Die Operation „Gomorrha“ begann in der Nacht vom 24. Juli auf den 25. Juli 1943

Operation Gomorrha war der militärische Name für eine Serie von Luftangriffen, die von der Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg, beginnend zum Ende des Juli im Jahre 1943, auf Hamburg ausgeführt wurden. Es waren die damals schwersten Angriffe in der Geschichte des Luftkrieges. Befohlen wurden diese Angriffe von Luftmarschall Arthur Harris, dem Oberbefehlshaber des Britischen Bomber-Command.

Im Alten Testament galten die Städte Sodom und Gomorrha als die Städte der Sünder und Verbrecher, die Gott mit Regen aus Feuer und Schwefel bis auf die Familie Lots vollständig vernichtete.

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Hamburg 1943

……….

Vorgeschichte

Den Luftangriffen ging eine Absprache zwischen den Westalliierten und Stalin voraus. Stalin hatte auf einer zweiten Front im Westen von Deutschland bestanden. Die Westmächte wollten diesen Angriff mit Bodentruppen allerdings noch nicht einleiten und hatten als Kompromiss die Bombardierung deutscher Städte angeboten.

Voraussetzung für die Operation Gomorrha waren die von den Alliierten erstmals eingesetzten Düppel aus Stanniolstreifen, die die deutschen Radaranlagen durch starke Reflexionen des ausgesendeten Radarstrahls „blendeten” und damit diese Funkaufklärungstechnik zu dem Zeitpunkt des Krieges nahezu wirkungslos machten.

Das Bombardement

Im Rahmen der Operation Gomorrha kam es zu fünf Nachtangriffen durch die Royal Air Force (im folgenden: RAF) und zwei Tagesangriffen durch die United States Army Air Forces.

Die Angriffe begannen in der Nacht vom 24. Juli auf den 25. Juli 1943 mit der Bombardierung Hamburgs durch 791 britische Bomber. Durch Fehlwürfe der Zielmarkierungen (Zielpunkt war die St.-Nikolai-Kirche im Stadtkern) erstreckten sich die Schäden über ein recht weites Gebiet. Trotzdem kam es in der Innenstadt, in Hoheluft, Eimsbüttel und Altona zu ausgedehnten Flächenbränden. Auch einige nordwestliche Vororte wurden getroffen. „Die Zahl der Toten schätzte die Luftschutzleitung auf etwa 1.500 […] Genauere Feststellungen für den ersten Großangriff hat es nicht gegeben.”

Am Nachmittag des 25. Juli griffen 40 amerikanische Bomber Ziele im Hamburger Hafen an. Es wurden mehrere Schiffe versenkt und einige Mineralölbetriebe getroffen.

Am Mittag des 26. Juli griffen 71 amerikanische Bomber erneut Ziele im Hamburger Hafen an. Dabei wurde auch das Kraftwerk Neuhof getroffen. Bei den beiden Tagesangriffen kamen etwa 150 Menschen ums Leben.

Bei dem vierten Angriff im Rahmen der Operation Gomorrha handelte es sich um einen Störeinsatz von sechs britischen Maschinen vom Typ Mosquito in der Nacht vom 26. zum 27. Juli, der nur unbedeutende Sachschäden anrichtete.

Beim zweiten Großangriff der RAF in der Nacht vom 27. auf den 28. Juli 1943 wurden 739 Bomber eingesetzt. Der Schwerpunkt der Bombenabwürfe lag in den östlich der Innenstadt gelegenen Stadtteilen. Aus den Flächenbränden bildete sich wegen der ungewöhnlichen Wetterumstände, die in dieser Nacht über Hamburg herrschten, ein Feuersturm. Die orkanartigen Winde, die am Boden auftraten, fachten die umliegenden Brände weiter an. Die Stadtteile Rothenburgsort, Hammerbrook und Borgfelde wurden fast völlig zerstört, auch in Hamm, Eilbek, Hohenfelde, Barmbek und Wandsbek gab es größere Zerstörungen. Etwa 30.000 Menschen verloren bei diesem Angriff ihr Leben.

Während des dritten Großangriffs der RAF in der Nacht vom 29. auf den 30. Juli 1943 kamen 726 Bomber zum Einsatz. Die Bomben fielen hauptsächlich auf die Stadtteile Barmbek, Uhlenhorst und Winterhude. Trotz ausgedehnter Flächenbrände kam es nicht zur Bildung eines Feuersturms, obwohl Barmbek ein ebenso dicht besiedelter und bebauter Stadtteil war wie Hammerbrook. Die Zahl der Opfer kann nur geschätzt werden; eine Quelle geht hier von etwa 1.000 Toten aus.

Die RAF setzte für den siebten und letzten Angriff im Rahmen der Operation Gomorrha in der Nacht des 2. zum 3. August 1943 740 Bomber ein, die während eines schweren Gewitters Hamburg erreichten. Die Bombardierung erfolgte daher weitgehend ungezielt und es kam zwar zu mehreren Großfeuern (beispielsweise in der Hamburgischen Staatsoper), aber zu keinen Flächenbränden. Über die Zahl der Opfer dieses Angriffs ist nichts bekannt, sie dürfte aber deutlich geringer sein als beim ersten oder dritten Großangriff der RAF.

Angriffstechnik

Zur Bombardierung wurde eine Mischung von Luftminen, Spreng-, Phosphor- und Stabbrandbomben verwendet.

Die Luftminen und Sprengbomben deckten dabei durch ihre enorme Druckwirkung gezielt die Dächer der Häuser ab, ließen die Fensterscheiben zerspringen und unterbrachen – sofern sie auf einer Straße aufschlugen – oftmals die Wasserleitungen.

Die Phosphorbomben und Stabbrandbomben konnten die nun freiliegenden hölzernen Dachstühle entzünden, wobei sich die Brände über die fast ausschließlich aus Holz bestehenden Treppenhäuser auf die weiter unten liegenden Etagen ausbreiteten und, begünstigt durch die zerborstenen Fensterscheiben, auch genügend Sauerstoff erhielten. Letztendlich führte dies zum vollständigen Ausbrennen der Gebäude.

Die Angriffe beschränkten sich immer auf einen Sektor der Stadt. Zentraler Ausgangspunkt war der 147,3 Meter hohe Turm der Nikolaikirche, deren Ruine nicht wieder aufgebaut wurde und heute als Mahnmal und Dauerausstellung zur Operation Gomorrha dient.

Die vorhandenen Bunker zum Schutz der Bevölkerung konnten in dieser Phase des Krieges nur noch bedingt Schutz bieten, da während des Krieges immer größere Bomben eingesetzt wurden. Auch führte der Sauerstoffbedarf der Brände zum Erstickungstod vieler Eingeschlossener.

Auswirkungen

Es sprach sich in der Welt schnell herum, dass sich in und über Hamburg etwas bislang nie Dagewesenes ereignet hatte. Ob Ernst Jünger, Wehrmachtssoldat in Paris, oder Bertolt Brecht, Exilant in den USA – in ihren Tagebüchern ist die Erschütterung spürbar. In New York referiert der Schriftsteller Julien Green in seinem Tagebuch kommentarlos eine Meldung aus Stockholm, die er der New York Times vom 5. August 1943 entnommen hatte:

„Ein deutsches Kind, Flüchtling aus Hamburg, erreicht die Grenze nach der grauenvollen Bombardierung Hamburgs durch die RAF. Das Kind ist zwölf Jahre alt. Es trägt zwei Säcke, die es vor den Zöllnern öffnen muss; der erste enthält die Kaninchen des kleinen Jungen, der zweite den Leichnam seines zweijährigen Bruders.“

Die Anzahl der Opfer der Operation Gomorrha ist nicht genau festzustellen. Bis zum 30. November 1943 waren 31.647 Tote geborgen worden, von denen 15.802 identifiziert werden konnten. Die Hamburger Luftschutzleitung schätzte zu dieser Zeit die Gesamtzahl der Opfer auf 35.000, heutige Beiträge der Geschichtswissenschaft gehen von einer Zahl von etwa 34.000 Toten und 125.000 Verletzten infolge der Operation Gomorrha aus. Eine ausführliche Darlegung, die sich mit den häufig anzutreffenden höheren Angaben der Opferzahl anhand des vorhandenen Quellenmaterials auseinandersetzt, findet sich in dem Buch von Hans Brunswig.

Es zeigte sich, dass die vorhandenen Bunker und Schutzräume völlig unzureichend waren. Daher wurde eine Evakuierung eingeleitet, die in einigen Stadtteilen noch rechtzeitig durchgeführt werden konnte, beispielsweise in Barmbek. Alle Bewohner, die nicht unbedingt in der Rüstungsproduktion benötigt wurden, mussten die Stadt verlassen. Kinder wurden im Rahmen der Kinderlandverschickung weitestgehend auf dem Land in Sicherheit gebracht. Insgesamt flohen nach den Angriffen etwa 900.000 Hamburger aus der Stadt in die „Aufnahmegaue” in Bayern und Ostdeutschland bzw. Polen.

Nachwirkung

Der Feuersturm hat weite Teile der alten Hamburger Bebauung vollständig zerstört, ehemalige Stadtviertelzentren, wie die Altstadt Altonas, existieren, ebenso wie auch diverse Baudenkmäler, nicht mehr. Einstmals in Straßen voller Altbauten integrierte Gotteshäuser wie die St.-Nikolai-Kirche, St.-Michaelis-Kirche oder die St. Trinitatis-Kirche stehen heute weitgehend isoliert und wurden nach dem Krieg zum Teil nur notdürftig wieder instandgesetzt. Plätze, wie den Eimsbütteler Marktplatz, gibt es nur noch als Namen auf Erinnerungstafeln oder Straßenschildern, während breite Verkehrswege wie die Ludwig-Ehrhard-Straße oder die südliche Holstenstraße durch einstmals dicht bebaute Wohngebiete führen. Der Öjendorfer Park, eine hügelige Landschaft im östlichen Hamburger Stadtteil Billstedt, entstand auf den abgeladenen Kriegstrümmern.

