Blutgericht von Landskron: Gewalttaten sowjetischer Soldaten und tschechischer Partisanen in Landskron; die Vorgänge vom 17. – 21. Mai 1945 (2)

Bericht von Julius Friedel, Region: Sudetenland, Schönhengstgau, Landskron

Berichtszeitraum: 17.05.1945 – 21.05.1945

Die deutschen Männer der Stadt mussten in diesen Tagen Aufräumungsarbeiten machen und wurden in den Vormittagsstunden des 17. Mai ohne Angabe des Grundes heimgeschickt.

Gegen 11 Uhr desselben Tages kamen auf Lastwagen hunderte bewaffneter Tschechen, sogenannte „Partisanen“ angefahren. Sie nahmen am Stadtplatz zu einer Kundgebung Aufstellung und ein russischer Offizier hielt eine feurige Ansprache, die oft von tosendem Geschrei begleitet wurde. Wie auf Verabredung stoben dann die Tschechen nach allen Windrichtungen auseinander. Es dauerte auch nicht lange und man wusste Bescheid, warum es ging.

In kleineren und größeren Gruppen wurden alle deutschen Männer, auch Frauen und Kinder waren darunter, auf den Stadtplatz gehetzt, die Häuser der Stadt wurden regelrecht durchgekämmt, alle Männer wurden mitgenommen, alt und jung, Gebrechliche und selbst schwer Kranke. Die einzelnen der zusammengetriebenen deutschen Gruppen waren von wild johlenden, schwer bewaffneten Tschechen begleitet, die blindlings in alles hineinschossen und auf alles einschlugen, was ihnen unter die Hände kam. Andere Trupps von Tschechen waren inzwischen in die umliegenden Dörfer gefahren und trieben dort ebenfalls auf dieselbe Weise die Männer in die Stadt. In den frühen Nachmittagsstunden waren weit über 1000 deutsche Männer auf dem Stadtplatz zusammengetrieben worden. Sie wurden in Reihen formiert und mussten mit erhobenen Händen dastehen und der Dinge harren, die noch kommen sollten.

Es folgten nun die widerlichsten Szenen, die Menschen je zu ersinnen vermochten. Bald mussten die Männer flach auf dem Pflaster liegen, rasch wieder aufstehen, dann in Unordnung gebracht, sich wieder zur Reihe aufstellen. Die Tschechen gingen die Reihen auf und ab, traten mit Vorliebe den Männern in die Geschlechtsteile und Schienbeine, schlugen mit allen mitgeführten und erreichbaren Schlagmitteln auf sie ein, bespuckten sie und schossen vor allem wild herum.

So gab es bald viele Verletzte, die sich nicht mehr erheben konnten und qualvoll litten. Doch das war noch nicht genug. Vor dem Rathaus befindet sich ein großer Luftschutzwasserbehälter, in den schließlich die Opfer der bestialischen Tollwut nacheinander hineingeworfen wurden und mit Stöcken und Stangen am Auftauchen gehindert, unter Wasser gehalten wurden. Ja, schließlich wurde sogar hineingeschossen, und das Wasser färbte sich blutrot. Beim Herauskriechen wurde ihnen auf die Finger getreten, mancher aber bereits tot herausgefischt. Andere am Boden Liegende wurden durch die mittlerweile herbeigeholte Feuerspritze angestrahlt und weiter in einer Art misshandelt, die nicht zu beschreiben ist. – Während sich diese unmenschlichen Greueltaten abspielten, hatte sich auf dem Gehsteig vor dem Landratsamt das sogenannte „Volksgericht“ eingerichtet. Hinter den bereitgestellten Tischen nahmen die Tschechen Platz, unter ihnen:

 
      Hrabacek, Sägewerksbesitzer aus Weipertsdorf, 
      Pfitzner Wilhelm, Angestellter der Krankenkasse, Landskron,      Matschat Franz, Weber bei der Fa. Thoma, Landskron,                Magdalenenstr., 
      Wanitschek Bernard, Schuhmacher, Landskron, Karlgasse, 
      Matschat Stefan, Weber bei der Fa. Thoma, Landskron, 
      Bednar Friedrich, Tischler, Tabakfabrik, Landskron, 
      Polak, Gendarmerieoffizier, und eine Frau, vermutlich 
      Frau Lossner aus Landskron. 

Um den Tisch herum stand eine große Anzahl von Tschechen, die als Ankläger galten und sich die einzelnen, bevorzugten Deutschen aus den Reihen holten. In mehreren Reihen hintereinander, mit erhobenen Händen, mussten die deutschen Männer vor dem Richtertisch erscheinen. Der jeweils Erste einer Reihe musste ein mit Auswurf bedecktes Hitlerbild tragen, das der Nebenmann auf Kommando abzulecken hatte. Die letzten 20-30 Schritte zum Richtertisch mussten auf dem Boden kriechend zurückgelegt werden. Hier wurde jedem sein Urteil verkündet, das ihm mit Kreide auf den Rücken geschrieben wurde. Ungefähr 50-60 m gegenüber bis zu einer Toreinfahrt gab es ein Spießrutenlaufen im wahrsten Sinne des Wortes. Viele blieben schon auf dem Wege liegen, bevor dort die eigentliche Strafe vollzogen wurde. Was sich dabei an Brutalität ereignete, ist unmöglich niederzuschreiben.

Eines der ersten Opfer war Karl Piffl, Tischlermeister. Nachdem er aus der Reihe geholt, durch das Wasser getrieben und von dort halbtot herausgezogen war, wurde er darin buchstäblich zu Tode geprügelt und zu Brei zertreten.

Der Nächste war der Werkmeister der Fa. Pam, Landskron, Reichstädter, der bis zur Unkenntlichkeit zerschlagen, noch an die Mauer des Rathauses gestellt wurde und durch Maschinenpistolensalven sein Ende fand. Im Laufschritt kam aus der Gasse, die zum Gefängnis führte, voll johlenden Tschechen getrieben, blutüberströmt Ing. Josef Neugebauer, Landskron, der ebenfalls am Rathause mit erhobenen Händen und zur Mauer gewandtem Gesicht lautlos durch die Kugeln der Maschinenpistolen fiel. Auf ähnliche Weise beendete auch Ing. Otto Dietrich, Landskron, sein Leben. Der Bauer Viktor Benesch, Landskron, endete an derselben Stelle mit abgeschossener Schädeldecke.

Die Schmerzensschreie der blutenden Menschen übertönte bald alles Geschehen, viele saßen und lagen teilnahmslos um die Toten. Gegen 7 Uhr abends wurde der größte Teil der Zusammengetriebenen in Gewahrsam genommen, nur wenige wurden heimgeschickt.

Am 18. Mai wiederum am Stadtplatz zusammengetrieben, wurden an den Opfern die entsetzlichsten Folterungen und brutalsten Misshandlungen fortgesetzt. Der Installateurmeister Josef Jurenka aus Landskron, Angerstraße, wurde zum Tode durch Erhängen verurteilt. An einer Gaslaterne wurde das Urteil vollstreckt, nachdem er sich selbst die Schlinge um den Hals legen musste.

Auf ähnliche Weise endete der am Landratsamt angestellte Robert Schwab aus Ober-Johnsdorf. Diese beiden Erhängten mussten von den Deutschen ständig in schwingender Bewegung gehalten werden.

Ing. Köhler, der aus Deutschland stammte und nur in Landskron wohnhaft war, wurde, nur mit einer Lederhose bekleidet, die auf die Tschechen wie ein rotes Tuch wirkte, unter größtem Gejohle mit Spazierstöcken aufgespießt.

Es spielten sich an diesem Tage noch furchtbarere Szenen ab, als am Vortage. Einige Deutsche wurden gezwungen, sich auszuziehen, Ringkämpfe vorzuführen, sich gegenseitig zu verprügeln usw.

Furchtbare Schreie gellten den ganzen Tag über den sonst ruhigen Stadtplatz. Gegen 17 Uhr nahmen dann diese Greuel ein unvorhergesehenes Ende und dies durch die aufopfernde Tat der Kaufmannswitwe Frau Auguste Heider. Ihr Geschäftshaus stand unmittelbar hinter dem Stand des „Volksgerichtes“ und hat sie von ihrem Dachboden aus wohl die sich in nächster Nähe abspielenden Greueltaten wahrnehmen können und ihnen dadurch Einhalt gebieten wollen, dass sie ihr Haus in Brand setzte und selbst den Freitod durch Erhängen suchte. Der aufkommende Brand verursachte eine jähe Panik und machte dem bestialischen Treiben der Tschechen ein vorzeitiges Ende.

Vor dem Rathause, an der Stelle, wo vorher das „Volksgericht“ mordete, lagen in großen Blutlachen und Rinnsalen von Blut folgende Deutsche, teils erschossen, teils erschlagen und bis zur Unkenntlichkeit zertreten und verstümmelt:

 
      1. Benesch Viktor, Landwirt und stellvertretender                   Ortsbauernführer,  
         Führer der Kriegerkameradschaft aus dem Weltkriege, 
      2. Neugebauer Josef, Ingenieur und Baumeister, 
      3. Dieterich Otto, Ingenieur und Baumeister, 
      4. Köhler, Ingenieur und Betriebsleiter, 
      5. Janisch Leo, Leiter des Arbeitsamtes, 
      6. Langer Karl, Beamter des Arbeitsamtes, 
      7. Langer Josef, Beamter des Arbeitsamtes, 
      8. Kowarsch Karl, Fleischhauermeister, erschossen von               seinem Gehilfen, 
      9. Benesch Theodor, Forstdirektor i. R., 
      10. Gerth Rudolf, Feldwebel, 
      11. Lug Hubert, Landwirt aus Lukau, 
      12. Klement Johann, Elektrotechniker, 
      13. Schwab Reinhold, Zementwarenerzeuger, 
      14. Schmidt Karl, Spenglermeister, 
      15. Jurenka Josef, Schlossermeister, 
      16. Schwab Robert, Beamter des Landrates, 
      17. Antl Richard, Bauer aus Rudelsdorf, 
      18. Marek, Eisenbahner, 
      19. Koblischke Josef, Oberlehrer i. R., 
      20. Piffl Karl, Tischlermeister, 
      21. Hafler Leopold, Arbeiter, 
      22. Reichstätter Julius, Beamter, 
      23. Linhart Josef, Bauer aus Lukau, 
      24. Zandler, Bauer aus Rudelsdorf. 

Diese Menschen, die hier einer bestialischen Horde zum Opfer fielen, blieben bis zum 19. Mai liegen. In den späten Nachmittagsstunden musste der Landwirt Eduard Neugebauer, Landskron, Angerstraße, auf den Friedhof führen. Der totenbeschauende Arzt, ein Deutscher, welcher für die Deutschen aus Landskron ob seines anrüchigen Verhaltens ausgelöscht ist, sagte, dass er von den zu Tode gequälten Menschen nicht mehr eindeutig feststellen konnte, wer sie waren. In einem Massengrab wurden diese Toten buchstäblich verscharrt.

Es ist kein Wunder dass, ob diesem grausamen Geschehen viele Deutsche ihrem Leben durch Freitod ein Ende setzten.

Mit Zuverlässigkeit sind es folgende:

 
      Heider Auguste, Kaufmannswitwe, Landskron, Stadtplatz, 
      Maresch Eduard, Schnittwarenhändler u. Frau, Landskron,           Magdalenenstr., 
      Richter Hubert, Schuhmacher und Frau, Landskron,                  Magdalenenstraße, 
      Riedel Wenzel, Gendarmeriewachtmeister i. R., Landskron,          Magdalenenstr., 
      Waschitschek Hans, Wanderlehrer i. R. und Frau, Landskron,        Badgasse, 
      Killer, Landwirt, Landskron, Angerstraße, 
      Janisch Karl, Gärtner, Landskron, Friedhofstraße, 
      Jandejsek Josef, Steuerobersekret. i. R. u. Frau, Landskron,      H. Knirschstr., 
      Portele Otto, Schuhmacher, Landskron, Stadtplatz, 
      Kusebauch Wenzel, Major i. R. und Frau, Landskron,                Angerstraße, 
      Knapek Gerlinde, geb. Ringl, Landskron, Stadtplatz, 
      Piffl Anna, geb. Schreiber, Arztenswitwe u.  
      Tochter Ingunde Ilgner mit ihrem Kinde, Landskron,                Knirschstraße, 
      Dr. Pelzl Franz und Frau Mathilde, geb. Nagl, Landskron,          Johannesgasse, 
      Rotter Richard mit einem Kind, Landskron, 
      Langer Karl, Gemeindeangestellter i. R., Landskron,               Schulplatz, 
      Schromm Viktor, Straßenmeister, Landskron. 

In den meisten Dörfern verliefen diese Tage auf ähnliche Weise. Den Freitod suchten außerdem in:

Hilbetten: über 60 Personen, darunter der Arzt des Ortes Dr. Schwarz, in dessen Wohnung viele Deutsche den Tod suchten.
Türpes: die Frau des Bürgermeisters Schmidt erschoss ihre Kinder und sich selbst.
Ziegenfuß: erschoß der Erbrichter Franz Hübl seine achtköpfige Familie, nur seinen 80jährigen Vater ließ er am Leben.
Rudelsdorf: schied ebenfalls eine größere Anzahl freiwillig aus dem Leben.
Triebitz: wurde der Bauer Julius Klaschka erschossen.
Sichelsdorf: wurde der Bauer Franz Kaupe erschossen.
Tschenkowitz: gab es ebenfalls mehrere Tote durch Erschießen. Abtsdorf: ging der Freisassenhofbesitzer Heinz Peschka mit Frau und seinem Sohn in den Freitod, ebenso der Bürgermeister Max Wilder mit Frau und drei Kindern.

Der ehemalige Bürgermeister der Stadt Landskron, Dr. Franz Nagl, später Leitmeritz, wurde in Königgrätz erschossen.

Besondere Brutalität legte der tschechische Schuhmacher Janecek aus Hermanitz an den Tag. Mit Stolz erzählte er später im Gefängnis, dass er nicht weniger als 18 deutsche Soldaten, die waffenlos durch die Wälder zogen, aus dem Hinterhalt erschossen hat.

