Das Jareker Sammellager und die Temeriner

„Die Temeriner Razzia“
Verfasser: Istvan Adam – Bela Csorba – Marton Matuska -Istvan Ternovacz Herausgeber: Der Historische Ausschuss der VMDP (Ungarische Demokratische Partei der Vojvodina)

Im Leidensweg der Ungarn und der Deutschen der Südbatschka kommt dem Jareker Sammellager eine besondere Stelle zu. Diese Todesfabrik begannen die sich einrichtenden Partisanenbehörden im Dezember 1944 in Betrieb zu nehmen und liquidierten sie am 16. April 1946. Wurde zu Anfang lediglich ein Teil der Batschkaer und syrmischen Deutschen hier interniert, so nach dem 23. Januar 1945 auch die aus Zabalj, Curug und Mosorin ausgewiesenen Ungarn. Sie blieben bis zum Juni 1945 im Jareker Lager, dann wurden sie nach Gajdobra dirigiert, von wo sie im Herbst 1945 freikamen.

Jarek liegt nicht mehr als vier Kilometer von Temerin entfernt – heute hat schon die zwischen den beiden Dörfern künstlich angesiedelte serbische Gemeinschaft Staro Djurdjevo (Alt-Djurdjevo) die natürlichen Grenzen im wesentlichen verschwinden lassen – ‚ im Jahre 1787 hatten es die aus Baden-Württemberg, dem Elsass, der Pfalz, Hessen und dem Saargebiet gekommenen augsburgisch-evangelischen (lutherischen) Deutschen auf der bis dahin Klein-Temerin genannten Einöde gegründet, die die Adelsfamilie Szechen zusammen mit Temerin vom königlichen Schatzamt käuflich erwarb.

Im Jahre 1944 hatte das Dorf annähernd, zweitausend Einwohner. Bewohnt war es von durch ihren Fleiß berühmten Landwirten und Gewerbetreibenden, die von ihnen am Ende des 19. und anfangs des 20. Jahrhunderts erbauten Häuser haben mit ihrer Ästhetik kaum ihresgleichen, obwohl manche seit 1944 weder Verputz noch Farbe gesehen haben.

Die Jareker deutsche Bewohnerschaft hat im Oktober 1944 nahezu vollzählig die Ansiedlung verlassen und wählte den Fluchtweg, im Verlauf dessen sie verhältnismäßig glücklich, mit wenigen Menschenopfern, in die Heimat ihrer Ahnen zurückgelangte. Es gab jedoch, in erster Linie hilflose Personen und Greise, die, in ihrem Dorf bleibend, den später als Befreiung bezeichneten Partisanenterror abwarteten, ohne zu ahnen, dass die neue Macht gerade hier eines der größten und erbarmungslosesten Sammellager Jugoslawiens errichten würde. Im Zusammenhang damit muss man anmerken, dass vor dem Zweiten Weltkrieg ungefähr 343.OOO Deutsche in der Vojvodina lebten. Nach Schätzung der neuen jugoslawischen Macht wollten oder konnten von dieser Zahl etwa 180.000 Personen nicht flüchten. Nach Schätzungen fielen mehr als 30.0O0 (unter ihnen Alte, Frauen und Kinder) den Massakern vom Ende Oktober, Anfang November 1944 zum Opfer. Die übrigen wurden durch die Militärverwaltung in die vojvodinaweit errichteten Lager deportiert. Dem konnten nur diejenigen entgehen, denen sich die Möglichkeit bot, sich zu einer anderen Volkszugehörigkeit zu bekennen (z.B. der ungarischen). Wie viele Deutsche in den Sammellagern (die wir ruhigen Gewissens auch als Todeslager bezeichnen können) ihr Leben verloren, darüber können wir nur schlussfolgern: Nach amtlichen jugoslawischen Angaben hat man in den Lagern der Vojvodina im Mai 1945 alles in allem 62.233 deutschstämmige Deportierte verwahrt. Was ist mit den übrigen geschehen? Sie sind schwerlich geflohen, schließlich wurden Fluchtversuche erbarmungslos geahndet. Wir können uns nur zweierlei denken:
erstens, dass die Statistiken gefälscht sind; zweitens, dass man die fehlende Differenz in den Massengräbern der Lager suchen muss.

Im Jareker Lager schmachteten 1945 im Frühjahr 16.700 Personen, unter ihnen auch die 3.632 Ungarn aus Zabalj, Curug und Mosorin, die die serbischen Vergeltungsmaßnahmen des Schajkascher Gebiets überlebt hatten und nicht den von Oktober 1944 an bis zu ihrer Vertreibung nahezu ununterbrochen andauernden Torturen und Hinrichtungen zum Opfer gefallen waren (147 Personen wurden nicht nach Jarek, sondern ins nahegelegene Altker deportiert.). Mit den Curuger Ungarn kamen auch mehrere aus Temerin stammende ungarische Familien nach Jarek: sie hatten in früheren Jahren und Jahrzehnten in Temerin-nahen Curuger Gemarkungsteilen ein wenig Feld oder einen Sallasch erworben. Obwohl sie keinerlei Verantwortung für die Razzia vom Januar 1942 belastete, sie sich vielmehr auf dem Sallasch oder in Temerin aufgehalten hatten, mussten sie das Los der übrigen Curuger Ungarn teilen: sie wurden ihres gesamten Vermögens beraubt, und nachdem das Ungarntum kollektiv für schuldig erklärt worden war – angeblich auf Verlangen der Curuger und Zabaljer serbischen Einwohnerschaft – hat man sie allesamt bei grimmiger Januarkälte und Schneetreiben zu Fuß ins Jareker Lager abgeschoben.

Das Lager wurde in zwei Teile geteilt. In die eine Hälfte des Dorfes wurden die aus insgesamt 45 Siedlungsorten hierher getriebenen Deutschen gepfercht, in die andere Hälfte die Ungarn. Der ständige Hunger, der Mangel an Salz, die Brutalität der Wachen und Lagerkommandanten, sodann die epidemischen Krankheiten, besonders der im Frühjahr 1945 ausbrechende Bauchtyphus, kosteten in der Folge mehrere Tausende das Leben. Gustav Morgenthaler nennt aufgrund namentlicher Registrierung der Opfer 5.491 Verstorbene, davon 51 Jareker Ureinwohner sowie 40 Temeriner Deutsche. (Nach anderen Angaben nahezu 70.) Trotz den Unbilden blieb das Sterbematrikelbuch des Jareker Todeslagers erhalten, dem zwar mehrere Blätter fehlen, trotzdem ist es ein wertvolles Dokument insofern, als es die Daten und Todesursachen von insgesamt 2.576 Verstorbenen enthält. Aufgrund des Matrikelbuches stellte Sandor Meszaros fest, dass im Jahre 1944/45 175, 1946 hingegen 211 deutsche Kleinkinder zugrunde gingen.

Die dokumentierbaren Verluste der Ungarn betragen 121 Personen, davon 66 Erwachsene und 55 Kleinkinder. Diese Angaben sind wegen der Beschädigungen des Matrikelbuches natürlich keineswegs vollständig.

Die, die sich zurückerinnern, sprechen – trotz der zeitlichen „verklärenden Ferne“ – mit Abscheu und Ekel von den im Lager zugebrachten Monaten. Häufig betonen sie auch die Unmenschlichkeit der Lagerleiter, besonders JANA DRAGOJLOVIC, MIRKO MEHADZIJA, MITO BOTIC und seine Schwester, sowie ein DJOKA genannter Lagerleiter blieben ihnen in böser Erinnerung. Die ungarischen Lagerinsassen erwähnen oft die aus Temerin stammende „ROKA“ („Füchsin“), ILONA VARGA, die aus Mazedonien als Partisanin zurückgekehrt war und alsbald Lagerleiterin wurde. Den Berichten nach unterschied sie sich leider nicht viel von ihren serbischen Genossen und Genossinnen.

Den Tausenden, die in den Lagern zugrunde gingen und gelitten haben, hat der jugoslawische oder der serbische Staat niemals und auf keine, nicht einmal symbolische, Art und Weise Abbitte geleistet. Bis in die jüngste Vergangenheit kennzeichnete das schiere Totschweigen die Gesamtheit der serbischen Gesellschaft, einschließlich der Kultur, der Schriftsteller und auch der Presse. In Jarek wurden auch noch die Spuren der einstigen Opfer ausgetilgt: der deutsche Friedhof wurde dem Erdboden gleich gemacht, sodann ein Betriebsgelände über den Toten errichtet.

In der moralischen und materiellen Wiedergutmachung stehen der serbische und der jugoslawische Staat weiterhin in der Schuld der Opfer und der Überlebenden. Doch Schuldner sind auch die Selbstverwaltung und das heutige Jarek, auch wenn die jetzigen Bewohner mit dem dort Geschehenen nichts zu tun haben, wurden sie doch nach Auflösung des Lagers aus Bosnien hierher angesiedelt. Wir glauben, dass die Zeit gekommen ist, den Geschehnissen ins Auge zu schauen und offen an die in Jarek unschuldig zugrunde gegangenen Deutschen und Ungarn zu erinnern.

– Aus dem Ungarischen übersetzt von Helmut Bischof, Neckargemünd. –

Der nachfolgend dargestellte Ortsplan des kommunistischen Vernichtungslagers JAREK enthält neben verschiedenen anderen Informationen vor allem Angaben über die Lagereinrichtungen und die 3 Leidensstationen der Bulkeser.

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Quellen: Franz Fuderer „Jareker Ortsplan 1987 nach dem Stand von 1944/45“, Heimatbuch Bulkes, Fritz Ilg, Martha Müller, Franz Straubhaar u.a.
Heinrich Stephan

 

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Quelle: bulkes.de

Völkermord am Deutschen Volk – ein Jahrtausendverbrechen!

