nicht nachdrucken können, wären seine Forschungsarbeiten heute nicht von offizieller Seite bestätigt worden. Dieses Buch, das vom Machtjudentum und seinen Hilfswilligen als Werk “des Bösen” angeprangert wird, weil es im nationalsozialistischen Deutschland entstand und das Programm der Menschenfeinde entlarvt, wird heute ausgerechnet von höchster jüdischer Fachkompetenz sowie von systemprominenter Seite bestätigt.

2007 wurde Dr. Hellmut Schramm von Professor Ariel Toaff bestätigt und sein Werk dadurch voll rehabilitiert. In der Einführungs-Dokumentation dieses historischen Nachdrucks sind die Kernaussagen von Professor Toaff, von Professor Prantner sowie die wörtlichen Aussagen der jungen Jüdin Vicki Polin im US-Fernsehen dem historischen Nachdruck vorangestellt.

 

Es fing an, als man seltsam gemordete Kinder in England fand, dann in Spanien, später in Frankreich. Danach wurden Opfer im südlichen und östlichen Europa gefunden. Gegenwärtig klagen vor allem islamische Länder das Judentum der Ritualmord-Praxis an. Allerdings ist es, damals ebenso wie heute, nicht richtig, das Judentum insgesamt für die ihnen angelasteten Verbrechen verantwortlich zu machen.

Das Aufschneiden des Halses eines “Pessach-Opfers”, vorwiegend Kleinkinder, galt Jahrhunderte hindurch als Tatsache, vom Vatikan mit päpstlichen Dokumenten bestätigt. Aber mit der sogenannten jüdischen Emanzipation in Europa nahm auch der jüdische Einfluss auf Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Justiz in unvorstellbarem Ausmaß zu. Seither gilt es als zivilisatorisch unvorstellbar, dass Juden zu solch abscheulichen Handlungen fähig sein könnten. Damit wurde allen Juden sozusagen eine Blanko-Unverdächtigkeitsgarantie ausgestellt, auch den wirklichen Verbrechern.

Kriminalistische Ermittlungen wurden seither bei Ritualmord-Verdachtsfällen grundsätzlich verhindert, abgeschwächt und letztlich vor Gerichten verworfen, so die Klage von namhaften Forschern auf diesem Gebiert.

Letztlich blieb nur das nationalsozialistische Deutschland übrig, das eine wissenschaftliche Aufarbeitung dieses Themas zuließ. Aber durch den Sieg der jüdischen Lobby über Hitler-Deutschland konnten diese Forschungsarbeiten lange Zeit nicht mehr weitergeführt werden.

Doch, einem Wunder gleich, erholte sich die daniederliegende wissenschaftliche Energie allmählich und ließ den noch nicht ganz abgetöteten Samen des Forschungsdrangs erneut sprießen. 1997 veröffentlicht der Religionsforscher, Professor Robert Prantner, der an der katholischen Hochschule Heiligenkreuz Ethik und Sozialwissenschaften lehrte, seine Forschungserkenntnisse, wonach es tatsächlich jüdische Ritualmorde gegeben habe.

“’Es wäre eine Verfälschung der Geschichte, bestimmte Ritualmorde zu mittelalterlicher Zeit dem phantasiebestimmten Hass des Nationalsozialismus zuzuschreiben’. Bekanntlich hätten sich die Juden nicht bloß an Kindern, wie dem Anderl von Rinn, versündigt, sondern auch an erwachsenen Menschen zu vorösterlicher Zeit’.” [1]

Der Atem wurde von Opfern des Verfolgungsapparates angehalten, als Professor Prantner offen forderte, die Judenheit müsse sich für diese Blutverbrechen im Rahmen eines Weltkongresses entschuldigen.

“Auch das Blut gemordeter Christen, vergossen durch jüdische Hand, schreit zum Himmel! So erwartet man einen Kongreß der Weltjudenheit auf religiöser Grundlage, in dessen Verlauf das ‘Neue Gottesvolk’ – des ‘Neuen Testaments’, geboren aus dem Blute Jesu, am Kreuze durch den Hohen Rat der Judenheit vor knapp 2000 Jahren – um Verzeihung gebeten wird.” [2]

Aber dann geschah etwas, was kaum vorstellbar war. Das gegen Professor Pranter eingeleitete Strafverfahren wegen der Anschuldigung, die Judenheit hätte Ritualmord-Verbrechen begangen, wurde eingestellt.

“Die Staatsanwaltschaft Wien teilte dem DÖW am 7. Juli 1998 mit, dass sie die Anzeige gegen Robert Prantner wegen des Verdachtes der Verhetzung (§ 283 StGB)‚ geprüft und keine genügenden Gründe gefunden’ habe, um ein Strafverfahren zu veranlassen’.” [3]

Wenn es seitens der Staatsanwaltschaft nach gründlicher Prüfung von Professor Prantners Material nicht genügend Gründe gab, ein Strafverfahren zu veranlassen, müssen seine Tatsachen richtig gewesen sein. Einen anderen Schluss kann es hier nicht geben, zumal die Strafanzeige in Österreich erfolgte, dem Verfolgungsland Nummer eins in Europa, wenn jüdische Interessen betroffen sind.

Zehn Jahre nach Professor Prantners Aufklärungsknall detonierte eine weitere Wissenschaftsbombe in Italien. Der jüdische Historiker Ariel Toaff, Lehrstuhlinhaber an der Bar-Ilan-Universität in Ramat Gan (Tel Aviv), Israel, veröffentlichte 2007 sein berühmt gewordenes Buch “Pasque di Sangue” (“Pessachfest des Blutes”).

Wichtig: Ariel Toaff ist der Sohn des emeritierten Oberrabbiners von Rom, Elio Toaff. Ariel Toaff erforschte jahrzehntelang das Thema “jüdische Blutmorde”, wobei ihm sehr viel mehr Quellen offenstanden als nichtjüdischen Forschern. Er konnte geheime hebräische Texte auswerten. Toaff gelangte zu dem Forschungsergebnis,

“dass es in bestimmten jüdischen Kreisen des Spätmittelalters rituelle Morde an christlichen Kindern gegeben habe. Dabei sei es um magisch-therapeutische Praktiken gegangen.” [4]

Noch sensationeller als die staatsanwaltschaftliche Antwort auf Professor Prantners Enthüllungen, reagierte die Universität in Tel Aviv, an der Professor Toaff lehrt: Die Universität verzichtete auf jegliche Disziplinarmaßnahmen gegen den Professor, da er umfangreiches historisches Material für seine im Buch vorgebrachten Behauptungen vorlegen konnte.

“Ein Sprecher der Universität sagte, dass die Universität mit den vorgelegten Materialien, die dem Buch des Professors (Pasque di Sangue oder Blut-Pessach) zugrunde liegen, faktisch befriedigt worden sei.” [5]

Die Bar Illan-Universität wollte sich offenbar keine wissenschaftliche Blöße geben und ging ohne großen Wirbel zur Tagesordnung über. Dabei darf man nicht vergessen, dass Professor Toaff in seinem Buch aufklärerisch vielfach noch weiter gegangen ist als Dr. Hellmut Schramm in seinem 1943 veröffentlichten Buch “Der jüdische Ritualmord”.

Auch den abscheulichen Blutverzehr bestätigt Professor Ariel Toaff. Er schreibt:

“Das Handbuch Segullot, das unter Juden aus Deutschland weit verbreitet war, beinhaltet eine Vielfalt von Kochrezepten auf der Grundlage von Blut, menschlichem und tierischem Blut. Die Rezepte zeugen von phantastischer, breiförmiger Arznei. Die Zubereitung erforderte manchmal sehr viel Mühe. Diesen Blutrezepten wurde eine große Heilkraft zugeschrieben und die Kraft, Krankheiten abzuwehren. … Der große Kabbalist Mordechai, einer der wegen mehrfachen Ritualmordes in Endingen Verurteilten, lehrte, dass das Trinken von Blut junger Frauen Epilepsie heile. Das Handbuch Segullot bestätigt darüber hinaus ‘die gewaltige Wirkung des Menschenblutes’, wenn es trocken und in Pulverform als Hauptbestandteil eines Mahles verzehrt wird. Außerdem würde der Verzehr von Blut die wildesten erotischen Träume wahr werden lassen, lehrt das Buch. … Während des Trienter-Prozesses machten insbesondere die Frauen, die der anerkannten jüdischen Autorität Samuele da Norimberg nahestanden, keinen Hehl daraus, dass sie sehr an die heilende Wirkung von Kinderblut, verabreicht als wunderbare Zutat zu Mahlzeiten, glaubten. ‘Dies ist Bestandteil unserer Medizin und Praxis der angewandten Kabbala, es ist uralte Tradition’, sagte Bella, die Schwiegertochter von Mosè da Würzburg während ihrer Zeugenvernehmung in Trient im Februar 1476 ohne zu zögern.” [6]

Und Toaff weiter:

“Die Synagoge verwandelte sich zu jener Zeit in eine Art heiliges Schlachthaus. Unter Gebeten und Klageliedern wurde das Blut von Frauen und Kindern in Liebe zu Gott geopfert. Das Blut schoss geradezu aus den Körpern. Die heilige Arche, die Kanzel, die Galerie, die Treppen, der Altar, alles war rot gefärbt von Blut.” [7]

Toaff erklärt außerdem:

“‘Zeh ha-dam shel goi katan.’ Das ist der Satz, der vor dem Ritualmord gesprochen wird. Er bedeutet: ‘Das ist das Blut eines jungen Christen’.” [8]

Richtig übersetzt müsste es wohl heißen “das ist das Blut eines jungen Nichtjuden”, denn “goi” heißt “Nichtjude”, “unsauberes Tier”.