In diesen Tagen wurden noch arbeitsfähige Deutsche in größere Gruppen zusammengefasst und den Russen übergeben, von denen sie nach dem Osten verschleppt wurden. Viele von ihnen haben nach monate- und jahrelangem opfervollen Leben die Heimkehr nicht mehr erlebt.

Weitere Namen von Tschechen, die damals in der Gemeindeverwaltung tätig waren, sich an den Ausschreitungen gegen die Deutschen beteiligten, durch Raub und gemeinsten Diebstahl bekannt und die auf alle Fälle für all das Geschehen mitverantwortlich waren, sind:

Die beiden Bürgermeister Losser und Hejl, die Stadtverordneten Zidlik, Ing. Vagner, Dr. Rehák, Wanitschek, Kudlacek, Pfitzner, der Vorsitzende Dr. Skala, sowie Vodicka. Ganz besonders hervorzuheben ist der Sägewerkbesitzer Hrabacek und der Gendarmerieoffizier Polak. Hrabacek endete nach der Flucht aus dem Reiche Gottwalds über Deutschland in Frankreich als Landarbeiter, und auch Polak nahm ein bitteres Ende.

Ich versichere an Eides statt, dass die obigen Aussagen der Wahrheit entsprechen. Julius Friedel

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Blutgericht von Landskron: Gewalttaten sowjetischer Soldaten und tschechischer Partisanen in Landskron; die Vorgänge vom 17. – 21. Mai 1945 (1)

Gewalttaten sowjetischer Soldaten und tschechischer Partisanen in Landskron; die Vorgänge vom 17./18. Mai 1945: Razzia eines Partisanenkommandos auf die männliche Bevölkerung, Misshandlung und Ermordung deutscher Männer durch ein improvisiertes Revolutionsgericht.

Bericht des Notars Dr. Leopold Pfitzner aus Oderberg.

Abdruck aus: „Landskroner Heimatbrief”, 9. Jahrgang, Folge l u. 2 (Juni/Juli 1955).

Als der russische Angriff im März 1945 bis in den Raum Teschen—Oderberg vorgetrieben worden war, setzten sich die Behörden nach Evakuierung der Zivilbevölkerung von Oderberg, wo ich seit 1922 als Rechtsanwalt und seit 1939 auch als Notar tätig war, nach Westen ab. Die Bahnverbindungen waren unterbrochen, meinen PKW hatte der Kampfkommandant im März 1945 beschlagnahmt. Ich bestieg mein Fahrrad und fuhr am 4. April 1945 über Neutitschein, Olmütz in meine Heimatstadt Landskron, wohin sich meine Familie schon am 19.1.1945 geflüchtet hatte.

Bis zum Kriegsende fluteten durch Landskron Wehrmachtsteile, Belegschaften von Behörden und größeren Unternehmungen und die Elendszüge der Heimatvertriebenen. Am 8. Mai 1945 konnten wir von den Höhen des Landskroner Talkessels noch den Kampflärm vernehmen. Desorganisierte deutsche Truppen zogen sich fluchtartig zurück. In ihrem Gefolge sah man auf hochbeladenen LKW Zivilisten, Kraftfahrzeuge wurden mangels Betriebsstoff allenthalben in Brand gesteckt. In diese Szenerie des Feuers, der Verzweiflung und der Auflösung jeglicher Ordnung drangen die beutegierigen russischen Horden mit tschechischen Partisanen und feierten von da an durch Wochen hindurch Orgien von Hass, Grausamkeiten, Gewalttätigkeiten, plünderten und mordeten mit satanischer Gier. Türen und Fenster der Häuser wurden erbrochen, das Vieh aus den Ställen getrieben, viele Einwohner eingekerkert oder verschleppt, Frauen und Mädchen ohne Wahl und ohne Rücksicht auf das Alter vergewaltigt.

Die männliche Bevölkerung von Landskron wurde zu Aufräumungsarbeiten kommandiert. Ich wurde einem Arbeitskommando zugeteilt, das in der Ringofenziegelei Wehrmachtsausrüstungen zu ordnen und zu verladen hatte. Am 17. Mai 1945, gegen 11.30 Uhr ging ich mit einigen Landsleuten von der Arbeit nach Hause und hörte an einer Wegkreuzung, wie ein bewaffneter tschechischer Partisane einem tschechischen Zivilisten in tschechischer Sprache sagte,

„dass heute das große Gericht beginnen würde”.

Knapp vor meiner Wohnung wurde ich von wild herumschießenden Partisanen abgefangen und mit ungefähr 50 bis 60 Deutschen, die inzwischen zusammengetrieben worden waren, im Laufschritt auf den Marktplatz gepeitscht, wobei die tschechische Begleitmannschaft unablässig auf das Straßenpflaster schoss. Dadurch erlitten mehrere deutsche Männer Gellerverletzungen. Ich selbst wurde durch ein abprellendes Geschoss an der rechten äußeren Fußkante erheblich verletzt. Auf dem Marktplatz meiner Heimatstadt Landskron waren inzwischen etliche Hundert deutsche Männer zusammengetrieben worden, die in Reihen formiert wurden. Bis 7 Uhr abends am 17. Mai und den ganzen 18. Mai 1945 haben bewaffnete Tschechen und Russen an uns ein furchtbares Blutgericht gehalten. In meinem Heimatstädtchen mit seinen zirka 6.500 Einwohnern wurden an den beiden Tagen gegen 40 Männer hingemordet; an die 100 Landsleute gaben sich den Freitod.

Wir mussten am 17.5.1945 über sechs Stunden ununterbrochen beide Arme hochhalten. Jede Reihe war von patrouillierenden Partisanen flankiert. Wer die Hände auch nur sekundenweise sinken ließ, wurde mit dem Gummiknüppel über den Kopf oder die Arme geschlagen. Ununterbrochen schossen die Partisanen knapp über unsere Köpfe hinweg. An den Fenstern, die geschlossen bleiben mussten, durfte sich niemand zeigen. Geschah dies trotzdem, schossen die Partisanen in die Wohnungen.

Plötzlich brüllte ein Partisane durch Lautsprecher:

„Alles zusammen und nieder!”

Die Hunderte von Männern drängten sich wie ein Bienenklumpen zusammen und versuchten vergeblich, sich auf die Erde zu legen. Es entstand ein wildes Durcheinander, über welches hinweggeschossen wurde. Ob und wer dabei verletzt wurde, konnte ich in der begreiflichen Aufregung nicht feststellen. Mit größter Schnelligkeit musste sodann die Reihenordnung wieder hergestellt werden. Dies wiederholte sich einige Male.

Ein vom Schreien heiser gewordener Partisane veranstaltete mit uns Sprechchöre, indem er uns zu

„Heil Hitler!”

kommandierte, anschließend sogleich auf Tschechisch:

„Es lebe Präsident Benesch, es lebe Generalissimus Stalin!”

Zivilisten gingen die Reihen ab und suchten sich entweder besondere Opfer aus, die sogleich vor den unter freiem Himmel aufgestellten „Richtertisch” geschleppt wurden, um sofort gehängt oder erschossen zu werden, oder aber sie zogen ihnen bekannte Sozialdemokraten und Kommunisten heraus, die sich abseits vor dem Rathaus hinsetzen und die Massaker den ganzen Tag mit ansehen mussten.

Jeder angehaltene Deutsche musste vor den „Richtertisch”, bis die Reihe an ihn kam, die letzten Schritte auf den Knien rutschen. Jeweils der erste rechte Mann in der Reihe trug mit erhobenen Händen ein Hitlerbild, das die Partisanen mit aufgezogenem Schleim bespuckten. Der Nebenmann musste diesen Answurf jedesmal ablecken und hinunterschlucken.

An dem „Partisanenrichtertisch” saßen der Vorsitzende, namens Hrabáček, vier weitere Zivilisten, ein Gendarm, ferner stand dabei ein Partisanenweib, welches einige Deutsche, darunter auch mich, mit einem Gummistempel im Gesicht viermal abstempelte, bis ein Tscheche aus dem ersten Stockwerk des Landratsamtes ihr dies verbot. Andere Tschechen in Zivil, die die Misshandlungen an den Verurteilten zu vollstrecken hatten, standen um das Partisanengericht herum.

Dieses Blutgericht „verurteilte” die herangeschleppten Deutschen entweder zu Prügelstrafen zwischen 10 bis 100 Schlägen oder zum Tod durch Erschießen oder Erhängen. Die zu Prügeln Verurteilten wurden an jenen zwei Tagen in die Toreinfahrt des Gemeindehauses geschleppt, dort auf ein vorbereitetes neues breites Brett geworfen und, ohne dass einer der Henker zählte, mit Gummiknüppeln, Ochsenziemern, Gewehrkolben und Stöcken über den ganzen Körper, auch über den Kopf und Hals, geschlagen und mit Füßen getreten. Vor mir erhielt Brauereidirektor Lm. Gustav Zimmermann zehn Schläge zudiktiert. Die gellenden Schmerzensschreie der Geprügelten waren den ganzen Tag über in grauenerregender Stärke zu hören. Damit vermengten sich ununterbrochen die Gewehr- und Maschinenpistolensalven.

Ein Kandelaber vor dem Gasthaus Schmeiser diente als Galgen. Ich sah, wie der Installateur Josef Jurenka gehängt wurde. Er eilte selbst auf den Galgen zu, legte sich die Schlinge um den Hals, ein Partisane stieß den Hocker weg. Der Gehängte blieb, solange ich auf dem Ringplatz war, am Galgen, nachdem vor ihm ein anderer Deutscher gehängt worden war. Ferner sah ich, wie der Leiter des Amtsgerichts, Lm. Dr. Josef Meixner, schon unter dem Galgen angetreten war, nach kurzer Umfrage durch Lautsprecher aber wieder in meine Reihe zurückgetrieben wurde. Meixner hatte viele blutende Wunden auf dem Kopf und war sehr benommen. Er wurde nach Sibirien abtransportiert und kehrte von dort krank zurück.

Links vor dem Aufgang zum Rathaus (Amtsgericht) befand sich ein Luftschutzwasserbassin, in das mehrere Deutsche hineingeworfen wurden, worauf die Partisanen auf sie schossen. Die am Leben Gebliebenen wurden herausgezogen, über das Geländer geworfen, aus Feuerwehrschläuchen angestrahlt, so dass sie umfielen, sodann wurden die meisten von ihnen an die Mauer gestellt und von Partisanen durch Feuerstöße aus Maschinenpistolen niedergestreckt. Die Ermordeten lagen dort auf einem Haufen, wurden gegen Abend auf einen Plateauwagen des Fuhrwerkers Stransky geworfen, auf den Friedhof geführt und, wie ich später erfuhr, in einem Massengrab begraben.

Fast nach jedem Mord trat ein Partisane an den Toten heran und gab ihm aus der Pistole einen Fangschuss mit der zynischen tschechischen Bemerkung:

„Ted má dost!” (jetzt hat er genug!).

Der Ziegeleibesitzer Lm. Ing. Josef Neugebauer wurde von drei Partisanen aus Richtung Kaufmann Heider anscheinend aus dem Gefängnis im Laufschritt über den Marktplatz gejagt, wobei ihn drei mitlaufende bewaffnete Tschechen unablässig mit Gummiknüppeln über den Kopf und den Rücken schlugen. Bei der Rathausmauer angelangt, stellte er sich auf Kommando mit erhobenen Armen mit dem Gesicht zur Mauer, Maschinenpistolen traten in Tätigkeit, Neugebauer fiel lautlos auf den Haufen der dort liegenden Gemordeten, ein Partisane gab auch ihm den Fangschuss. Auf ähnliche Weise, aber ohne Spießrutenlaufen, sah ich Lm. lug. Otto Dieterich an der Richtstätte enden.

Angesichts der Wasserkastenbestialitäten, der dichtanliegenden Toten, unter dem Schmerzensgebrüll der Gegeißelten, unter fortwährendem Schießen und den anderen schon beschriebenen Scheußlichkeiten suchten die Tschechen zwei starke deutsche Männer aus, befahlen ihnen, den Oberkörper zu entblößen und einen Boxkampf aufzuführen. Offenbar in der — allerdings irrigen — Hoffnung, sich das Leben zu erkämpfen, schlugen die Kämpfenden mit bloßen Fäusten aufeinander los, bis sich der eine von ihnen im Staube wälzte. Was weiter mit ihnen geschehen ist, konnte ich nicht beobachten. Den Bauer Richter aus Lußdorf habe ich in der darauffolgenden Nacht in meiner Zelle getroffen, er war durch die erlittenen Misshandlungen völlig apathisch und wurde am nächsten Tag abtransportiert.

Mir wurden am 17.5.1945 gegen 18 Uhr dreißig Schläge vom Blutgericht zudiktiert. Bei dieser unmenschlichen Misshandlung wurde ich zweimal ohnmächtig. Nach der Exekution wurde ich zu dem Eckhaus des Kaufmanns Heider geschleppt und dort sitzend an die Mauer gelehnt.

Gegen 19 Uhr wurden wir ungefähr 40 Männer in das Gerichtsgefängnis abgeführt, nachdem schon tagsüber einige Trupps dorthin eingeliefert worden waren. Vor dem Gefängnis brach ich wieder zusammen und wurde von meinen Leidensgenossen in die Zelle geschleppt. Die Schießereien hörten wir noch bis spät in die Nacht. An Schlaf war nicht zu denken, denn in einer bloß für drei Häftlinge bestimmten Zelle wurden 19 Männer zusammengepfercht, die alle schwer angeschlagen waren. Ich spürte, wie mich eine Lähmung beider Arme anschlich, am nächsten Tag hing mein rechter Arm schlaff herunter. Dieser Zustand dauerte einige Wochen. Bis heute sind eine teilweise Lähmung des rechten Ellbogennerven und die Folgen eines Bruches des rechten Kiefergelenks zurückgeblieben, die laut ärztlichem Befund nicht mehr zu heilen sind. Außerdem erlitt ich einen Bruch des linken Ellbogenknochens, Verletzung der Nieren, Blutunterlaufungen am ganzen Körper und eine Gehirnerschütterung.