9,3 bis 13,7 Millionen Todesopfer · Anhaltender geistiger Völkermord
Von Mag. Rolf-Josef Eibicht

Einer der größten Völkermorde oder Holocaust aller Zeiten, nämlich den an unserem Deutschen Volk, wird aus nationaler Würdelosigkeit und Willfährigkeit, einem ganz und gar unglaublichen politischen Verbrechen an den Menschenrechten und dem Selbstbestimmungsrecht von Volk und Vaterland, weitgehend verschwiegen. Dieser verschwiegene Holocaust geschah weit überwiegend im sogenannten »alliierten Frieden«, nach dem 8. Mai 1945; nach der Niederlage, nicht nach der Befreiung unserer Nation. Denn eine Nation kann immer nur besiegt werden, nur der Einzelne kann sich befreit fühlen. Ich jedenfalls hätte mich nicht befreit gefühlt! Millionen und Abermillionen Deutsche hat man ganz einfach von ihrem Leben befreit! Auch findet bis auf den heutigen Tag ein permanenter geistiger Völkermord an unserem geschundenen und gedemütigten Volke statt.

Die ungeheuren Leiden der Deutschen

Die Vertreibungsverbrechen oder der schier unglaubliche Vertreibungsholocaust an den Ostdeutschen (Schlesien, Ost-Brandenburg, Ostpreußen, Danzig) und den Sudetendeutschen (aus den Randgebieten von Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien) sind nur ein geringerer Teil des Völkermordes oder Holocaust an unserem Volk. Heinz Nawratil behandelt dieses Thema in seinem Buch Schwarzbuch der Vertreibung 1945 – 1948.1 Seine Bilanz: er kommt in seriöser Art und Weise auf insgesamt 2,8 bis 3 Millionen Vertreibungs- und Deportationsopfer der deutschen Zivilbevölkerung im Osten bzw. in Mittelost-Europa (Ostdeutschland, Sudetenland und Osteuropa) und gibt einen Vergleich:

»Das entspricht etwa der seinerzeitigen Einwohnerzahl der Republik Irland.«

Eine Anzahl weiterer, nationaler und internationaler seriöser Publikationen bestätigen dies. So etwa Rhode in Völker auf dem Wege,2 oder Ploetz, Raum und Bevölkerung in der Weltgeschichte,3 oder dtv-Atlas zur Weltgeschichte.4 In dieser Zahl enthalten sind, nach den Berechnungen von Nawratil, mindestens 1.419.000 ostdeutsche Vertreibungstote, mindestens 272.000 sudetendeutsche Vertreibungstote. Ein unglaublicher Massenmord! Weit überwiegend handelt es sich beim Völkermord am deutschen Volk um einen Völkermord oder Holocaust im sogenannten »alliierten Frieden«, also nach der militärischen Kapitulation vom 8. Mai 1945. Mit dieser besonderen Art von Befreiung, der Befreiung durch diese Herren mit den feinen Instinkten für ideelle und materielle, humane und kulturelle Werte! Das statistische Bundesamt spricht somit auch von »Nachkriegsverlusten«. Nawratil hebt hervor:

»[…] im Sudetenland z.B., das sehr spät besetzt wurde, dürften die Todesfälle überhaupt zu 99% in der Nachkriegszeit liegen. Auch die Verbrechen der Roten Armee spielten sich im wesentlichen hinter der Front ab in Gebieten, für die der Krieg schon vorbei war.«

Mehr als 3 Millionen Sudetendeutsche wurden ohne Rücksicht auf Herkunft und politische Einstellung aus ihrer über Jahrhunderte angestammten Heimat vertrieben. Ihr privates und öffentliches Vermögen in einem Gesamtumfang von 265 Milliarden DM (Stand 1981!) wurde entschädigungslos enteignet. In den meisten Fällen wurden die Deutschen über Nacht und mit 30 Kilo Gepäck von Haus und Hof verjagt. Dabei kam es zu etwa 272.000 sudetendeutschen Vertreibungsopfern. Viele von ihnen wurden in offenen Massakern ermordet, haben aus Verzweiflung Selbstmord begangen, starben an Erschöpfung bei den Todesmärschen und in Lagern. Auf dem berüchtigten Todesmarsch von 20.000 Brünner Deutschen nach Niederösterreich zum Beispiel wurden mehrere tausend Personen erschlagen oder starben vor Erschöpfung. Rund 200.000 Menschen, darunter auch Tschechen und Slowaken, wurden auf Grund des sog. Volksgerichtsdekrets (»Retribution«) ab Mai 1945 interniert. Über 60.000 wurden nachträglich zu Kriegsverbrechern erklärt, rund 1000 von ihnen wurden gehängt. Die Verurteilten wurden teilweise bis zu 23 Jahren (bis 1968) zur Zwangsarbeit herangezogen. Unter anderem wurden sie in die Urangruben des Erzgebirges geschickt. Fast die ganze sudetendeutsche Volksgruppe wurde aus ihrer Heimat vertrieben. Die Vertreibungsverbrechen wurden durch Dekrete des tschechoslowakischen Präsidenten Dr. Beneš amnestiert! Zu den gigantischen Verbrechen an den Sudetendeutschen sei hier nur ein Völkermordfall von Tausenden und Abertausenden, herausgegriffen. Über das Massaker in Aussig am 30. Juli 1945 berichtet die Augenzeugin Therese Mager:

»Ich lief zur Elbebrücke und sah hier, wie Hunderte deutsche Arbeiter, die aus den Schichtwerken kamen, in die Elbe geworfen wurden. Auch Frauen und Kinder sowie Kinderwagen stießen die Tschechen in den Strom. Es waren meistens schwarz uniformierte Tschechen mit roten Armbinden. Sie warfen Frauen und Kinder, die sich nicht wehren konnten, von der 20 Meter hohen Brücke in die Fluten. Die Massenverfolgung der Deutschen dauerte bis in den späten Abend. Wir hörten aus allen Ecken und Straßen Schreie und Weinen. Weder eine Behörde noch die russische Besatzungsmacht schritten gegen diesen Massenmord ein. Zahlreiche Deutsche, die sich aus der Elbe schwimmend gerettet hatten, wurden durch Maschinengewehre beschossen. In Aussig schätzte man die Gesamtzahl der auf solche Weise ums Leben Gekommenen auf 800 bis tausend.«

In einem Leitartikel von Werner Friedmann in der Süddeutschen Zeitung vom 4. Juni 1946 hieß es zu den Massenaustreibungen:

»Zu Hunderttausenden werden sie über die Grenze gejagt, in Viehwagen gestopft, heimatlos geworden. […] Unser Mitarbeiter Joachim Slawik hatte nun eine große Anzahl dieser unglücklichen Menschen nach ihren Erlebnissen befragt und diesen Bericht wortgenau aufgeschrieben. Wir haben uns nach reiflicher Überlegung entschlossen, diese Schilderung nicht zu veröffentlichen, […] weil ihre grauenhafte Darstellung eine einzige Anklage gegen die Menschheit und Menschlichkeit ist.«

Dokumentiert sind die gigantischen Völkermorde an den Ostdeutschen und Sudetendeutschen etwa in dem 8 Bände umfassenden Werk Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa, 1957 herausgegeben vom Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte (Nachdruck 1984 durch den Deutschen Taschenbuch Verlag in München) oder in dem Werk Dokumente zur Austreibung der Sudetendeutschen, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft zur Wahrung sudetendeutscher Interessen, München 1951. Zum unverjährbaren Völkermord an den Ostdeutschen und Sudetendeutschen sei auch auf das folgende Werk verwiesen: Rolf-Josef Eibicht/Anne Hipp: Der Vertreibungsholocaust. Politik zur Wiedergutmachung eines Jahrtausendverbrechens.5 Zum Völkermord an den Ostdeutschen stellte Prof. Dr. Werner Frauendienst, Mannheim, treffend fest, was auch für die Sudetendeutschen und deren geraubte Heimatgebiete zutrifft:

»Wie die Hyänen sind Polen hinter den Russen hergezogen und haben sich ihre Opfer geholt, Männer, Frauen und Kinder, die in Gefängnisse und Lager verschleppt, dort zu Tode gequält und umgebracht wurden, um Raum für Polen zu schaffen, die nicht [wie auch die Tschechen in Bezug auf Sudetendeutschland] in einen menschenleeren Raum kamen, sondern der erst menschenleer gemacht wurde.«

Der Vertreibungsholocaust an den Ostdeutschen und Sudetendeutschen, die beabsichtigte und erhoffte osteuropäische »Endlösung der Deutschenfrage«, war fraglos einer der größten Völkermorde der Menschheitsgeschichte. Mehr noch: Der Vertreibungsholocaust an den Ost- und Sudetendeutschen, an den Deutschen aus Ost-, Mittelost- und Südosteuropa insgesamt, war fraglos das größte Vertreibungsverbrechen der Geschichte. Mit ca. 3 Millionen (3.000.000!) direkt bei der Vertreibung Ermordeten (darunter mindestens 1,5 Millionen Ostdeutsche und mindestens 272.000 bis 300.000 Sudetendeutsche) das größte Vertreibungsmassenmorden, der größte Vertreibungsholocaust in der Geschichte. Ganz überwiegend spielte sich dieser Vertreibungsholocaust in der Zeit nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 ab. Somit handelt es sich gleichzeitig um den größten Völkermord nach Beendigung der Kriegshandlungen, also im von den Alliierten uns gebrachten und zugedachten Befreiungs-»Frieden«. Millionen von Deutschen wurden also noch nach der militärischen Kapitulation vom 8. Mai 1945 von ihrem Leben »befreit«, ganz einfach »befreit«!