In dem damals vollständig zerstörten Stadtteil Hammerbrook, vorher ein überwiegend von Hafenarbeitern bewohntes Viertel, sind praktisch keine Wohngebäude und Altbauten mehr vorhanden. Stattdessen befinden sich dort fast ausschließlich neu errichtete Gewerbebauten.

Die letzten Bombenbrachen der Operation Gomorrha wurden erst Ende der 1960er Jahre beseitigt, zahlreiche Fleete wurden mit Trümmerschutt gefüllt und ab den 1950er Jahren mit Straßen überbaut, insbesondere in der Innenstadt. Die Nachkriegsbauten stehen meist quer zur Straße und bilden keine zusammenhängenden Baublöcke mehr, damit sollte ein erneuter Flächenbrand verhindert werden.

Für die Stadt Hamburg war die Operation Gomorrha nach 1945 nicht nur städtebaulich von zentraler Bedeutung, der Hamburger Feuersturm von 1943 hat zudem einen besonderen Platz im Gedächtnis der Stadt. Die Erinnerung an den Luftkrieg hatte in der Hamburger Öffentlichkeit jahrzehntelang höchste Priorität, wie der Historiker Malte Thießen festgestellt hat:

„Wegen der bis heute sichtbaren Zerstörungskraft”, so schreibt Thießen in seiner Studie zum Gedenken an die Operation Gomorrha, „waren die Juli-Angriffe – im Gegensatz zu Ereignissen wie der Machtergreifung, dem Attentat vom 20. Juli 1944 oder der Novemberpogrome 1938 – von Anfang an als kollektiver Fixpunkt im städtischen Gedächtnis verankert.”

Bis heute gibt es zu großen Jahrestagen der Luftangriffe offizielle Kranzniederlegungen des Senats und umfangreiche Gedenkveranstaltungen, Ausstellungen in Museen oder Denkmalsetzungen. In den durch die vom Bombenkrieg getroffenen Hamburger Wohnvierteln findet man an vielen Nachkriegsbauten Tontafeln mit dem Hamburger Wappen und einer Inschrift mit dem Datum der Zerstörung und des Wiederaufbaus. Sie wurden von der Hamburger Baubehörde für Wohnungen gestiftet, die nach den Zerstörungen 1943 unter finanzieller Förderung der öffentlichen Hand wieder aufgebaut wurden. Sie sollten nicht zuletzt dem ungebrochenen Wiederaufbaugeist der Hansestadt Ausdruck geben.

Vor dem Einkaufszentrum an der „Hamburger Straße” befindet sich ein Denkmal, das an die 370 Opfer erinnert, die am 30. Juli 1943 in einem Schutzraum eines nahen Kaufhauses an Kohlenmonoxidvergiftung starben. Das Denkmal wurde am 8. Mai 1985 eingeweiht und befindet sich auf einer Verkehrsinsel inmitten einer viel befahrenen Kreuzung.

Auf dem Friedhof Ohlsdorf befindet sich das Massengrab der Bombenopfer mit dem Mahnmal von Gerhard Marcks. Dieses Denkmal wurde am 16. August 1952 unter starker Beteiligung der Bevölkerung und von politischen Vertretern, sowohl des Senats als auch des Bundes, eingeweiht und ist bis heute der Ort für die offiziellen Kranzniederlegungen des Senats.

„Ich wollte Held sein, aber ich bin Terrorflieger geworden. Ich kann dieses (Kriegsverbrechen) nicht verteidigen.“ 

– Harold Nash, Britisches Bombenkommando in „Der Bombenkrieg“, ZDF, 04.02.2003 –

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Typische Szene in Hamburg nach dem Brandbombenangriff. Beachten Sie die große Menge des Schuttes und Feuer eine Woche nach dem Angriff. Die Wahrscheinlichkeit des Entkommens war sehr gering.

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Datei:US War Dept., US Strategic Bombing Survey, S. 16, B. 5.png
Mehrere Tage nach dem Angriff aufgefundene Bewohner eines Luftschutzraumes. Der Tod kam scheinbar ohne Kampf.

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Mann der den Auswirkungen von hoher Hitze auf der Straße erlag, während er Schutz suchte. Kleidung war verbrannt, während die Schuhe unversehrt waren. Position suggeriert, daß er versuchte aufzustehen und weiterzugehen.

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Beispiel eines Opfers der Hitze. Position des Haares zeigt deutlich Reißen und Rückzug der Haut vom Schädel und um die Augenhöhlen. Kleidung praktisch unversehrt.

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Effekt von trockener Hitze bei einer Gruppe von Bewohnern eines Luftschutzraumes. Reißen der Haut, des Kopfhaut und um die Augenhöhlen. Kleidung praktisch intakt.

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Datei:US War Dept., US Strategic Bombing Survey, S. 19, B. 11.png
Ein weiteres nach der Brandbombardierung vom 27. und 28. Juli in den Straßen von Hamburg gefundenes Opfer; Auswirkungen der Hitze. Beachten Sie die Abwesenheit von Kleidung und Anwesenheit von Schuhen.

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Datei:US War Dept., US Strategic Bombing Survey, S. 19, B. 12.png
Auf seinem Bauch liegenden gefundenes Opfer der Hitze, auf den Rücken gerollt, um die intakte Haut auf der Brust und dem Bauch zu zeigen. Genitalien stark geschwollen. Beachten Sie die starke Verkohlung.

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Körper einer jungen Frau; Hitzetod. Verhärtung der Haut und des unterliegenden Gewebes.

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Schutzraumbewohner. Fortgeschrittenes Stadium der Kremation durch trockene Hitze.

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Ein weiterer Schutzraumbewohner. Fast vollständig verkohlter Körper.

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Ein weiteres Beispiel eines Schutzraumbewohners im fortgeschrittenen Stadium der Verkohlung.

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Datei:US War Dept., US Strategic Bombing Survey, S. 23, B. 18.png
Szene mit der Rettungsarbeiter konfrontiert werden, als sie einige Tage nach dem Angriff einen Schutzraum betraten. Opfer erlagen Kohlenmonoxidvergiftung.

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Quelle: Metapedia

Gerhard Liebsch (17 J.) – Blutzeuge der Bewegung

Gerhard Liebsch (Lebensrune.png 3. Dezember 1913; Todesrune.png 26. Mai 1931 in Dühringshof (Brandenburg)) war ein deutscher Widerstandskämpfer gegen die Weimarer Republik und ein Blutzeuge der nationalsozialistischen Bewegung.

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Pfingsten 1931. Darauf hat sich Gerhard Liebsch schon lange gefreut: in den Feiertagen mal heraus zu können aus dem Steinhaufen der Prenzlauer Straße in Berlin. Zum Bruder wird er fahren, nach Dechsel, in der Landsberger Gegend. Nun endlich ist es so weit. Mit der ganzen Kraft seiner fast achtzehn Jahre freut er sich des strahlenden Frühlings. Und dann was besonders Feines: am zweiten Feiertag, dem 26. Mai, geht’s mit dem „großen“ Bruder, dem SA-Mann, hinüber ins benachbarte Dühringshof, da hat der Fußballverein seinen großen Tag. Nach dem Spiel sind sie im Vereinslokal zusammen, alles lustige, frische Jungen, und gesungen wird und musiziert, da macht der junge Gerhard aus ganzem, frohem Herzen mit. Am Abend plötzlich johlt und rempelt es von draußen herein. Rote Sportler, aufgepasst! Ehe man recht weiß, was los ist, war eine wüste Schlägerei im Gange. Gerhard Liebsch trägt sein HJ-Abzeichen, auf ihn haben sie es besonders abgesehen. Er aber wehrt sich mit beiden Fäusten und hilft mit, die Roten zum Saal hinauszuprügeln, trotz ihrer Übermacht. Um weitere Hilfe zu holen geht Gerhard Liebsch allein hinaus. Er kommt nicht wieder. Ehe er einen Laut herausbringt, bohrt sich der Dolch ihm ins Herz. Sterbend liegt er am Boden, als seine Mörder auf ihn eintreten, anspeien und den wehrlos Wunden verhöhnen. Dann fliehen sie. Gerhard Liebsch stirbt im Alter von siebzehn Jahren. Einer der kommunistischen Mörder wird verurteilt, nach 1 1/2 Jahren kommt er wieder frei. Erst 1933 gelang die völlige Aufklärung des Mordes.

Der junge Sturmtrupp“ berichtet über den Mord:

„Ungesühnter Mord! In der Nacht vom 26. Mai wurde der Hitler-Junge Gerhard Liebsch von Marxisten in bestialischer Weise ermordet. Im Dezember fand die Gerichtsverhandlung in Landsberg a.d.W. statt. Angeklagt waren die Marxisten Siepelt und Rudolf. Die Ermordung selbst konnte den Angeklagten nicht restlos bewiesen werden. Jedoch konnte nachgewiesen werden, daß die beiden Angeklagten den Hitler-Jungen, nachdem er mit einem 16 Zentimeter langen Dolch niedergestochen war und sich in seinem Blute auf der Erde wälzte, in viehischer Weise mit den Füßen traten und zertrampelten.“

Die Zeitung Der Angriff berichtete ebenfalls:

„Ein Hitlerjunge erdolcht! Die Leiche angespien.“

Der Grabstein in Landsberg an der Warthe trägt den Spruch:

„Sein Opfertod galt der Freiheit der Nation.“

In Pfaffenhofen wird eine Straße nach Gerhard Liebsch benannt.