Toaffs Buch wurde, wie es mit aufklärerischen Werken vor hundert oder zweihundert Jahren auch geschah, von den Mächtigen der jüdischen Organisationen aufgekauft und aus dem Verkehr gezogen. Anfangs kämpfte der Forscher noch gegen die Zensur und die Drohungen an:

“Toaff versprach, dass er sich dem Druck nicht beugen und sein Werk verteidigen werde.”

Doch dann kapitulierte er, teilweise:

“Er stoppte den Verkauf seines Buchs.” [9]

In einer Neuauflage 2008 schwächte er Vieles ab, schloss aber jüdische Ritualmorde grundsätzlich nicht aus.

“Bestimmte verbrecherische Handlungen unter dem Deckmantel von Ritualen fanden tatsächlich statt. Es waren extremistische Gruppen und Einzeltäter, verblendete Religionsfanatiker, getrieben von Rachedurst gegen jene, die sie für ihre Leiden und ihre Tragödien verantwortlich machten.” [10]

Professor Ariel Toaff ließ verschiedentlich anklingen, dass Juden noch heute mit Menschenblut handeln. Diese Andeutung wurde allerdings einige Zeit vorher in einer sehr populären Fernseh-Show in den USA mit offenen Anschuldigungen unterlegt.

Am 1. Mai 1989 war eine junge Jüdin unter dem Pseudonym “Rachel” zu Gast in der Oprah Winfrey Show, die vor Millionen von Fernsehzuschauern erklärte, dass diese Schächt-Rituale an christlichen Säuglingen auch heute noch stattfänden. Sie selbst habe einen Säugling opfern müssen, berichtete sie vor der Kamera. Hier die wichtigsten Aussagen des Film-Mitschnitts aus der damaligen Fernsehsendung. “Rachels” richtiger Name ist übrigens Vicki Polin.

Winfreys Gast wurde von der Fernsehmoderatorin immer wieder als Jüdin vorgestellt. Rachel antwortete der sichtlich schockierten

Oprah Winfrey:

“Jüdische Blutopfer finden auch in anderen jüdischen Familien statt, überall im Land. Und die Polizei kennt jene, die diese Opferungen praktizieren.”

Winfrey fragte:

“Und zuhause beteten sie den Teufel an?”

Rachel:  

“Ja, das geschieht im ganzen Land bei Juden. Nicht nur in meiner Familie.”

Winfrey:

“Wer weiß darüber Bescheid?”

Rachel:  

“Ich sprach mit einem Kriminalbeamten in der Nähe von Chicago. Auch viele Freunde wissen das. Ich habe alles öffentlich gemacht.”

Winfrey:

“Sie wurden also in diesem Satanismus erzogen?”

Rachel:

“Ich verdrängte viele dieser Erinnerungen wegen meiner daraus resultierenden multiplen Persönlichkeit. Aber, ja, damals dachte ich, es sei normal. So wurde ich erzogen.”

Winfrey:

“Was taten Sie genau. Sie müssen uns nicht die blutigen Einzelheiten erzählen, sondern nur generell, was Ihre Familie tat.”

Rachel:

“Es handelte sich um Rituale. Säuglinge wurden geopfert.” 

Winfrey:

“Wessen Babys?”

Rachel:

“Es waren Menschen, die für unsere Familie Babys züchteten. Niemand wusste davon. Viele der Frauen waren übergewichtig, so dass man eine Schwangerschaft oft nicht bemerkte. Oder sie gingen eine Weile aus dieser Gegend fort und kamen später wieder. Ich möchte darauf hinweisen, dass nicht alle Juden Säuglinge opfern. Es ist nicht typisch für alle Juden.” 

Winfrey:

“Es ist das erste Mal, dass ich davon höre, dass Juden Babys opfern. Aber Sie haben es bezeugt.” 

Rachel:

“Ja, als ich sehr jung war, wurde ich gezwungen, ein Kind zu opfern.”  

Winfrey:

“Was ist das Motiv für die Opferung. Für was opferten Sie?”  

Rachel:

“Für Macht.” 

Winfrey:

“Ah, ja. Wurden Sie persönlich für etwas benutzt?” 

Rachel:

“Ich wurde belästigt, mehrmals vergewaltigt.” 

Winfrey:

“Was hat Ihre Mutter getan? Was war ihre Rolle?” 

Rachel:

“Was ihre Rolle genau war, weiß ich nicht. Aber ihre Familie war extrem in die Opferungen verwickelt. Meine Eltern brachten mich zur Familie meiner Mutter.” 

Winfrey:

“Wo ist Ihre Mutter jetzt?” 

Rachel:

“Sie lebt im Großraum Chicago und unterhält gute Beziehungen zur Stadtverwaltung. Sie ist ein normaler Bürger, niemand würde sie verdächtigen.” 

Winfrey:

“Können Sie zwischen richtig und falsch unterscheiden, Rachel?” 

Rachel:

“Ja. Ich glaube ich hatte beides, nach außen hin. Alles, was wir taten tagsüber, war in Ordnung. Aber dann gab es die Nächte, die die Dinge änderten. Alles war auf den Kopf gestellt. Was richtig war, war falsch. Und was falsch war, war richtig.” 

Winfrey:

“Ist es das, was Sie jetzt ‘den Teufel anbeten’ nennen in Ihrer Familie? Es war nur böse, was Sie taten.” 

Rachel:

“Ja, ich tat Schlechtes und sie sagten mir, es sei gut. Es gibt da ein Buch, auf das ich kürzlich gestoßen bin. Lith’s Cave. Jewish Tales of the Supernatural. (Liths Höhle. Jüdische Erzählungen über das Übersinnliche). Es ist ein Buch über jüdische Mystik und über das Übersinnliche. Es gibt vieles in dem Buch, was sich mit dem deckt, was ich in meiner Jugend zu erleiden hatte. 

————–

Es herrscht unter der Judenheit eine nicht zu leugnende Blutbesessenheit vor. Wenn die männlichen Säuglinge am siebten Tag beschnitten werden, saugen viele Rabbiner das Gliedchen des Kindes ab, sie trinken das Blut. [11] Die Beschneidung gilt als Eintritt in den Bund mit Gott, da versagt der normalmenschliche Verstand. Auch Ariel Toaff widmet dieser Praxis viel Raum in seinem Buch. Er berichtet, dass sich früher die Frauen darum rissen, die blutige Vorhaut des beschnittenen Säuglings zu verschlingen.

Das Uropfer, so die jüdischen Schriften, wurde von Abraham durch die Schächtung seines eigenen Sohnes Isaak erbracht. Laut Altem Testament, der Version für die Nichtjuden, sei Gott dem Abraham in den Arm gefallen und habe die Schächtung des Isaak verhindert. Gott hätte sich mit einem Widder zufrieden gegeben, heißt es in der Bibel. Aber Toaff schreibt, in den hebräischen Texten würde gesagt, dass Abraham seinen Sohn tatsächlich schächtete:

“Das biblische Opfer von Isaak wurde, gemäß der Midrash [Gesetzeslehre], tatsächlich ausgeführt.” [12]

Vor den Gerichten wurden immer wieder Gutachter bemüht, die erklärten, dass der Ritualmord an Nichtjuden keinesfalls durch das jüdische Gesetz gedeckt sei, wohl aber das Schächten von Tieren. Das ist in der Tat nicht falsch, aber kaum erträglicher, denn für den zivilisierten Menschen ist es ein Verbrechen, Tiere zu schächten. Unbegreiflicher wird es aber für den normalen Nichtjuden, dass es sich nach jüdischem Gesetz bei Nichtjuden nicht um Menschen handelt, sondern um seelenlose Tiere. Und diese Gesetzesüberzeugung stammt nicht aus dem Mittelalter, sondern aus dem Jahre 2009, unbeanstandet von Justiz und Politik:

“Nichtjuden sind seelenlos von Geburt an und sollten getötet werden, um ihre bösen Veranlagungen in Schranken zu halten. Wenn wir einen Nichtjuden töten, der eine der Sieben Gebote verletzte, dann handeln wir richtig. Es ist nach dem Jüdischen Gesetz erlaubt, nichtjüdische Säuglinge zu töten, wenn es ersichtlich ist, dass sie gegen uns Böses tun werden, wenn sie erwachsen sind.” [13]

Und heute? In Belgien wurde der Kinderdieb Marc Dutroux angeklagt. Er war das Werkzeug eines internationalen Pädophilen-Netzwerks.