Friedensverbrechen

Die Massenaustreibungen der Deutschen aus ihren seit 2000 Jahren und länger (mit der germanischen Urbesiedlung!) angestammten Siedlungsgebieten Ostdeutschland (ein Viertel Deutschlands!) und Sudetenland (größer als mehrere Bundesländer zusammengenommen!) muß ohne Wenn und Aber als Friedensverbrechen bezeichnet werden. Da es sich zudem um einen weitgehend vergessenen, versteckten, verdrängten und verschwiegenen Vertreibungsholocaust handelt und zudem die Massenaustreibung und das Massenmorden an den deutschen Heimatvertriebenen bis auf den heutigen Tag keinerlei Wiedergutmachung, weder moralische noch finanzielle Würdigung ihrer Opfer erfahren hat, muß folglich auch diesbezüglich von ungesühnten Friedensverbrechen in gigantischem Ausmaß gesprochen werden. Im April 1950 stellte Senator William Langer vor dem US-Senat fest:

»Die Massenvertreibung ist eines der größten Verbrechen, an welchem wir direkt Anteil haben. […] In der gesamten Geschichte findet sich nirgends ein so scheußliches Verbrechen aufgezeichnet wie in den Berichten über die Begebenheiten in Ost- und Mitteleuropa. Schon 15 bis 20 Millionen (20.000.000!) wurden von den Stätten ihrer Vorfahren entwurzelt, in die Qual einer lebendigen Hölle geworfen oder wie Vieh über die Verwüstungen Osteuropas getrieben. Frauen und Kinder, Alte und Hilflose, Unschuldige und Schuldige wurden Greueltaten ausgesetzt, die noch von niemandem übertroffen wurden.«

Ostdeutschland war niemals vor dem Vertreibungsholocaust polnisch, wie das Sudetenland niemals vor dem Vertreibungsholocaust tschechisch war. Selbst die Verzichtspolitik der Regierung Kohl, etwa durch den »2+4-Vertrag« und die sich daran anschließenden polnischen und tschechischen Verträge und Erklärungen, kann hieran nichts ändern. Aus Unrecht kann niemals Recht werden. Nichts ist endgültig geregelt, solange es nicht gerecht geregelt ist. Die Geschichte kennt keinen Schlußstrich.

Die Frage Ostdeutschlands und des Sudetenlandes kann nicht durch einen unverantwortlichen und unlegitimierten deutschen Totalverzicht, ohne jeden historischen Ausgleich und Kompromiß mit den Vertreiberstaaten, aus der Welt geschafft werden. So tief kann ein Volk nicht sinken und in Ketten liegen, um dies für alle Zeiten hinzunehmen. Ein schamloses Verbrechen an der Freiheit und dem Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes, an seinen vitalen nationalen Interessen, Lebens und Überlebensrechten! Deshalb gilt für uns unumstößlich und bleibt glasklar festzustellen: Die ostdeutschen und sudetendeutschen Fragen sind nach wie vor politisch, historisch und völkerrechtlich offen. Diese Fragen sind solange offen, solange Selbstbestimmung, das Recht auf die Heimat und die vermögensrechtlichen Probleme offene und ungelöste Fragen sind. Die Deutsche Frage ist nicht gelöst, nur weil das Brandenburger Tor offen ist; so etwa Herr und »Herrenreiter« »von und zu« Weizsäcker, Teilhaber der herrschenden politischen Klasse, jener Klasse, die an den deutschen Heimatvertriebenen einen anhaltenden Verrat betreibt, sie über Jahrzehnte nur als Wahl-Stimmvieh kräftig mißbraucht und ihre Menschenrechte verhökert.

Die polnischen und tschechischen Vertreiberstaaten sollten endlich ihre Raubsicherungspolitik beenden und zu einem historischen Ausgleich und Kompromiß bereit sein. 60 Jahre nach Flucht und Vertreibung sollten wir Deutschen nun endlich die offenen Fragen um Ostdeutschland und das Sudetenland anpacken und zu lösen trachten.

In den Vertreibungs- und Deportationsgebieten lebten kurz vor Kriegsende 20 Millionen Deutsche. 18 Millionen dort beheimatete und ansässige und 2 Millionen kriegsbedingt zugezogene Deutsche, d.h. Luftkriegsevakuierte und Zugezogene aus den westlichen und mittleren Landesteilen des Deutschen Reiches. Allein aus Berlin wurden insgesamt 1,5 Millionen evakuiert, in den Oder-Neiße-Gebieten zählte man 825.000 Evakuierte (so das Bundesministerium für Vertriebene im Jahre 1962). Allein 5 Millionen Kinder wurden 1940 aufs Land evakuiert.6 Nach Alfred Bohmann7 hielten sich allein 400.000 Reichsdeutsche im »Protektorat Böhmen und Mähren« auf, bis 1940 zogen allein zusätzlich 200.000 ins Sudetenland, in Danzig lebten 460.000 Reichsdeutsche.

Unbestreitbar ist, vom Vertreibungsholocaust wurden 20 Millionen Deutsche betroffen. Treffend stellt Heinz Nawratil als Resümee fest:8

»Als Fazit des historischen Tatbestands ist festzuhalten: Die Vertreibung der Deutschen aus Ostdeutschland und Osteuropa in den Jahren 1945–1948 war die größte und konsequenteste Völkervertreibung der Weltgeschichte; für über 20 Millionen Menschen bedeutet sie Flucht, Vertreibung oder Verschleppung, Mißhandlung oder Diskriminierung. 2,8 bis 3 Millionen verloren dabei ihr Leben. Das Geschehen in den Vertreibungsgebieten ist als [unverjährbarer] Völkermord zu bezeichnen.«

Nawratil weiter:

»Noch niemals in der Geschichte ist eine so große Bevölkerung liquidiert und mit einem einzigen Federstrich aus Atlanten und Geschichtsbüchern getilgt worden – ›Unperson‹ im Sinne von George Orwell. […] Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß die Liquidation der deutschen Stämme und Volksgruppen im Osten die größte Völkervertreibung der Weltgeschichte darstellt.«

Zum weiteren Holocaust

Nach Ermittlungen des Statistischen Bundesamtes in Koblenz wurden auf dieselbe Weise (wie in Ostdeutschland und im Sudetendeutschland) 135.000 der im damaligen Jugoslawien lebenden Deutschen nach Kriegsende hauptsächlich von Tito-Partisanen ermordet, das entsprach 25 Prozent der Bevölkerung. Die Inhaftierung, Mißhandlung und Vertreibung der Überleblenden unterschied sich nicht vom Schicksal der östlich von Oder und Neiße sowie im Sudetenland ansässigen Deutschen.

Deutsche Kriegsgefangene kamen nicht nur in der Sowjetunion in Millionenhöhe um. Für die Sowjetunion schätzt Hellmut Diwald 9,2 Millionen Todesfälle. In Jugoslawien wurde etwa jeder zweite der rund 200.000 Gefangenen umgebracht. Nach Ermittlungen des kanadischen Historikers und Journalisten James Bacque 10 fanden nach Kriegsende auch in amerikanischen und französischen Lagern etwa eine Million (1.000.000!) deutsche Kriegsgefangene den Tod. Auf Befehl des amerikanischen Oberbefehlshabers Eisenhower wurde ihnen nach der Kapitulation der ihnen zustehende Status von Kriegsgefangenen aberkannt, um sie als so bezeichnete »entwaffnete feindliche Kräfte« (disarmed enemy forces) nicht nach den Bestimmungen der Genfer Konvention behandeln zu müssen. Gleichfalls als Folge von Eisenhowers Befehlen wurden sie in den Lagern Lebensbedingungen ausgesetzt – primitive oder keine Unterbringung, Hunger sowie mangelhafte medizinischer Betreuung und Hygiene – die Todesfälle in großer Zahl zur Folge hatten. Daß dies gewollt war, ist nicht nur dadurch bewiesen, daß die Amerikaner aufgrund von eigenen und deutschen Lebensmittelvorräten zu einer völlig ausreichenden Versorgung der Kriegsgefangenen in der Lage gewesen wären. Sie haben auch jene Hilfe unterbunden, die vom Roten Kreuz oder anderen Organisationen angeboten worden war.

Aber Hunger und Verhungern beschränkte sich nicht auf Kriegsgefangene. Die Deutschen erhielten nach Kriegsende Lebensmittelrationen, die nach den Feststellungen von Bacque zwischen Oktober 1946 und September 1950 in allen vier Besatzungszonen den Tod von mindestens 5,7 Millionen Menschen (5.700.000!) zur Folge hatten. Sie wurden von den Besatzungsmächten daran gehindert, selbst ausreichend für ihren Lebensunterhalt zu sorgen, und sie blieben zu einer Zeit von jeder internationalen Wohlfahrtshilfe ausgeschlossen, als die Welt-Nahrungsmittelproduktion schon wieder anstieg. Zum Holocaust an unserem Volk gehören auch die etwa 300.000 Toten durch den Einmarsch der Roten Armee in Mitteldeutschland und in den anderen von ihnen besetzten Landesteilen. Ganz zu schweigen von den etwa 550.000 Zivilisten, die zuvor dem alliierten Terrorbombardement zum Opfer fielen. Nach den Berechnungen von Bacque fanden durch Vertreibung, Tod in Kriegsgefangenenlagern und Verhungern der ansässigen Bevölkerung bis 1950 mindestens 9,3 Millionen, maximal 13,7 Millionen Deutsche den Tot, also unvergleichlich mehr als durch Kampfhandlungen.

Nawratil, anerkanntermaßen einer der Experten auf dem Gebiet Vertreibung, Vertreibungsverluste und sonstiger Gewaltverbrechen, kommt bezüglich des Völkermordes oder Holocaust an den Deutschen, auf die Zahl von mindestens 6 bis 10 Millionen. Er schreibt:11

»Addiert man alle genannten Zahlen und die Vertreibungsopfer, so ergibt sich, daß 1945 und später 6 bis 10 Millionen unschuldiger Menschen sterben mußten. Damit liegen die Nachkriegsverluste sogar über den deutschen Diktatur- und Kriegsopfern 1933–1945.«

……….