Am 29. 11. 1936 weihte die NSDAP einen Gedenkstein für fünf Blutzeugen in Berlin ein. Ein Name auf diesem Stein lautete Gerhard Liebsch. Die Gedenkstätte lag bis zur vorübergehenden „Befreiung“ im Jahre 1945 gegenüber dem Horst-Wessel-Haus in der Prenzlauer Straße 62.

Sein Name wurde in die Liste der Unsterblichen Gefolgschaft der Hitlerjugend aufgenommen.

Datei:Gebietsführerschule Gerhard Liebsch.jpg
Cottbus – Gebietsführerschule I Mark Brandenburg „Gerhard Liebsch“ – Feierraum

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Die Freiburger Zeitung vom 19. 8. 1933 über die Aufklärung der Morde an Gerhard Liebsch und Gustav Seidlitz

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Quelle: Metapedia

Die Operation „Gomorrha“ beginnt in der Nacht vom 24. Juli auf den 25. Juli 1943

Operation Gomorrha war der militärische Name für eine Serie von Luftangriffen, die von der Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg, beginnend zum Ende des Juli im Jahre 1943, auf Hamburg ausgeführt wurden. Es waren die damals schwersten Angriffe in der Geschichte des Luftkrieges. Befohlen wurden diese Angriffe von Luftmarschall Arthur Harris, dem Oberbefehlshaber des Britischen Bomber-Command.

Im Alten Testament galten die Städte Sodom und Gomorrha als die Städte der Sünder und Verbrecher, die Gott mit Regen aus Feuer und Schwefel bis auf die Familie Lots vollständig vernichtete.

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Hamburg 1943

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Vorgeschichte

Den Luftangriffen ging eine Absprache zwischen den Westalliierten und Stalin voraus. Stalin hatte auf einer zweiten Front im Westen von Deutschland bestanden. Die Westmächte wollten diesen Angriff mit Bodentruppen allerdings noch nicht einleiten und hatten als Kompromiss die Bombardierung deutscher Städte angeboten.

Voraussetzung für die Operation Gomorrha waren die von den Alliierten erstmals eingesetzten Düppel aus Stanniolstreifen, die die deutschen Radaranlagen durch starke Reflexionen des ausgesendeten Radarstrahls „blendeten” und damit diese Funkaufklärungstechnik zu dem Zeitpunkt des Krieges nahezu wirkungslos machten.

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Das Bombardement

Im Rahmen der Operation Gomorrha kam es zu fünf Nachtangriffen durch die Royal Air Force (im folgenden: RAF) und zwei Tagesangriffen durch die United States Army Air Forces.

Die Angriffe begannen in der Nacht vom 24. Juli auf den 25. Juli 1943 mit der Bombardierung Hamburgs durch 791 britische Bomber. Durch Fehlwürfe der Zielmarkierungen (Zielpunkt war die St.-Nikolai-Kirche im Stadtkern) erstreckten sich die Schäden über ein recht weites Gebiet. Trotzdem kam es in der Innenstadt, in Hoheluft, Eimsbüttel und Altona zu ausgedehnten Flächenbränden. Auch einige nordwestliche Vororte wurden getroffen. „Die Zahl der Toten schätzte die Luftschutzleitung auf etwa 1.500 […] Genauere Feststellungen für den ersten Großangriff hat es nicht gegeben.”

Am Nachmittag des 25. Juli griffen 40 amerikanische Bomber Ziele im Hamburger Hafen an. Es wurden mehrere Schiffe versenkt und einige Mineralölbetriebe getroffen.

Am Mittag des 26. Juli griffen 71 amerikanische Bomber erneut Ziele im Hamburger Hafen an. Dabei wurde auch das Kraftwerk Neuhof getroffen. Bei den beiden Tagesangriffen kamen etwa 150 Menschen ums Leben.

Bei dem vierten Angriff im Rahmen der Operation Gomorrha handelte es sich um einen Störeinsatz von sechs britischen Maschinen vom Typ Mosquito in der Nacht vom 26. zum 27. Juli, der nur unbedeutende Sachschäden anrichtete.

Beim zweiten Großangriff der RAF in der Nacht vom 27. auf den 28. Juli 1943 wurden 739 Bomber eingesetzt. Der Schwerpunkt der Bombenabwürfe lag in den östlich der Innenstadt gelegenen Stadtteilen. Aus den Flächenbränden bildete sich wegen der ungewöhnlichen Wetterumstände, die in dieser Nacht über Hamburg herrschten, ein Feuersturm. Die orkanartigen Winde, die am Boden auftraten, fachten die umliegenden Brände weiter an. Die Stadtteile Rothenburgsort, Hammerbrook und Borgfelde wurden fast völlig zerstört, auch in Hamm, Eilbek, Hohenfelde, Barmbek und Wandsbek gab es größere Zerstörungen. Etwa 30.000 Menschen verloren bei diesem Angriff ihr Leben.

Während des dritten Großangriffs der RAF in der Nacht vom 29. auf den 30. Juli 1943 kamen 726 Bomber zum Einsatz. Die Bomben fielen hauptsächlich auf die Stadtteile Barmbek, Uhlenhorst und Winterhude. Trotz ausgedehnter Flächenbrände kam es nicht zur Bildung eines Feuersturms, obwohl Barmbek ein ebenso dicht besiedelter und bebauter Stadtteil war wie Hammerbrook. Die Zahl der Opfer kann nur geschätzt werden; eine Quelle geht hier von etwa 1.000 Toten aus.

Die RAF setzte für den siebten und letzten Angriff im Rahmen der Operation Gomorrha in der Nacht des 2. zum 3. August 1943 740 Bomber ein, die während eines schweren Gewitters Hamburg erreichten. Die Bombardierung erfolgte daher weitgehend ungezielt und es kam zwar zu mehreren Großfeuern (beispielsweise in der Hamburgischen Staatsoper), aber zu keinen Flächenbränden. Über die Zahl der Opfer dieses Angriffs ist nichts bekannt, sie dürfte aber deutlich geringer sein als beim ersten oder dritten Großangriff der RAF.

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Angriffstechnik

Zur Bombardierung wurde eine Mischung von Luftminen, Spreng-, Phosphor- und Stabbrandbomben verwendet.

Die Luftminen und Sprengbomben deckten dabei durch ihre enorme Druckwirkung gezielt die Dächer der Häuser ab, ließen die Fensterscheiben zerspringen und unterbrachen – sofern sie auf einer Straße aufschlugen – oftmals die Wasserleitungen.

Die Phosphorbomben und Stabbrandbomben konnten die nun freiliegenden hölzernen Dachstühle entzünden, wobei sich die Brände über die fast ausschließlich aus Holz bestehenden Treppenhäuser auf die weiter unten liegenden Etagen ausbreiteten und, begünstigt durch die zerborstenen Fensterscheiben, auch genügend Sauerstoff erhielten. Letztendlich führte dies zum vollständigen Ausbrennen der Gebäude.

Die Angriffe beschränkten sich immer auf einen Sektor der Stadt. Zentraler Ausgangspunkt war der 147,3 Meter hohe Turm der Nikolaikirche, deren Ruine nicht wieder aufgebaut wurde und heute als Mahnmal und Dauerausstellung zur Operation Gomorrha dient.

Die vorhandenen Bunker zum Schutz der Bevölkerung konnten in dieser Phase des Krieges nur noch bedingt Schutz bieten, da während des Krieges immer größere Bomben eingesetzt wurden. Auch führte der Sauerstoffbedarf der Brände zum Erstickungstod vieler Eingeschlossener.

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Auswirkungen

Es sprach sich in der Welt schnell herum, dass sich in und über Hamburg etwas bislang nie Dagewesenes ereignet hatte. Ob Ernst Jünger, Wehrmachtssoldat in Paris, oder Bertolt Brecht, Exilant in den USA – in ihren Tagebüchern ist die Erschütterung spürbar. In New York referiert der Schriftsteller Julien Green in seinem Tagebuch kommentarlos eine Meldung aus Stockholm, die er der New York Times vom 5. August 1943 entnommen hatte:

„Ein deutsches Kind, Flüchtling aus Hamburg, erreicht die Grenze nach der grauenvollen Bombardierung Hamburgs durch die RAF. Das Kind ist zwölf Jahre alt. Es trägt zwei Säcke, die es vor den Zöllnern öffnen muss; der erste enthält die Kaninchen des kleinen Jungen, der zweite den Leichnam seines zweijährigen Bruders.“

Die Anzahl der Opfer der Operation Gomorrha ist nicht genau festzustellen. Bis zum 30. November 1943 waren 31.647 Tote geborgen worden, von denen 15.802 identifiziert werden konnten. Die Hamburger Luftschutzleitung schätzte zu dieser Zeit die Gesamtzahl der Opfer auf 35.000, heutige Beiträge der Geschichtswissenschaft gehen von einer Zahl von etwa 34.000 Toten und 125.000 Verletzten infolge der Operation Gomorrha aus. Eine ausführliche Darlegung, die sich mit den häufig anzutreffenden höheren Angaben der Opferzahl anhand des vorhandenen Quellenmaterials auseinandersetzt, findet sich in dem Buch von Hans Brunswig.

Es zeigte sich, dass die vorhandenen Bunker und Schutzräume völlig unzureichend waren. Daher wurde eine Evakuierung eingeleitet, die in einigen Stadtteilen noch rechtzeitig durchgeführt werden konnte, beispielsweise in Barmbek. Alle Bewohner, die nicht unbedingt in der Rüstungsproduktion benötigt wurden, mussten die Stadt verlassen. Kinder wurden im Rahmen der Kinderlandverschickung weitestgehend auf dem Land in Sicherheit gebracht. Insgesamt flohen nach den Angriffen etwa 900.000 Hamburger aus der Stadt in die „Aufnahmegaue” in Bayern und Ostdeutschland bzw. Polen.