“Die Ermittlungsakte 8257/01 von Staatsanwalt Michel Bourlet lässt keine anderen Schlüsse zu. … ‘Die Leute wollen glauben, dass ich im Mittelpunkt stehe. Sie irren sich’. Worte von Marc Dutroux im März 2004.” [14]

Wie viele der von Dutroux gestohlenen Kinder wurden in geheimen Schwarzlicht-Verliesen bestialisch geschlachtet, fragen sich viele, denn die Hintermänner von Dutroux durften nicht aufgedeckt werden.

“Einem Untersuchungsrichter, der gegen die Hintermänner ermitteln wollte, wurde der Fall weggenommen!” [15]

“Die Europäische Grundrechte-Agentur schlägt Alarm: In Europa nimmt der Kinderhandel zu. Hunderte Minderjährige verschwinden jährlich spurlos.” [16]

 

Fußnoten:

1

Süddeutsche Zeitung, 2. Januar 1997, S. 13

2

http://www.doew.at/projekte/rechts/chronik/1998_07/doewpress.html – - Juli 1998

3

ebenda

4

Die Welt, 9.2.2007, S. 27

5

Jerusalem Post, 13.02.2000

6

Ariel Toaff, Blut Pessach, S. 102/103

7

ebenda, S. 193

8

Ariel Toaff, Blut Pessach, S. 178

9

http://en.wikipedia.org/wiki/Ariel_Toaff

10

ebenda

11

“Nach dem jüdischen Gesetz muss der Mohel (Beschneider) das Blut des beschnittenen Säuglings von der Wunde entfernen. Während viele Mohels ihre Hände benutzen, praktiziert Rabbi Fischer die Wundsäuberung gemäß metzizah bi peh. D. h. er nimmt das blutende Glied in den Mund und saugt das Blut ab.” (New York Daily News, 02.02.2005)

12

Ariel Toaff, Blut Pessach, S. 193

13

Aus dem Buch von Rabbi Yitzhak Shapira “Torat Ha’Malech” – Des Königs Thora – Jerusalem Post, online, 11.11.2009

14

Die Welt, 08.03.2004, S. 8

15

Der Spiegel 12/2004, S. 162

16

zeit.de, 07.07.2009

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Quelle: National Journal

Gründung des Nationalsozialistischen Fliegerkorps (NSFK) am 17. April 1937

Das Nationalsozialistische Fliegerkorps (NSFK) war eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und Entstand 1937 aus dem Deutschen Luftsportverband.

Bestehen: 1937 – 1945
Führer: Friedrich Christiansen (1937-43),
Alfred Keller (1943-45)

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Angehörige

Dem NSFK konnten angehören:

  • aus den Jungfliegerscharen der HJ hervorgegangene Jungmannen vom 18. Lebensjahr an,
  • fliegendes Personal der Luftwaffe im Beurlaubtenstande,
  • als Flugzeugführer, Beobachter, Ballonführer oder Segelflieger ausgebildete Reichsdeutsche.

Das NSFK hatte die Aufgabe, im Rahmen der vor- und nachmilitärischen Erziehung den fliegerischen Gedanken im deutschen Volke zu pflegen, zu vertiefen und wachzuhalten und die fliegerischen Betätigungen auf den verschiedensten Gebieten in einem Geiste zusammenzuschließen (Modellflug, Segelflug, Motorflug, Ballonflug).

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Organisationsstruktur

Das NSFK unterstand unmittelbar Reichsluftfahrtminister Hermann Göring; seine Haushaltsmittel erhielt es aus dem Etat des Reichsluftfahrtministeriums (RLM) Amt 4 / Allgemeines Luftamt (Ministerialdirektor Fisch). Sämtliches Gerät, Gebäude und Anlagen waren Reichseigentum, wie bereits zuvor im DLV.

Mit der Führung des NSFK beauftragte der Reichsluftfahrtminister den im aktiven Dienst stehenden Luftwaffengeneral Friedrich Christiansen (ab 1943 Generaloberst Alfred Keller). Die geographische Aufteilung der insgesamt 17 NSFK-Gruppen orientierte sich ausschließlich an der militärischen Wehrkreiseinteilung und nicht an den Gauen der NSDAP. Jede der 17 Gruppen teilte sich wiederum in bis zu acht Standarten auf, diese wiederum in Stürme mit einer Mindeststärke von 120 Mann.

Die Mitgliedschaft beim NSFK war freiwillig, zudem konnten deren Mitglieder nicht gleichzeitig der SA, SS oder dem NSKK angehören.

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Korpsführung – Zentrale

Die Korpsführung befand sich in der Großadmiral Prinz-Heinrich-Str. 1–3 in Berlin W35. Sie umfasste folgende Abteilungen:

  • Verwaltungsamt
  • Zentralabteilung
  • Segelflug
  • Modellbau
  • Technik
  • Motorflug
  • Ballonsport
  • Wehrsport und nationalpolitische Schulung
  • Personal
  • Presse
  • Sanitätswesen und
  • Rechtswesen

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Bekleidung und Dienstgradsystem

Während die Ende 1933 eingeführte blaugraue Dienstuniform des DLV durch Austausch der Spiegel übergangslos in der Luftwaffenuniform aufging, orientierte sich die NSFK-Uniform und das im NSFK gebräuchliche Dienstgradsystem stark an die Sturmabteilung. So wurde auch in dieser Gliederung eine SA-ähnliche Uniform inklusive dem Braunhemd der Partei und SA-ähnliche Dienstgradspiegel getragen. Dazu wurde ein Koppel mit Schulterriemen und auf der rechten Brusttasche das NSFK-Organisationsabzeichen getragen.

Die Dienstgrade des NSFK waren (in absteigender Reihenfolge):

  • NSFK-Korpsführer.
  • NSFK-Obergruppenführer
  • NSFK-Gruppenführer
  • NSFK-Brigadeführer
  • NSFK-Oberführer
  • NSFK-Standartenführer
  • NSFK-Obersturmbannführer
  • NSFK-Sturmbannführer
  • NSFK-Hauptsturmführer
  • NSFK-Obersturmführer
  • NSFK-Sturmführer
  • NSFK-Haupttruppführer
  • NSFK-Obertruppführer
  • NSFK-Truppführer
  • NSFK-Oberscharführer
  • NSFK-Scharführer
  • NSFK-Rottenführer
  • NSFK-Sturmmann
  • NSFK-Mann

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Gruppenaufteilung

Nr. Gruppe Sitz Gruppenführer
1 Ostland Königsberg Ewald Oppermann
2 Nord Stettin Friedrich-Wilhelm Frodien
3 Nordwest Hamburg Harry von Bülow-Bothkamp
4 Berlin Berlin Karl Sauke
5 Wartheland Posen Arno Kehrberg
6 Schlesien Breslau Gerhard Sporleder (Vorgänger: Borchmann (ab Juli 1937))
7 Elbe-Saale Dresden Otto Zimmermann
8 Mitte Eschwege Elmar von Eschwege
9 Weser-Elbe Hannover Erwin Kratz
10 Westfalen Dortmund Heinrich Sieler
11 Hessen-Westmark Darmstadt Otto von Molitor
12 Niederrhein Essen Hans-Herbert Eggersh
13 Main-Donau Nürnberg Carl Croneiß
14 Bayern-Süd München Carl Braun
15 Schwaben Stuttgart Friedrich-Wilhelm Erbacher
16 Südwest Karlsruhe Werner Zahn
17 Ostmark Wien Fritz Simmer
ohne Lufthansa Berlin Carl-August von Gablenz
Brigade 125 Weichselland Danzig Fritz Schwarz
Einheit GG Polen Krakau Sturmbannführer Ribbert

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Segelflug

Neben den sieben großen Reichssegelflugschulen standen den 17 NSFK-Gruppen bei Kriegsausbruch 1939 insgesamt 451 Segelfluggelände mit etwa 3.000 Fluglehrern zur Verfügung, auf denen etliche tausend Hitler-Jungen ihre erste Flugschulung erhielten. Bei etwa 1.500.000 Starts und Landungen wurden im Jahr 1939 bereits 40.299 A, B, und C-Prüfungen abgelegt

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Reichssegelflugschulen

Zu den Reichssegelflugschulen schreibt der Chef des Führungsamtes des NS-Fliegerkorps Arno Kehrberg 1942:

„Der fliegerische Nachwuchs, der so aus den Ausbildungsbetrieben dieser Segelflugübungsstellen heranwächst, wird, soweit er sich fliegerisch bewährt hat, als Auslese auf die Reichssegelflugschulen geschickt, die ebenfalls überall im Reiche errichtet sind.“

Hierzu gehörten vor allem:

  • die Reichssegelflugschule auf der Wasserkuppe, die „Fliegerburg der deutschen Jugend“, ferner
  • die Reichssegelflugschule Eisenach,
  • die Reichssegelflugschule Rossitten auf der Kurischen Nehrung in Ostpreußen,
  • die Segelfliegerschule der Luftwaffe Neuhausen 2 über Königsberg/Pr.,
  • die Reichssegelflugschulen Grunau im Riesengebirge in Schlesien,
  • Hornberg in Württemberg,
  • Spitzerberg bei Bad Deutsch-Altenburg a. d. Donau (bei Wien),
  • Hummerich (auf dem gleichnamigen Hügel bei Kruft im Pellenzgau),
  • Schwangau und
  • Zell am See in den Alpen,
  • Ith bei Hannover [1]
  • Gitter (Schäferstuhl) bei Salzgitter am Harz,
  • Grünz-Wartin in Pommern,
  • Fischbek bei Hamburg,
  • Trebbin bei Berlin und
  • Rhinow in der Mark,
  • Laucha an der Unstrut,
  • Borkenberge in der Nähe des Ruhrgebietes,
  • der Hesselberg im Frankenland,
  • Ballenstedt am Harz und
  • die Teck an der Schwäbischen Alb

Sämtliche Einrichtungen waren Reichseigentum – die Grundstücke allerdings häufig nur gepachtet. Für „Nicht-NSFK-Mitglieder“ sowie Personen aus dem Ausland standen lediglich die Schulen Grunau, Ith und Sylt zu Verfügung. Alle anderen Plätze waren aus abwehrtechnischen Gründen für den genannten Personenkreis gesperrt.