Anhaltender geistiger Mord an unserem Volk

Zum permanenten geistigen Völkermord an den Deutschen durch die Zerstörung ihrer Geschichte schreibt Diwald:

»Für Arnold Gehlen reichte die Kunst, jemanden geistig wehrlos zu machen, von der Lüge bis zur Diffamierung. Deshalb hatte die internationale Konvention über die Verhinderung und Unterdrückung des Verbrechens des Völkermordes vom 9. Dezember 1948 auch einen geistigen Völkermord anerkannt und in Art. II b definiert als »schweren Angriff auf die physische und geistige Integrität einer Gruppe«. Dieser Begriff, so ergänzte Gehlen, »umfaßt natürlich die Traditionen und Überlieferungen eines Verbandes ebenso wie ihre Ehre, und ein Volk gewaltsam von seiner Geschichte abzutrennen oder zu entehren, bedeutet dasselbe, wie es zu töten.«

Das nationale Elend und die nationale Verrottung der Deutschen bis auf den heutigen Tag ist u.a. das Resultat ihrer beispiellosen Zerrissenheit und Uneinigkeit. In dem großartigen Werk Geschichte der Deutschen stellte Diwald diesen Sachverhalt wie folgt dar:

»Wenn es überhaupt bestimmende Merkmale der Deutschen gibt, dann gehört die Fähigkeit dazu, sich gegenseitig zu hassen, zu verachten, zu bekämpfen bis aufs Blut. Unsere Geschichte ist bis zum Rand gefüllt von Streit, Feindschaft, Brudermord.«

Und an anderer Stelle:

»Die Selbstzerfleischung ist ein grandioser Kehrreim unserer Geschichte. Hemmungslos, mit mörderischer Lust, haben wir immer wieder den anderen gejagt, der uns zwar am nächsten gestanden hat, der aber nicht derselben Meinung war. Kaum jemals war unser Griff so unerbittlich, als wenn wir uns gegenseitig an der Gurgel hatten. Das gehört zu unseren Besonderheiten, zu unseren Mängeln, so wie alles andere – weniger Kummervolle – auch, das mit vorschneller Völkerpsychologie dem allgemeinen Charakter der Deutschen zugeschrieben wird. Defekte sind zu beklagen, zu bekämpfen…«

In dem von mir herausgegebenen Werk Unterdrückung und Verfolgung deutscher Patrioten – Gesinnungsdiktatur in Deutschland? stellte Dr. Alfred Ardelt unübertreffbar zum anhaltenden geistigen Genozid an unserem Volke fest:12

»Arnold Gehlen hat in seinem Buch ›Moral und Hypermoral‹ bereits 1969 darauf hingewiesen, ein Volk von seiner Geschichte abzuschneiden, das bedeutet Völkermord. Der Vorgang ist inzwischen weitergegangen. Nicht nur aus der Geschichte, aus dem geistigen und kulturellen Seinszusammenhang werden die Deutschen ebenso verdrängt wie aus dem biologischen. Der während und nach Beendigung der Kampfhandlungen im Zweiten Weltkrieg eingeleitete Genozid wurde nach einer knappen Unterbrechung, als die Deutschen für Hilfsdienste im kalten Krieg notwendig waren, wieder aufgenommen und mit großem Schwung weitergeführt. Zuerst Zerschlagung der geistigen und kulturellen Substanz, die biologische und physische folgte dem zwangsläufig. Das muß zur Kenntnis genommen werden. Die Deutschen haben während des Zweiten Weltkrieges keinen Vernichtungskrieg gegen andere geführt, sie haben um ihr Überleben, um ihr Sein gekämpft. Sie haben diesen Krieg schon gar nicht begonnen. Ideologien haben sie bekämpft, die ihnen gefährlich wurden. Dieses muß eingesehen werden, wie immer einer zu dem Regime von 1933 bis 1945 stehen mag. Erst von da aus sind Überlegungen, wie dem Genozid begegnet werden kann, sinnvoll und möglich. Die Deutschen müssen anfangen, sich die Gedankenfreiheit zu nehmen!«

Dem ist nichts, absolut nichts mehr hinzuzufügen.

Kämpfen wir!

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Anmerkungen:

1 Schwarzbuch der Vertreibung 1945 bis 1948. Das letzte Kapitel unbewältigter Vergangenheit, Universitas, München 2001.
2 Kiel, 1952
3 Bd. 2, Würzburg, 1955
4 Bd. 2, München, 1979
5 Riesa, 2000
6 C. Larass, Der Zug der Kinder, München 1983
7 Menschen und Grenzen, Köln 1975
8 Schwarzbuch der Vertreibung
9 Geschichte der Deutschen, Frankfurt, Berlin, Wien 1978
10 Verschwiegene Schuld, Berlin 1995
11 Schwarzbuch der Vertreibung 1945–1948, München 1999, Seite 76
12 Viöl 1997

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Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 9(1) (2005), S. 8-11

Das tschechische Vernichtungslager Aussig-Lerchenfeld

Das Vernichtungslager Aussig-Lerchenfeld war ein während der Vertreibung von Aussig in den Jahren 1945 und 1946 von Tschechen geführtes und für die sudetendeutschen Einwohner der deutschen Stadt Aussig an der Elbe vorgesehenes Konzentrationslager. Es befand sich im gleichnamigen Aussiger Viertel, möglicherweise auf dem heutigen Gelände des Sportplatzes an der Kunststraße.

Der Bahnhof Schreckenstein, eine der Vorversammlungsstellen des Lagers Lerchenfeld

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Augenzeugenberichte

Das Lager wird vom sudetendeutschen Verfasser Emil Franzl in seinem Buch zur Vertreibung seiner Landesmänner beschrieben:

„Es war eines der berüchtigtsten Lager im Sudetengebiet. Nicht viele haben es überlebt. Von vielen Deutschen weiß man nur, daß sie dort spurlos verschwunden sind, etwa der letzte Direktor der altberühmten Aussiger Handelsakademie, Dr. Rudolf Menzel.“

– Emil Franzl, Die Vertreibung, Seite 242 –

Zu dem Mord an Dr. Tauber gibt es zwei Augenzeugenberichte, einen von Franz Simek und einen von einer nicht namentlich genannten Person:

„Mein Sohn ist auch im Lager Lerchenfeld gewesen. Als er zurückkam, sagte er mir, daß die Tschechen [tschechische Juden] hier in wenigen Tagen 70 Deutsche erschlagen hätten. Darunter war auch der bekannte Arzt Dr. Tauber. Fünf Tschechen [tschechische Juden] seien dreiviertel Stunden auf ihm herumgetreten, bis er keinem Mensch mehr ähnlich gewesen sei, und kein Lebenszeichen mehr von sich gab…“

– Emil Franzl, Die Vertreibung, Seite 246 –

„… er wurde spät am Abend von der Wache neuerdings in den Bunker eingeliefert, und dann, besonders von dem tschechischen Lagerpolizisten Finek [Jude], furchtbar mißhandelt. Über lange Zeit hörten wir das Schreien und Weinen von Dr. Tauber. Die Schläge müssen furchtbar gewesen sein. Dann wurde es auf einmal still und wir wußten sofort, er hatte ausgelitten…“

– Emil Franzl, Die Vertreibung, Seite 247 –

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Sammelstelle vor dem Schreckensteiner Bahnhof

Aus einem Bericht von Richard Klein aus dem Viertel Schreckenstein, Überlebender des Lagers Lerchenfeld, geht hervor, daß am 10. Juli 1945 gegen 6.30 Uhr etwa 100 Einwohner des genannten Viertels von Tschechen befohlen wurde, sich schnellstmöglich zum Schreckensteiner Bahnhof zu begeben. Von dort wurden sie in eine Schule nach Schreckenstein III eskortiert, in der Befragungen und Mißhandlungen stattfanden. Die betroffenen Sudetendeutschen, vornehmlich ältere Semester, unter ihnen ein Angestellter der Firma Schicht, kamen letztendlich mit einem Transport ins Lager Lerchenfeld, in dem ihnen die Haare abgeschnitten wurden.

„Als ich endlich nach neun Monaten entlassen wurde, wog ich noch 49 kg, und ich erinnere mich gut, daß ich mit einem Körpergewicht von 83 kg in das Lager eingeliefert worden war.“

– Emil Franzl, Die Vertreibung, Seite 248 –

Ein anonymer Dipl.-Ing. H. D. erinnert sich an die Misshandlungen im Lager sowie an das Alter der Insassen. Unmittelbar nach dem Einmarsch der russischen Truppen wurde er ins Lager eingewiesen. Die Racheübungen des tschechischen Führungspersonals [allesamt Juden] waren ihm besonders in Erinnerung geblieben:

„Wenn es einem Häftling gelang, zu fliehen, so wurden die anderen Gefangenen der Baracke so furchtbar mißhandelt, daß der Kot und auch Blut den davorstehenden Frauen und Mädchen ins Gesicht spritzten. Immer wieder blieben Mißhandelte tot liegen. Manche starben erst am Tage nach der Prügelszene, andere wurden wahnsinnig.“

– Emil Franzl, Die Vertreibung, Seite 248 –

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Das Gelände der Aussiger Schichtwerke, hinter dem Schreckensteiner Bahnhof, zu Beginn des 21. Jahrhunderts

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Quelle: Metapedia

Weihnachten 1944 mit schwerwiegenden Folgen

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Bauer Grosan hat gegen Abend das Vieh und seine beiden Pferde beschickt, hat mit „Hans“ und „Liese“ die übliche kurze Abendunterhaltung geführt, die immer damit endet, dass beide nicht mehr jungen Braunen ihre weichen Pferdenasen fast liebkosend an das stoppelige Gesicht ihres Herrn stupsen. Es ist der Abend vor Weihnachten. Nun steht er sinnend vor der Stalltüre und raucht ein Pfeifchen.