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Nachwirkung

Der Feuersturm hat weite Teile der alten Hamburger Bebauung vollständig zerstört, ehemalige Stadtviertelzentren, wie die Altstadt Altonas, existieren, ebenso wie auch diverse Baudenkmäler, nicht mehr. Einstmals in Straßen voller Altbauten integrierte Gotteshäuser wie die St.-Nikolai-Kirche, St.-Michaelis-Kirche oder die St. Trinitatis-Kirche stehen heute weitgehend isoliert und wurden nach dem Krieg zum Teil nur notdürftig wieder instandgesetzt. Plätze, wie den Eimsbütteler Marktplatz, gibt es nur noch als Namen auf Erinnerungstafeln oder Straßenschildern, während breite Verkehrswege wie die Ludwig-Ehrhard-Straße oder die südliche Holstenstraße durch einstmals dicht bebaute Wohngebiete führen. Der Öjendorfer Park, eine hügelige Landschaft im östlichen Hamburger Stadtteil Billstedt, entstand auf den abgeladenen Kriegstrümmern.

In dem damals vollständig zerstörten Stadtteil Hammerbrook, vorher ein überwiegend von Hafenarbeitern bewohntes Viertel, sind praktisch keine Wohngebäude und Altbauten mehr vorhanden. Stattdessen befinden sich dort fast ausschließlich neu errichtete Gewerbebauten.

Die letzten Bombenbrachen der Operation Gomorrha wurden erst Ende der 1960er Jahre beseitigt, zahlreiche Fleete wurden mit Trümmerschutt gefüllt und ab den 1950er Jahren mit Straßen überbaut, insbesondere in der Innenstadt. Die Nachkriegsbauten stehen meist quer zur Straße und bilden keine zusammenhängenden Baublöcke mehr, damit sollte ein erneuter Flächenbrand verhindert werden.

Für die Stadt Hamburg war die Operation Gomorrha nach 1945 nicht nur städtebaulich von zentraler Bedeutung, der Hamburger Feuersturm von 1943 hat zudem einen besonderen Platz im Gedächtnis der Stadt. Die Erinnerung an den Luftkrieg hatte in der Hamburger Öffentlichkeit jahrzehntelang höchste Priorität, wie der Historiker Malte Thießen festgestellt hat:

„Wegen der bis heute sichtbaren Zerstörungskraft”, so schreibt Thießen in seiner Studie zum Gedenken an die Operation Gomorrha, „waren die Juli-Angriffe – im Gegensatz zu Ereignissen wie der Machtergreifung, dem Attentat vom 20. Juli 1944 oder der Novemberpogrome 1938 – von Anfang an als kollektiver Fixpunkt im städtischen Gedächtnis verankert.”

Bis heute gibt es zu großen Jahrestagen der Luftangriffe offizielle Kranzniederlegungen des Senats und umfangreiche Gedenkveranstaltungen, Ausstellungen in Museen oder Denkmalsetzungen. In den durch die vom Bombenkrieg getroffenen Hamburger Wohnvierteln findet man an vielen Nachkriegsbauten Tontafeln mit dem Hamburger Wappen und einer Inschrift mit dem Datum der Zerstörung und des Wiederaufbaus. Sie wurden von der Hamburger Baubehörde für Wohnungen gestiftet, die nach den Zerstörungen 1943 unter finanzieller Förderung der öffentlichen Hand wieder aufgebaut wurden. Sie sollten nicht zuletzt dem ungebrochenen Wiederaufbaugeist der Hansestadt Ausdruck geben.

Vor dem Einkaufszentrum an der „Hamburger Straße” befindet sich ein Denkmal, das an die 370 Opfer erinnert, die am 30. Juli 1943 in einem Schutzraum eines nahen Kaufhauses an Kohlenmonoxidvergiftung starben. Das Denkmal wurde am 8. Mai 1985 eingeweiht und befindet sich auf einer Verkehrsinsel inmitten einer viel befahrenen Kreuzung.

Auf dem Friedhof Ohlsdorf befindet sich das Massengrab der Bombenopfer mit dem Mahnmal von Gerhard Marcks. Dieses Denkmal wurde am 16. August 1952 unter starker Beteiligung der Bevölkerung und von politischen Vertretern, sowohl des Senats als auch des Bundes, eingeweiht und ist bis heute der Ort für die offiziellen Kranzniederlegungen des Senats.

„Ich wollte Held sein, aber ich bin Terrorflieger geworden. Ich kann dieses (Kriegsverbrechen) nicht verteidigen.“ 

– Harold Nash, Britisches Bombenkommando in „Der Bombenkrieg“, ZDF, 04.02.2003 –

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Typische Szene in Hamburg nach dem Brandbombenangriff. Beachten Sie die große Menge des Schuttes und Feuer eine Woche nach dem Angriff. Die Wahrscheinlichkeit des Entkommens war sehr gering.

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Mehrere Tage nach dem Angriff aufgefundene Bewohner eines Luftschutzraumes. Der Tod kam scheinbar ohne Kampf.

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Mann der den Auswirkungen von hoher Hitze auf der Straße erlag, während er Schutz suchte. Kleidung war verbrannt, während die Schuhe unversehrt waren. Position suggeriert, daß er versuchte aufzustehen und weiterzugehen.

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Beispiel eines Opfers der Hitze. Position des Haares zeigt deutlich Reißen und Rückzug der Haut vom Schädel und um die Augenhöhlen. Kleidung praktisch unversehrt.

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Effekt von trockener Hitze bei einer Gruppe von Bewohnern eines Luftschutzraumes. Reißen der Haut, des Kopfhaut und um die Augenhöhlen. Kleidung praktisch intakt.

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Ein weiteres nach der Brandbombardierung vom 27. und 28. Juli in den Straßen von Hamburg gefundenes Opfer; Auswirkungen der Hitze. Beachten Sie die Abwesenheit von Kleidung und Anwesenheit von Schuhen.

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Auf seinem Bauch liegenden gefundenes Opfer der Hitze, auf den Rücken gerollt, um die intakte Haut auf der Brust und dem Bauch zu zeigen. Genitalien stark geschwollen. Beachten Sie die starke Verkohlung.

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Körper einer jungen Frau; Hitzetod. Verhärtung der Haut und des unterliegenden Gewebes.

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Schutzraumbewohner. Fortgeschrittenes Stadium der Kremation durch trockene Hitze.

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Ein weiterer Schutzraumbewohner. Fast vollständig verkohlter Körper.

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Ein weiteres Beispiel eines Schutzraumbewohners im fortgeschrittenen Stadium der Verkohlung.

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Datei:US War Dept., US Strategic Bombing Survey, S. 23, B. 18.png
Szene mit der Rettungsarbeiter konfrontiert werden, als sie einige Tage nach dem Angriff einen Schutzraum betraten. Opfer erlagen Kohlenmonoxidvergiftung.

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Quelle: Metapedia

Geschichte einer Kriegswitwe – Schutzengel a.D.

Dies ist die Geschichte einer Kriegerwitwe – stellvertretend für viele Millionen deutscher Frauen – denen es leider ähnlich ergangen ist. Sie alle haben Ehemänner, Brüder, Söhne und Väter verloren, ohne die Hoffnung, das Grab Ihres Angehörigen je finden zu können.

Sie gab sich aber selbst das Versprechen, das Grab ihres gefallenen Mannes zu suchen und es auch nach Möglichkeit zu finden. Sie wurde oft deswegen belächelt – aber sie hat es allen Kritikern gezeigt – was man erreichen kann, wenn man sich von seinem eingeschlagenen Weg nicht abbringen lässt und beharrlich sein Ziel verfolgt. Sie hat ihr Versprechen gehalten…. und das Grab ihres Mannes gefunden…!!!

Hier nun ihre Geschichte:

Schutzengel a.D.

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GESTERN…. das ist schon so lange her…. 16.September 1944.

Aber für mich bleibt es GESTERN…. als 2 Offiziere vom Wehrkreiskommando kamen, und mir sagten, dass mein Mann gefallen sei. Meine Welt brach zusammen. Ich konnte es nicht begreifen, dass nun unser kleiner Sohn und mein Mann nicht mehr lebten. Nur ich allein wusste, was ich verloren hatte. Einige Tage später erhielt ich den letzten Feldpostbrief, 2 Stunden vor seinem Tod geschrieben:

„…sorg` Dich nicht um mich, ich habe ja meinen guten Schutzengel, wie immer, – der mich heil zu Dir zurück führen wird.“

Aber am 16. September war der sonst so zuverlässige Schutzengel außer Dienst … Ich machte das Versprechen, dass ich meinen Mann eines Tages suchen würde. Wie, wo, wann, das stand in den Sternen. Der Krieg ging weiter und zu Ende. Es kam der Dienst beim Roten Kreuz, – Flucht – Bombenangriff auf Dresden – die unrühmliche Geschichte amerikanischer Gefangenschaft und alles war vorbei. Ebenso unser beider Leben und Glück, – Hoffnungen und Pläne, Heimat und gemeinsame Zukunft.

Schutzengel, a. D.