Großes NSFK-Segelfliegerabzeichen

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Quelle: Metapedia

Der deutsche Flieger im Zweiten Weltkrieg Ernst Beichl opfert am 16. April 1945 sein Leben für die Freiheit Deutschlands

Ernst Beichl (Lebensrune.png 1920Todesrune.png 16. April 1945 bei Zellin in Oberschlesien) war ein deutscher Flieger und Kriegsheld im Zweiten Weltkrieg.

Ernst Beichl (1920-1945)

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Zweiter Weltkrieg

Als sich die Rote Armee weiter in das aus allen Wunden blutende Deutsche Reich hineinfraß, wurde die schutzlose Zivilbevölkerung zur Beute der von Ilja Ehrenburg aufgehetzten, entmenschten Sowjetsoldateska.

Mit Hassparolen wurde zum Gemetzel gegen die Deutschen aufgerufen. Die Wirkung dieser Propaganda zeigte sich schnell in den Massenmorden der von der Sowjetarmee besetzten Gebiete. Die näher heranrückende Gefahr war für viele deutsche Soldaten Ansporn, noch einmal das letzte zu geben, um die Frauen, Kinder und Greise vor dem sicheren Tod zu bewahren. Wenn es sein musste unter Aufopferung des eigenen Lebens. Einer von jenen, die den eigenen Tod vorzogen, um sich vor die wehrlosen Volksgenossen zu stellen, war der Luftwaffen-Fähnrich Ernst Beichl. Mit seinen 24 Jahren gehörte er der SO (Selbstaufopferer)- Staffel an.

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SO-Staffel „Leonidas“

Ernst Beichls Staffel war nach „Leonidas“ benannt, dem Spartanerkönig. Dieser kämpfte im Sommer 480 v. Ch. gegen eine Übermacht angreifender Perser. Er verteidigte mit seinen Männen den strategisch wichtigen Termopylenpass. Als die Lage aussichtslos wurde, entließ Leonidas die Truppen seiner Bundesgenossen und kämpfte alleine mit seinen Spartanern und 700 Thespiern bis zum letzten Mann.

Am 12. April 1945 wurde die Einheit zum Sondereinsatz gerufen. Auch Ernst Beichl verabschiedete sich bei seiner Frau und seinen beiden Kindern auf seinem Grund bei Dresden.

Am 16. April 1945 stürzte sich der junge Ernst Beichl mit seiner, mit einer 500 kg-Bombe ausgerüsteten, Fw-190 auf die Pontonbrücke der Sowjets bei Zellin an der Oder. Das Foto von ihm entstand kurz zuvor. Es wird berichtet, dass die versammelte Mannschaft der SO-Staffel am Abend vor dem Einsatz noch das deutsche Lied „Kein schöner Land“ anstimmte.

Enst Beichl hatte vor seinem letzten Flug alle Orden angelegt und stieg in die Maschine. Der Begleitflieger sah, wie er sich in einer steilen Kurve nach unten stürzte, danach schwebte eine dunkle Detonationswolke über der Brücke. Weitere 34 Piloten opferten ihr Leben an oder um diesen Tag herum, um weitere Pontonbrücken der einfallenden Besatzer zu zerstören. Die Wehrmacht sicherte in heldischem Ringen, insbesondere durch Männer wie Ernst Beichl, die Rettung von Millionen Frauen und Kindern vor Mord und Schändung im Osten.

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BRD-Rezeption

Nach der in der BRD und in der „Westlichen Wertegemeinschaft“ verordneten Meinung im Sinne der politischen Korrektheit waren die deutschen Soldaten Verbrecher und die an Opfersinn unübertroffenen Flieger der SO-Staffel „nur“ Hitlers letzte Kamikaze-Piloten gewesen.

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Quelle: Metapedia

Dein Tod war nicht umsonst – Deutscher Held! Dafür stehen WIR mit unserem Leben!

3. und 4. Kurland-Schlacht

3. Kurland-Schlacht 
vom 21. Dezember bis 31.Dezember 1944

Bereits kurz nach Ende der 2. Kurland-Schlacht begannen die sowjetischen Vorbereitungen zur 3. Schlacht. Mit Bombardierungen deutscher Nachschubwege und Aufklärungsflügen über den deutschen Linien kündigte sich der nächste Großkampf an. 

Mitte Dezember 1944 war Liepaja (Libau) das Ziel massiver sowjetischer Luftangriffe. Trotz hoher Verluste, die die deutschen Flak-Batterien den angreifenden Sowjets zufügten, blieb es nicht aus, dass die Stadt und der Hafen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Auch einige Dampfer wurden durch die Angriffe versenkt. Ebenso wurde der Flughafen Grobina nicht verschont, was zu Verlusten beim Jagdgeschwader 54 führte. 

Am frühen Morgen des 21. Dezember 1944 feuerte die russische Artillerie, im Gebiet zwischen Liepaja (Libau) und Saldus (Frauenburg), auf die Stellungen des I. und XXXVIII. Armee-Korps. Im Bereich der 218. Infanterie-Division erfolgte der erste Einbruch auf einer Breite von ca. 10 km und einer Tiefe von 3 km. Dicht vor Saldus (Frauenburg) lagen die Divisionen des XXXVIII. Armee-Korps unter heftigem Beschuss, so dass die Verbindung zwischen der 205. und der 215. Infanterie-Division unterbrochen wurde. Auch am darauffolgenden Tag wurden die Kämpfe mit der gleichen Heftigkeit weiter geführt. 

Eine Ausweitung der Kämpfe beim XXXVIII. Armee-Korps hatte zur Folge, dass auch das XVI. Armee-Korps in den Sog dieser Schlacht gezogen wurde. Eiligst wurden Teile der 227. Infanterie-Division, sowie die 12. Panzer-Division in den Raum Saldus (Frauenburg) befohlen. Ihre Gegenangriffe wurden jedoch schon im Ansatz sofort von der sowjetischen Luftwaffe und der Artillerie gestört. Zumindest der 12. Panzer-Division gelang es, die Lücke zwischen der 290. und der 215. Infanterie-Division zu schließen. 

Bis zum Abend des 22. Dezember 1944 standen alle Armee-Korps im Kampf. Der Schwerpunkt lag hierbei südwestlich von Saldus (Frauenburg), im Gebiet um Pampali. Bei diesen Kämpfen zeichnete sich besonders die Sturmgeschütz-Brigade 912 aus. Die 132. Infanterie-Division sah sich gezwungen auf Pampali zurück zu weichen. Rasch anrückende Kampfgruppen der 11. Infanterie-Division verhinderten einen Durchbruch der Sowjets. Die 389. Infanterie-Division, wie auch das VI. SS-Armee-Korps standen in schwerstem Abwehrkampf. Das Korps musste dadurch einige Stellungen bei Pienava räumen. Auch die Luftüberlegenheit der Sowjets machte den deutschen Kräften das Leben schwer. Trotz zahlreicher Abschüsse durch deutsche Jäger und Flugabwehr konnte daran nichts geändert werden. 

Drei Schwerpunkte zeichneten sich am darauffolgenden Tag ab. Dies war zum einen – wie bereits erwähnt – Pampali, und zum anderen das Gebiet um Zvarde, südöstlich von Saldus (Frauenburg) gelegen. Ein weiteres Angriffsgebiet kristallisierte sich am Abend des 23. Dezember im Raum nördlich von Dobele (Doblen) heraus, als dort die Russen gegen Dzukste aufmarschierten. 

An Heiligabend 1944 zeigte sich die Lage der deutschen Divisionen im Bereich der 18. Armee von links nach rechts wie folgt: 

Das L. Armee-Korps lag mit der 24., 122. und 389. Infanterie-Division, sowie der 12. Luftwaffen-Feld-Division im Gebiet Rubeni bis nordöstlich Lielauce-See. 