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„Gewiss ist der Wagen fertig“, denkt er „aber Gott möge mich behüten ihn so benutzen zu müssen“.
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 Bei diesen Gedanken  sieht er über dem großen Wald den Himmel sich röten, das Unheil nimmt seinen Lauf.
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„In vier Stunden müsst ihr Anschluss an den großen Treck haben“,
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lautet die Nachricht, die ihn bald von seiner Gemeinde erreicht.
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Das Vieh wird losgemacht und kräftig mit Futter versorgt und den Bauern mit seiner Frau ziehen schnaufend die beiden Braunen über die schneeverwehten Wege, Richtung Westen.
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Doch schon in der Nacht wird der lange Treck durch ein markerschütterndes „Stoi“ und eine Anzahl Schüsse auseinandergerissen. Der treue „Hans“ liegt verendend in seinen Sielen und während der hinkende Bauer Grosan, zusammen mit vielen anderen Männern den Marsch nach Russland antreten muss, spannt die Bäuerin geistesgegenwärtig die „Liese“ aus und gewinnt mit ihr wieder den Anschluss an den Treck gen Westen. Der Weg ist schwer, nicht nur für die Bäuerin, sondern auch für Liese, doch beide wollen leben und kämpfen sich durch das schneeverwehte und eisigkalte Land.
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Nach den Bangen um das Los des Mannes, tritt die Sorge um das Futter für den vierbeinigen Gefährten in den Vordergrund. Doch es gelingt der Bäuerin, mit Hilfe von Weggenossen, sich mit ihrem Pferd durchzuschlagen und die Elendsstraßen zu überwinden, um letztendlich in einem Dorf des Westens Unterschlupf für sich und ihr Pferd zu finden.
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Während Bauer Grosan lange Jahre im Osten Frondienste leisten muss, welche er nur durch seine derbe Bauernnatur übersteht, steht seine Frau tapfer am Scharwerk und „Liese“ muss durch Gespanndienste unter fremden, lieblosen Händen ihr Leben fristen. Noch oft, wenn ihr abends das Futter gestreut wird, sucht ihre Nase wie früher das Gesicht ihres Herrn. Noch oft spitzt sie die Ohren, um nach der Stimme zu horchen, die zu Hause zwar hart aber doch vertraulich ihre Pferdeseele beeindruckt hat. Kein „Hans“ mehr an ihrer Seite, kein Herr, der ihr so kräftig und doch so liebevoll aufs Hinterteil klopfte.
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Nur am Sonntag, wenn alle Arbeit ruht, schleicht sich die Bäuerin in den Stall an Lieses Seite. Sie legt ihre Arme um den noch immer schönen Hals der Stute und drückt ihr zerfurchtes Gesicht an deren Nase. Dann stehen sie eine Weile ganz still. Ob auch Liese erfassen mag worum es geht? Und die Bäuerin sitzt dann wohl ein, sogar zwei Stunden auf der leeren Kiste am Kopfende ihres Pferdes und spricht leise von dem, was ihr Herz bewegt, so als solle auch die treue Liese um Alles Bescheid wissen. Sie, die über zwölf Jahre lang den Bauern in der Heimat diente und deren Rücken dem damals heranwachsenden Erbsohn einen Großteil seiner Welt bedeutete – und scheint es nicht, als ob das Tier an Allem Teil nimmt?
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Lieses Kopf geht langsam auf und nieder, hin und her, während die Kette leise klirrt und wieder scharrte sie mit den Hufen, so als wollte sie sich besonders vernehmlich zeigen. Dann schweigen Beide und langsam geht die Bäuerin wieder in ihre Kammer zurück. Der Feiertag ist zu Ende …
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Während die Beiden jahrelang so leben, ist Bauer Grosan wieder im Westen angelangt und findet nach vielen Mühen seine Frau. Die große Wiedersehensfreude verdrängt den Kummer des Alltags. Schon am nächsten Abend geht es zu Liese. Der harte Mann steht bange vor der Stalltüre, wie ein kleiner Junge vor dem Weihnachstisch. Dann betritt er den Stall.
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„Na Lieske?!“
In diesen beiden Worten des ostpreußischen Bauern liegt alles enthalten, was er nach jahrelanger Trennung zu sagen hat. Es folgt ein derber Klapps auf Hinterteil und Hals, doch dann gleitet fast behutsam die harte Hand über den immer noch schönen Kopf der alten Stute. Liese spitzt die Ohren und ein kurzes Wiehern gibt die Antwort.
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Nach langen, bitteren Jahren erfährt Bauer Grosan wieder das Wohlgefühl, wenn eine weiche Pferdenase an seine eingefallenen Wangen stößt. Noch lange steht an diesem Abend das heimatlose Bauernpaar um seine Liese, die ihnen nunmehr Alles bedeutet, denn auch der Erbbauer kommt nicht zurück. Zwei Menschen und nur ein Tier aber doch drei gleichgesinnte Seelen, so will es scheinen.
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Die alte Stute schiebt sanft ihren Kopf auf die Schulter ihres Herrn und nicht einmal der Futterknecht ihres jetzigen Arbeitgebers wagt es in dieses feierliche Geschehen einzugreifen.
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In fremdem Marschland haben die Grosans jetzt eine winzige Siedlerstelle. Sie sind es gewohnt mit der Natur einen schweren Kampf zu führen und diese Arbeit dennoch zu lieben. Die alte Liese zieht wie einst zu Hause den Pflug durch den Boden, sie schaffen vom Morgen bis zum späten Abend. Doch wenn im Westen die Sonne blutrot über dem See steht, wandert des Bauern Blick voller Sehnsucht nach dem dunklen, versinkenden Osten, wo weit, weit hinten seine Heimat liegt.
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Er nimmt die gute Liese an den Zügel und Beide wandern müde auf die Siedlung zu. Die Gespräche, die abends im heimatlichen Stall geführt wurden, sind längst verstummt. Nur wenn die weiche Pfedenase wie tröstend das Gesicht des Bauern Grosan sucht, hört man ihn die alles sagenden Worte murmeln:
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„Ja, ja meine Lieske.“
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Was ist für Götter und Menschen Glück ?
Das Glück, dem keines gleicht ?
O dass ich, den eigenen Boden sehn,
so weit das Auge reicht,
Und Gruß und Rede hören,
wie altvertrautes Wiegenlied,
Und Wege gehen wo jeder uns
Wie Kind und Bruder
ähnlich sieht !
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Und was ist allerschwerste Last ?
Was ist quälende Pein ?
Was ist den Kindern der Ebene verhasst
Und wird es immer sein ?
Von der Heimat gehen ist die schwerste
Last,
Die Götter und Menschen beugt, —
Und unstet zu schweifen ist allen
verhasst,
Die die grüne Ebene gezeugt!
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.Agnes Miegel
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Bad Nenndorf
Im Februar 1958
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Völkermord am Deutschen Volk – ein Jahrtausendverbrechen!

9,3 bis 13,7 Millionen Todesopfer · Anhaltender geistiger Völkermord
Von Mag. Rolf-Josef Eibicht

Einer der größten Völkermorde oder Holocaust aller Zeiten, nämlich den an unserem Deutschen Volk, wird aus nationaler Würdelosigkeit und Willfährigkeit, einem ganz und gar unglaublichen politischen Verbrechen an den Menschenrechten und dem Selbstbestimmungsrecht von Volk und Vaterland, weitgehend verschwiegen. Dieser verschwiegene Holocaust geschah weit überwiegend im sogenannten »alliierten Frieden«, nach dem 8. Mai 1945; nach der Niederlage, nicht nach der Befreiung unserer Nation. Denn eine Nation kann immer nur besiegt werden, nur der Einzelne kann sich befreit fühlen. Ich jedenfalls hätte mich nicht befreit gefühlt! Millionen und Abermillionen Deutsche hat man ganz einfach von ihrem Leben befreit! Auch findet bis auf den heutigen Tag ein permanenter geistiger Völkermord an unserem geschundenen und gedemütigten Volke statt.

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Die ungeheuren Leiden der Deutschen

Die Vertreibungsverbrechen oder der schier unglaubliche Vertreibungsholocaust an den Ostdeutschen (Schlesien, Ost-Brandenburg, Ostpreußen, Danzig) und den Sudetendeutschen (aus den Randgebieten von Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien) sind nur ein geringerer Teil des Völkermordes oder Holocaust an unserem Volk. Heinz Nawratil behandelt dieses Thema in seinem Buch Schwarzbuch der Vertreibung 1945 – 1948.1 Seine Bilanz: er kommt in seriöser Art und Weise auf insgesamt 2,8 bis 3 Millionen Vertreibungs- und Deportationsopfer der deutschen Zivilbevölkerung im Osten bzw. in Mittelost-Europa (Ostdeutschland, Sudetenland und Osteuropa) und gibt einen Vergleich:

»Das entspricht etwa der seinerzeitigen Einwohnerzahl der Republik Irland.«

Eine Anzahl weiterer, nationaler und internationaler seriöser Publikationen bestätigen dies. So etwa Rhode in Völker auf dem Wege,2 oder Ploetz, Raum und Bevölkerung in der Weltgeschichte,3 oder dtv-Atlas zur Weltgeschichte.4 In dieser Zahl enthalten sind, nach den Berechnungen von Nawratil, mindestens 1.419.000 ostdeutsche Vertreibungstote, mindestens 272.000 sudetendeutsche Vertreibungstote. Ein unglaublicher Massenmord! Weit überwiegend handelt es sich beim Völkermord am deutschen Volk um einen Völkermord oder Holocaust im sogenannten »alliierten Frieden«, also nach der militärischen Kapitulation vom 8. Mai 1945. Mit dieser besonderen Art von Befreiung, der Befreiung durch diese Herren mit den feinen Instinkten für ideelle und materielle, humane und kulturelle Werte! Das statistische Bundesamt spricht somit auch von »Nachkriegsverlusten«. Nawratil hebt hervor:

»[…] im Sudetenland z.B., das sehr spät besetzt wurde, dürften die Todesfälle überhaupt zu 99% in der Nachkriegszeit liegen. Auch die Verbrechen der Roten Armee spielten sich im wesentlichen hinter der Front ab in Gebieten, für die der Krieg schon vorbei war.«