Am 18. Mai 1945 wurden wir aus dem Gefängnis abermals auf den Marktplatz getrieben, wo die Tschechen ähnliche Greueltaten wie am Vortage verübten. Geschlagen wurde ich aber nicht mehr, auch die Arme mussten wir nicht mehr hochhalten, doch wurden wir wieder vor das Partisanengericht befohlen, nochmals untersucht und in das Gefängnis zurückgeführt. Der Massenmörder Hrabáček unterbrach, als ich vor dem Blutgericht stand, die „Sitzung” mit der Bemerkung, er müsse feststellen, ob „mich die Russen suchen”. Er ging in das Landratsamt, kam mit einem größeren Notizbuch zurück und sagte, er könne mich nicht in den Listen finden. 13 Tage wurde ich im Gerichtsgefängnis zurückgehalten. Die Verpflegung bestand in schwarzem Kaffee morgens, einer Gemüsewassersuppe mittags und abends wieder schwarzem Kaffee. Einmal täglich wurden 200 Gramm Brot ausgegeben. Ununterbrochen, tags und nachts, kamen kleinere Kommissionen der Russen, Partisanen und Zivilisten, auch Polen, in die Zellen, urn nach Deutschen zu fahnden, die anscheinend auf besonderer Liste standen. Einige Zellengenossen wurden sofort abgeführt. Welches Los ihnen beschieden war, haben wir nicht erfahren. In meiner Zelle waren u. a. Otto Sponner, Dr. Josef Meixner, Josef Janda aus Michelsdorf, aber auch ein Spitzel, dessen Name ich nicht kenne.

In der Zelle nebenan lag die Frau eines deutschen Gendarmen, die schwer misshandelt worden war, mit ihrem kleinen Sohn. Sie wurde in das Krankenhaus nach Wildenschwert übergeführt.

In anderen Zellen waren Dr. Haus Rieß, der Gastwirt Franz Mottl und der Schneidermeister Hans Blesel.

Auf dem Flur vor den Zellen mussten verschiedene Deutsche, ein Gendarm, ein in Landskron wohnhafter Holländer, der Spediteur Karl Nagl und andere, mir nicht namentlich Bekannte, tagelang mit zur Wand gekehrtem Gesicht, an Händen und Füßen mit starken Seilen oder schweren Eisenketten gefesselt, stehen und wurden dann, mir unbekannt wohin, fortgebracht.

Nach meiner Entlassung aus dem Gefängnis lag ich einige Wochen teilweise gelähmt und an inneren Verletzungen krank in meiner Wohnung.

Mitte Juni wurde anlässlich der Registrierung der männlichen Bevölkerung von Landskron wiederum ein großer Teil der Männer in verschiedenen Gebäuden eingesperrt; ich selbst, obwohl kaum gehfähig, wurde mit etlichen 20 auf dem Dachboden der sogenannten “Beseda” eingesperrt. In der Nacht wurden einige der Inhaftierten zur Leibesexekution in einen Nebenraum gebracht, aus dem dann Schmerzensschreie zu hören waren. Mit schweren Misshandlungen kamen sie in jener Nacht zu uns stumpfsinnig Wartenden zurück: der Gefangenenaufseher Wondra, der bis vor wenigen Tagen noch Dienst gemacht hatte, und ein gewisser Groß aus Troppau. Beide stöhnten vor Schmerzen die ganze Nacht. Am nächsten Morgen wurde ich wieder entlassen. Auch in dieser Nacht wurden wir von Fahndungstrupps besucht.

In der Nähe des Badhauses hatte ein betrunkener russischer Soldat einen anderen russischen Soldaten erschossen. Eine russische Patrouille erschoss daraufhin den ersten ihr aus jenem Hause entgegenkommenden deutschen Mann, der gar nicht zu Wort gekommen war. In jenen Tagen des 17. und 18. Mai 1945 wurden auf der Straße Rudolf Gerth und Forstdirektor Theodor Benesch von Partisanen umgebracht. Deutsche Frauen wurden wiederholt von Russen vergewaltigt. Die minderjährige Tochter eines Bekannten wurde von den Russen vergewaltigt, der Vater wurde gefesselt und musste diesem Verbrechen zusehen.

Ein Mädchen sprang aus dem Fenster des ersten Stockes, um der Vergewaltigung zu entgehen, und brach sich das Bein. Durch Wochen, bis zu meiner Vertreibung, schlief die Bevölkerung kaum, da sie sich vor den die ganze Nacht plündernden Russen und Partisanen rechtzeitig sichern wollte, um besonders die Frauen zu verbergen.

In der Zeit vom Kriegsende bis zu meiner Vertreibung am 5. Juli 1945 erhielten wir die deutschen Hungerkarten. Ich musste mich täglich bei der Polizei melden, alle Deutschen mussten die weiße Armbinde bei sonst schwerer Strafe tragen. Die deutsche Bevölkerung der umliegenden Dorfgemeinden wurde in das inzwischen von den Polen besetzte benachbarte Preußisch-Schlesien ausgetrieben, von wo einige zurückkehrten.

Foto-Aufnahmen

Die einzigen fotografischen Dokumente zum Blutgericht stammen von einem tschechischen Fotografen, der die ‚ruhmreichen Geschehnisse‘ bildlich festhalten sollte. Von diesen Aufnahmen kamen auch nur sehr wenige mit den Jahren an die Öffentlichkeit, ein Großteil ruht – wenn sie nicht schon vorsorglich vernichtet wurden – in Archiven der Tschechischen Republik.

Blutgericht von Landskron: Maschinengewehr am Fenster des Landratsamts auf den Stadtplatz gerichtet, Aufnahme: 17.05.1945

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Blutgericht von Landskron: Zusammengetriebene und händehochhaltende Deutsche auf dem Stadtplatz, Aufnahme: 17.05.1945

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Blutgericht von Landskron: Die Hände mussten stundenlang über dem Kopf gehalten werden, Aufnahme: 17.05.1945

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Blutgericht von Landskron: Partisan und Flintenweib kontrollieren die Papiere der zusammengetriebenen händehochhaltenden Deutschen. Im Hintergrund das Rathaus, rechts die Einfriedung der Pestsäule, Aufnahme: 17.05.1945

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Blutgericht von Landskron: Der „Richtertisch“, „Richter“ im Vordergrund, Aufnahme: 17.05.1945

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Blutgericht von Landskron: Zwei Deutsche mit Ausweis in der Hand vor dem „Richtertisch“, Aufnahme: 17.05.1945

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Blutgericht von Landskron: schwer misshandelter Deutscher mit blutgetränkter Jacke. Ein schneller Tod war den Meisten nicht gegönnt, Aufnahme: 17.05.1945

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Blutgericht von Landskron: Im Feuerlöschbecken: Studienrat Prof. Vinzenz Römer (links) und Richard Reichstädter nach schwersten Misshandlungen, dahinter händehochhaltende Deutsche und einzelne Tschechen. Links das Rathaus, rechts die Pestsäule, dahinter die Südostseite des Stadtplatzes, Aufnahme: 17.05.1945

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Blutgericht von Landskron: Herausziehen aus dem Feuerlöschbecken zur anschließenden Erschießung. Aufnahme: 17.05.1945

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Die Verantwortlichen bzw. Durchführenden des Massakers an der deutschen Bevölkerung von Landskron sind namentlich bekannt und zum Teil auch heute noch am Leben. Strafrechtlich geahndet wurde dieses Verbrechen allerdings dennoch nie, denn sämtliche Straftaten an Deutschen in der Nachkriegszeit wurden im völkerrechtswidrigen tschechoslowakischen Gesetz 115/1946 straffrei gestellt. Dieses Gesetz gilt auch heute noch und wird von einer großen Mehrheit der tschechischen Parteien aktiv unterstützt und keinesfalls aufgehoben.

Rechtshilfeersuchen deutscher Behörden zur Auslieferung oder Bestrafung der Massenmörder werden vom EU-Staat Tschechien auch heute noch unter Verweis auf das Gesetz 115/1946 zurückgewiesen, was den tschechischen Schwerstverbrechern einen ruhigen und sicheren Lebensabend ermöglicht.

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Der tschechische Staatschef „Edvard Beneš“ verfügt den Diebstahl des gesamten deutschen Eigentums in seinem Machtbereich

Die nach wie vor rechtskräftigen Beneš-Dekrete sind seit Jahrzehnten der Hauptstreitpunkt zwischen Vertriebenenverbänden in Deutschland einerseits und der Tschechoslowakei bzw. deren Nachfolgestaaten Tschechei (Tschechien genannt) und der Slowakei andererseits.

Die bis heute umstrittensten Erlässe sind die Dekrete Nr. 5/1945, Nr. 12/1945, Nr. 33/1945, Nr. 71/1945 und Nr. 108/1945, die den Entzug der tschechoslowakischen Staatsbürgerschaft und die Enteignung des Vermögens besonders der deutschen aber auch der ungarischen Minderheiten regelten. Kritisiert wird von Seiten der Vetriebenenverbände vor Allem, dass sich die Dekrete gegen eine Gruppe von Personen, nicht wegen persönlich begangener konkreter Taten, sondern allein wegen ihrer nationalen Zugehörigkeit wandten. Damit missachteten sie das Prinzip der Unschuldsvermutung und verweigerten den Betroffenen zudem das Recht, sich vor einem unabhängigen Gericht zu verteidigen. Demnach läge also nicht nur eine Negierung der Unschuldsvermutung vor, sondern auch eine Beweislastumkehr zuungunsten der durch die Erlässe betroffenen Bevölkerungsgruppen, was rechtsstaatlichen Prinzipien widerspräche. Zwar wurden in Einzelfällen Ausnahmen gemacht; allerdings fiel das feste Eigentum bei sogenannter „selbstgewählter“ Ausreise dennoch an den sich neu formierenden tschechoslowakischen Staat. An beweglichen Sachen konnten die angeblich „freiwillig“ Ausreisenden soviel mitnehmen, wie sie wollten oder konnten, während „Verrätern“ an der Ersten Tschechoslowakischen Republik lediglich 40 Kilogramm pro Person zugestanden wurden. Als Verräter galten jene, welche die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft zugunsten einer anderen, also meist jener des Deutschen Reiches, aufgegeben hatten.

In der Vergangenheit hatte man die Aufhebung der Dekrete stets von einer Nichtigerklärung des Münchener Abkommens von 1938 ex tunc (also von Anfang an) abhängig gemacht. Das wurde jedoch von der Bundesrepublik Deutschland, nicht jedoch der ehemaligen DDR und auch von den Regierungen nach der deutschen Wiedervereinigung, abgelehnt. Hauptgrund dafür sind jedoch vor Allem die dann möglicherweise zu erhebenden erheblichen Entschädigungsforderungen der vertriebenen Deutschen und nicht etwa ein plötzlicher „Sinneswandel“ in der Politik des Besatzungskonstruktes BRD. Als Folge dieser Situation verbleiben beide Seiten, insbesondere nach dem EU-Beitritt der Tschechei, bislang im Status quo.

Der österreichische Völkerrechtler Felix Ermacora, der lange als Gutachter der UNO tätig war und sich danach unter anderem bei den österreichischen Landsmannschaften engagierte, kam in einem Rechtsgutachten im Jahre 1991 zu dem Ergebnis, dass die Vertreibung in den Jahren 1945/46 den Tatbestand des Völkermordes erfüllt hat.

Der alte und neue Präsident Beneš bei der Unterzeichnung der zweifelhaften Dekrete, die Vertreibungen legalisiert

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Vorgeschichte

Nach der völkerrechtswidrigen Annexion 1945 wurde im Zuge der sogenannten Beneš-Dekrete die deutsche Bevölkerung völkerrechtswidrig vertrieben und das deutsche Eigentum geraubt. Insgesamt wurden 3 Millionen der über 3,2 Millionen Sudetendeutschen gewaltsam vertrieben. Unzählige Deutsche wurden im Zuge dieser Vertreibung bestialisch ermordet. Die Deutschen wurden über Nacht rechtlos. Sie mussten Armbinden tragen (mehrheitlich weiße oder gelbe, Antifaschisten dagegen rote) und Repressalien, Einschränkungen und Verfolgungen nahmen zu. Prügeleien, öffentliche Vergewaltigungen deutscher Frauen und Misshandlungen Deutscher waren an der Tagesordnung. Beispielhaft für die Grauen dieser Verbrechen an Deutschen ist der Brünner Todesmarsch. 

In das gewaltsam und völkerrechtswidrig annektierte deutsche Gebiet zogen nach 1945 überwiegend Tschechen, Slowaken und Zigeuner ein. Viele erhielten den Zuschlag auf die jeweiligen vorher geraubten deutschen Immobilien unentgeltlich über ein Auslobungsverfahren, das die Regierung unter der tschechischen und slowakischen Bevölkerung durchführte. Teilweise wurden deutsche Häuser noch unter Anwesenheit der deutschen Besitzer gewaltsam enteignet und die Bewohner dabei ermordet oder vertrieben.
Durch diese sogenannte „Neuverteilung“ des geraubten deutschen Landes kam es bei vielen Tschechen zu einem erheblichen „Wohlstandszuwachs“, d.h. im Durchschnitt eigneten sich je 2 Tschechen das gesamte Vermögen eines Sudetendeutschen an.

Am 16. Mai 1945, lässt Edvard Beneš anlässlich seiner Ansprache am Altstädter Ring in Prag keinen Zweifel an seinen Absichten:

„Es wird erforderlich sein, die Anzahl der politischen Parteien gegenüber der Zeit vor dem Kriege zu reduzieren, das Verhältnis der Tschechen und Slowaken neu zu gestalten und die Deutschen in den böhmischen Ländern als auch die Ungarn in der Slowakei zu liquidieren, so wie sich die Liquidierung nur durchführen läßt …“

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Zusammenfassung der umstrittenen Dekrete

  • Dekret Nr. 5 vom 19. Mai 1945: Dekret des Präsidenten über die Nichtigkeit mancher vermögensrechtlicher Handlungen aus der Zeit der Unfreiheit und über die Nationalverwaltung der Vermögenswerte der Deutschen, Ungarn, Verräter und Kollaborateure und mancher Organisationen und Institutionen
§ 2 (1) Das im Gebiet der Tschechoslowakischen Republik befindliche Vermögen der staatlich unzuverlässigen Personen wird gemäß den weiteren Bestimmungen dieses Dekrets unter nationale Verwaltung gestellt […]   
§ 4 Als staatlich unzuverlässige Personen sind anzusehen:
a) Personen deutscher oder magyarischer (= ungarischer) Nationalität […]
§ 6 Als Personen deutscher oder magyarischer Nationalität sind Personen anzusehen, die sich bei irgendeiner Volkszählung seit dem Jahre 1929 zur deutschen oder magyarischen Nationalität bekannt haben oder Mitglieder nationaler Gruppen, Formationen oder politischer Parteien geworden sind, die sich aus Personen deutscher oder magyarischer Nationalität zusammensetzen.