Südlich Skutuni bis südostwärts Saldus (Frauenburg) befand sich das XXXVIII. Armee-Korps mit den Infanterie-Divisionen 205, 215, 290 und 329. 

Die Infanterie-Divisionen 11, 132 und 225 befanden sich von Skutuni bis ostwärts Stedini im Verbund des I. Armee-Korps. 

Von Rudbarzi bis südostwärts Skrunda (Schrunden) kämpfte das II. Armee-Korps mit der 31., 126., 218., sowie der 563. Infanterie-Division. 

Der Einsatzraum des X. Armee-Korps befand sich südlich von Aizpute (Hasenpoth) bis nordostwärts Priekule (Preekuln). Dazu gehörte die 121. und 263. Infanterie-Division. 

Das III. (Germ.) SS-Panzer-Korps mit den beiden SS-Grenadier-Divisionen “Nordland” und “Nederland” wurde zwischen Skuodas und Priekule (Preekuln) eingesetzt. 

Den Abschluss zur Ostsee bildete die Korps-Gruppe Thomaschki, deren Einsatzgebiet südlich des Libauer Sees begann und bis nordwestlich von Skuodas reichte. Dieser Gruppe gehörte die 30., 32. und 87. Infanterie-Division an. 

Als bewegliche Reserven wurden die drei Panzer-Divisionen 4, 12 und 14 dicht hinter der Front zurückgehalten, um zur Not an den Brennpunkten des jeweiligen Kampfgeschehens einsatzfähig zu sein. Die Bereitstellungsräume der genannten Panzer-Divisionen waren: Saldus (4. Panzer-Div.), Rudbarzi (14. Panzer-Div.), sowie Priekule (Preekuln), das der 12. Panzer-Division vorbehalten war. 

In den letzten Stunden des Heiligen Abends 1944 stellten die Sowjets überraschend die Angriffsbemühungen ein. Auch am 1. Weihnachtstag herrschte relative Ruhe an der Front, wenn auch nie von einer kompletten Einstellung aller Kampfhandlungen gesprochen werden konnte. Bereits am 26. Dezember bildete sich der nächste Schwerpunkt, der im Einsatzgebiet des VI. SS-Armee-Korps zu finden war. 

Die “Rote Armee” wollten mit allen Mitteln nach Liepaja (Libau) durchstoßen und versuchten dies am 27. Dezember beim II. Armee-Korps (31. und 126. Inf.-Div.). Doch mit Hilfe der herannahenden 14. Panzer-Division konnte dies verhindert werden. Zeitgleich versuchten die sowjetischen Kräfte auch bei Dzukste durchzubrechen. In dieser zweiten Phase der 3. Kurland-Schlacht bildete sich dort der größte Schwerpunkt der Kämpfe. Im Gebiet Lestene – Dzukste traf der Hauptstoß des Angriffs auf das VI. SS-Armee-Korps. Die 227. Infanterie-Division wurde südlich von Tukums bereits zuvor herausgelöst und in dieses Gebiet beordert. Das I. Bataillon des Grenadier-Regiments 322 (281. Inf.-Div.) wurde ebenfalls aus dem Gebiet um Slampe in die tobenden Kämpfe südwestlich von Dzukste geworfen. Auch die schwere Heeres-Panzerjäger-Abteilung 666 stemmte sich mit ihren 8,8 cm Geschützen den starken russischen Panzerverbänden entgegen, die aus südöstlicher Richtung auf Lestene zustießen. Am 28. 12.1944 kam der russische Angriff etwa 1 km vor Lestene zum Erliegen. Der Höhepunkt der 3. Kurland-Schlacht war überwunden. 

Zu Beginn des Jahres 1945 ebbten fast überall die Kämpfe ab. Die “Rote Armee” konnte ihr Vorhaben, bis nach Liepaja (Libau) durchzubrechen, nicht in die Tat umsetzen. Die Verluste auf beiden Seiten waren in dieser 3. Schlacht enorm. Auf deutscher Seite forderte sie ca. 27 000 Mann an Verwundeten, Vermissten und Gefallenen. Die Ausfälle auf russischer Seite waren um das Vielfache höher. Anfang Januar 1945 hatte die Heeresgruppe noch etwa 400 000 Mann in Kurland. Die Sowjets begannen mit der Verlegung mehrerer Korps-Kommandos und Divisionen Richtung Ostpreußen. Auch die Heeresgruppe Nord verlegte zu Beginn des neuen Jahres einige Einheiten ins Reichsgebiet. Dies waren u.a. die 32., 227. und 389. Infanterie-Division, die 4. Panzer-Division, sowie das III. (Germ.) SS-Panzer-Korps. Weitere Einheiten sollten in den kommenden Monaten noch folgen. 

Mitte Januar 1945 gab es einen Wechsel in der Führung der Heeresgruppe Nord. Neuer Oberbefehlshaber im Schloss Pelci bei Kuldiga (Goldingen) wurde Generaloberst Rendulic. Er war zuvor Oberbefehlshaber der 20. Gebirgsarmee in Nordnorwegen. Der neue Generalstabschef wurde Generalmajor Foertsch, der vorher Chef des Generalstabes der 18. Armee war. Der bisherige Oberbefehlshaber der Heeresgruppe, Generaloberst Schörner wechselte zur Heeresgruppe Mitte, wie auch sein bisheriger Generalstabschef Generalmajor von Natzmer.

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4. Kurland-Schlacht 
vom 24. Januar bis 03. Februar 1945

Zwischen den großen Schlachten gab es natürlich keine Pausen. Richtige “Ruhe” herrschte an der kurländischen Front nie. So z. B. beim IV. SS-Armee-Korps: Noch in der ersten Januarwoche 1945 stand es in einem 10 km breiten Frontabschnitt in schweren Abwehrkämpfen mit den gegnerischen Divisionen. Erst ab dem 6. Januar ließen die Kämpfe nach – die Sowjets stellten ihre Angriffsbemühungen ein. 

Auch an den übrigen Brennpunkten der Front – von Liepaja bis Tukums – fanden weiterhin Kämpfe statt, wenn auch ohne schlachtentscheidende Bedeutung. 

Besonderes Augenmerk wurde in dieser Zeit auf deutscher Seite in den Ausbau der HKL gelegt. Neue Stellungen, Schützengräben, Bunker und Geschützstellungen wurden gebaut. Die bestehenden Nachschubwege wurden weiter verbessert. Überall in Kurland waren die Pionier-Bataillone am Bauen. 

Mitte Januar 1945 wurde die Heeresgruppe Nord in Heeresgruppe Kurland umbenannt. Die bis dahin in Ostpreußen kämpfende Heeresgruppe Mitte erhielt nun die Bezeichnung “Nord”, und die ehemalige Heeresgruppe Süd in Schlesien bekam dadurch den Namen Heeresgruppe Mitte. Neuer Oberbefehlshaber der HG Kurland wurde Generaloberst Rendulic. Chef des Generalstabes wurde Generalmajor Foertsch. 

Auf einer Frontlänge von 120 km eröffnete am 24. Januar 1945 die sowjetische Artillerie mit kurzen, aber schweren Schlägen den Beginn der 4. Kurland-Schlacht. Zwischen Liepaja (Libau) und Saldus (Frauenburg) stürmten die Sowjets mit Hilfe starker Luftwaffenunterstützung gegen die 18. Armee an. Die davon betroffenen deutschen Armee-Korps waren von rechts nach links: I. und II. Armee-Korps, III. (Germ.) SS-Panzer-Korps, sowie das X. Armee-Korps. An mehreren Stellen gelang es den gegnerischen Truppen in die deutsche Hauptkampflinie bis zu einer Tiefe von vier Kilometern einzudringen. Sofortige Gegenangriffe brachten zwar eine gewisse Entlastung, konnten aber dennoch keine große Besserung der gefährlichen Lage herbeiführen. Soldaten der rückwärtigen Dienste wurden alarmiert, um die Lücken zu stopfen. Die Verbindung zwischen den Divisionen durfte nicht abreißen. Gleichzeitig wurde die 14. Panzer-Division in Marsch gesetzt. Ihre Fahrzeuge wurden mit Waffen, Geräten und Soldaten beladen, und in das dicht bewaldete Gebiet südlich Priekule (Preekuln) befohlen, um zusammen mit den “Tiger” – Kampfwagen der Heeres-Panzer-Abteilung 510 zum Gegenstoß anzutreten. 

Unter Einbeziehung aller verfügbaren Kampfgruppen gelang es der 18. Armee eine durchgehende Frontlinie im Abschnitt Audavi – Barta – Priekule – Skuodas zu bilden und diese auch vorläufig zu halten. Eine – wenn auch nur sehr begrenzte Hilfe – erhielten die Grenadiere von den Jagdfliegern des Jagdgeschwaders 54 (Grünherz-Geschwader). 

Die sowjetischen Heeresgruppe “1. Baltische Front” wurde Ende Januar umgegliedert. Unterstützt durch tagelanges Artilleriefeuer griffen die Sowjets die vor der Vartaja liegenden deutschen Stellungen an. Die Sowjetpanzer stießen durch die deutschen Linien bis auf das Höhengelände vor dem Flussabschnitt vor. Dadurch kam es Anfang Februar 1945 zu schweren Kämpfen um Audavi. 