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Es verging kein Tag, an dem ich nicht an meinen Mann dachte. Was ging mir alles immer und immer wieder durch den Kopf? Wie waren seine letzten Minuten? War er gleich tot? Wo haben sie ihn eingescharrt? Er fiel bei Ergli, wurde aber in Indrikeni begraben? Wer hat ihn noch bis dahin gebracht? Wer lebt noch von damals? Hptm. von Daimling? Oblt. Hagerli? Ltnt. Weber? Hptm. Jochen? Oblt. Karn? Obergefr. Minth? Dr. Schultz? Gen.-Lt. Wagener? Oblt. Bidermann? Oblt. Volle? Wen gibt es noch von der 132. I.D. – I.R. 436/437 – Füs.-Btl. 132?

Es ist unglaublich, was man für Gedanken und Gefühle entwickelt. Und unglaublich, was ein Mensch weinen kann. All die Mütter und Frauen haben unsägliches gelitten. Das Leben ging weiter mit all seinen Anforderungen, Freud und Leid in Canada. Leider verlor ich alle Verbindungen zur Familie meines Mannes. Im Jahre 1970 erhielt ich von der Dienststelle WASt nähere Angaben. Mein Mann wäre in einem Reihengrab in Indrikeni, 1,5 km SO Bahnhof Licupe, beerdigt… Nr. 30. Meine Vergangenheit ließ mich nicht zur Ruhe kommen.

In 1999 – 55 Jahre später – begann ich neue Nachforschungen. Sehr erleichtert durch die neue politische Beziehung zwischen Lettland und Deutschland. Wobei der Computer und das Internet die größte Rolle spielte. Ich fand Menschen, die heute meine Freunde sind. Der VDK war überall am Umbetten der Kriegsgefallenen. Da sah ich meine Chance, mehr zu erfahren. Das Erste war, dass ich nach Lettland wollte und den Platz finden, wo mein Mann, zusammen mit anderen Kameraden, in Reihengräbern beerdigt war. Irgendwo, nicht mehr erkennbar… Im September 2001 begann meine Reise in die Vergangenheit…

Es wurde zu einem eingreifenden Erlebnis, welches mein Leben vollkommen verwandelt hat. Niemals vergesse ich den Tag in Indrikeni. Es war der 12. September 2001. Es regnete, schwarze Wolken ließen nur einmal einen Sonnenstrahl auf Indrikeni, es blitzte, es donnerte, es war eine geisterhafte Atmosphäre. Nur wer so etwas erlebt hat, kann es verstehen, da es sich nicht beschreiben lässt. Und da war nun das Feld, kein Grab zu sehen. Aber ich wusste, hier ist es. Wo genau? Ist das nun alles, woran ich mich klammern kann? Nur ein kleiner schwarzer Hund begrüßte mich, was mich ganz seltsam berührte.

Schutzengel, a. D.

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Bevor ich Indrikeni fand, mit Hilfe lettischer Freunde, – zeigte man mir andere Stellen, wo Soldaten liegen, in zugewachsenen Feldern, rund um eine Kirchenruine in Kesterats, in hohen Farnkräutern und so viele, viele Schicksale. Zu viele, – wie heißen sie alle? Haben sie noch Menschen, die nach ihnen suchen? Oder sind sie für immer vergessen von der Welt? Mit meinen Eindrücken beladen, ging ich nun ans Werk.

So stand ich erneut in Verbindung mit dem VDK. Man sagte, es ist eine große Möglichkeit, dass im Frühjahr 2002 in der Ergli-Gegend umgebettet wird. Die Umbettung würde nach Riga oder Saldus auf den Soldatenfriedhof stattfinden. Und das ist ein beruhigender Gedanke, einmal ein gebührendes Grab für meinen Mann zu haben.

Wieder hieß es warten und was ausschlaggebend wird, – eine Identifizierung. Aber nun stellte sich erst einmal heraus, dass trotz der Angaben von der Wehrmacht, es nicht einfach war, die Gräber zu finden. Es waren keine oberirdischen Anhaltspunkte mehr vorhanden. So hieß es wieder warten und fragen, – Menschen, die in der Gegend wohnen. Aber es gibt kaum noch Zeitzeugen. Und einige Male bekam ich die Nachricht: „leider konnten wir wieder nichts finden.“ Ich wollte nicht daran glauben, dass man den Platz nicht finden kann. Soviel Unterlagen und nicht eine Spur, die der Umbettungsdienst finden konnte.

Inzwischen ist es Sommer 2002 geworden und die Nachforschungen in Lettland gehen weiter. An so vielen Stellen wurde sondiert und immer ohne Erfolg. Die Angaben verschiedener Menschen zur evtl. Grablage waren derart unterschiedlich, dass man schon gar nicht mehr wusste, was nun eigentlich richtig ist. Jedes Mal steigt die Hoffnung, um dann wieder in Mutlosigkeit zu fallen. Es ist, als ob mein Mann ein zweites Mal gestorben ist und es gibt keinen Menschen, der an dem Gefühl was ändern könnte. Immer neue Angaben tauchen auf. Der VDK ist aufs Äußerste bemüht. Und wer hätte gedacht, dass trotz all der Angaben, das Auffinden derart schwierig sein würde.

September 2002:
So packte ich abermals meine Koffer. Und es war wieder September – diesmal 2002. Zuerst fand ich in Deutschland 2 Kameraden meines Mannes wieder, von denen ich bisher nichts wusste. Ich besaß das Buch: „…und litt an meiner Seite“, welches Oblt. Bidermann geschrieben hatte. Die Divisionsgeschichte der 132 I.D. Und nun konnte ich ihn und Oblt. Volle kennen lernen. Das waren wunderbare Stunden, all die Geschichten zu hören, die damals die Männer zusammen gehalten hat. Bei dieser Gelegenheit habe ich auch erst erfahren, auf welche Art mein Mann gefallen ist.

Ein Auszug aus dem Buch lautet:

„Wir sind wieder nach langer Zeit bewegter Rückzugskämpfe dem eigenen Regiment 437 unterstellt, das jetzt Major Ochßner, ein alter Haudegen von 436, führt. Er hatte vom tapferen Ausharren des letzten Bataillons von 437 bei ERGLI und auf der Ei-Höhe gehört. Als er den Langen (Oblt. Volle) und mich nach der Ablösung, abgerissen und verdreckt, wie die übrigen 12o Männer des Bataillons, zum Umfallen müde, bei der Kirche in Ergli, in Empfang nahm, da streichelte er uns mit beiden Händen wie kleine Jungen über die unrasierten Wangen und seine Augen sind feucht….“

Und noch ein Auszug:

„Westlich Modohn und bei Ergli stehen Bataillone und Regimenter der 132. I.D. in den letzten Augusttagen im Kampf gegen den zahlen- und materialmäßig weit überlegenen Gegner. Nach diesen Kämpfen muss in Folge der hohen Verluste das Grenadier Regiment 437 aufgelöst werden. Bei ERGLI findet der letzte Kommandeur des Regiments 437, Ritterkreuzträger Major Ochßner am 16. September den Soldatentod. Im Verlauf des Russlandfeldzuges war er achtmal verwundet worden. Kaum von der letzten Verwundung genesen, ereilte auch diesen tapferen und unvergesslichen Offizier das Soldatenschicksal.“

Schutzengel, a. D.

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So ging ich auf den Spuren der 132. I.D., überall, wo die letzten Schlachten stattfanden. In alten Schützengräben, quer durch den Wald, – besuchte jedes Eckchen. Angefangen von der Ei-Höhe, wo eine unglaublich verlustreiche Schlacht damals stattfand.

Den Friedhof in Ergli, wo noch an den Grabmälern die Granateinschläge zu sehen sind. Besuchte Soldatenfriedhöfe – russisch, lettisch, deutsch. Und was für eine unheimliche Anzahl von Toten überall.. Ich besuchte täglich das Feld, wo mein Mann und die 35 Soldaten begraben sind. Aber bisher war eine Sondierung wieder erfolglos. Der VDK verfolgt jede Spur, jede nur mögliche Aufzeichnung, sämtliche Berichte die vorliegen, – alles wird erforscht und meistens mit Erfolg – dann auch sondiert und umgebettet.

Ich war in der Lage, bei einer Exhumierung dabei sein zu können. Es waren Soldatengräber neben einem ehemaligen Lazarett. Dies sollte wohl das tiefgreifendste Erlebnis meiner Reise werden.

Der Bagger hatte angefangen die ersten 50 cm abzuheben. Dann ging es mit Spaten weiter. Als an einer Stelle die Erde nachgab, fing die Handarbeit an. Ein Mitarbeiter vom VDK-Team begann mit Gummihandschuhen und einer kleinen Harke, die Erde von Hand freizumachen. Als er auf Knochen stieß, fing er an den Füssen an alles freizulegen, bis das ganze Skelett friedlich da lag und das 20. Jahrhundert es in Empfang nahm. Er hatte keine Erkennungsmarke, alles war gut erhalten, bis auf eine schwere Kopfverletzung durch eine Granate. Das Gehirn war noch da. Und das ist, was mich so fasziniert hat und verwundert, – dass nach 58 Jahren dieses Organ erhalten war, wenn auch zu Faustgröße verschrumpft. Ein kleiner grauer Plastiksarg nahm jeden einzelnen Knochen auf. Dann wurde noch mit einem Metallsuchgerät das Grab abgesucht. Es fanden sich Uniformknöpfe, Metall-Ösen einer Zeltplane und ein 5 Pfennig Stück… Dabei gingen meine Gedanken in 1000 Richtungen und ich bin nicht in der Lage meine Gefühle zu beschreiben. Das ist einfach ein Erlebnis, wo Worte zu wenig sind,….. ich glaube, ich war in diesen Augenblicken in einer andern Welt….. Alles, was gefunden wurde, wurde registriert. Als Nächster kam ein sehr großer Mensch zum Vorschein. Er hatte einen Lederbrustbeutel, der die Erkennungsmarke enthielt. Seine Zähne hatten Goldplomben und 2 Brücken waren mit Metall verarbeitet. Auch er hatte eine starke Kopfverletzung -aber das Gehirn war wieder da. Der Nächste war nur ein Teil seiner Person. Ihm fehlte ein Bein, das andere hatte noch einen Stiefel an. Eine große Gummibinde zeigte an, dass man ihm die Arterie in der Hüfte abgebunden hatte, der halbe Arm fehlte, sein Kopf war stark verletzt…aber das Gehirn war wieder da. Schulterstücke eines Unteroffiziers der Artillerie – in rot, – Ringe der Zeltplane und eine Erkennungsmarke… Ich dachte an seine Familie, – was werden sie sagen, wenn sie Bescheid bekommen? Ist noch einer da, der an ihn denkt? Was für Leid brachte sein Tod? Und für was?