Bereits vier Wochen später waren sämtliche deutschen und ungarischen Unternehmen in Böhmen und Mähren nationalen Verwaltern unterstellt (insgesamt etwa 10.000 Betriebe mit etwa einer Million Beschäftigten).

  • Dekret Nr. 12 vom 21. Juni 1945: Dekret des Präsidenten über die Konfiskation und beschleunigte Verteilung des Landwirtschaftsvermögens der Deutschen, Ungarn, sowie auch Verräter und Feinden des tschechischen und slowakischen Volkes
§ 1 (1) Mit augenblicklicher Wirksamkeit und entschädigungslos wird für die Zwecke der Bodenreform das landwirtschaftliche Vermögen enteignet, das im Eigentum steht:
a) aller Personen deutscher und magyarischer Nationalität, ohne Rücksicht auf die Staatsangehörigkeit, […]
(2) Personen deutscher und magyarischer Nationalität, die sich aktiv am Kampf für die Wahrung der Integrität und die Befreiung der Tschechoslowakischen Republik beteiligt haben, wird das landwirtschaftliche Vermögen nach Absatz 1 nicht konfisziert. 
(3) Darüber, ob eine Ausnahme nach Absatz 2 zulässig ist, entscheidet auf Antrag der zuständigen Bauernkommission der zuständige Bezirksnationalausschuss […]
  • Dekret Nr. 16 vom 19. Juni 1945: Dekret des Präsidenten über die Bestrafung der nationalsozialistischen Verbrecher, Verräter und ihrer Helfer und über die außerordentlichen Volksgerichte
  • Dekret Nr. 28 vom 28. Juli 1945 Dekret des Präsidenten über die Siedlungstätigkeit der landwirtschaftlichen Nutzflächen der Deutschen, Ungarn und anderen Feinden des Staates durch tschechische, slowakische und andere slawische Landwirte
  • Dekret Nr. 33 vom 2. August 1945: Verfassungsdekret des Präsidenten über Regelung der tschechoslowakischen Staatsbürgerschaft der Personen mit der deutschen und ungarischen nationalen Zugehörigkeit
§ 1 (1) Die tschechoslowakischen Staatsbürger deutscher oder magyarischer Nationalität, die nach den Vorschriften einer fremden Besatzungsmacht die deutsche oder magyarische Staatsangehörigkeit erworben haben, haben mit dem Tage des Erwerbs dieser Staatsangehörigkeit die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft verloren.
(2) Die übrigen tschechoslowakischen Staatsbürger deutscher oder magyarischer Nationalität verlieren die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft mit dem Tage, an dem dieses Dekret in Kraft tritt […]
§ 2 (1) Personen, welche unter die Bestimmungen des § 1 fallen und nachweisen, dass sie der Tschechoslowakischen Republik treu geblieben sind, sich niemals gegen das tschechische und slowakische Volk vergangen und sich entweder aktiv am Kampf um seine Befreiung beteiligt oder unter dem nazistischen oder faschistischen Terror gelitten haben, bleibt die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft erhalten.
  • Dekret Nr. 71 vom 19. September 1945: Dekret des Präsidenten über die Arbeitspflicht der Personen, die die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft verloren haben
§ 1.1 Zur Beseitigung und Wiedergutmachung der durch den Krieg und die Luftangriffe verursachten Schäden, wie auch zur Wiederherstellung des durch den Krieg zerrütteten Wirtschaftslebens wird eine Arbeitspflicht der Personen eingeführt, die nach dem Verfassungsdekret des Präsidenten der Republik vom 2. August 1945, Slg. Nr. 33, über die Regelung der tschechoslowakischen Staatsbürgerschaft der Personen deutscher und madjarischer Nationalität, die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft verloren haben. Die Arbeitspflicht erstreckt sich auch auf Personen tschechischer, slowakischer oder einer anderen slawischen Nationalität, die sich in der Zeit der erhöhten Bedrohung der Republik um die Erteilung der deutschen oder der madjarischer Staatsangehörigkeit beworben haben, ohne dazu durch Zwang oder besondere Umstände gezwungen zu sein.
§ 2.1 Der Arbeitspflicht unterliegen Männer vom vollendeten 14. bis zum vollendeten 60. Lebensjahr und Frauen vom vollendeten 15. bis zum vollendeten 50. Lebensjahr.
§ 2.2 Von der Arbeitspflicht sind befreit:
a) körperlich oder geistig untaugliche Personen, solange dieser Zustand dauert;
b) schwangere Frauen, vom Beginn des vierten Monates der Schwangerschaft
c) Wöchnerinnen, für die Zeit von sechs Wochen nach der Niederkunft und
d) Frauen, die für Kinder unter sechs Jahren zu sorgen haben.
  • Dekret Nr. 108 vom 25. Oktober 1945: Dekret des Präsidenten über die Konfiskation des feindlichen Eigentums und die Fonden der Nationalwiederaufbau
§ 1 (1) Konfisziert wird ohne Entschädigung […] für die Tschechoslowakische Republik das unbewegliche und bewegliche Vermögen, namentlich auch die Vermögensrechte (wie Forderungen, Wertpapiere, Einlagen, immaterielle Rechte), das bis zum Tage der tatsächlichen Beendigung der deutschen und magyarischen Okkupation in Eigentum stand oder noch steht: […]
2. physischer Personen deutscher oder magyarischer Nationalität, mit Ausnahme der Personen, die nachweisen, dass sie der Tschechoslowakischen Republik treu geblieben sind, sich niemals gegen das tschechische und slowakische Volk vergangen haben und sich entweder aktiv am Kampf für deren Befreiung beteiligt oder unter dem nazistischen oder faschistischen Terror gelitten haben.
3. physischer Personen, die […] der Germanisierung oder Magyarisierung auf dem Gebiete der Tschechoslowakischen Republik Vorschub geleistet (haben) […] wie auch von Personen, die eine solche Tätigkeit bei Personen, welche ihr Vermögen oder Unternehmen verwalteten, geduldet haben.“
  • Dekret Nr. 123/1945 vom 18. Oktober 1945, rückwirkend zum 17. November 1939: Dekret des Präsidenten über die Auflösung der deutschen Hochschulen in Prag und in [[Brünn]]

Nachdem der Großteil der deutschen Bevölkerungsgruppe bereits ausgesiedelt war, verabschiedete die Nationalversammlung der Tschechoslowakischen Republik am 8. Mai 1946 ein Gesetz, wonach

„eine Handlung, die in der Zeit vom 30. September 1938 bis zum 28. Oktober 1945 vorgenommen wurde und deren Zweck es war, einen Beitrag zum Kampf für die Wiedergewinnung der Freiheit der Tschechen und Slowaken zu leisten, oder die eine gerechte Vergeltung für Taten der Okkupanten oder ihrer Helfershelfer zum Ziele hatte“,

auch dann nicht als widerrechtlich anzusehen sei,

„wenn sie sonst nach den geltenden Vorschriften strafbar gewesen wäre“

  • Gesetz Nr. 115/1946: Straflosstellung von Vertreibungsverbrechen bis zum 28. Oktober 1945
§ 1 Eine Handlung, die in der Zeit vom 30. September 1938 bis zum 28. Oktober 1945 vorgenommen wurde und deren Zweck es war, einen Beitrag zum Kampf um die Wiedergewinnung der Freiheit der Tschechen und Slowaken zu leisten, oder die eine gerechte Vergeltung für Taten der Okkupanten oder ihrer Helfershelfer zum Ziele hatte, ist auch dann nicht widerrechtlich, wenn sie sonst nach den geltenden Vorschriften strafbar gewesen wäre.
§ 2.1 Ist jemand für eine solche Straftat bereits verurteilt worden, so ist nach den Vorschriften über die Wiederaufnahme des Strafverfahrens vorzugehen.
§ 2.2 Zuständig ist das Gericht, vor dem das Verfahren erster Instanz stattgefunden hat oder, falls ein solches Verfahren nicht stattgefunden hat, das Gericht, das jetzt in erster Instanz zuständig sein würde, wenn die Rechtswidrigkeit der Tat nicht nach § 1 ausgeschlossen wäre.
§ 2.3 Trifft mit einer in § 1 genannten Tat eine Straftat zusammen, für die der Angeklagte durch dasselbe Urteil verurteilt wurde, so fällt das Gericht für diese andere Tat durch Urteil eine neue Strafe unter Berücksichtigung des bereits erfolgten Schuldspruches.
§ 3 Dieses Gesetz tritt mit dem Tage der Kundmachung in Kraft; es wird vom Justizminister und vom Minister für nationale Verteidigung durchgeführt.

Einige der Dekrete hatten befristete Wirkung, das Ausbürgerungs- und die beiden Enteignungsdekrete gelten unbefristet!

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Quelle: Metapedia

Die tiefdüstere Analyse des (Juden) Larry Summers

Markus Diem Meier am Mittwoch den 27. November 2013

Ökonom Larry Summer. (Reuters/Jonathan Ernst)

Sieht keine rosige Zukunft für die Weltwirtschaft: Ökonom Larry Summer (Jude), 23. September 2011. (Reuters/Jonathan Ernst)

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In bloß einer Viertelstunde hat der einstige Finanzminister und beinahe Notenbankchef der USA die ganze Ökonomengilde in Aufregung versetzt. Ist seine Analyse zutreffend, hat das für die Weltwirtschaft und auch die Schweiz schwerwiegende Konsequenzen.

«Krisen – Gestern und Heute»: Unter diesem Titel hielt der Internationale Währungsfonds am 7. und 8. November seine jährliche Forschungstagung ab. Geladen hat er dazu eine ganze Reihe der Topstars der Ökonomenzunft, wie aus dem Programm der Tagungdeutlich wird. Den Abschluss bildete dann eine Gesprächsrunde mit kurzen Vorträgen einer besonders illustren Runde: Kenneth RogoffStanley FisherBen BernankeOlivier Blanchard und Larry Summers. (Hier das ganze Video dieser Schlussveranstaltung).

Keiner hat aber auch nur annähernd so viel Aufmerksamkeit erregt, wie Larry Summers in seiner viertelstündigen Rede. Was er gesagt hat, dominiert seither wie kein zweites Thema die Auseinandersetzungen auf den Ökonomenblogs.

Damit gleich unten zum Videoausschnitt von Summers Rede (hier auch die Niederschrift). Wer erst mehr zur Person Larry Summers, zu den Hintergründen und den wichtigsten Aussagen erfahren will, liest mit Vorteil unten weiter.

(Video bitte auf der Originalseite ansehen.)

Larry Summers hat immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Er galt als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Ben Bernanke an der Spitze der US-Notenbank. Das verdankt er seinen engen Beziehungen zum Establishment der demokratischen Partei: Unter Bill Clinton war er Finanzminister der USA, unter Barack Obama führender Wirtschaftsberater. Aber er hat auch vehemente Kritiker, weil er als besonderer Freund der Finanzbranche gilt, deren stärkere Regulierung er in den 1990er und 2000er Jahren verhindert hat. Mehr dazu in diesem Blogbeitrag.

In diesem Blogbeitrag habe ich ausserdem eine damals ebenfalls viel beachtete Studie von ihm und Bradford DeLong vorgestellt, in der die beiden gezeigt haben, dass Sparmaßnahmen durch Regierungen mitten in der Krise die Staatsschulden erhöhen können.

Nun zum Kern von Summers viertelstündiger Rede:

Die Krise, die in den Jahren 2007 und 2008 die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrunds gebracht hat, könnte laut Summers nur eine besonders dramatische Episode in einem länger währenden Trend sein, der sich mit dem Begriff der «säkulären Stagnation» zusammenfassen lässt.

Der Begriff wurde Ende der 1930er Jahren vom amerikanischen Ökonomen Alvin Hansen geprägt. Hansen kam damals zur Überzeugung, dass die große Depression dieser Jahre weit mehr als eine besonders dramatische Konjunkturkrise sei. Hansen glaubte damals, dass die Treiber des vormaligen Wachstums schlicht verschwunden waren, weil produktive Innovationen fehlen würden, vor allem aber auch das Bevölkerungswachstum. Hansens Pessimismus wurde allerdings durch das starke Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum nach dem Zweiten Weltkrieg widerlegt. Summers mutmaßt, dass die Analyse von Hansen hingegen für die aktuelle Wirtschaftsentwicklung zutreffen könnte.

Ausgangspunkt seiner Analyse sind die folgenden beiden Beobachtungen:

  • Obwohl ein anfänglich schlimmerer Absturz der Weltwirtschaft als im Fall der Grossen Depression durch entschiedene politische Maßnahmen aufgehalten werden konnte, hat sich die Lage in den USA und in anderen entwickelten Volkswirtschaften der Welt auch vier Jahre seit dem Ausbruch der Krise nicht in einem Ausmass gebessert, wie das zu erwarten gewesen wäre. Die Beschäftigung hat seither praktisch stagniert, das Bruttoinlandprodukt ist weiter vom Potenzial entfernt als damals und die Arbeitslosigkeit ist nach wie vor viel zu hoch.

«You would expect that there would be a lot of catch up, that all the stuff where inventories got run down would get produced much faster – I would kind of expect that as things normalised you’d get more GDP than you otherwise would have had, not that four years later you’d still be having substantially less than you had before. So there is something odd about financial normalisation – if that was what the whole problem was – and then continued slow growth.»

  • Nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung nach der Krise war aussergewöhnlich, ebenso jene zuvor. Die Geldpolitik war auch im Vorfeld schon locker – einige machen sie sogar für die Blase an den Immobilienmärkten verantwortlich -, die Ausgaben eilten den Einkommen voraus und die Verschuldung der Privaten stieg stark an. Doch trotz all diesen Zutaten für eine deutliche Überhitzung der Wirtschaft haben die üblichen Symptome gefehlt: Kein deutlicher Anstieg der Inflation war auszumachen, kein Unterschiessen unter die «natürliche» Arbeitslosigkeit (das heißt jener, die bei einer ausgelasteten Wirtschaft verbleibt) und keine übermäßige Auslastung der übrigen Wirtschaftskapazitäten.