Die 18. Armee raffte nochmals alle verfügbaren Kampfgruppen zusammen, um diese an den bedrohten Frontabschnitten zum Einsatz zu bringen. Dennoch gelang es den sowjetischen Schützen- und Panzerverbänden nördlich von Priekule (Preekuln) vorbei zu stoßen, und zwei Brückenköpfe über die Vartaja zu bilden. Letztendlich gelang es aber der 121. und der 126. Infanterie-Division die feindlichen Verbände dort zum Stehen zu bringen. 

Bereits Ende Januar 1945 musste das Oberkommando der “Roten Armee” erkennen, dass der geplante Durchbruch nach Liepaja (Libau) nicht mehr zu realisieren war. So wurde der Schwerpunkt weiter nach rechts, zur 16. Armee hin, verlegt. Ein Vorstoß auf Saldus (Frauenburg) sollte die beiden deutschen Armeen voneinander trennen, und durch weiteres Vorgehen Richtung Westen, sollte der Weg zur Eroberung von Liepaja (Libau) frei werden. Dies war das bisher wichtigste Ziel aller sowjetischen Angriffe. Wäre Liepaja (Libau) mit seinem wichtigen Hafen verloren gegangen, dann hätte dies das Ende der Heeresgruppe Kurland bedeutet. 

In der letzten Januarwoche des Jahres 1945 trat die geballte sowjetische Macht der “2. Baltischen Front” gegen die 16. Armee an. Die Armee lag von links nach rechts wie folgt: 

XVI. Armee-Korps
VI. SS-Armee-Korps
L. Armee-Korps
XXXVIII. Armee-Korps 

Ab dem 28. Januar 1945 nahm die Schlacht südlich von Saldus (Frauenburg) an Härte zu. Im Mittelpunkt dieser neuen sowjetischen Offensive standen die deutschen Infanterie-Divisionen 122, 205, 215 und 329.

Am 3. Februar ebbten schlagartig die sowjetischen Angriffsbemühungen ab. Auch die Artillerie auf beiden Seiten stellte nach und nach das Feuer ein. Die 4. Kurland-Schlacht ging zu Ende. 

Die am rechten Flügel der etwa 240 km langen Kurland-Front liegende 18. Armee begann sich nun neu zu formieren. Das III. (Germ.) SS-Panzer-Korps wurde herausgezogen und nach Deutschland verlegt. Gleichzeitig wurde das L. Armee-Korps von der 16. an die 18. Armee abgegeben und übernahm fortan die Führung der Verbände um Priekule (Preekuln). Die südlich Liepaja (Libau) liegende verstärkte 87. Infanterie-Division wurde dem X. Armee-Korps zugeteilt und übernahm die Verteidigungsstellungen bis zur Ostseeküste hin. 

Die Verluste dieser 4. Schlacht betrugen auf deutscher Seite alles in allem mehr als 13 000 Mann (Gefallene, Vermisste und Verwundete). Auf sowjetischer Seite war diese Zahl mehr als dreimal so hoch. 

Die Temperaturen wurden milder, der Schneefall ließ immer mehr nach. Die Artillerietätigkeit der Sowjets hatte auch nicht mehr die Intensität wie noch Wochen zuvor. Etwa 13 000 Tonnen an Waffen und Material wurden Anfang Februar nochmals an Nachschub aus dem Reich nach Kurland gebracht. Die “Rote Armee” zog ihrerseits Garde- und Panzertruppen aus der Front ab, um diese freiwerdenden Kräfte beim Kampf an der Oder und in Ostpreußen einzusetzen. 

Bereits am 26. Januar 1945 hatte Generaloberst von Vietinghoff (bisher Oberbefehlshaber der 10. Armee in Italien) die Führung über die Heeresgruppe Kurland übernommen. Generaloberst Rendulic wurde im Gegenzug nach Ostpreußen berufen, um die dortige Heeresgruppe Nord zu befehligen. Generaloberst Rendulic kehrte jedoch am 10. März noch einmal – aber nur für vier Tage – zur Heeresgruppe Kurland zurück. Im Anschluss übernahm er die Führung der deutschen Heerestruppen in Böhmen und Österreich. 

Direkt nach seiner Ankunft in Kurland ließ Generaloberst von Vietinghoff eine Studie unter dem Decknamen “Laura” von seinen Generalstabsoffizieren ausarbeiten, die den Abtransport der kompletten Heeresgruppe nach Deutschland vorsah. Der Brückenkopf Kurland sollte verkleinert, und möglichst viele Divisionen nach Deutschland transportiert werden. Es war vorgesehen, dass die 18. Armee, sowie die drei rechten Armee-Korps der 16. Armee auf Liepaja (Libau) zurückweichen sollten, und das XVI. Armee-Korps, sowie der Küstenschutz, auf Ventspils (Windau). Innerhalb von 15 Tagen sollte bei einem täglichen Zulauf von 3 Transport- und neun Frachtschiffen die gesamte Heeresgruppe verladen und abtransportiert werden können. 

Bei einer großen Lagebesprechung wurden die fertigen Pläne der Studie “Laura” dem Führer vorgestellt. Doch Hitler wollte von diesem Vorhaben nichts wissen. Eine Rückführung der Kurland-Truppen kam für ihn überhaupt nicht in Frage…

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Quelle: W. Haupt – Das war Kurland, Podzun-Pallas

Die Schutzstaffel – SS

Die Schutzstaffel der NSDAP (Abkürzung SS, als Doppelrune SS rune.png) war eine 1925 gegründete, kämpfende Gliederung der NSDAP. Sie wurde anläßlich des Reichsparteitages 1926 der Sturmabteilung (SA) unterstellt. Nach dem sogenannten Röhm-Putsch 1934 wurde die SS rune.png eine selbständige NSDAP-Gliederung, welche später im besonderen die Sicherung des Reiches nach innen zur Aufgabe hatte.

Schutzstaffel
Schutzstaffel.pngSchutzstaffel, die nordische Elite.jpg
Bestehen: 1925-1945
Führer: Julius Schreck
Joseph Berchtold
Erhard Heiden
Heinrich Himmler
Karl Hanke

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Geschichte

Stoßtrupp Adolf Hitler

Die Vorläuferorganisation der SS entstand bereits im Jahre 1923 unter dem Namen Stoßtrupp Adolf Hitler. Dieser diente als Saalschutz der NSDAP und setzte sich aus zwölf SA-Angehörigen zusammen. Er sollte Hitler und Parteimitglieder vor Übergriffen der Kommunisten schützen. Der Gruppe standen die zwei ehemaligen Angehörigen der Stabswache, Julius Schreck und Joseph Berchtold, vor.

Nach dem missglückten Marsch auf die Feldherrnhalle am 9. November 1923 wurde der Stoßtrupp, wie auch die NSDAP, verboten und aufgelöst.

Stoßtrupp Adolf Hitler

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Aufstellung

Als die Partei im Jahre 1925 wieder zugelassen wurde, blieb zunächst die SA als Schutzorganisation der Bewegung weiterhin verboten. Am 1. April 1925 erhielt daraufhin Julius Schreck den Auftrag Adolf Hitlers, eine kleine bewegliche Truppe zum Schutze der öffentlichen Parteiversammlungen aufzubauen. Über verschiedene vorhergehende Namensvariationen wie Saal-SchutzSchutzkommando und Sturmstaffel wurde schließlich am 9. November des gleichen Jahres auf dem NSDAP-Reichsparteitag die Bezeichnung Schutzstaffel offiziell eingeführt. Schreck wurde als Oberleiter erster Kommandant der SS. Die Schutzstaffeln waren am Anfang kleine Formationen, meistens nur in Stärke von einem Führer und zehn Mann, die in den einzelnen Orten aufgestellt wurden.

Soldaten der SS in Aufstellung

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In den Jahren 1925 und 1926 wurden die Versammlungen des Führers und auch anderer wichtiger Mitglieder der Partei in Sachsen und Thüringen durch die Schutzstaffeln abgesichert. Das Jahr 1926 brachte die Wiederzulassung der SA. In den darauffolgenden Jahren traten deshalb die Schutzstaffeln immer mehr in den Hintergrund.

Gemäß Führererlass vom 7. November 1930 war die Hauptaufgabe der SS rune.png „die Ausübung des Polizeidienstes innerhalb der Partei“; weitere Aufgaben waren der Schutz des Führers und nach der Machtübertragung 1933 die Sicherung des Reiches nach innen. Sie war Adolf Hitler per Eid zu besonderer Treue verpflichtet.

Das Symbol der Schutzstaffel bildete sich seit 1930 aus zwei senkrechten, blitzähnlichen weißen Sig-Runen in schwarzem Feld.