Und so ging es weiter. Eins nach dem andern. Und da sind noch viele viele mehr, die zurückkommen werden, in ein würdiges Grab, auf einem Soldatenfriedhof, wo manch einer dann noch hoffentlich von seinen Lieben besucht wird. Wie behutsam wurden sie der Welt wieder gegeben und wie friedlich lagen sie in ihren Gräbern.

Jetzt ist es Oktober 2002 und Lettland verfällt langsam in den Winterschlaf. Am Feld, wo mein Mann beerdigt liegt, trafen wir mit Nachbarn und einer Zeitzeugin zusammen, die sich ganz sicher ist, wo die Gräber liegen. Aber selbst für den VDK ist es eine Nadel im Heuhaufen, wenn keine Markierungen oder Anhaltspunkte mehr da sind. Und die Zeit läuft aus, Leute von damals leben kaum noch. Und oft sind die Angaben sehr widersprüchlich. Aber was vom VDK geleistet wird, verdient die höchste Anerkennung. Alles was mir für diesmal übrig blieb, war die Möglichkeit einen Rosenbusch im Topf in die Mitte des Feldes zu stellen. Es war der Todestag, der 16.September…

Schutzengel, a. D.

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Und so sagte ich wieder einmal AUF WIEDERSEHEN. Die Kraniche waren abgeflogen, – die Störche werden im Frühling wieder da sein und die Blumen blühen noch in Indrikeni und es gibt kein besseres Plätzchen um seine letzte Ruhe zu finden. Eine Lettin sagte zu mir, als sie mir eine Rose gab: „Ihr Mann ruht gut in Lettlands Erde“.

Ich versuche immer – meist erfolglos – nach so vielen Jahren eine innere Ruhe zu finden. Langsam bezweifele ich, dass dies jemals möglich sein wird. Die Schatten der Vergangenheit sind ständige Begleiter und der Schmerz bleibt. Nun heist es wieder warten. Im Stillen bereite ich mich darauf vor, dass nichts gefunden wird. Aber die Hoffnung ist doch da… Die kann ich einfach nicht aufgeben…. Und die Zufälle spielen weiter eine Rolle. Und hoffentlich zu meinen Gunsten.
Von einer Nachbarin vom Indrikenihof kam die Nachricht, dass ihre Mutter sich an den Namen des Sohnes vom früheren Besitzer aus der Kriegszeit des Hofes Indrikeni erinnert hat. Sie war diejenige, die mir die trostreichen Worte sagte: „Ihr Mann ruht gut in Lettlands Erde“. Was hab` ich der Mutter zu danken. Es war wie ein Rettungsring in letzter Minute. Er ist nun ein neuer Zeitzeuge und erklärte und zeigte, wo die Gräber wirklich liegen. Und die größte Ironie des Schicksals ist, dass ich vor einem Jahr einen Traum hatte, in dem ich mich mit meinem Mann an dem gleichen Platz traf. Es war der einzige und ein glücklicher Traum nach 58 Jahren – aber das wäre ja nie ein Grund gewesen, an dieser Stelle zu sondieren.

Haben wir berechtigte Hoffnungen, nach all den Jahren und negativen Forschungen? Beruhigende Gedanken für die Weihnachtszeit. Winter überall und Zeit neue Pläne zu schmieden. Ich habe alles vorbereitet für einen Flug nach Riga im April 2003. Langsam wird Lettland mit seinen, mir vertrauten Freunden, zur zweiten Heimat. Ich versuche nun dem Monat April Optimismus entgegen zu bringen. Dies Mal müssen die 35 Männer doch gefunden werden. Und wenn – dann ist wohl eine Reise in 2004 wieder am Plan, denn dann habe ich ein Grab, welches ich besuchen kann, mit einem Stein, auf dem der Name meines Mannes stehen wird. Inzwischen also – Zeit zum Träumen und Hoffen bis zum April 2003.

2003:
Das neue Jahr 2003 hat begonnen und gleich mit umwälzenden Plänen, nämlich mein Umzug vom Osten, in den Westen Canadas, 4700 km und somit noch weiter entfernt von Europa, von Lettland. Aber was sind schon paar Kilometer. Wieder stand ich mit dem VDK Umbettungsdienst in Lettland in Verbindung und mir wurde versichert, dass im April nochmals in Indrikeni sondiert werden wird.

23. April 2003:
So packte ich wieder meine Koffer und war am 23. April 2003 in Riga. Inzwischen war ich von den Sondierungen und Exhumierungen vom Vorjahr, seelisch auf alles gefasst. Dieses Mal muss es wahr werden, es ist die letzte Hoffnung.

24. April 2003:
Am 24. April war ich mit dem VDK-Team in Indrikeni und trotz blauen Himmels war ein eisiger Ostwind ständig am Wehen. Die Störche waren da, aber der Frühling selbst war noch nicht erwacht. Der kleine schwarze Hund begrüßte mich wieder. Und hier muss ich jetzt etwas mehr persönlich meine Eindrücke schildern. Der Bagger begann laut Angaben des letzten Zeitzeugen, etwa 100 Meter vom Hof Indrikeni zu sondieren. Ich stand wie gebannt, doch er kam nach meinem „Traum“ zu weit nach links und wir fanden nichts. Also da aufhören. Das ganze Team suchte einen Kartoffelacker ab, der sich unterhalb der Stelle von der vorjährigen Sondierung befand. Man fand Reste von Knochen und Material, was daraus schließen ließ, dass diese Dinge nicht vom Himmel gefallen waren. Nun fing der Bagger wieder an behutsam seinen Graben zu ziehen und schon nach kurzer Zeit stieß er auf den ersten Toten. So nahe waren wir im letzten Jahr. 5o Meter nur entfernt. Mein Blumentopf vom vorigen Jahr stand immer noch im Feld – verfroren waren die Rosen.

Nun ging alles sehr vorsichtig vor sich. Nach 5o cm Baggerarbeit ging es jedes Mal zur Handarbeit über. Schwerer Lehmboden und die Winterfeuchtigkeit darin, machten es nicht einfacher. Aber gegen Abend hatten wir 11 Soldaten gefunden und bei jeder Erkennungsmarke, die ans Tageslicht kam, blieb mein Herz stehen. Da waren sie alle -schwerverwundet ließen sie ihr Leben. Dabei frage ich mich jedes Mal – für was?

Wieder befand ich mich in einer andern Welt, mit Gedanken, die kein Mensch begreifen kann, wenn er nicht persönlich mit diesen Ereignissen verbunden ist. Es wurde spät und wir mussten für den Tag abbrechen.

25. April 2003:
Früh ging es wieder raus nach Indrikeni. Über Nacht kamen noch per E-Mail aus Kassel vom VDK und aus Berlin, Angaben und Verzeichnisse über die Gräber in Indrikeni. Bisher war das unbekannt. Es sollten also 38 Gräber laut neuesten Angaben sein. So wurde fortgesetzt, was wir am Vortag beendet hatten. Wieder war es ein eisiger Wind und ich fror innen und außen und die Erwartung spannte meine Nerven auf das Höchste. Alles ging mit äußerster Vorsicht vonstatten. Die so erfahrenen Mitarbeiter knieten in den Gräbern, um die Toten freizulegen. Das war Handarbeit im wahrsten Sinn. Und alles wurde registriert und liebevoll kam jeder Soldat in eine kleine Sargschale. Da kamen Stiefel, Sporen, Uniformreste, Verbände und kleine persönliche Besitztümer ans Tageslicht. Jede Schale wurde in einen blauen, nummerierten VDK-Plastiksack verpackt.

Indessen waren wir bei Grab 29 angelangt. Im nächsten sollte mein Mann sein. Der Umbettungsleiter stieß auf dicke Holzbohlen und es wurde gewahr, dass es sich um einen Sarg handelte. Als er ihn mehr ausgrub, war plötzlich viel Wasser im Graben, welches wohl des Sarges wegen nicht abfließen konnte. So wurde es erst etwas abgelassen, um daran arbeiten zu können. Nun wäre es an mir gelegen, mich abzuwenden, aber keine Macht der Welt hätte mich mehr von dem Platz wegbekommen. Seit dem 16. September 1944 wollte ich meinen Mann wieder haben. Ich wusste, was mich erwarten würde. Was ich nicht wusste bis zu diesem Augenblick, war, dass man ihn mit allen Ehren, in einem schweren Eichensarg begraben hatte. Das Holz war erhalten, lediglich der Deckel war eingefallen. Eichenlaub und Birkenzweige lagen außen und innerhalb des Sarges. Er hatte noch Socken an.