«Many people believe that monetary policy was too easy. Everybody agrees that there was a vast amount of imprudent lending going on. Almost everybody agrees that wealth, as it was experienced by households, was in excess of its reality. Too easy money, too much borrowing, too much wealth. Was there a great boom? Capacity utilisation wasn’t under any great pressure; unemployment wasn’t under any remarkably low level; inflation was entirely quiescent, so somehow even a great bubble wasn’t enough to produce any excess in aggregate demand.»

Beide Beobachtungen würden laut Summers durch eine «säkuläre Stagnation» à la Hanson erklärt – eine tieferliegende grundlegende Schwäche, die nicht erst mit der Krise ihren Anfang genommen hat. Summers stellt bei seinen Überlegungen den so genannten «natürlichen Gleichgewichtszinssatz» in den Mittelpunkt. Das ist jener Satz, der eine Vollbeschäftigung der Gesamtwirtschaft sicherstellt. Nur dann wird ausreichend investiert, um diese zu gewährleisten. Wie Summers argumentiert, würde ein negativer «natürlicher Gleichgewichtszinssatz» eine Erklärung für die beobachteten Entwicklungen vor und nach der Krise liefern:

Selbst tiefe Leitzinsen wie vor der Krise wären dann noch zu hoch, um Vollbeschäftigung sicherzustellen. Dann ist es kein Wunder, dass Exzesse wie durch private Verschuldung und Blasen auf Immobilienmärkten die Wirtschaft insgesamt nicht überhitzt haben. Ohne Exzesse und Blasen wäre aber die Arbeitslosigkeit zu hoch und die Wirtschaft zu wenig ausgelastet gewesen. Das würde auch die Entwicklung seit der Krise erklären. Denn genau diese anhaltende Wirtschaftsschwäche zeigt sich seither. Obwohl die Leitzinsen sich bereits bei Null befinden, sind sie noch zu hoch, doch auf die notwendigen Negativraten können sie nicht gesenkt werden.  Summers:

«Suppose that the short-term real interest rate that was consistent with full employment had fallen to -2% or -3% sometime in the middle of the last decade. Then what would happen? That even with artificial stimulus to demand coming from all this financial imprudence you wouldn’t see any excess demand. And even with a relative resumption of normal credit conditions you’d have a lot of difficulty getting back to full employment.»

Dass eine solche Analyse, von einem ernstzunehmenden Ökonomen vorgetragen unter den führenden Makroökonomen der Welt, sofort eine heiße Debatte auslöst, ist wenig verwunderlich. Denn wenn sie zutrifft, wirft das fundamentale Fragen auf und hätte schwerwiegende Folgen für die Wirtschaftspolitik.

Die fundamentale Frage betrifft vor allem die Ursachen für eine solche «säkuläre Stagnation»: Summers selbst hält sich damit nicht auf. In den Debatten auf den Ökonomenblogs herrscht darüber keine Einigkeit: Im Vordergrund als Faktor für die zu geringe Gesamtnachfrage stehen zu wenige Investitionen. Mit Blick auf Strukturprobleme (angebotsseitig) werden folgende Gründe genannt: ein einbrechendes Bevölkerungswachstum, eine geringere Produktivität und geringere produktiv nutzbare Innovationen sowie die Bonuskultur der Unternehmen, die dazu führt, dass Manager immer weniger unternehmerische Wagnisse eingehen. Das genauer anzuschauen, müssen wir aber auf später verschieben. Dieser Beitrag hat das Thema schon einmal gestreift.

Damit zu den Folgen für die Politik – und für Länder wie die Schweiz:

  • Die führenden Notenbanken müssten ihre Leitzinsen noch sehr lange in der Nähe des Tiefstwerts von Null halten, denn selbst dann sind sie noch zu hoch. Eine Liquiditätsfalle mit allen Konsequenzen würde zu einem anhaltenden chronischen Problem. Summers:

«But imagine a situation where natural and equilibrium interest rates have fallen significantly below zero. Then conventional macroeconomic thinking leaves us in a very serious problem, because while we all seem to agree that whereas you can keep the federal funds rate at a low level forever, it is much harder to do extraordinary measures beyond that forever, but the underlying problem may be there forever.»

  • Anhaltende Tiefstzinsen sind aber ein Problem für alle Sparer, was wachsenden politischen Widerstand provozieren dürfte. Weitere außergewöhnliche Maßnahmen wären auch mit der Gefahr verbunden, gefährliche Blasen in einzelnen Bereichen der Wirtschaft zu befördern. Das wäre besonders problematisch für Länder wie die Schweiz, wo das Risiko von Immobilienblasen durch lang anhaltende Tiefzinsen besonders akut würde.
  • Vielversprechender als die Geldpolitik würde (wie immer in einer Liquiditätsfalle – und nur dann) die Fiskalpolitik. Der Staat könnte mit öffentlichen Investitionen (zum Beispiel in die Infrastruktur) die Wirtschaft anzuschieben versuchen. Je tiefer die Zinsätze unter den so erreichten Wachstumsraten verbleiben, je höhere Defizite kann ein Staat dann in Kauf nehmen, ohne dass die Verschuldungsquote ansteigt. (Die Erklärung für Freunde der Mathematik: Die Quote ist der Bruch der Verschuldung über dem Bruttoinlandprodukt BIP. Der Zinssatz ist das Wachstum der Verschuldung bei einem ausgeglichenen Budget. Übersteigt daher das BIP-Wachstum (der Nenner) den Zinssatz (den Zähler), sinkt die Verschuldungsquote.)
  • Wie schon die bisherige Entwicklung zeigt, dürften solche Politikmaßnahmen – sowohl über das Staatsbudget wie die Notenpresse – auf wachsende Opposition stoßen. Die Folge ihres Ausbleibens wäre aber, dass die Wirtschaftslage sich dann weiter verschärfen würde.

Weitere Beiträge zu dieser meiner Ansicht sehr spannenden und kontrovers geführten Debatte finden sich hierhierhierhierhier oder hier.

Ob die Analyse von Summers zutrifft, kann niemand belegen oder verwerfen. Selbst Summers selbst formuliert sie bloß als Hypothese, die für seine Beobachtungen der Entwicklungen von vor und nach der Krise ein stimmiges Bild ergibt. Allein die Möglichkeit, dass die Hypothese der «säkulären Stagnation» die wirtschaftliche Entwicklung richtig analysiert, ist beunruhigend genug, um sich mit ihr und ihren Konsequenzen ausgiebig auseinanderzusetzen.

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Quelle und Original: tagesanzeiger.ch

Der verschwiegene Völkermord an den Ukrainern

Ein amerikanischer Historiker deckt auf

Von Helmut Wild

Das Buch »The Harvest of Sorrow« (1986) hat der kalifornische Historiker, Prof. Robert Conquest, nicht geschrieben, um in den deutschen Historikerstreit einzugreifen. Er wollte nicht relativieren. Er wollte ein lange verdrängtes und fast vergessenes Kapitel aus Stalins Schreckensherrschaft beschreiben.

Im Mittelpunkt des Werkes steht der größte Völkermord unseres (vergangenen) Jahrhunderts: der Hungerwinter 1932/33, von Stalin mit der vollen Absicht des Völkermords über die ganze Ukraine verhängt und von seinen bewaffneten bolschewistischen Politkadern vollstreckt. In diesem Hungerwinter sind sieben Millionen Ukrainer unter grausamsten Bedingungen zu Tode gekommen. Über den Höhepunkt dieses Völkermordes sagt Robert Conquest:

»Ein Viertel der Landbevölkerung, Männer, Frauen, Kinder, lag tot oder sterbend umher, der Rest, in unterschiedlichen Phasen der Schwächung, ohne Kraft, ihre Familien oder Nachbarn zu begraben. Gleichzeitig, wie in Belsen, überwachten wohlgenährte Polizeieinheiten und Parteifunktionäre die Opfer. Das war der Höhepunkt der ›Revolution von oben‹, wie Stalin das nannte, mit welcher er und seine Gefolgsleute zwei Elemente vernichteten, die er als unüberzeugbar feindselig gegenüber dem Regime ansah: die Bauernschaft der UdSSR als Ganzes und die Ukrainische Nation.«

Conquest entwickelt die ganze Geschichte und Vorgeschichte dieses Völkermordes, von der Machtergreifung der Bolschewisten bis zur brutalen Exekution. Er zeigt das Wechselbeispiel von Ideologie, ihrer Anpassung an die Gegebenheiten der Machtentfaltung und die Taten, die daraus resultieren.

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Anhaltende Aufstände

Der Widerstand des gesamten ukrainischen Volkes gegen das bolschewistische Moskau führte von Anfang an zu Aufständen und versuchten Befreiungskriegen. Die erste sowjetische Regierung des Jahres 1918 konnte sich nur einige Wochen halten. Von Anbeginn an zeigte die bolschewistische Unterdrückung der Ukraine einen anti-ukrainischen Charakter, den man eigentlich nur mit einer Art »antiukrainischen Rassismus« richtig beschreiben kann. So ließ der erste Tscheka-Chef in Kiew, der Nichtukrainer Latzis, jeden auf offener Straße standrechtlich erschießen, der es wagte, Ukrainisch in der Öffentlichkeit zu sprechen. Dieses mit brutalsten Mitteln durchgesetzte Verbot der ukrainischen Sprache zeichnet die Lage in der Ukraine während der ganzen Folgezeit – bis heute. Perioden extremer Unterdrückung wurden jeweils abgelöst von Zeiten, in denen Zugeständnisse gemacht wurden, um eine gewisse Befriedung zu erreichen. Selbst die Gründung einer eigenständigen ukrainischen kommunistischen Partei wurde nicht gestattet. Jakob Swerdlow (Yakov Sverdlov), Präsident des ersten zentralen Exekutivkomitees in der Sowjetunion, ein getreuer Gefolgsmann Lenins, sagte:

»Die Gründung einer eigenständigen, ukrainischen Partei, wie auch immer sie sich nennen würde und welches Programm sie auch übernehmen würde, betrachten wir nicht als wünschenswert.«

Der bolschewistischen Führung ging es von Anfang an um die Auslöschung der ukrainischen Nation.

Entsprechend erbittert wurden die Kämpfe gegen dieses Regime geführt. Allein in der kurzen Zeit von April bis Juli 1919 gab es etwa 300 Revolten und bewaffnete Aufstände gegen das verhasste Regime.

Die dritte und endgültige(!) sowjetische Besetzung der Ukraine wurde im März 1920 vollzogen. Der letzte Widerstand regulärer ukrainischer Einheiten wurde im November 1920 gebrochen.

Im Kampf um die Sprache vertrat einer von Lenins führenden Leuten, Zinoviev (richtiger Name: Apfelbaum), die Auffassung, die ukrainische Sprache müsse auf einige ländliche Gebiete beschränkt bleiben. Aber diese Auffassung wurde schließlich auf dem fünften Parteikongress vom 17.-20. November 1920 verworfen. Unter anderem setzte sich Skrypnyk (Mitglied des zentralen Exekutivkomitees) für gewisse Zugeständnisse in der Frage der Sprache ein, um eine Befriedung des Landes zu erreichen.

Solche Zugeständnisse waren meist rein taktischer Art. So konnte durch Zugeständnisse im Bereich Sprache und Kultur eine Beruhigung der städtischen Bevölkerung und Intelligenzschichten erreicht werden, um gleichzeitig die Unterdrückung der Bauern zu verstärken. In den Dörfern war es zunächst Ziel der bolschewistischen Politik, die verschiedenen Schichten gegeneinander aufzuhetzen und gegeneinander auszuspielen. So schrieb Sverdlov im Mai 1918 in einer Denkschrift an das Zentrale Exekutivkomitee:

»Wir müssen uns des Problems der Klassenaufspaltung der Dörfer mit allem Ernst annehmen, der Schaffung zweier gegensätzlicher feindlicher Lager, indem wir die ärmsten Schichten der Bevölkerung gegen die Kulaken aufbringen. Nur wenn es uns gelingt, die Dörfer in zwei Lager zu spalten, den gleichen Klassenkrieg in den Dörfern wie in den Städten zu entfachen, nur dann werden wir in den Dörfern das erreichen, was wir in den Städten bereits erreicht haben.«

 – (Sverdlov, Znamyatruda, 16. Mai 1918) –

Lenin brachte Taktik und Ziel auf den Kern:

»Kleinbürgerliche Eigentümer sind willens, uns, das Proletariat, zu unterstützen, um die Landeigentümer und Kapitalisten zu vertreiben.«

Und er fuhr fort:

»Danach müssen wir in den entschiedensten, gnadenlosesten Kampf (auch) gegen sie eintreten.«

– (Lenin 1918, Zitat aus V 1. Lenin, Polnoe sobranie sochineniy, 5. Ausgabe, Moskau 1958-1965; Bd. 36, S. 255, 265) –

Soweit das Programm der Bolschewisten in ihrem Vorgehen gegen die Landbevölkerung. Jedoch konnte die Solidarität in den Dörfern durch diese Vorgehensweise nicht gebrochen werden. Aber gemäß dieser Theorie wurde der »Kulak« als eine mehr oder weniger mystische Figur geboren: der Kulak als Ausbeuter, gegen den alle anderen Schichten Krieg machen. Die Wirklichkeit ging einen anderen Weg. Die Antikulakenkampagnen waren begleitet von Getreiderequirierungen, und dieser Raub des Getreides führte zu einem unbeugsamen Krieg der Bauern – aller Bauern, ob klein, ob groß – gegen das bolschewistische Terrorregime. Der Bauernkrieg weitete sich aus. In Kronstadt eroberten die Bauernarmeen die Kanonen der Seestreitkräfte. Es waren schließlich diese Kanonen und die Maschinengewehre von Makhno und Antonov, die Lenin zu Zugeständnissen zwangen. Am 15. März 1921 sagte er:

»Wir können uns kaum noch behaupten.«

Es folgte die sogenannte NEP-Periode von 1921/1927. Diese »New Economic Policy« war von Lenin als rein taktische Maßnahme gedacht, um sein Regime zu retten. Während dieser Zeit war den Bauern und den Kleingewerbetreibenden eine kurze Erholungspause gegönnt, die danach durch noch größeren Terror des gefestigten Bolschewistenregimes abgelöst werden sollte.