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Aufstieg

Im Jahre 1926 übergab Adolf Hitler auf dem Parteitag zu Weimar der damals ca. 200 Mann starken SS die Blutfahne. Unzufrieden mit seinem geringen Handlungsspielraum, trat Joseph Berchtold 1927 als Reichsführer-SS zurück. Berchtolds Nachfolger wurde Erhard Heiden, der ein 27-jähriges Mitglied der Röhmschen SA-Einheit Reichskriegsflagge zu seinem Stellvertreter ernannte: Heinrich Himmler. Am 5. Januar 1929 wurde Heiden von Adolf Hitler als Reichsführer-SS entlassen. Sein Nachfolger wurde der bisherige Stellvertreter Heinrich Himmler. Dieser übernahm damit die ganze, damals 280 Mann zählende, Schutzstaffel mit dem ausdrücklichen und besonderen Auftrage des Führers, aus diesem Kern eine verlässliche und somit gleichzeitig treue Truppe der Partei zu formen.

Die Ausbildung von SS-Mitgliedern wurde an SS-Junkerschulen durchgeführt. Die Auswahl der SS rune.png-Männer erfolgte anfänglich nach sehr strengen Maßvorgaben der reinen, nordischen Rasse.

Jugendliche SS-Soldaten

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Der Röhm-Putsch

Entscheidend für die weitere Festigung der SS unter Heinrich Himmler und Reinhard Heydrich war ihre Rolle innerhalb des sogenannten Röhm-Putsches. Durch die weitestgehende Entmachtung der SA wurde die SS eine selbständige NSDAP-Gliederung und war somit nicht mehr an die SA gekoppelt.

Drittes Reich

Die Schutzstaffel wurde nach der Machtübernahme zur inneren Schutzorganisation des Staates. Am Tage der Machtübernahme betrug die Anzahl der SS-Männer 52.000. Aus den 16 einzelnen Länderpolizeien wurde eine große und starke Reichspolizei geschaffen. Diese war weitestgehend darauf ausgelegt, als Freund und Helfer des deutschen Volkes zu operieren. Der Reichsführer-SS wurde Chef der deutschen Polizei und formierte diese zusammen mit der SS zu einem umfassenden Abwehrorgan, welches die Bekämpfung politischer sowie auch krimineller Elemente gegen die Nation und somit den Schutz seiner deutschen Bevölkerung zum Ziel hatte.

Als Abspaltung der Allgemeinen SS wurde die kämpfende Teilgliederung Waffen-SS gegründet. Sie ging aus den Leibstandarten, der Verfügungstruppe und den Totenkopfverbänden hervor. Die Waffen-SS sollte die Wehrmacht bei militärischen Operationen unterstützen und Verbündete des Deutschen Reiches bündeln.

Soldaten der Leibstandarte SS Adolf Hitler 1938

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Das Ende der SS

Die Soldaten der Waffen-SS leisteten oft bis zum letzten Mann erbitterten Widerstand gegen die vorrückenden alliierten Feindstreitkräfte. Heinrich Himmler selbst wurde in den letzten Kriegstagen in der Uniform eines Unteroffiziers der Geheimen Feldpolizei von den Briten erkannt und verhaftet. Aufgrund ihm bestens bekannter Vorgänge, wie völkerrechtwidrig und unsoldatisch grausam die Feindsoldaten mit gefangen SS-Soldaten umgingen, soll sich Himmler durch Freitod diesem barbarischen Schicksal entzogen haben. Mittlerweile ist jedoch belegt, dass Himmler von den Briten ermordet wurde, um wie im Falle Rudolf Hess’ die Wahrheit über die deutschen Friedensbemühungen zu vertuschen.

Nach der sogenannten bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht, die alle unter deutschem Oberbefehl stehenden Verbände betraf, ordneten die alliierten Siegermächte mit der Direktive 2 des Kontrollrates vom 10. September 1945 die Auflösung an, mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945 wurden die SS, ihre Neben- und Ersatzorganisationen auch förmlich aufgelöst, sowie deren Neugründung verboten.

Kriegsgefange Soldaten der 2. SS-Panzerdivision „Das Reich“

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Der ewige Marschbefehl

Der „ewige Marschbefehl“, den Heinrich Himmler der SS rune.png gab, lautete:

„So sind wir angetreten und marschieren nach unabänderlichen Gesetzen als ein nationalsozialistischer, soldatischer Orden nordisch bestimmter Männer und als eine geschworene Gemeinschaft ihrer Sippen, den Weg in eine ferne Zukunft und wünschen und glauben, wir möchten nicht nur sein die Enkel, die es besser ausfochten, sondern darüber hinaus die Ahnen spätester, für das ewige Leben des deutschen germanischen Volkes notwendiger Geschlechter.“

Mit der Begründung: „Wir gingen so wie der Saatzüchter, der eine alte, gute Sorte, die vermischt und abgebaut ist, wieder rein züchten soll, zuerst über das Feld zur sogenannten Staudenauslese geht, zunächst daran, rein äußerlich die Menschen abzusieben, die wir glaubten für den Aufbau der Schutzstaffel nicht brauchen zu können. Die Art der Auswahl konzentrierte sich auf die Auswahl derjenigen, die körperlich dem Wunschbild, dem nordisch-bestimmten Menschen, am meisten nahekommen. [...] Jahr um Jahr werden unsere Forderungen in demselben Maße schärfer, als durch die Auswirkungen der deutschen Rassegesetze und das immer mehr erwachende Verständnis für Blut und Zucht der Aufstieg der deutschen Menschheit anhebt. Ebenso wissen wir, daß die erste nach äußeren Gesichtspunkten – heute nach Ahnentafeln und vielfachen Untersuchungen ergänzte Auswahl – nur das erste, aber auch nur das allererste Ausleseprinzip sein kann, daß ein durch alle Jahre des Lebens in der Schutzstaffel gehender Ausleseprozeß die Fortsetzung sein muß und daß die Aussiebung der charakterlich, willensmäßig, herzensmäßig und damit blutsmäßig für uns nicht Tauglichen folgen muß. [...] Durch Gesetze, die wir uns selbst geben, wollen wir für alle Zukunft dafür sorgen, daß nicht etwa jeder Sohn einer im Sippenbuch der SS eingetragenen SS-Familie die Anwartschaft oder gar das Recht hat, wieder SS-Mann zu werden, sondern wir wollen dafür sorgen, daß immer nur ein Teil der Söhne dieser Familien von uns als SS-Männer aufgenommen und anerkannt werden und werden weiter darauf bedacht sein, daß ständig die Auslese und der Blutstrom besten deutschen Blutes des gesamten Volkes in die Schutzstaffel Eingang nehmen möge. [...] Durch härteste Schule, durch die zeitlebens jeder von uns zu gehen hat, durch Jahre für Jahre abzulegende Leistungsprüfungen sorgen wir dafür, daß der Mut und der Kampfeswillen jedes einzelnen [...] auf die Probe gestellt wird.

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Obere Dienstgrade der SS

Allgemeine SS rune.png Waffen-SS rune.png Wehrmacht Rangzeichen1942–1945
Reichsführer-SS N/A Generalfeldmarschall Reichsführer-SS Collar Rank.svg.png
Oberstgruppenführer Generaloberst der Waffen-SS rune.png Generaloberst SS-Oberstgruppenführer Collar Rank.svg.png
Obergruppenführer General der Waffen-SS rune.png General SS-Obergruppenführer Collar Rank.svg.png
Gruppenführer Generalleutnant der Waffen-SS rune.png Generalleutnant SS-Gruppenführer Collar Rank.svg.png
Brigadeführer Generalmajor der Waffen-SS rune.png Generalmajor SS-Brigadeführer Collar Rank.svg.png
Oberführer N/A N/A SS-Oberführer Collar Rank.svg.png

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Aufmarsch der Schutzstaffel

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Organisationsstruktur

Organisationsentwicklung

Zunächst der SA unterstellt, entwickelte sich die SS zu einer Schutzorganisation innerhalb der NSDAP. Mit der Berufung Heinrich Himmlers zum Reichsführer-SS 1929 begann ein grundlegender Wandel der Organisation. Vordem eine kleine Gruppierung von wenigen hundert Mann innerhalb der SA, sollte sie nach Himmler zu einem großen elitären Abwehrorgan geformt werden.

Die Auswahlkriterien waren streng gehalten. Nach dem Wahlsieg der NSDAP erhielten die SS und die SA polizeiliche Privilegien, um Staatsfeinde internieren zu können.

Nach dem Röhm-Putsch wurde die SS eine eigenständige Organisation. Die SS-Totenkopfverbände übernahmen die Bewachungsaufgaben innerhalb der Konzentrationslager.

Im November 1934 wurde das Prinz-Albrecht-Palais in der Wilhelmstraße 102 in Berlin in den Komplex der Gebäude an der Prinz-Albrecht-Straße 8 miteinbezogen und zum Sitz des Sicherheitsdienstes des Reichsführers-SS.

Ab 1935 benannten sich die Verwaltungseinheiten der SS in Allgemeine SS um. Sie wollten sich dadurch von ihren inzwischen bewaffneten Verbänden, der SS-Verfügungstruppe und den SS-Totenkopfverbänden unterscheiden, die später die Waffen-SS bildeten. Diese Allgemeine SS, nun auch Heimat- oder Schwarze SS genannt, unterstand nun dem neuen Kommandoamt der Allgemeinen SS in Berlin.