Ich stand am Grab und mit mir saß der kleine, schwarze Hund vom Hof, mit dem mich vom ersten Jahr eine besondere Freundschaft verband. Er sah abwechselnd ins Grab und dann mich an und in all der unheimlichen Trostlosigkeit war es gut, ihn neben mir zu haben. Er schien das alles zu verstehen. Handvoll für Handvoll wurde alles freigelegt, dann kam die Erkennungsmarke und sie bestätigte, es war mein Mann: Major Heiner Ochßner. Die Schulterstücke waren noch unversehrt, ein Teil Riemen der Pistolentasche, ein paar Metallfäden der Kragenspiegel und viele Verbände. Letzteres etwas unerklärlich, da er sofort tot war als er fiel und man gewöhnlich einem Toten keine Verbände mehr anlegt. Sein Kopf war in Verbänden, denn das war seine tödliche Verletzung. Und es linderte den so unendlich traurigen Anblick. Ich brauchte nicht in ein totes Gesicht zu sehen.

Da ich keine Worte mehr finde, um meine Gefühle zu beschreiben, möchte ich nur noch sagen, dass ich dann Abschied nahm. Gerne hätte ich noch Stunden neben dem kleinen Sarg verbracht. Es war der Höhepunkt, meinen Mann zu finden, aber unser Wiedersehen auch der Tiefste.

Schutzengel, a. D.


Nächsten Tag wurden noch 6 Tote geborgen und 2 scharfe Handgranaten, welche später von der lettischen Heimwehr zur Detonation gebracht wurden.

Das war nun das Ende meiner 3-jährigen Suche und ich bin sehr froh darüber, dass noch so viele Kameraden gefunden wurden. Nur 4 hatten keine Erkennungsmarke. Sie alle werden die nächsten Wochen in kleinen weißen Särgen nach RIGA-BEBERBEKI, auf den Soldatenfriedhof überführt. Dort finden sie dann ihre letzte Ruhe und es werden sich vielleicht noch Angehörige finden, die bislang vergeblich gesucht haben.

Ich selber kann dann endlich an einem Grab stehen, worauf ich so unendlich lange gewartet habe. Und meine lettischen Freunde werden dafür sorgen, dass er immer Blumen am Grab haben wird.

Noch ist alles so unwahrscheinlich, aber ich hoffe doch, dass der innere Friede kommen wird. Und wäre es nicht für all die Mühe des VDK`s gewesen und der Freunde in Lettland – der Hilfe, ich hätte meinen Mann nie wieder gesehen. Dafür bin ich für immer dankbar. Mir bleiben schöne Erinnerungen, Bilder und Geschichten aus unserem gemeinsamen Leben, Angehörige die mir vertraut sind und Freunde, auf die man bauen kann…

Dorle Ochssner

Canada, 6. Mai 2003

Schutzengel, a. D.
Indrikeni ……………….WO????????

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Letzte Ruhestätte
Letzte Ruhestätte auf dem neuen Soldatenfriedhof in Riga – Beberbeki. Mai 2003

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Quelle: Kurland-Kessel

Gerhard Liebsch (17 J.) – Blutzeuge der Bewegung

Gerhard Liebsch (Lebensrune.png 3. Dezember 1913; Todesrune.png 26. Mai 1931 in Dühringshof (Brandenburg)) war ein deutscher Widerstandskämpfer gegen die Weimarer Republik und ein Blutzeuge der nationalsozialistischen Bewegung.

https://i2.wp.com/de.metapedia.org/m/images/9/96/Gerhard_Liebsch.jpg

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Pfingsten 1931. Darauf hat sich Gerhard Liebsch schon lange gefreut: in den Feiertagen mal heraus zu können aus dem Steinhaufen der Prenzlauer Straße in Berlin. Zum Bruder wird er fahren, nach Dechsel, in der Landsberger Gegend. Nun endlich ist es so weit. Mit der ganzen Kraft seiner fast achtzehn Jahre freut er sich des strahlenden Frühlings. Und dann was besonders Feines: am zweiten Feiertag, dem 26. Mai, geht’s mit dem „großen“ Bruder, dem SA-Mann, hinüber ins benachbarte Dühringshof, da hat der Fußballverein seinen großen Tag. Nach dem Spiel sind sie im Vereinslokal zusammen, alles lustige, frische Jungen, und gesungen wird und musiziert, da macht der junge Gerhard aus ganzem, frohem Herzen mit. Am Abend plötzlich johlt und rempelt es von draußen herein. Rote Sportler, aufgepasst! Ehe man recht weiß, was los ist, war eine wüste Schlägerei im Gange. Gerhard Liebsch trägt sein HJ-Abzeichen, auf ihn haben sie es besonders abgesehen. Er aber wehrt sich mit beiden Fäusten und hilft mit, die Roten zum Saal hinauszuprügeln, trotz ihrer Übermacht. Um weitere Hilfe zu holen geht Gerhard Liebsch allein hinaus. Er kommt nicht wieder. Ehe er einen Laut herausbringt, bohrt sich der Dolch ihm ins Herz. Sterbend liegt er am Boden, als seine Mörder auf ihn eintreten, anspeien und den wehrlos Wunden verhöhnen. Dann fliehen sie. Gerhard Liebsch stirbt im Alter von siebzehn Jahren. Einer der kommunistischen Mörder wird verurteilt, nach 1 1/2 Jahren kommt er wieder frei. Erst 1933 gelang die völlige Aufklärung des Mordes.

Der junge Sturmtrupp“ berichtet über den Mord:

„Ungesühnter Mord! In der Nacht vom 26. Mai wurde der Hitler-Junge Gerhard Liebsch von Marxisten in bestialischer Weise ermordet. Im Dezember fand die Gerichtsverhandlung in Landsberg a.d.W. statt. Angeklagt waren die Marxisten Siepelt und Rudolf. Die Ermordung selbst konnte den Angeklagten nicht restlos bewiesen werden. Jedoch konnte nachgewiesen werden, daß die beiden Angeklagten den Hitler-Jungen, nachdem er mit einem 16 Zentimeter langen Dolch niedergestochen war und sich in seinem Blute auf der Erde wälzte, in viehischer Weise mit den Füßen traten und zertrampelten.“

Die Zeitung Der Angriff berichtete ebenfalls:

„Ein Hitlerjunge erdolcht! Die Leiche angespien.“

Der Grabstein in Landsberg an der Warthe trägt den Spruch:

„Sein Opfertod galt der Freiheit der Nation.“

In Pfaffenhofen wird eine Straße nach Gerhard Liebsch benannt.

Am 29. 11. 1936 weihte die NSDAP einen Gedenkstein für fünf Blutzeugen in Berlin ein. Ein Name auf diesem Stein lautete Gerhard Liebsch. Die Gedenkstätte lag bis zur vorübergehenden „Befreiung“ im Jahre 1945 gegenüber dem Horst-Wessel-Haus in der Prenzlauer Straße 62.

Sein Name wurde in die Liste der Unsterblichen Gefolgschaft der Hitlerjugend aufgenommen.

Datei:Gebietsführerschule Gerhard Liebsch.jpg
Cottbus – Gebietsführerschule I Mark Brandenburg „Gerhard Liebsch“ – Feierraum

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https://i2.wp.com/de.metapedia.org/m/images/a/af/Frz.1933-08-19r1.01_%28Morde_an_Liebsch_und_Seidlitz%29.jpg
Die Freiburger Zeitung vom 19. 8. 1933 über die Aufklärung der Morde an Gerhard Liebsch und Gustav Seidlitz

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Quelle: Metapedia

Der unbekannte 80er – eine Erzählung

Vorwort

Jeder Tote im Krieg hat seine eigene Geschichte. Nicht jeder ist ein Held, gar mancher ist einen stillen Tod gestorben. Es wäre daher eine Herabsetzung aller anderen, würde man das Schicksal eines bestimmten Einzelnen höher bewerten als das aller Anderen. Dies soll diese Erzählung auch nicht bezwecken.

Sie soll viel mehr als Beispiel dafür stehen, welche rätselhaften Dinge an das Tageslicht treten können, n a c h d e m ein Soldat gefallen ist, und wie kleine, zuerst unbedeutende Episoden auf einmal eine ganz andere Bedeutung bekommen können. Der Schwerpunkt soll daher nicht so sehr auf dem militärischen Teil der Geschichte liegen – er dient quasi nur als eine Rahmenhandlung – sondern auf dem rätselhaften Schicksal, das sich hinter einem Menschen verborgen hat und noch verbirgt.

Diese Erzählung stammt aus der Regimentsgeschichte des Landwehr-Infanterie-Regiments Nr. 80. Das Buch ist 1937 im Matthias-Grünewald-Verlag in Wiesbaden erschienen, der Autor ist Dr. Fritz Spandau.

…..

Die Geschichte

Oberleutnant d.L. Sauer von der 8. Kompagnie des Landwehr-Infanterie-Regiments Nr. 80 war am 23./24. Februar 1915 mit einer stärkeren Patrouille am Bernhardstein, 600 m südlich vom Col de Ste. Marie, gegen die feindliche Stellung vorgegangen. An der Patrouille nahmen teil: Uffz Neujochs mit den Wehrmännern Zurnieden, Millemann und Butschkau, Uffz Haus mit den Wehrmännern Bewerunge, Lamberti und Fischer, Uffz Martin, Gefr. Sönnecken und Wehrmann Heydecker. Von den Teilnehmern wurde Wehrmann Zurnieden durch einen Bauchschuss schwer verwundet. Nur mit größter Anstrengung gelang es, den Verwundeten Kameraden zurückzubringen und ins Feldlazarett nach Markirch schaffen zu lassen, wo er leider trotz der sorgsamsten Pflege seinen Verletzungen erlag. Über das eigenartige Schicksal, man möchte sagen Rätsel dieses Menschenlebens berichtet nachstehend Oberleutnant Sauer:

..glzurn
Auszug aus der Verlustliste des LdwInfReg Nr. 80

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„Zwei Tage später brachte unser Bataillons-Kommandeur Major Ulfert dem schwerverwundeten Kameraden Zurnieden das Eiserne Kreuz 2. Klasse in das Feldlazarett nach Markirch. Ich selbst wurde an demselben Tage abkommandiert zu einem Handgranatenkursus und besuchte unseren tapferen Zurnieden ebenfalls im Lazarett. Als er mich sah, erkannte er mich sofort und redete mich mit meinem Dienstgrad und Namen an. Der ihn behandelnde Stabsarzt und die Krankenschwester wunderten sich darüber, da er vor einer Stunde seinen Bataillons-Kommandeur, der ihm das Eiserne Kreuz brachte, nicht erkannt und ihm auf seine Frage keine Antwort gegeben hatte.