1927 wurde die NEP-Periode schlagartig beendet. Die bolschewistischen Führer fühlten sich stark genug, gegenüber dem Kleingewerbe und den Bauern zum Angriff überzugehen. Im Winter 1927/28 eröffnete Stalin den Angriff gegenüber den Bauern mit der Beschlagnahme von Getreide. Gleichzeitig wurde eine Hetzkampagne gegen die »Kulaken« eingeleitet. Der Begriff »Kulak« ist eine Erfindung des bolschewistischen Regimes.

In Hetzfilmen, unter anderem auch von dem im Westen so hoch gepriesenen Sergej Eisenstein (»Panzerkreuzer Potemkin«), wurde der »Kulak« als Monster dargestellt….

»fett, faul, gefräßig, brutal, eine Kreatur, so gemein, wie sie niemals sonst auf der Erde herumgetrampelt ist.«

– (Maurice Hindus, ein Freund des Sowjetregimes, über einen Hetzfilm von Sergej Eisenstein, zitiert aus »The Harvest of Sorrow« von R. Conquest, S. 134) –

Ein unvorstellbarer, unbeschreiblicher, unmenschlicher Terror gegen die Bauern in der gesamten Sowjetunion setzte ein. Mit besonderer Härte traf dieser Terror die Bauern der Ukraine, denn dort sollten die »fortschrittlichsten Beispiele für sozialistisches Bauerntum« verwirklicht werden.

Je offensichtlicher die Theorie von der Klassenspaltung des Dorfes scheiterte und das Gegenteil geschah: arme und wohlhabende Bauern hielten immer enger zusammen im gemeinsamen Widerstand gegen das verhasste Regime, desto schärfere Maßnahmen ergriffen die bewaffneten Bolschewisten gegen die unbewaffneten Bauern. Der schwammige Hetzbegriff »Kulak« wurde letztlich so definiert, dass er auf alle Bauern, ob groß, ob klein, anwendbar war. Propagandistisch wurde von jeder Plattform aus, vor allem über die Presse, eine Art Lynchmentalität gegenüber dem »Klassenfeind« in Gang gesetzt. Diese öffentlich propagierte Lynchmentalität, eine zur Lynchstimmung angeheizte Hetze gegen alles was »rechts« oder mit dem Klassenfeind verbündet war, führte bei den Parteifunktionären zu einem Abbau der Tötungshemmung. Das war die Voraussetzung für die immer massenhafter durchgesetzten »Säuberungen«, die schließlich bis zum Völkermord systematisch ausgedehnt wurden, wobei das Bolschewistenregime die Kontrolle über das Geschehen behielt. Terror des Regimes, Widerstand der Bevölkerung und vermehrter Regimeterror, das war die Spirale der Eskalation. Bauern mit 5 Hektar Land, einer Kuh, einem Pferd, ein paar Hühnern und ein paar Schafen, wurden zu »Kulaken« erklärt und mitsamt ihrer ganzen Familie auf brutalste Weise ausgerottet. Dieser Terror des Regimes wurde von Jahr zu Jahr verschärft, bis schließlich im Hungerwinter 1932/33 die ganze Ukraine von der Außenwelt abgeschottet, in ein riesiges Konzentrationslager verwandelt wurde. Bewaffnete bolschewistische Mörderbanden, selbst wohlgenährt, vernichteten alles, was sie in den Bauernhäusern an irgendwie Essbarem finden konnten. Ein ganzes Volk wurde dem Hungertod preisgegeben. Diese Hungerhölle wurde mit den grausamsten Mitteln des Terrors gegen wehrlose, einfache Menschen, gegen Männer, Frauen und Kinder vollstreckt. Dieses wahrscheinlich größte Völkermordverbrechen der Weltgeschichte wird bis heute von der Weltöffentlichkeit nicht zur Kenntnis genommen.

Mindestens 7 Millionen Menschen fielen diesem vom Regime an einem Volk vollstreckten Hungertod zum Opfer. Weitere zwei Millionen Ukrainer wurden in der Zeit von 1929 bis 1933 durch Massenerschießungen und Massendeportationen ermordet.

Ich gehöre nicht zu denen, die Habermas um Erlaubnis fragen, bevor ich ein Buch lese. Aber dieses Buch hat auch bei mir den Nachkriegshorizont erschüttert. In vieler Hinsicht. Fragen über Fragen haben sich seither aufgetan. Warum ist dieser Völkermord überhaupt nicht im öffentlichen Bewusstsein? Wie kann ein solches Ereignis so lange und so gründlich verschwiegen werden? Wer hat ein Interesse an diesem Verschweigen?

Sind denen, die die Auswahl von geschichtlichen Ereignissen treffen und »irgendwie« bestimmen, worüber wir etwas erfahren dürfen und worüber nicht, sieben Millionen ukrainische Bauern nicht des Gedenkens wert?

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der heute in Westdeutschland lebende und im April zum 75. Geburtstag hochgeehrte Lew Kopelew in seinem Buch »Und schuf mir einen Götzen – Lehrjahre eines Kommunisten« (dtv. München 6 1986) beschreibt, wie er persönlich als Kommunist an diesem Morden in der Ukraine teilgenommen hat, wie er Bauern die letzten Nahrungsmittel wegnahm, um, selbst gutgenährt, sie dem Hungertod zu überlassen, wie er so zu einem vielfachen Mörder wurde. Der Verlag schreibt dazu über Kopelew:

»Gläubig folgt er der kommunistischen Partei in den brutalen Kampf um die Kollektivierung, in die Hungersnöte und Säuberungen der dreißiger Jahre.«

Kommunistische Massenmörder werden natürlich nicht verfolgt, wenn sie sich »nur« an Ukrainern vergangen haben. Obwohl der jüdische Kopelew, wie der Verlag über ihn schreibt, weiß,

»daß die Sowjetunion die finsteren Jahre des Stalinismus bewältigen muß, um die Ideale des Kommunismus in die Tat umzusetzen«,

und das auch öffentlich schreibt, wurde er 1980 mit dem Friedrich-Gundolf-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt, ausgezeichnet, erhielt 1981 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und wurde 1983 mit dem Kulturpreis der deutschen Freimaurer geehrt. In den vielen Presse-, Funk- und Fernsehkommentaren wurde er auch gepriesen als jemand,

»der sich seinen Jugendglauben an eine bessere Welt bewahrt hat.«

Seine Teilnahme am Völkermord an den Ukrainern wurde höflich verschwiegen.

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Quelle: Deutschland in Geschichte und Gegenwart 35(3) (1987), S. 26ff.

 

Blutgericht von Landskron: Gewalttaten sowjetischer Soldaten und tschechischer Partisanen in Landskron; die Vorgänge vom 17. – 21. Mai 1945 (2)

Bericht von Julius Friedel, Region: Sudetenland, Schönhengstgau, Landskron

Berichtszeitraum: 17.05.1945 – 21.05.1945

Die deutschen Männer der Stadt mussten in diesen Tagen Aufräumungsarbeiten machen und wurden in den Vormittagsstunden des 17. Mai ohne Angabe des Grundes heimgeschickt.

Gegen 11 Uhr desselben Tages kamen auf Lastwagen hunderte bewaffneter Tschechen, sogenannte „Partisanen“ angefahren. Sie nahmen am Stadtplatz zu einer Kundgebung Aufstellung und ein russischer Offizier hielt eine feurige Ansprache, die oft von tosendem Geschrei begleitet wurde. Wie auf Verabredung stoben dann die Tschechen nach allen Windrichtungen auseinander. Es dauerte auch nicht lange und man wusste Bescheid, warum es ging.

In kleineren und größeren Gruppen wurden alle deutschen Männer, auch Frauen und Kinder waren darunter, auf den Stadtplatz gehetzt, die Häuser der Stadt wurden regelrecht durchgekämmt, alle Männer wurden mitgenommen, alt und jung, Gebrechliche und selbst schwer Kranke. Die einzelnen der zusammengetriebenen deutschen Gruppen waren von wild johlenden, schwer bewaffneten Tschechen begleitet, die blindlings in alles hineinschossen und auf alles einschlugen, was ihnen unter die Hände kam. Andere Trupps von Tschechen waren inzwischen in die umliegenden Dörfer gefahren und trieben dort ebenfalls auf dieselbe Weise die Männer in die Stadt. In den frühen Nachmittagsstunden waren weit über 1000 deutsche Männer auf dem Stadtplatz zusammengetrieben worden. Sie wurden in Reihen formiert und mussten mit erhobenen Händen dastehen und der Dinge harren, die noch kommen sollten.

Es folgten nun die widerlichsten Szenen, die Menschen je zu ersinnen vermochten. Bald mussten die Männer flach auf dem Pflaster liegen, rasch wieder aufstehen, dann in Unordnung gebracht, sich wieder zur Reihe aufstellen. Die Tschechen gingen die Reihen auf und ab, traten mit Vorliebe den Männern in die Geschlechtsteile und Schienbeine, schlugen mit allen mitgeführten und erreichbaren Schlagmitteln auf sie ein, bespuckten sie und schossen vor allem wild herum.

So gab es bald viele Verletzte, die sich nicht mehr erheben konnten und qualvoll litten. Doch das war noch nicht genug. Vor dem Rathaus befindet sich ein großer Luftschutzwasserbehälter, in den schließlich die Opfer der bestialischen Tollwut nacheinander hineingeworfen wurden und mit Stöcken und Stangen am Auftauchen gehindert, unter Wasser gehalten wurden. Ja, schließlich wurde sogar hineingeschossen, und das Wasser färbte sich blutrot. Beim Herauskriechen wurde ihnen auf die Finger getreten, mancher aber bereits tot herausgefischt. Andere am Boden Liegende wurden durch die mittlerweile herbeigeholte Feuerspritze angestrahlt und weiter in einer Art misshandelt, die nicht zu beschreiben ist. – Während sich diese unmenschlichen Greueltaten abspielten, hatte sich auf dem Gehsteig vor dem Landratsamt das sogenannte „Volksgericht“ eingerichtet. Hinter den bereitgestellten Tischen nahmen die Tschechen Platz, unter ihnen:

 
      Hrabacek, Sägewerksbesitzer aus Weipertsdorf, 
      Pfitzner Wilhelm, Angestellter der Krankenkasse, Landskron,      Matschat Franz, Weber bei der Fa. Thoma, Landskron,                Magdalenenstr., 
      Wanitschek Bernard, Schuhmacher, Landskron, Karlgasse, 
      Matschat Stefan, Weber bei der Fa. Thoma, Landskron, 
      Bednar Friedrich, Tischler, Tabakfabrik, Landskron, 
      Polak, Gendarmerieoffizier, und eine Frau, vermutlich 
      Frau Lossner aus Landskron. 

Um den Tisch herum stand eine große Anzahl von Tschechen, die als Ankläger galten und sich die einzelnen, bevorzugten Deutschen aus den Reihen holten. In mehreren Reihen hintereinander, mit erhobenen Händen, mussten die deutschen Männer vor dem Richtertisch erscheinen. Der jeweils Erste einer Reihe musste ein mit Auswurf bedecktes Hitlerbild tragen, das der Nebenmann auf Kommando abzulecken hatte. Die letzten 20-30 Schritte zum Richtertisch mussten auf dem Boden kriechend zurückgelegt werden. Hier wurde jedem sein Urteil verkündet, das ihm mit Kreide auf den Rücken geschrieben wurde. Ungefähr 50-60 m gegenüber bis zu einer Toreinfahrt gab es ein Spießrutenlaufen im wahrsten Sinne des Wortes. Viele blieben schon auf dem Wege liegen, bevor dort die eigentliche Strafe vollzogen wurde. Was sich dabei an Brutalität ereignete, ist unmöglich niederzuschreiben.

Eines der ersten Opfer war Karl Piffl, Tischlermeister. Nachdem er aus der Reihe geholt, durch das Wasser getrieben und von dort halbtot herausgezogen war, wurde er darin buchstäblich zu Tode geprügelt und zu Brei zertreten.

Der Nächste war der Werkmeister der Fa. Pam, Landskron, Reichstädter, der bis zur Unkenntlichkeit zerschlagen, noch an die Mauer des Rathauses gestellt wurde und durch Maschinenpistolensalven sein Ende fand. Im Laufschritt kam aus der Gasse, die zum Gefängnis führte, voll johlenden Tschechen getrieben, blutüberströmt Ing. Josef Neugebauer, Landskron, der ebenfalls am Rathause mit erhobenen Händen und zur Mauer gewandtem Gesicht lautlos durch die Kugeln der Maschinenpistolen fiel. Auf ähnliche Weise beendete auch Ing. Otto Dietrich, Landskron, sein Leben. Der Bauer Viktor Benesch, Landskron, endete an derselben Stelle mit abgeschossener Schädeldecke.

Die Schmerzensschreie der blutenden Menschen übertönte bald alles Geschehen, viele saßen und lagen teilnahmslos um die Toten. Gegen 7 Uhr abends wurde der größte Teil der Zusammengetriebenen in Gewahrsam genommen, nur wenige wurden heimgeschickt.

Am 18. Mai wiederum am Stadtplatz zusammengetrieben, wurden an den Opfern die entsetzlichsten Folterungen und brutalsten Misshandlungen fortgesetzt. Der Installateurmeister Josef Jurenka aus Landskron, Angerstraße, wurde zum Tode durch Erhängen verurteilt. An einer Gaslaterne wurde das Urteil vollstreckt, nachdem er sich selbst die Schlinge um den Hals legen musste.

Auf ähnliche Weise endete der am Landratsamt angestellte Robert Schwab aus Ober-Johnsdorf. Diese beiden Erhängten mussten von den Deutschen ständig in schwingender Bewegung gehalten werden.

Ing. Köhler, der aus Deutschland stammte und nur in Landskron wohnhaft war, wurde, nur mit einer Lederhose bekleidet, die auf die Tschechen wie ein rotes Tuch wirkte, unter größtem Gejohle mit Spazierstöcken aufgespießt.

Es spielten sich an diesem Tage noch furchtbarere Szenen ab, als am Vortage. Einige Deutsche wurden gezwungen, sich auszuziehen, Ringkämpfe vorzuführen, sich gegenseitig zu verprügeln usw.