Damit kam es zur klassischen Dreiteilung der SS, die informell bis 1945 Bestand hatte:

  1. Allgemeine SS
  2. SS-Totenkopfstandarten
  3. SS-Verfügungstruppe

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Abschließende Organisationsstruktur

Der Begriff „SS“ bildete ab 1939/40 den „Dachverband“ für verschiedene Hauptämter und deren Unterabteilungen:

  • Das Führungshauptamt (FHA) war die betriebliche Stabsstelle (Hauptquartier) der SS. Es leitete und verwaltete die Offiziersschulen, medizinische Versorgung, Transportvorgänge, Lohnzahlungen und Ausrüstungen.
  • Das Rasse- und Siedlungshauptamt (RuSHA) war für die Rasseuntersuchung zuständig.
  • Das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) entstand aus der Zusammenlegung von SD und SiPo und war die zentrale Stelle zur Ausübung der polizeilichen Funktionen der SS.
  • Das SD-Amt Reinhard Heydrichs diente als Geheimdienst zur Bekämpfung äußerer und innerer Staatsfeinde.
  • Die Sicherheitspolizei (Sipo) war für die Kriminal- und die Geheime Staatspolizei (Gestapo) zuständig.
  • Militärischer Zweig der SS war die aus Verfügungstruppen und Totenkopfverbänden gebildete Waffen-SS.
  • Das Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (WVHA) verwaltete die SS-eigenen Industrien, Gewerbe- und Landwirtschaftsbetriebe.

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Organisationsstruktur der SS

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SS-Wirtschaftsbetriebe

Die SS gründete zahlreiche Firmen, u.a. 1938 die Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH (DEST), die sie 1940 in den Deutschen Wirtschaftsbetrieben (DWB) zusammenfasste. Die DWB wurden von leitenden Mitarbeitern der SS-Verwaltung geführt. 1942 wurden sämtliche wirtschaftlichen Angelegenheiten im SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt konzentriert. Der Hauptsitz der DWB befand sich in Oranienburg bei Berlin.

Weiterhin gab es die künstlerischen Unternehmungen der SS:

  • Porzellan-Manufaktur Allach
  • Nordland Verlag
  • Schwertschmiede der SS

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Personalentwicklung

Als Heinrich Himmler am 6. Januar 1929 die Führung der SS von Erhard Heiden übernahm, umfasste diese Organisation nur 280 Mann als aktive Mitglieder. Es begann nun unter Himmler ein stetiger Ausbau der SS: schon im Dezember desselben Jahres wurde das 1.000. Mitglied verzeichnet, 1932 war sie bereits auf rund 52.000 und bis zum Herbst 1933 auf gut 204.000 Mitglieder angewachsen.

Zu Beginn des Polenfeldzuges am 1. September 1939 wurden rund 60 % ihrer Mitglieder zur Wehrmacht eingezogen. Das hieß, dass von den damaligen 260.000 SS-Mitgliedern 170.000 ihren Kriegsdienst in den drei Wehrmachtsteilen Heer, Luftwaffe und Marine leisteten. Nur ca. 36.000 wurden von der Waffen-SS übernommen. Die übrigen Mitglieder waren entweder für den Kriegsdienst zu alt oder waren im öffentlichen Dienst oder bei den Polizeikräften eingesetzt.

Gegen Ende des Krieges (1944/45) umfasste die SS formal über 840.000 Mitglieder, zu denen auch das „SS-Führerkorps“ (d.h. Führungsschicht in den SS-Hauptämtern und die Offiziere sowie die Unteroffiziere der Waffen-SS) und auch Polizeioffiziere gehörten, sobald ihr Dienstgrad einem SS-Rang entsprach. Die Zugehörigkeit der Offiziere von Waffen-SS und Polizei zur SS wurde von Amts wegen begründet; für die Mannschaften der Waffen-SS und der Polizei war eine Übernahme in die SS erst für die Zeit nach dem Ende des Krieges vorgesehen. Vor dem Internationalen Gerichtshof in Nürnberg machte Robert Brill, ehemaliger Leiter des „Ergänzungsamtes der Waffen-SS“, am 5. und 6. August 1946 Angaben zur Personalentwicklung der Waffen-SS:

“Bei Kriegsende war die Waffen-SS noch ca. 550.000 Mann stark, bis Ende Oktober 1944 sind 320.000 Mann gefallen oder schwerstverletzt worden. (…) In der Waffen-SS dienten etwa 400.000 Reichsdeutsche, 300.000 Volksdeutsche und 200.000 Angehörige anderer Völker. (…)”

– Documents of the Major War Criminals Vol. XX, p. 371–471

Im Verlauf des Krieges war also eine zunehmende Verwendung ausländischer Staatsangehöriger in Verbänden der Waffen-SS zu beobachten, “bei Kriegsende bestanden 19 ihrer 38 Divisionen weitgehend aus Ausländern, fast eine halbe Million Mann, meist aus Osteuropa.”

Dienstgrade der SS

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Quelle: Metapedia

Die Schlacht um Wien (1945)

Als die Schlacht um Wien 1945 wird der heldenhafte Abwehrkampf der deutschen Wehrmacht gegen die Horden der Roten Armee im Rahmen der Wiener Operation 1945 in der Hauptstadt der deutschen Ostmark Wien und dem Wienerwald vom 3. bis 23. April 1945, nach Überschreiten der Grenze des Deutschen Reichs im Burgenland am 29. März bezeichnet. Der Kampf im Stadtgebiet dauerte vom 6. bis 13. April.

13. April 1945 in Wien – Gasse um Gasse kämpfen die verwegenen deutschen Landser gegen den überlegenen Feind. Jede Minute mutigen Widerstandes gab den Zivilisten eine weitere Möglichkeit zur Flucht.

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Verluste

Die Schlacht am Ende des Zweiten Weltkrieges soll 19.000 deutsche Soldaten, Volkssturm und Zivilisten das Leben gekostete haben, wobei der sowjetische Feind mindestens 18.000 Tote zu beklagen hatte. Trotz der Verstärkung durch die 6. SS-Panzerarmee der Heeresgruppe Süd konnte die Stadt gegen die zahlenmäßig weit überlegenen Truppen Stalins nicht gehalten werden. Die Verbrechen und Massenvergewaltigungen der Roten Armee waren schrecklich, auch hier wüteten die „Befreier“ wie überall, wo sie eingefallen waren.

Im Vergleich zu der Schlacht um Budapest während der Plattenseeoffensive, wo ca. 100.000 deutsche und ungarische Soldaten sowie Zivilisten im Kampf gegen den mörderischen Bolschewismus gefallen waren, erschienen die Verluste in und um Wien für manchen Militärhistoriker als „erträglich“.

Als die Bolschewisten in Europa wüteten, war keine Frau sicher. Viele Wienerinnen zogen den Freitod vor.

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Truppenstärke

Deutsches Reich

  • 20.000 deutsche Soldaten, Volkssturm und freiwillige Hilfstruppen in Wien und ca. 8.000 im Wienerwald mit 52 intakten Panzern und Sturmgeschützen.
    • Die Truppen des Deutschen Reiches unterstanden dem Kampfkommandanten General der Infanterie Rudolf von Bünau
    • Insbesondere die Führer-Grenadier-Division unter Generalmajor Hellmuth Mäder hat sich bei der Verteidigung besonders hervorgetan, dafür wurde sie nach der Kapitulation der Wehrmacht an die Bolschewisten ausgeliefert. Auch Volkssturm und Hitler-Jugend hatten verheerende Verluste, hielten aber lange stand. Die 3. SS-Panzer-Division „Totenkopf“ hat dem Feind um das Wiener Arsenal hohe Verluste beschert.

Sowjetunion

  • 644.700 sowjetische und 100.900 bulgarische Soldaten; 85 Divisionen, 3 Brigaden, mindestens 400 Panzer und 7.000 Sturmgeschütze, Granatwerfer und Raketenwerfer.
    • In der Nacht vom 11. auf den 12. April gelang es der Roten Armee, den Donaukanal zu überqueren. Die Einnahme der Leopoldstadt und Brigittenau war in kurzer Zeit abgeschlossen. Die Schlacht ging nördlich der Donau noch bis zum 18. April, bis die Sowjets auch den Raum bis Sankt Pölten erobert hatten. Der Kampf um Alland im Wienerwald tobte weit länger, bis sich am 23. April die Front ins Triestingtal nach Altenmarkt und Hainfeld verlagert hatte.
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Als die Bolschewisten in Europa wüteten, war keine Frau sicher. Viele Wienerinnen zogen den Freitod vor.

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Museale Rezeption

Die Schlacht um Wien ist im Heeresgeschichtlichen Museum ausführlich dokumentiert, so sind u.a. Uniformen der Waffen-SS und des Volkssturms sowie Bewaffnungen aus den letzten Kriegstagen, wie der Panzerschreck und das Sturmgewehr 44 ausgestellt.

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Quelle: Metapedia