Mehr als 3 Millionen Sudetendeutsche wurden ohne Rücksicht auf Herkunft und politische Einstellung aus ihrer über Jahrhunderte angestammten Heimat vertrieben. Ihr privates und öffentliches Vermögen in einem Gesamtumfang von 265 Milliarden DM (Stand 1981!) wurde entschädigungslos enteignet. In den meisten Fällen wurden die Deutschen über Nacht und mit 30 Kilo Gepäck von Haus und Hof verjagt. Dabei kam es zu etwa 272.000 sudetendeutschen Vertreibungsopfern. Viele von ihnen wurden in offenen Massakern ermordet, haben aus Verzweiflung Selbstmord begangen, starben an Erschöpfung bei den Todesmärschen und in Lagern. Auf dem berüchtigten Todesmarsch von 20.000 Brünner Deutschen nach Niederösterreich zum Beispiel wurden mehrere tausend Personen erschlagen oder starben vor Erschöpfung. Rund 200.000 Menschen, darunter auch Tschechen und Slowaken, wurden auf Grund des sog. Volksgerichtsdekrets (»Retribution«) ab Mai 1945 interniert. Über 60.000 wurden nachträglich zu Kriegsverbrechern erklärt, rund 1000 von ihnen wurden gehängt. Die Verurteilten wurden teilweise bis zu 23 Jahren (bis 1968) zur Zwangsarbeit herangezogen. Unter anderem wurden sie in die Urangruben des Erzgebirges geschickt. Fast die ganze sudetendeutsche Volksgruppe wurde aus ihrer Heimat vertrieben. Die Vertreibungsverbrechen wurden durch Dekrete des tschechoslowakischen Präsidenten Dr. Beneš amnestiert! Zu den gigantischen Verbrechen an den Sudetendeutschen sei hier nur ein Völkermordfall von Tausenden und Abertausenden, herausgegriffen. Über das Massaker in Aussig am 30. Juli 1945 berichtet die Augenzeugin Therese Mager:

»Ich lief zur Elbebrücke und sah hier, wie Hunderte deutsche Arbeiter, die aus den Schichtwerken kamen, in die Elbe geworfen wurden. Auch Frauen und Kinder sowie Kinderwagen stießen die Tschechen in den Strom. Es waren meistens schwarz uniformierte Tschechen mit roten Armbinden. Sie warfen Frauen und Kinder, die sich nicht wehren konnten, von der 20 Meter hohen Brücke in die Fluten. Die Massenverfolgung der Deutschen dauerte bis in den späten Abend. Wir hörten aus allen Ecken und Straßen Schreie und Weinen. Weder eine Behörde noch die russische Besatzungsmacht schritten gegen diesen Massenmord ein. Zahlreiche Deutsche, die sich aus der Elbe schwimmend gerettet hatten, wurden durch Maschinengewehre beschossen. In Aussig schätzte man die Gesamtzahl der auf solche Weise ums Leben Gekommenen auf 800 bis tausend.«

In einem Leitartikel von Werner Friedmann in der Süddeutschen Zeitung vom 4. Juni 1946 hieß es zu den Massenaustreibungen:

»Zu Hunderttausenden werden sie über die Grenze gejagt, in Viehwagen gestopft, heimatlos geworden. […] Unser Mitarbeiter Joachim Slawik hatte nun eine große Anzahl dieser unglücklichen Menschen nach ihren Erlebnissen befragt und diesen Bericht wortgenau aufgeschrieben. Wir haben uns nach reiflicher Überlegung entschlossen, diese Schilderung nicht zu veröffentlichen, […] weil ihre grauenhafte Darstellung eine einzige Anklage gegen die Menschheit und Menschlichkeit ist.«

Dokumentiert sind die gigantischen Völkermorde an den Ostdeutschen und Sudetendeutschen etwa in dem 8 Bände umfassenden Werk Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa, 1957 herausgegeben vom Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte (Nachdruck 1984 durch den Deutschen Taschenbuch Verlag in München) oder in dem Werk Dokumente zur Austreibung der Sudetendeutschen, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft zur Wahrung sudetendeutscher Interessen, München 1951. Zum unverjährbaren Völkermord an den Ostdeutschen und Sudetendeutschen sei auch auf das folgende Werk verwiesen: Rolf-Josef Eibicht/Anne Hipp: Der Vertreibungsholocaust. Politik zur Wiedergutmachung eines Jahrtausendverbrechens.5 Zum Völkermord an den Ostdeutschen stellte Prof. Dr. Werner Frauendienst, Mannheim, treffend fest, was auch für die Sudetendeutschen und deren geraubte Heimatgebiete zutrifft:

»Wie die Hyänen sind Polen hinter den Russen hergezogen und haben sich ihre Opfer geholt, Männer, Frauen und Kinder, die in Gefängnisse und Lager verschleppt, dort zu Tode gequält und umgebracht wurden, um Raum für Polen zu schaffen, die nicht [wie auch die Tschechen in Bezug auf Sudetendeutschland] in einen menschenleeren Raum kamen, sondern der erst menschenleer gemacht wurde.«

Der Vertreibungsholocaust an den Ostdeutschen und Sudetendeutschen, die beabsichtigte und erhoffte osteuropäische »Endlösung der Deutschenfrage«, war fraglos einer der größten Völkermorde der Menschheitsgeschichte. Mehr noch: Der Vertreibungsholocaust an den Ost- und Sudetendeutschen, an den Deutschen aus Ost-, Mittelost- und Südosteuropa insgesamt, war fraglos das größte Vertreibungsverbrechen der Geschichte. Mit ca. 3 Millionen (3.000.000!) direkt bei der Vertreibung Ermordeten (darunter mindestens 1,5 Millionen Ostdeutsche und mindestens 272.000 bis 300.000 Sudetendeutsche) das größte Vertreibungsmassenmorden, der größte Vertreibungsholocaust in der Geschichte. Ganz überwiegend spielte sich dieser Vertreibungsholocaust in der Zeit nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 ab. Somit handelt es sich gleichzeitig um den größten Völkermord nach Beendigung der Kriegshandlungen, also im von den Alliierten uns gebrachten und zugedachten Befreiungs-»Frieden«. Millionen von Deutschen wurden also noch nach der militärischen Kapitulation vom 8. Mai 1945 von ihrem Leben »befreit«, ganz einfach »befreit«!

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Friedensverbrechen

Die Massenaustreibungen der Deutschen aus ihren seit 2000 Jahren und länger (mit der germanischen Urbesiedlung!) angestammten Siedlungsgebieten Ostdeutschland (ein Viertel Deutschlands!) und Sudetenland (größer als mehrere Bundesländer zusammengenommen!) muß ohne Wenn und Aber als Friedensverbrechen bezeichnet werden. Da es sich zudem um einen weitgehend vergessenen, versteckten, verdrängten und verschwiegenen Vertreibungsholocaust handelt und zudem die Massenaustreibung und das Massenmorden an den deutschen Heimatvertriebenen bis auf den heutigen Tag keinerlei Wiedergutmachung, weder moralische noch finanzielle Würdigung ihrer Opfer erfahren hat, muß folglich auch diesbezüglich von ungesühnten Friedensverbrechen in gigantischem Ausmaß gesprochen werden. Im April 1950 stellte Senator William Langer vor dem US-Senat fest:

»Die Massenvertreibung ist eines der größten Verbrechen, an welchem wir direkt Anteil haben. […] In der gesamten Geschichte findet sich nirgends ein so scheußliches Verbrechen aufgezeichnet wie in den Berichten über die Begebenheiten in Ost- und Mitteleuropa. Schon 15 bis 20 Millionen (20.000.000!) wurden von den Stätten ihrer Vorfahren entwurzelt, in die Qual einer lebendigen Hölle geworfen oder wie Vieh über die Verwüstungen Osteuropas getrieben. Frauen und Kinder, Alte und Hilflose, Unschuldige und Schuldige wurden Greueltaten ausgesetzt, die noch von niemandem übertroffen wurden.«

Ostdeutschland war niemals vor dem Vertreibungsholocaust polnisch, wie das Sudetenland niemals vor dem Vertreibungsholocaust tschechisch war. Selbst die Verzichtspolitik der Regierung Kohl, etwa durch den »2+4-Vertrag« und die sich daran anschließenden polnischen und tschechischen Verträge und Erklärungen, kann hieran nichts ändern. Aus Unrecht kann niemals Recht werden. Nichts ist endgültig geregelt, solange es nicht gerecht geregelt ist. Die Geschichte kennt keinen Schlußstrich.

Die Frage Ostdeutschlands und des Sudetenlandes kann nicht durch einen unverantwortlichen und unlegitimierten deutschen Totalverzicht, ohne jeden historischen Ausgleich und Kompromiß mit den Vertreiberstaaten, aus der Welt geschafft werden. So tief kann ein Volk nicht sinken und in Ketten liegen, um dies für alle Zeiten hinzunehmen. Ein schamloses Verbrechen an der Freiheit und dem Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes, an seinen vitalen nationalen Interessen, Lebens und Überlebensrechten! Deshalb gilt für uns unumstößlich und bleibt glasklar festzustellen: Die ostdeutschen und sudetendeutschen Fragen sind nach wie vor politisch, historisch und völkerrechtlich offen. Diese Fragen sind solange offen, solange Selbstbestimmung, das Recht auf die Heimat und die vermögensrechtlichen Probleme offene und ungelöste Fragen sind. Die Deutsche Frage ist nicht gelöst, nur weil das Brandenburger Tor offen ist; so etwa Herr und »Herrenreiter« »von und zu« Weizsäcker, Teilhaber der herrschenden politischen Klasse, jener Klasse, die an den deutschen Heimatvertriebenen einen anhaltenden Verrat betreibt, sie über Jahrzehnte nur als Wahl-Stimmvieh kräftig mißbraucht und ihre Menschenrechte verhökert.

Die polnischen und tschechischen Vertreiberstaaten sollten endlich ihre Raubsicherungspolitik beenden und zu einem historischen Ausgleich und Kompromiß bereit sein. 60 Jahre nach Flucht und Vertreibung sollten wir Deutschen nun endlich die offenen Fragen um Ostdeutschland und das Sudetenland anpacken und zu lösen trachten.

In den Vertreibungs- und Deportationsgebieten lebten kurz vor Kriegsende 20 Millionen Deutsche. 18 Millionen dort beheimatete und ansässige und 2 Millionen kriegsbedingt zugezogene Deutsche, d.h. Luftkriegsevakuierte und Zugezogene aus den westlichen und mittleren Landesteilen des Deutschen Reiches. Allein aus Berlin wurden insgesamt 1,5 Millionen evakuiert, in den Oder-Neiße-Gebieten zählte man 825.000 Evakuierte (so das Bundesministerium für Vertriebene im Jahre 1962). Allein 5 Millionen Kinder wurden 1940 aufs Land evakuiert.6 Nach Alfred Bohmann7 hielten sich allein 400.000 Reichsdeutsche im »Protektorat Böhmen und Mähren« auf, bis 1940 zogen allein zusätzlich 200.000 ins Sudetenland, in Danzig lebten 460.000 Reichsdeutsche.