Furchtbare Schreie gellten den ganzen Tag über den sonst ruhigen Stadtplatz. Gegen 17 Uhr nahmen dann diese Greuel ein unvorhergesehenes Ende und dies durch die aufopfernde Tat der Kaufmannswitwe Frau Auguste Heider. Ihr Geschäftshaus stand unmittelbar hinter dem Stand des „Volksgerichtes“ und hat sie von ihrem Dachboden aus wohl die sich in nächster Nähe abspielenden Greueltaten wahrnehmen können und ihnen dadurch Einhalt gebieten wollen, dass sie ihr Haus in Brand setzte und selbst den Freitod durch Erhängen suchte. Der aufkommende Brand verursachte eine jähe Panik und machte dem bestialischen Treiben der Tschechen ein vorzeitiges Ende.

Vor dem Rathause, an der Stelle, wo vorher das „Volksgericht“ mordete, lagen in großen Blutlachen und Rinnsalen von Blut folgende Deutsche, teils erschossen, teils erschlagen und bis zur Unkenntlichkeit zertreten und verstümmelt:

 
      1. Benesch Viktor, Landwirt und stellvertretender                   Ortsbauernführer,  
         Führer der Kriegerkameradschaft aus dem Weltkriege, 
      2. Neugebauer Josef, Ingenieur und Baumeister, 
      3. Dieterich Otto, Ingenieur und Baumeister, 
      4. Köhler, Ingenieur und Betriebsleiter, 
      5. Janisch Leo, Leiter des Arbeitsamtes, 
      6. Langer Karl, Beamter des Arbeitsamtes, 
      7. Langer Josef, Beamter des Arbeitsamtes, 
      8. Kowarsch Karl, Fleischhauermeister, erschossen von               seinem Gehilfen, 
      9. Benesch Theodor, Forstdirektor i. R., 
      10. Gerth Rudolf, Feldwebel, 
      11. Lug Hubert, Landwirt aus Lukau, 
      12. Klement Johann, Elektrotechniker, 
      13. Schwab Reinhold, Zementwarenerzeuger, 
      14. Schmidt Karl, Spenglermeister, 
      15. Jurenka Josef, Schlossermeister, 
      16. Schwab Robert, Beamter des Landrates, 
      17. Antl Richard, Bauer aus Rudelsdorf, 
      18. Marek, Eisenbahner, 
      19. Koblischke Josef, Oberlehrer i. R., 
      20. Piffl Karl, Tischlermeister, 
      21. Hafler Leopold, Arbeiter, 
      22. Reichstätter Julius, Beamter, 
      23. Linhart Josef, Bauer aus Lukau, 
      24. Zandler, Bauer aus Rudelsdorf. 

Diese Menschen, die hier einer bestialischen Horde zum Opfer fielen, blieben bis zum 19. Mai liegen. In den späten Nachmittagsstunden musste der Landwirt Eduard Neugebauer, Landskron, Angerstraße, auf den Friedhof führen. Der totenbeschauende Arzt, ein Deutscher, welcher für die Deutschen aus Landskron ob seines anrüchigen Verhaltens ausgelöscht ist, sagte, dass er von den zu Tode gequälten Menschen nicht mehr eindeutig feststellen konnte, wer sie waren. In einem Massengrab wurden diese Toten buchstäblich verscharrt.

Es ist kein Wunder dass, ob diesem grausamen Geschehen viele Deutsche ihrem Leben durch Freitod ein Ende setzten.

Mit Zuverlässigkeit sind es folgende:

 
      Heider Auguste, Kaufmannswitwe, Landskron, Stadtplatz, 
      Maresch Eduard, Schnittwarenhändler u. Frau, Landskron,           Magdalenenstr., 
      Richter Hubert, Schuhmacher und Frau, Landskron,                  Magdalenenstraße, 
      Riedel Wenzel, Gendarmeriewachtmeister i. R., Landskron,          Magdalenenstr., 
      Waschitschek Hans, Wanderlehrer i. R. und Frau, Landskron,        Badgasse, 
      Killer, Landwirt, Landskron, Angerstraße, 
      Janisch Karl, Gärtner, Landskron, Friedhofstraße, 
      Jandejsek Josef, Steuerobersekret. i. R. u. Frau, Landskron,      H. Knirschstr., 
      Portele Otto, Schuhmacher, Landskron, Stadtplatz, 
      Kusebauch Wenzel, Major i. R. und Frau, Landskron,                Angerstraße, 
      Knapek Gerlinde, geb. Ringl, Landskron, Stadtplatz, 
      Piffl Anna, geb. Schreiber, Arztenswitwe u.  
      Tochter Ingunde Ilgner mit ihrem Kinde, Landskron,                Knirschstraße, 
      Dr. Pelzl Franz und Frau Mathilde, geb. Nagl, Landskron,          Johannesgasse, 
      Rotter Richard mit einem Kind, Landskron, 
      Langer Karl, Gemeindeangestellter i. R., Landskron,               Schulplatz, 
      Schromm Viktor, Straßenmeister, Landskron. 

In den meisten Dörfern verliefen diese Tage auf ähnliche Weise. Den Freitod suchten außerdem in:

Hilbetten: über 60 Personen, darunter der Arzt des Ortes Dr. Schwarz, in dessen Wohnung viele Deutsche den Tod suchten.
Türpes: die Frau des Bürgermeisters Schmidt erschoss ihre Kinder und sich selbst.
Ziegenfuß: erschoß der Erbrichter Franz Hübl seine achtköpfige Familie, nur seinen 80jährigen Vater ließ er am Leben.
Rudelsdorf: schied ebenfalls eine größere Anzahl freiwillig aus dem Leben.
Triebitz: wurde der Bauer Julius Klaschka erschossen.
Sichelsdorf: wurde der Bauer Franz Kaupe erschossen.
Tschenkowitz: gab es ebenfalls mehrere Tote durch Erschießen. Abtsdorf: ging der Freisassenhofbesitzer Heinz Peschka mit Frau und seinem Sohn in den Freitod, ebenso der Bürgermeister Max Wilder mit Frau und drei Kindern.

Der ehemalige Bürgermeister der Stadt Landskron, Dr. Franz Nagl, später Leitmeritz, wurde in Königgrätz erschossen.

Besondere Brutalität legte der tschechische Schuhmacher Janecek aus Hermanitz an den Tag. Mit Stolz erzählte er später im Gefängnis, dass er nicht weniger als 18 deutsche Soldaten, die waffenlos durch die Wälder zogen, aus dem Hinterhalt erschossen hat.

In diesen Tagen wurden noch arbeitsfähige Deutsche in größere Gruppen zusammengefasst und den Russen übergeben, von denen sie nach dem Osten verschleppt wurden. Viele von ihnen haben nach monate- und jahrelangem opfervollen Leben die Heimkehr nicht mehr erlebt.

Weitere Namen von Tschechen, die damals in der Gemeindeverwaltung tätig waren, sich an den Ausschreitungen gegen die Deutschen beteiligten, durch Raub und gemeinsten Diebstahl bekannt und die auf alle Fälle für all das Geschehen mitverantwortlich waren, sind:

Die beiden Bürgermeister Losser und Hejl, die Stadtverordneten Zidlik, Ing. Vagner, Dr. Rehák, Wanitschek, Kudlacek, Pfitzner, der Vorsitzende Dr. Skala, sowie Vodicka. Ganz besonders hervorzuheben ist der Sägewerkbesitzer Hrabacek und der Gendarmerieoffizier Polak. Hrabacek endete nach der Flucht aus dem Reiche Gottwalds über Deutschland in Frankreich als Landarbeiter, und auch Polak nahm ein bitteres Ende.

Ich versichere an Eides statt, dass die obigen Aussagen der Wahrheit entsprechen. Julius Friedel

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Blutgericht von Landskron: Gewalttaten sowjetischer Soldaten und tschechischer Partisanen in Landskron; die Vorgänge vom 17. – 21. Mai 1945 (1)

Gewalttaten sowjetischer Soldaten und tschechischer Partisanen in Landskron; die Vorgänge vom 17./18. Mai 1945: Razzia eines Partisanenkommandos auf die männliche Bevölkerung, Misshandlung und Ermordung deutscher Männer durch ein improvisiertes Revolutionsgericht.

Bericht des Notars Dr. Leopold Pfitzner aus Oderberg.

Abdruck aus: „Landskroner Heimatbrief”, 9. Jahrgang, Folge l u. 2 (Juni/Juli 1955).

Als der russische Angriff im März 1945 bis in den Raum Teschen—Oderberg vorgetrieben worden war, setzten sich die Behörden nach Evakuierung der Zivilbevölkerung von Oderberg, wo ich seit 1922 als Rechtsanwalt und seit 1939 auch als Notar tätig war, nach Westen ab. Die Bahnverbindungen waren unterbrochen, meinen PKW hatte der Kampfkommandant im März 1945 beschlagnahmt. Ich bestieg mein Fahrrad und fuhr am 4. April 1945 über Neutitschein, Olmütz in meine Heimatstadt Landskron, wohin sich meine Familie schon am 19.1.1945 geflüchtet hatte.

Bis zum Kriegsende fluteten durch Landskron Wehrmachtsteile, Belegschaften von Behörden und größeren Unternehmungen und die Elendszüge der Heimatvertriebenen. Am 8. Mai 1945 konnten wir von den Höhen des Landskroner Talkessels noch den Kampflärm vernehmen. Desorganisierte deutsche Truppen zogen sich fluchtartig zurück. In ihrem Gefolge sah man auf hochbeladenen LKW Zivilisten, Kraftfahrzeuge wurden mangels Betriebsstoff allenthalben in Brand gesteckt. In diese Szenerie des Feuers, der Verzweiflung und der Auflösung jeglicher Ordnung drangen die beutegierigen russischen Horden mit tschechischen Partisanen und feierten von da an durch Wochen hindurch Orgien von Hass, Grausamkeiten, Gewalttätigkeiten, plünderten und mordeten mit satanischer Gier. Türen und Fenster der Häuser wurden erbrochen, das Vieh aus den Ställen getrieben, viele Einwohner eingekerkert oder verschleppt, Frauen und Mädchen ohne Wahl und ohne Rücksicht auf das Alter vergewaltigt.

Die männliche Bevölkerung von Landskron wurde zu Aufräumungsarbeiten kommandiert. Ich wurde einem Arbeitskommando zugeteilt, das in der Ringofenziegelei Wehrmachtsausrüstungen zu ordnen und zu verladen hatte. Am 17. Mai 1945, gegen 11.30 Uhr ging ich mit einigen Landsleuten von der Arbeit nach Hause und hörte an einer Wegkreuzung, wie ein bewaffneter tschechischer Partisane einem tschechischen Zivilisten in tschechischer Sprache sagte,

„dass heute das große Gericht beginnen würde”.

Knapp vor meiner Wohnung wurde ich von wild herumschießenden Partisanen abgefangen und mit ungefähr 50 bis 60 Deutschen, die inzwischen zusammengetrieben worden waren, im Laufschritt auf den Marktplatz gepeitscht, wobei die tschechische Begleitmannschaft unablässig auf das Straßenpflaster schoss. Dadurch erlitten mehrere deutsche Männer Gellerverletzungen. Ich selbst wurde durch ein abprellendes Geschoss an der rechten äußeren Fußkante erheblich verletzt. Auf dem Marktplatz meiner Heimatstadt Landskron waren inzwischen etliche Hundert deutsche Männer zusammengetrieben worden, die in Reihen formiert wurden. Bis 7 Uhr abends am 17. Mai und den ganzen 18. Mai 1945 haben bewaffnete Tschechen und Russen an uns ein furchtbares Blutgericht gehalten. In meinem Heimatstädtchen mit seinen zirka 6.500 Einwohnern wurden an den beiden Tagen gegen 40 Männer hingemordet; an die 100 Landsleute gaben sich den Freitod.

Wir mussten am 17.5.1945 über sechs Stunden ununterbrochen beide Arme hochhalten. Jede Reihe war von patrouillierenden Partisanen flankiert. Wer die Hände auch nur sekundenweise sinken ließ, wurde mit dem Gummiknüppel über den Kopf oder die Arme geschlagen. Ununterbrochen schossen die Partisanen knapp über unsere Köpfe hinweg. An den Fenstern, die geschlossen bleiben mussten, durfte sich niemand zeigen. Geschah dies trotzdem, schossen die Partisanen in die Wohnungen.

Plötzlich brüllte ein Partisane durch Lautsprecher:

„Alles zusammen und nieder!”

Die Hunderte von Männern drängten sich wie ein Bienenklumpen zusammen und versuchten vergeblich, sich auf die Erde zu legen. Es entstand ein wildes Durcheinander, über welches hinweggeschossen wurde. Ob und wer dabei verletzt wurde, konnte ich in der begreiflichen Aufregung nicht feststellen. Mit größter Schnelligkeit musste sodann die Reihenordnung wieder hergestellt werden. Dies wiederholte sich einige Male.

Ein vom Schreien heiser gewordener Partisane veranstaltete mit uns Sprechchöre, indem er uns zu

„Heil Hitler!”

kommandierte, anschließend sogleich auf Tschechisch:

„Es lebe Präsident Benesch, es lebe Generalissimus Stalin!”

Zivilisten gingen die Reihen ab und suchten sich entweder besondere Opfer aus, die sogleich vor den unter freiem Himmel aufgestellten „Richtertisch” geschleppt wurden, um sofort gehängt oder erschossen zu werden, oder aber sie zogen ihnen bekannte Sozialdemokraten und Kommunisten heraus, die sich abseits vor dem Rathaus hinsetzen und die Massaker den ganzen Tag mit ansehen mussten.

Jeder angehaltene Deutsche musste vor den „Richtertisch”, bis die Reihe an ihn kam, die letzten Schritte auf den Knien rutschen. Jeweils der erste rechte Mann in der Reihe trug mit erhobenen Händen ein Hitlerbild, das die Partisanen mit aufgezogenem Schleim bespuckten. Der Nebenmann musste diesen Answurf jedesmal ablecken und hinunterschlucken.