Ruhig und zufrieden lag er in seinen Kissen. Er drückte mir die Hand und legte sie auf sein Eisernes Kreuz, das an seiner Bettdecke angeheftet war. Im Flüsterton sagte er zu mir folgendes:

„Die Schwester soll das Eiserne Kreuz unten an die Füße auf ein Kissen stecken, damit ich es immer sehen kann!“

 Dieses wurde sofort ausgeführt, seine schon umflorten Augen leuchteten wieder auf und sein Gesicht überzog ein zufriedenes Lächeln. Ich sprach ihm guten Mut zu, nahm Abschied von ihm und sah, wie sein Blick mir folgte, bis ich in der Tür stand und ihm nochmals zuwinkte. Ich wusste, dass ich ihn nicht mehr wiedersehen würde. Als ich nach zehn Tagen von dem Kursus aus St. Blaise zurückkam, lag Zurnieden schon auf dem Friedhof in Markirch. Ich brachte ihm eine Blume auf sein Grab, bevor ich wieder hinauf in Stellung ging.

..markirch
Der frühere Militär-Ehrenfriedhof in Markirch

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Von der Kompagnie ging die Meldung über den Heldentod des Wehrmanns Zurnieden an seine in der Stammrolle angegebene Heimatbehörde, einem kleinen Städtchen in Westfalen. (Anm.: es handelt sich um den Ort Letmathe) Doch bald darauf kam die Meldung zurück, dass der Name Zurnieden dort unbekannt und auch nirgends in den Standesamtslisten oder Kirchenbüchern verzeichnet wäre. Eine Umfrage bei seinen ihm am nächsten stehenden Kameraden in der Kompagnie konnte über die Heimat und den Geburtsort des gefallenen Wehrmanns Zurnieden keine Auskunft geben. Ich selbst hatte mich dann bemüht, in dieses Dunkel Licht zu bringen und konnte folgendes feststellen:

Als zu Anfang August 1914 nach der Mobilmachung die Reservisten und Landwehrleute zu ihren Gestellungsorten eilten, zog auch ein Trupp Gestellungspflichtiger in heiliger, vaterländischer Begeisterung ihre alten Soldatenlieder singend, die Landstraße dahin nach ihrem Garnisonsort Wiesbaden. Unterwegs kamen sie an einem Landstreicher vorbei, der lässig im Straßengraben saß und seinen Hut den Vorüberziehenden zur Begrüßung entgegenschwang. Die vordersten Gruppen machten ihre Witze über den schon älter aussehenden, aber trotzdem mit vollen roten backen dasitzenden „Speckjäger“. Als die Mitte des Trupps an ihm vorbei war, sprang er behend auf, riss die Hacken zusammen, machte mit seinem Knotenstock „Gewehr über“, dann den Präsentiergriff und rief:

„Jawohl, ich war auch Soldat, meine Kameraden!“

Als der Trupp vorbei war, ahmte er vorschriftsmäßig mit seinem Stock „Gewehr ab“ nach und meldete sich bei dem schließenden Gefreiten in soldatischer Haltung mit den Worten „Zur Stelle!“ Der Gefreite befahl ihm kurz militärisch: „Eintreten!“ Der Landstreicher war eingereiht in die marschierende Kolonne der Vaterlandsverteidiger, aber auch in die Reihen der Todgeweihten. In Wiesbaden lieferte der führende Unteroffizier (Anm.: der den Vorgang wohl gar nicht mitbekommen hatte) einen Mann mehr ab, als ihm vom Bezirkskommando in Höchst am Main übergeben war.

Bei der Einteilung auf die Kompagnie kam dieser Trupp zur 2. Kompagnie Ersatzbataillon Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 80. Hier stellte es sich heraus, dass ein Mann seinen Militärpass nicht abgegeben hatte. Unser „Speckjäger“ trat vor die Front und gab an, dass er seinen Pass verloren hätte. Der Kompagnieführer, ein Gardehauptmann d.R., im Zivilberuf Oberregierungsrat, befahl dem Unvorsichtigen einzuterten, er soll sich besinnen, wo er den Pass verloren hätte, damit Nachforschungen angestellt werden könnten. Der Kompagniefeldwebel notierte sich den Fall, um beim zuständigen Bezirkskommando die Überweisungsnationale anzufordern. Bei der Aufnahme in die Kriegstammrolle konnte sich der Feldwebel nur auf die eigenen Angaben des Mannes stützen. Er nannte seinen Namen, Geburtsort und sonstige erforderliche Personalangaben. Der Wehrmann Zurnieden wurde mit seinen anderen Kameraden eingekleidet, tat unter diesem Namen Dienst und rückte mit dem ersten Ersatz im September 1914 zum Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 80 ins Feld.

Wehrmann Zurnieden war dann einer der Tapfersten der 8. Kompagnie und gab sein Leben für sie.

In Reih und Glied, bei seinen anderen gefallenen Kameraden, schläft Wehrmann Zurnieden auf dem Soldatenfriedhof in Markirch, als unbekannt gebliebener 80er.

Aber wer kennt seinen Namen, seine Heimat? Oft hat er erzählt, von seinen Fahrten in Indien, Sumatra und Afrika. Seinen richtigen Namen hatte er sicher nicht angegeben, ob es stimmte, weiß ich nicht, seine Lippen sind verschlossen für immer, er nahm ein Geheimnis mit in sein Heldengrab.

Bei uns allen, die ihn kannten, lebt er fort in treuem Gedenken als der tapfere Kamerad Zurnieden von der 8./LdwInfReg 80.“

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Nachwort

Sucht man im Jahre 2003 in dem Register des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. nach dem Namen „Zurnieden“, so erhält man folgenden Auszug:

Nachname: Zurnieden
Vorname: Heinrich
Dienstgrad: Wehrmann
Geburtsdatum:
Geburtsort:
Todes-/Vermisstendatum: 02.03.1915
Todesort:

Heinrich Zurnieden ruht auf der Kriegsgräberstätte in Ste.-Marie-aux-Mines (Frankreich) Endgrablage: Block 2 Grab 95).

..stmarie
Der Friedhof in Markirch (Ste.-Marie-aux-Mines)
im Jahre 2003

Wehrmann Zurnieden ruht also noch heute in seinem Grab aus dem Jahre 1915 in Ste.-Marie-aux-Mines, dem damaligen Markirch. Sein Geheimnis ist nie gelüftet worden.

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Quelle: Deutsche Kriegsgeschichte

Hans Philipp, Oberstleutnant der Luftwaffe, gest. am 8. Oktober 1943

Hans Philipp (* 13. März 1917 in Meißen; † 8. Oktober 1943 in Neuenhaus, Holland) war ein deutscher Luftwaffenoffizier (zuletzt Oberstleutnant) und Jagdflieger im Zweiten Weltkrieg.

Datei:Hans Philipp.jpg

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Vorkriegszeit

Hans Philipp absolvierte 1935 sein Abitur. Als privater Segelflieger trat er im April 1936 als Offiziersanwärter in die Luftwaffe ein. Am 1. Januar 1938 zum Leutnant befördert, wurde er Jagdflieger in der I. Gruppe des Jagdgeschwaders 76.

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Zweiter Weltkrieg

Am 5. September 1939 errang er über Polen seinen ersten Luftsieg. Über Frankreich errang er fünf weitere. Im August 1940 wurde er als Oberleutnant Kapitän der 4. Staffel. Nach 20 Luftsiegen wurde er am 22. Oktober 1940 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Anfang 1941 flog er über dem Balkan und ab Juni 1941 über Rußland. Nach seinem 62. Luftsieg wurde er am 24. August 1941 mit dem Eichenlaub ausgezeichnet. Ende 1941 wurde er zum Hauptmann befördert und im Februar 1942 Kommandeur der I. Gruppe. Nach seinem 86. Luftsieg erhielt er am 12. März 1942 als Hauptmann die Schwerter verliehen. Am 31. März 1942 gelang ihm als 4. Jagdflieger sein 100. Luftsieg, seinen 150. Luftsieg errang er am 14. Januar 1943 und seinen 200. Luftsieg am 17. März 1943. Am 1. April 1943 wurde er zum Major befördert und Kommodore des Jagdgeschwaders 1. Am 1. Oktober 1943 erfolgte seine Beförderung zum Oberstleutnant. Am 8. Oktober 1943 wurde er bei der Abwehr eines starken Bomberangriffs auf Bremen abgeschossen. Es gelang ihm, aus seiner Maschine auszusteigen, aber der Fallschirm öffnete sich nicht. Insgesamt hatte er 206 Luftsiege errungen.

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Auszeichnungen
  • Eisernes Kreuz (1939) II. und I. Klasse
  • Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und Schwertern
    • Ritterkreuz am 22. Oktober 1940
    • Eichenlaub am 24. August 1941 (33. Verleihung)
    • Schwerter am 12. März 1942 (8. Verleihung)
  • Deutsches Kreuz in Gold am 18. Juni 1942

Datei:PhillippHans LW Major RK EL.JPG


Quelle: Metapedia