Unbestreitbar ist, vom Vertreibungsholocaust wurden 20 Millionen Deutsche betroffen. Treffend stellt Heinz Nawratil als Resümee fest:8

»Als Fazit des historischen Tatbestands ist festzuhalten: Die Vertreibung der Deutschen aus Ostdeutschland und Osteuropa in den Jahren 1945–1948 war die größte und konsequenteste Völkervertreibung der Weltgeschichte; für über 20 Millionen Menschen bedeutet sie Flucht, Vertreibung oder Verschleppung, Mißhandlung oder Diskriminierung. 2,8 bis 3 Millionen verloren dabei ihr Leben. Das Geschehen in den Vertreibungsgebieten ist als [unverjährbarer] Völkermord zu bezeichnen.«

Nawratil weiter:

»Noch niemals in der Geschichte ist eine so große Bevölkerung liquidiert und mit einem einzigen Federstrich aus Atlanten und Geschichtsbüchern getilgt worden – ›Unperson‹ im Sinne von George Orwell. […] Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß die Liquidation der deutschen Stämme und Volksgruppen im Osten die größte Völkervertreibung der Weltgeschichte darstellt.«

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Zum weiteren Holocaust

Nach Ermittlungen des Statistischen Bundesamtes in Koblenz wurden auf dieselbe Weise (wie in Ostdeutschland und im Sudetendeutschland) 135.000 der im damaligen Jugoslawien lebenden Deutschen nach Kriegsende hauptsächlich von Tito-Partisanen ermordet, das entsprach 25 Prozent der Bevölkerung. Die Inhaftierung, Mißhandlung und Vertreibung der Überleblenden unterschied sich nicht vom Schicksal der östlich von Oder und Neiße sowie im Sudetenland ansässigen Deutschen.

Deutsche Kriegsgefangene kamen nicht nur in der Sowjetunion in Millionenhöhe um. Für die Sowjetunion schätzt Hellmut Diwald 9 2 Millionen Todesfälle. In Jugoslawien wurde etwa jeder zweite der rund 200.000 Gefangenen umgebracht. Nach Ermittlungen des kanadischen Historikers und Journalisten James Bacque 10 fanden nach Kriegsende auch in amerikanischen und französischen Lagern etwa eine Million (1.000.000!) deutsche Kriegsgefangene den Tod. Auf Befehl des amerikanischen Oberbefehlshabers Eisenhower wurde ihnen nach der Kapitulation der ihnen zustehende Status von Kriegsgefangenen aberkannt, um sie als so bezeichnete »entwaffnete feindliche Kräfte« (disarmed enemy forces) nicht nach den Bestimmungen der Genfer Konvention behandeln zu müssen. Gleichfalls als Folge von Eisenhowers Befehlen wurden sie in den Lagern Lebensbedingungen ausgesetzt – primitive oder keine Unterbringung, Hunger sowie mangelhafte medizinischer Betreuung und Hygiene – die Todesfälle in großer Zahl zur Folge hatten. Daß dies gewollt war, ist nicht nur dadurch bewiesen, daß die Amerikaner aufgrund von eigenen und deutschen Lebensmittelvorräten zu einer völlig ausreichenden Versorgung der Kriegsgefangenen in der Lage gewesen wären. Sie haben auch jene Hilfe unterbunden, die vom Roten Kreuz oder anderen Organisationen angeboten worden war.

Aber Hunger und Verhungern beschränkte sich nicht auf Kriegsgefangene. Die Deutschen erhielten nach Kriegsende Lebensmittelrationen, die nach den Feststellungen von Bacque zwischen Oktober 1946 und September 1950 in allen vier Besatzungszonen den Tod von mindestens 5,7 Millionen Menschen (5.700.000!) zur Folge hatten. Sie wurden von den Besatzungsmächten daran gehindert, selbst ausreichend für ihren Lebensunterhalt zu sorgen, und sie blieben zu einer Zeit von jeder internationalen Wohlfahrtshilfe ausgeschlossen, als die Welt-Nahrungsmittelproduktion schon wieder anstieg. Zum Holocaust an unserem Volk gehören auch die etwa 300.000 Toten durch den Einmarsch der Roten Armee in Mitteldeutschland und in den anderen von ihnen besetzten Landesteilen. Ganz zu schweigen von den etwa 550.000 Zivilisten, die zuvor dem alliierten Terrorbombardement zum Opfer fielen. Nach den Berechnungen von Bacque fanden durch Vertreibung, Tod in Kriegsgefangenenlagern und Verhungern der ansässigen Bevölkerung bis 1950 mindestens 9,3 Millionen, maximal 13,7 Millionen Deutsche den Tot, also unvergleichlich mehr als durch Kampfhandlungen.

Nawratil, anerkanntermaßen einer der Experten auf dem Gebiet Vertreibung, Vertreibungsverluste und sonstiger Gewaltverbrechen, kommt bezüglich des Völkermordes oder Holocaust an den Deutschen, auf die Zahl von mindestens 6 bis 10 Millionen. Er schreibt:11

»Addiert man alle genannten Zahlen und die Vertreibungsopfer, so ergibt sich, daß 1945 und später 6 bis 10 Millionen unschuldiger Menschen sterben mußten. Damit liegen die Nachkriegsverluste sogar über den deutschen Diktatur- und Kriegsopfern 1933–1945.«

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Anhaltender geistiger Mord an unserem Volk

Zum permanenten geistigen Völkermord an den Deutschen durch die Zerstörung ihrer Geschichte schreibt Diwald:

»Für Arnold Gehlen reichte die Kunst, jemanden geistig wehrlos zu machen, von der Lüge bis zur Diffamierung. Deshalb hatte die internationale Konvention über die Verhinderung und Unterdrückung des Verbrechens des Völkermordes vom 9. Dezember 1948 auch einen geistigen Völkermord anerkannt und in Art. II b definiert als »schweren Angriff auf die physische und geistige Integrität einer Gruppe«. Dieser Begriff, so ergänzte Gehlen, »umfaßt natürlich die Traditionen und Überlieferungen eines Verbandes ebenso wie ihre Ehre, und ein Volk gewaltsam von seiner Geschichte abzutrennen oder zu entehren, bedeutet dasselbe, wie es zu töten.«

Das nationale Elend und die nationale Verrottung der Deutschen bis auf den heutigen Tag ist u.a. das Resultat ihrer beispiellosen Zerrissenheit und Uneinigkeit. In dem großartigen Werk Geschichte der Deutschen stellte Diwald diesen Sachverhalt wie folgt dar:

»Wenn es überhaupt bestimmende Merkmale der Deutschen gibt, dann gehört die Fähigkeit dazu, sich gegenseitig zu hassen, zu verachten, zu bekämpfen bis aufs Blut. Unsere Geschichte ist bis zum Rand gefüllt von Streit, Feindschaft, Brudermord.«

Und an anderer Stelle:

»Die Selbstzerfleischung ist ein grandioser Kehrreim unserer Geschichte. Hemmungslos, mit mörderischer Lust, haben wir immer wieder den anderen gejagt, der uns zwar am nächsten gestanden hat, der aber nicht derselben Meinung war. Kaum jemals war unser Griff so unerbittlich, als wenn wir uns gegenseitig an der Gurgel hatten. Das gehört zu unseren Besonderheiten, zu unseren Mängeln, so wie alles andere – weniger Kummervolle – auch, das mit vorschneller Völkerpsychologie dem allgemeinen Charakter der Deutschen zugeschrieben wird. Defekte sind zu beklagen, zu bekämpfen…«

In dem von mir herausgegebenen Werk Unterdrückung und Verfolgung deutscher Patrioten – Gesinnungsdiktatur in Deutschland? stellte Dr. Alfred Ardelt unübertreffbar zum anhaltenden geistigen Genozid an unserem Volke fest:12

»Arnold Gehlen hat in seinem Buch ›Moral und Hypermoral‹ bereits 1969 darauf hingewiesen, ein Volk von seiner Geschichte abzuschneiden, das bedeutet Völkermord. Der Vorgang ist inzwischen weitergegangen. Nicht nur aus der Geschichte, aus dem geistigen und kulturellen Seinszusammenhang werden die Deutschen ebenso verdrängt wie aus dem biologischen. Der während und nach Beendigung der Kampfhandlungen im Zweiten Weltkrieg eingeleitete Genozid wurde nach einer knappen Unterbrechung, als die Deutschen für Hilfsdienste im kalten Krieg notwendig waren, wieder aufgenommen und mit großem Schwung weitergeführt. Zuerst Zerschlagung der geistigen und kulturellen Substanz, die biologische und physische folgte dem zwangsläufig. Das muß zur Kenntnis genommen werden. Die Deutschen haben während des Zweiten Weltkrieges keinen Vernichtungskrieg gegen andere geführt, sie haben um ihr Überleben, um ihr Sein gekämpft. Sie haben diesen Krieg schon gar nicht begonnen. Ideologien haben sie bekämpft, die ihnen gefährlich wurden. Dieses muß eingesehen werden, wie immer einer zu dem Regime von 1933 bis 1945 stehen mag. Erst von da aus sind Überlegungen, wie dem Genozid begegnet werden kann, sinnvoll und möglich. Die Deutschen müssen anfangen, sich die Gedankenfreiheit zu nehmen!«

Dem ist nichts, absolut nichts mehr hinzuzufügen.

Kämpfen wir!