An dem „Partisanenrichtertisch” saßen der Vorsitzende, namens Hrabáček, vier weitere Zivilisten, ein Gendarm, ferner stand dabei ein Partisanenweib, welches einige Deutsche, darunter auch mich, mit einem Gummistempel im Gesicht viermal abstempelte, bis ein Tscheche aus dem ersten Stockwerk des Landratsamtes ihr dies verbot. Andere Tschechen in Zivil, die die Misshandlungen an den Verurteilten zu vollstrecken hatten, standen um das Partisanengericht herum.

Dieses Blutgericht „verurteilte” die herangeschleppten Deutschen entweder zu Prügelstrafen zwischen 10 bis 100 Schlägen oder zum Tod durch Erschießen oder Erhängen. Die zu Prügeln Verurteilten wurden an jenen zwei Tagen in die Toreinfahrt des Gemeindehauses geschleppt, dort auf ein vorbereitetes neues breites Brett geworfen und, ohne dass einer der Henker zählte, mit Gummiknüppeln, Ochsenziemern, Gewehrkolben und Stöcken über den ganzen Körper, auch über den Kopf und Hals, geschlagen und mit Füßen getreten. Vor mir erhielt Brauereidirektor Lm. Gustav Zimmermann zehn Schläge zudiktiert. Die gellenden Schmerzensschreie der Geprügelten waren den ganzen Tag über in grauenerregender Stärke zu hören. Damit vermengten sich ununterbrochen die Gewehr- und Maschinenpistolensalven.

Ein Kandelaber vor dem Gasthaus Schmeiser diente als Galgen. Ich sah, wie der Installateur Josef Jurenka gehängt wurde. Er eilte selbst auf den Galgen zu, legte sich die Schlinge um den Hals, ein Partisane stieß den Hocker weg. Der Gehängte blieb, solange ich auf dem Ringplatz war, am Galgen, nachdem vor ihm ein anderer Deutscher gehängt worden war. Ferner sah ich, wie der Leiter des Amtsgerichts, Lm. Dr. Josef Meixner, schon unter dem Galgen angetreten war, nach kurzer Umfrage durch Lautsprecher aber wieder in meine Reihe zurückgetrieben wurde. Meixner hatte viele blutende Wunden auf dem Kopf und war sehr benommen. Er wurde nach Sibirien abtransportiert und kehrte von dort krank zurück.

Links vor dem Aufgang zum Rathaus (Amtsgericht) befand sich ein Luftschutzwasserbassin, in das mehrere Deutsche hineingeworfen wurden, worauf die Partisanen auf sie schossen. Die am Leben Gebliebenen wurden herausgezogen, über das Geländer geworfen, aus Feuerwehrschläuchen angestrahlt, so dass sie umfielen, sodann wurden die meisten von ihnen an die Mauer gestellt und von Partisanen durch Feuerstöße aus Maschinenpistolen niedergestreckt. Die Ermordeten lagen dort auf einem Haufen, wurden gegen Abend auf einen Plateauwagen des Fuhrwerkers Stransky geworfen, auf den Friedhof geführt und, wie ich später erfuhr, in einem Massengrab begraben.

Fast nach jedem Mord trat ein Partisane an den Toten heran und gab ihm aus der Pistole einen Fangschuss mit der zynischen tschechischen Bemerkung:

„Ted má dost!” (jetzt hat er genug!).

Der Ziegeleibesitzer Lm. Ing. Josef Neugebauer wurde von drei Partisanen aus Richtung Kaufmann Heider anscheinend aus dem Gefängnis im Laufschritt über den Marktplatz gejagt, wobei ihn drei mitlaufende bewaffnete Tschechen unablässig mit Gummiknüppeln über den Kopf und den Rücken schlugen. Bei der Rathausmauer angelangt, stellte er sich auf Kommando mit erhobenen Armen mit dem Gesicht zur Mauer, Maschinenpistolen traten in Tätigkeit, Neugebauer fiel lautlos auf den Haufen der dort liegenden Gemordeten, ein Partisane gab auch ihm den Fangschuss. Auf ähnliche Weise, aber ohne Spießrutenlaufen, sah ich Lm. lug. Otto Dieterich an der Richtstätte enden.

Angesichts der Wasserkastenbestialitäten, der dichtanliegenden Toten, unter dem Schmerzensgebrüll der Gegeißelten, unter fortwährendem Schießen und den anderen schon beschriebenen Scheußlichkeiten suchten die Tschechen zwei starke deutsche Männer aus, befahlen ihnen, den Oberkörper zu entblößen und einen Boxkampf aufzuführen. Offenbar in der — allerdings irrigen — Hoffnung, sich das Leben zu erkämpfen, schlugen die Kämpfenden mit bloßen Fäusten aufeinander los, bis sich der eine von ihnen im Staube wälzte. Was weiter mit ihnen geschehen ist, konnte ich nicht beobachten. Den Bauer Richter aus Lußdorf habe ich in der darauffolgenden Nacht in meiner Zelle getroffen, er war durch die erlittenen Misshandlungen völlig apathisch und wurde am nächsten Tag abtransportiert.

Mir wurden am 17.5.1945 gegen 18 Uhr dreißig Schläge vom Blutgericht zudiktiert. Bei dieser unmenschlichen Misshandlung wurde ich zweimal ohnmächtig. Nach der Exekution wurde ich zu dem Eckhaus des Kaufmanns Heider geschleppt und dort sitzend an die Mauer gelehnt.

Gegen 19 Uhr wurden wir ungefähr 40 Männer in das Gerichtsgefängnis abgeführt, nachdem schon tagsüber einige Trupps dorthin eingeliefert worden waren. Vor dem Gefängnis brach ich wieder zusammen und wurde von meinen Leidensgenossen in die Zelle geschleppt. Die Schießereien hörten wir noch bis spät in die Nacht. An Schlaf war nicht zu denken, denn in einer bloß für drei Häftlinge bestimmten Zelle wurden 19 Männer zusammengepfercht, die alle schwer angeschlagen waren. Ich spürte, wie mich eine Lähmung beider Arme anschlich, am nächsten Tag hing mein rechter Arm schlaff herunter. Dieser Zustand dauerte einige Wochen. Bis heute sind eine teilweise Lähmung des rechten Ellbogennerven und die Folgen eines Bruches des rechten Kiefergelenks zurückgeblieben, die laut ärztlichem Befund nicht mehr zu heilen sind. Außerdem erlitt ich einen Bruch des linken Ellbogenknochens, Verletzung der Nieren, Blutunterlaufungen am ganzen Körper und eine Gehirnerschütterung.

Am 18. Mai 1945 wurden wir aus dem Gefängnis abermals auf den Marktplatz getrieben, wo die Tschechen ähnliche Greueltaten wie am Vortage verübten. Geschlagen wurde ich aber nicht mehr, auch die Arme mussten wir nicht mehr hochhalten, doch wurden wir wieder vor das Partisanengericht befohlen, nochmals untersucht und in das Gefängnis zurückgeführt. Der Massenmörder Hrabáček unterbrach, als ich vor dem Blutgericht stand, die „Sitzung” mit der Bemerkung, er müsse feststellen, ob „mich die Russen suchen”. Er ging in das Landratsamt, kam mit einem größeren Notizbuch zurück und sagte, er könne mich nicht in den Listen finden. 13 Tage wurde ich im Gerichtsgefängnis zurückgehalten. Die Verpflegung bestand in schwarzem Kaffee morgens, einer Gemüsewassersuppe mittags und abends wieder schwarzem Kaffee. Einmal täglich wurden 200 Gramm Brot ausgegeben. Ununterbrochen, tags und nachts, kamen kleinere Kommissionen der Russen, Partisanen und Zivilisten, auch Polen, in die Zellen, urn nach Deutschen zu fahnden, die anscheinend auf besonderer Liste standen. Einige Zellengenossen wurden sofort abgeführt. Welches Los ihnen beschieden war, haben wir nicht erfahren. In meiner Zelle waren u. a. Otto Sponner, Dr. Josef Meixner, Josef Janda aus Michelsdorf, aber auch ein Spitzel, dessen Name ich nicht kenne.

In der Zelle nebenan lag die Frau eines deutschen Gendarmen, die schwer misshandelt worden war, mit ihrem kleinen Sohn. Sie wurde in das Krankenhaus nach Wildenschwert übergeführt.

In anderen Zellen waren Dr. Haus Rieß, der Gastwirt Franz Mottl und der Schneidermeister Hans Blesel.

Auf dem Flur vor den Zellen mussten verschiedene Deutsche, ein Gendarm, ein in Landskron wohnhafter Holländer, der Spediteur Karl Nagl und andere, mir nicht namentlich Bekannte, tagelang mit zur Wand gekehrtem Gesicht, an Händen und Füßen mit starken Seilen oder schweren Eisenketten gefesselt, stehen und wurden dann, mir unbekannt wohin, fortgebracht.

Nach meiner Entlassung aus dem Gefängnis lag ich einige Wochen teilweise gelähmt und an inneren Verletzungen krank in meiner Wohnung.

Mitte Juni wurde anlässlich der Registrierung der männlichen Bevölkerung von Landskron wiederum ein großer Teil der Männer in verschiedenen Gebäuden eingesperrt; ich selbst, obwohl kaum gehfähig, wurde mit etlichen 20 auf dem Dachboden der sogenannten “Beseda” eingesperrt. In der Nacht wurden einige der Inhaftierten zur Leibesexekution in einen Nebenraum gebracht, aus dem dann Schmerzensschreie zu hören waren. Mit schweren Misshandlungen kamen sie in jener Nacht zu uns stumpfsinnig Wartenden zurück: der Gefangenenaufseher Wondra, der bis vor wenigen Tagen noch Dienst gemacht hatte, und ein gewisser Groß aus Troppau. Beide stöhnten vor Schmerzen die ganze Nacht. Am nächsten Morgen wurde ich wieder entlassen. Auch in dieser Nacht wurden wir von Fahndungstrupps besucht.

In der Nähe des Badhauses hatte ein betrunkener russischer Soldat einen anderen russischen Soldaten erschossen. Eine russische Patrouille erschoss daraufhin den ersten ihr aus jenem Hause entgegenkommenden deutschen Mann, der gar nicht zu Wort gekommen war. In jenen Tagen des 17. und 18. Mai 1945 wurden auf der Straße Rudolf Gerth und Forstdirektor Theodor Benesch von Partisanen umgebracht. Deutsche Frauen wurden wiederholt von Russen vergewaltigt. Die minderjährige Tochter eines Bekannten wurde von den Russen vergewaltigt, der Vater wurde gefesselt und musste diesem Verbrechen zusehen.

Ein Mädchen sprang aus dem Fenster des ersten Stockes, um der Vergewaltigung zu entgehen, und brach sich das Bein. Durch Wochen, bis zu meiner Vertreibung, schlief die Bevölkerung kaum, da sie sich vor den die ganze Nacht plündernden Russen und Partisanen rechtzeitig sichern wollte, um besonders die Frauen zu verbergen.

In der Zeit vom Kriegsende bis zu meiner Vertreibung am 5. Juli 1945 erhielten wir die deutschen Hungerkarten. Ich musste mich täglich bei der Polizei melden, alle Deutschen mussten die weiße Armbinde bei sonst schwerer Strafe tragen. Die deutsche Bevölkerung der umliegenden Dorfgemeinden wurde in das inzwischen von den Polen besetzte benachbarte Preußisch-Schlesien ausgetrieben, von wo einige zurückkehrten.

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Foto-Aufnahmen

Die einzigen fotografischen Dokumente zum Blutgericht stammen von einem tschechischen Fotografen, der die ‚ruhmreichen Geschehnisse‘ bildlich festhalten sollte. Von diesen Aufnahmen kamen auch nur sehr wenige mit den Jahren an die Öffentlichkeit, ein Großteil ruht – wenn sie nicht schon vorsorglich vernichtet wurden – in Archiven der Tschechischen Republik.

Blutgericht von Landskron: Maschinengewehr am Fenster des Landratsamts auf den Stadtplatz gerichtet, Aufnahme: 17.05.1945

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Blutgericht von Landskron: Zusammengetriebene und händehochhaltende Deutsche auf dem Stadtplatz, Aufnahme: 17.05.1945

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Blutgericht von Landskron: Die Hände mussten stundenlang über dem Kopf gehalten werden, Aufnahme: 17.05.1945

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Blutgericht von Landskron: Partisan und Flintenweib kontrollieren die Papiere der zusammengetriebenen händehochhaltenden Deutschen. Im Hintergrund das Rathaus, rechts die Einfriedung der Pestsäule, Aufnahme: 17.05.1945

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Blutgericht von Landskron: Der „Richtertisch“, „Richter“ im Vordergrund, Aufnahme: 17.05.1945

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Blutgericht von Landskron: Zwei Deutsche mit Ausweis in der Hand vor dem „Richtertisch“, Aufnahme: 17.05.1945

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Blutgericht von Landskron: schwer misshandelter Deutscher mit blutgetränkter Jacke. Ein schneller Tod war den Meisten nicht gegönnt, Aufnahme: 17.05.1945

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Blutgericht von Landskron: Im Feuerlöschbecken: Studienrat Prof. Vinzenz Römer (links) und Richard Reichstädter nach schwersten Misshandlungen, dahinter händehochhaltende Deutsche und einzelne Tschechen. Links das Rathaus, rechts die Pestsäule, dahinter die Südostseite des Stadtplatzes, Aufnahme: 17.05.1945

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Blutgericht von Landskron: Herausziehen aus dem Feuerlöschbecken zur anschließenden Erschießung. Aufnahme: 17.05.1945

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Die Verantwortlichen bzw. Durchführenden des Massakers an der deutschen Bevölkerung von Landskron sind namentlich bekannt und zum Teil auch heute noch am Leben. Strafrechtlich geahndet wurde dieses Verbrechen allerdings dennoch nie, denn sämtliche Straftaten an Deutschen in der Nachkriegszeit wurden im völkerrechtswidrigen tschechoslowakischen Gesetz 115/1946 straffrei gestellt. Dieses Gesetz gilt auch heute noch und wird von einer großen Mehrheit der tschechischen Parteien aktiv unterstützt und keinesfalls aufgehoben.

Rechtshilfeersuchen deutscher Behörden zur Auslieferung oder Bestrafung der Massenmörder werden vom EU-Staat Tschechien auch heute noch unter Verweis auf das Gesetz 115/1946 zurückgewiesen, was den tschechischen Schwerstverbrechern einen ruhigen und sicheren Lebensabend ermöglicht.

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