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Anmerkungen:

1 Schwarzbuch der Vertreibung 1945 bis 1948. Das letzte Kapitel unbewältigter Vergangenheit, Universitas, München 2001.
2 Kiel, 1952
3 Bd. 2, Würzburg, 1955
4 Bd. 2, München, 1979
5 Riesa, 2000
6 C. Larass, Der Zug der Kinder, München 1983
7 Menschen und Grenzen, Köln 1975
8 Schwarzbuch der Vertreibung
9 Geschichte der Deutschen, Frankfurt, Berlin, Wien 1978
10 Verschwiegene Schuld, Berlin 1995
11 Schwarzbuch der Vertreibung 1945–1948, München 1999, Seite 76
12 Viöl 1997

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Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 9(1) (2005), S. 8-11

Das Jareker Sammellager und die Temeriner

„Die Temeriner Razzia“
Verfasser: Istvan Adam – Bela Csorba – Marton Matuska -Istvan Ternovacz Herausgeber: Der Historische Ausschuss der VMDP (Ungarische Demokratische Partei der Vojvodina)

Im Leidensweg der Ungarn und der Deutschen der Südbatschka kommt dem Jareker Sammellager eine besondere Stelle zu. Diese Todesfabrik begannen die sich einrichtenden Partisanenbehörden im Dezember 1944 in Betrieb zu nehmen und liquidierten sie am 16. April 1946. Wurde zu Anfang lediglich ein Teil der Batschkaer und syrmischen Deutschen hier interniert, so nach dem 23. Januar 1945 auch die aus Zabalj, Curug und Mosorin ausgewiesenen Ungarn. Sie blieben bis zum Juni 1945 im Jareker Lager, dann wurden sie nach Gajdobra dirigiert, von wo sie im Herbst 1945 freikamen.

Jarek liegt nicht mehr als vier Kilometer von Temerin entfernt – heute hat schon die zwischen den beiden Dörfern künstlich angesiedelte serbische Gemeinschaft Staro Djurdjevo (Alt-Djurdjevo) die natürlichen Grenzen im wesentlichen verschwinden lassen – ‚ im Jahre 1787 hatten es die aus Baden-Württemberg, dem Elsass, der Pfalz, Hessen und dem Saargebiet gekommenen augsburgisch-evangelischen (lutherischen) Deutschen auf der bis dahin Klein-Temerin genannten Einöde gegründet, die die Adelsfamilie Szechen zusammen mit Temerin vom königlichen Schatzamt käuflich erwarb.

Im Jahre 1944 hatte das Dorf annähernd, zweitausend Einwohner. Bewohnt war es von durch ihren Fleiß berühmten Landwirten und Gewerbetreibenden, die von ihnen am Ende des 19. und anfangs des 20. Jahrhunderts erbauten Häuser haben mit ihrer Ästhetik kaum ihresgleichen, obwohl manche seit 1944 weder Verputz noch Farbe gesehen haben.

Die Jareker deutsche Bewohnerschaft hat im Oktober 1944 nahezu vollzählig die Ansiedlung verlassen und wählte den Fluchtweg, im Verlauf dessen sie verhältnismäßig glücklich, mit wenigen Menschenopfern, in die Heimat ihrer Ahnen zurückgelangte. Es gab jedoch, in erster Linie hilflose Personen und Greise, die, in ihrem Dorf bleibend, den später als Befreiung bezeichneten Partisanenterror abwarteten, ohne zu ahnen, dass die neue Macht gerade hier eines der größten und erbarmungslosesten Sammellager Jugoslawiens errichten würde. Im Zusammenhang damit muss man anmerken, dass vor dem Zweiten Weltkrieg ungefähr 343.OOO Deutsche in der Vojvodina lebten. Nach Schätzung der neuen jugoslawischen Macht wollten oder konnten von dieser Zahl etwa 180.000 Personen nicht flüchten. Nach Schätzungen fielen mehr als 30.0O0 (unter ihnen Alte, Frauen und Kinder) den Massakern vom Ende Oktober, Anfang November 1944 zum Opfer. Die übrigen wurden durch die Militärverwaltung in die vojvodinaweit errichteten Lager deportiert. Dem konnten nur diejenigen entgehen, denen sich die Möglichkeit bot, sich zu einer anderen Volkszugehörigkeit zu bekennen (z.B. der ungarischen). Wie viele Deutsche in den Sammellagern (die wir ruhigen Gewissens auch als Todeslager bezeichnen können) ihr Leben verloren, darüber können wir nur schlussfolgern: Nach amtlichen jugoslawischen Angaben hat man in den Lagern der Vojvodina im Mai 1945 alles in allem 62.233 deutschstämmige Deportierte verwahrt. Was ist mit den übrigen geschehen? Sie sind schwerlich geflohen, schließlich wurden Fluchtversuche erbarmungslos geahndet. Wir können uns nur zweierlei denken:
erstens, dass die Statistiken gefälscht sind; zweitens, dass man die fehlende Differenz in den Massengräbern der Lager suchen muss.

Im Jareker Lager schmachteten 1945 im Frühjahr 16.700 Personen, unter ihnen auch die 3.632 Ungarn aus Zabalj, Curug und Mosorin, die die serbischen Vergeltungsmaßnahmen des Schajkascher Gebiets überlebt hatten und nicht den von Oktober 1944 an bis zu ihrer Vertreibung nahezu ununterbrochen andauernden Torturen und Hinrichtungen zum Opfer gefallen waren (147 Personen wurden nicht nach Jarek, sondern ins nahegelegene Altker deportiert.). Mit den Curuger Ungarn kamen auch mehrere aus Temerin stammende ungarische Familien nach Jarek: sie hatten in früheren Jahren und Jahrzehnten in Temerin-nahen Curuger Gemarkungsteilen ein wenig Feld oder einen Sallasch erworben. Obwohl sie keinerlei Verantwortung für die Razzia vom Januar 1942 belastete, sie sich vielmehr auf dem Sallasch oder in Temerin aufgehalten hatten, mussten sie das Los der übrigen Curuger Ungarn teilen: sie wurden ihres gesamten Vermögens beraubt, und nachdem das Ungarntum kollektiv für schuldig erklärt worden war – angeblich auf Verlangen der Curuger und Zabaljer serbischen Einwohnerschaft – hat man sie allesamt bei grimmiger Januarkälte und Schneetreiben zu Fuß ins Jareker Lager abgeschoben.

Das Lager wurde in zwei Teile geteilt. In die eine Hälfte des Dorfes wurden die aus insgesamt 45 Siedlungsorten hierher getriebenen Deutschen gepfercht, in die andere Hälfte die Ungarn. Der ständige Hunger, der Mangel an Salz, die Brutalität der Wachen und Lagerkommandanten, sodann die epidemischen Krankheiten, besonders der im Frühjahr 1945 ausbrechende Bauchtyphus, kosteten in der Folge mehrere Tausende das Leben. Gustav Morgenthaler nennt aufgrund namentlicher Registrierung der Opfer 5.491 Verstorbene, davon 51 Jareker Ureinwohner sowie 40 Temeriner Deutsche. (Nach anderen Angaben nahezu 70.) Trotz den Unbilden blieb das Sterbematrikelbuch des Jareker Todeslagers erhalten, dem zwar mehrere Blätter fehlen, trotzdem ist es ein wertvolles Dokument insofern, als es die Daten und Todesursachen von insgesamt 2.576 Verstorbenen enthält. Aufgrund des Matrikelbuches stellte Sandor Meszaros fest, dass im Jahre 1944/45 175, 1946 hingegen 211 deutsche Kleinkinder zugrunde gingen.

Die dokumentierbaren Verluste der Ungarn betragen 121 Personen, davon 66 Erwachsene und 55 Kleinkinder. Diese Angaben sind wegen der Beschädigungen des Matrikelbuches natürlich keineswegs vollständig.

Die, die sich zurückerinnern, sprechen – trotz der zeitlichen „verklärenden Ferne“ – mit Abscheu und Ekel von den im Lager zugebrachten Monaten. Häufig betonen sie auch die Unmenschlichkeit der Lagerleiter, besonders JANA DRAGOJLOVIC, MIRKO MEHADZIJA, MITO BOTIC und seine Schwester, sowie ein DJOKA genannter Lagerleiter blieben ihnen in böser Erinnerung. Die ungarischen Lagerinsassen erwähnen oft die aus Temerin stammende „ROKA“ („Füchsin“), ILONA VARGA, die aus Mazedonien als Partisanin zurückgekehrt war und alsbald Lagerleiterin wurde. Den Berichten nach unterschied sie sich leider nicht viel von ihren serbischen Genossen und Genossinnen.

Den Tausenden, die in den Lagern zugrunde gingen und gelitten haben, hat der jugoslawische oder der serbische Staat niemals und auf keine, nicht einmal symbolische, Art und Weise Abbitte geleistet. Bis in die jüngste Vergangenheit kennzeichnete das schiere Totschweigen die Gesamtheit der serbischen Gesellschaft, einschließlich der Kultur, der Schriftsteller und auch der Presse. In Jarek wurden auch noch die Spuren der einstigen Opfer ausgetilgt: der deutsche Friedhof wurde dem Erdboden gleich gemacht, sodann ein Betriebsgelände über den Toten errichtet.

In der moralischen und materiellen Wiedergutmachung stehen der serbische und der jugoslawische Staat weiterhin in der Schuld der Opfer und der Überlebenden. Doch Schuldner sind auch die Selbstverwaltung und das heutige Jarek, auch wenn die jetzigen Bewohner mit dem dort Geschehenen nichts zu tun haben, wurden sie doch nach Auflösung des Lagers aus Bosnien hierher angesiedelt. Wir glauben, dass die Zeit gekommen ist, den Geschehnissen ins Auge zu schauen und offen an die in Jarek unschuldig zugrunde gegangenen Deutschen und Ungarn zu erinnern.
Aus dem Ungarischen übersetzt von Helmut Bischof, Neckargemünd.

Der nachfolgend dargestellte Ortsplan des kommunistischen Vernichtungslagers JAREK enthält neben verschiedenen anderen Informationen vor allem Angaben über die Lagereinrichtungen und die 3 Leidensstationen der Bulkeser.
Quellen: Franz Fuderer „Jareker Ortsplan 1987 nach dem Stand von 1944/45“, Heimatbuch Bulkes, Fritz Ilg, Martha Müller, Franz Straubhaar u.a.
Heinrich Stephan

 

Quelle: bulkes.de