Deutsches Bekenntnis

Ein Deutsches Bekenntnis ist das klare vaterländische Bekenntnis zum Deutschtum und zur germanisch-deutschen Blutabstammung und/oder Gesinnung, unabhängig von der offiziellen Verwaltungseinheit der deutschen Staaten und den politisch-territorialen Grenzen des aktuellen Staatsgebildes.

„Und es mag am deutschen Wesen einmal noch die Welt genesen!“ Auszug aus dem Gedicht „Deutschlands Beruf“ von Emanuel Geibel

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Österreich

In Österreich, auch Deutschösterreich oder Ostmark genannt, werden Personen, die sich offen zu ihrem Deutschsein und Deutschtum bekennen, als Deutschnationale bezeichnet.

„Auch in unserer Brust schlägt ein stolzes deutsches Herz und niemandem räumen wir das Vorrecht ein, deutscher zu empfinden als wir. […] Österreichs Krieger reichen durch mich Preußens tapferem Heer die Hand zum Schutze deutscher Freiheit, deutscher Größe und vor allem deutscher Einigung durch alte deutsche Treue und Tapferkeit.“ 

– Feldmarschall Joseph Graf Radetzky von Radetz in Beantwortung einer Huldigungsadresse der königlich preußischen Garde (Gratulation und die Betonung eines „österreichischen“ Sieges der Offiziere) nach der Schlacht bei Novara 1849 –

„Ich verstehe ja die Deutschen, bin ganz für sie, ich bin doch selbst ein Deutscher.“ 

–  Karl der Erste, Kaiser von Österreich, 1917

Ich fühle bis zu einem gewissen Punkte eine Befriedigung darüber, daß das blaguirende Franzosentum eine derbe Lektion erhalten, daß Deutsche es waren, die sie gegeben, daß Deutsche es sind, die fortan eine große Rolle in Europa spielen werden.“ 

– Admiral Wilhelm von Tegetthoff –

„Von allen Idealen ist mir nur mehr eines geblieben: Meine Nationalität. Diese lasse ich mir nicht rauben. Ich war, bin und bleibe ein Deutscher. Niemand wäre glücklicher als ich, unsere alte Monarchie – wie sie war – wieder erstehen zu sehen. Leider muß ich diese Möglichkeit bezweifeln und perhorresziere jede Kombination, in der Fremdnationale uns Deutschen den Strick um den Hals legen oder uns zwingen würden, gegen Deutsche zu kämpfen. Es ist Zeit, daß wir Deutsche Österreichs uns darauf besinnen, daß wir Deutsche sind.“ 

– Franz Graf Conrad von Hötzendorf –

„Wir sind in Wien, dem glücklichen Sitze […] einer Nation, die darauf stolz ist, daß sie eine deutsche Nation ist.“ 

– Josef Freiherr von Sonnenfels, 1770 –

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„In Treue fest“; Kaiser Wilhelm II. und Kaiser sowie deutscher Fürst Franz Josef I., Ölgemälde von E. Bieler, Berlin um 1910

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Schweiz

In der Schweiz leben hauptsächlich vier Nationalitäten, wobei die Deutschschweizer die Mehrheit bilden. Deutsche, Franzosen, Italiener und Rätoromanen sind gleichberechtigte Bürger. Sie bilden die Schweizer Staatsnation, nichtsdestoweniger gehören die Deutschschweizer der deutschen Kulturnation an. Das Bekenntnis zum Deutschtum in der Schweiz ist seit dem Zweiten Weltkrieg stark tabubehaftet, der „politisch-korrekte“ Zeitgeist versucht gar, das Adjektiv „deutschschweizerisch“ reduktionsartig als ausschließliche Spracheinheit oder Sprachregion (Deutschschweiz/deutsche Schweiz) darzustellen. Die Fakten jedoch sprechen für sich:

„Die Schweizerische Eidgenossenschaft ist ein oberdeutscher Staat. Im Norden wird sie von der BRD und Elsaß-Lothringen, im Osten von Deutschösterreich und Liechtenstein, im Süden von Italien und im Westen von Frankreich begrenzt. Bis in das 18. Jahrhundert wurde die Schweiz offiziell als Alter Bund Oberdeutscher Lande bezeichnet.“

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Politisch-kulturelles Bekenntnis

  • VdU (aufgelöst):

Nach dem Krieg erfolgte die erfolgreiche Reorganisation des Dritten Lagers Österreich. Der Deutschnationalismus diente als einigendes Band der verschiedenen im Verband vertretenen Positionen. 1955 ging der Verband in der FPÖ auf.

  • FPÖ:

Ein zentraler Traditionsbestandteil der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) ist das Bekenntnis zur „deutschen Sprach- und Kulturgemeinschaft“.

  • DFDKK:

Das Demokratische Forum der Deutschen im Kreis Kronstadt bekennt sich öffentlich zu unserer „deutschen Sprach- und Kulturgemeinschaft“.

  • Burschenschaft/Korporation:

Die meisten österreichischen Burschenschaften sind in der pflichtschlagenden Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG) organisiert, zu der 43 Burschenschaften gehören, die überwiegend der Deutschen Burschenschaft (DB) und der Deutschen Burschenschaft in Österreich (DBÖ) oder dem Conservativen Delegierten Convent der fachstudentischen Burschenschaften in Österreich (CDC) angehören. Diese national-freiheitlichen Studentenverbindungen bekennen sich ausnahmslos zur deutschen Volksgemeinschaft. Dies gilt auch für Deutsche Burschenschaften im Ausland, z. B. in Südamerika.

„Wir Burschenschafter haben uns im Jahre 1817 entschieden, einen ganz bestimmten Vaterlandsbegriff für unsere politischen Ziele zu definieren. Es geht darum, daß wir die deutsche Kultur, die deutsche Sprache und unser Bekenntnis zum Deutschtum ohne Rücksicht auf politische Grenzen verwirklichen können, jedoch diese Umsetzung ohne Änderung politischer Grenzen erfolgen muß. Das klar zu machen, wenn wir von einem deutschen Vaterland reden, das zu vermitteln und nicht Mißverständnisse herbeizuführen, ist unsere Aufgabe. In diesem Sinne: Heil Deutsche Burschenschaft!“ 

— Dietrich Helmel aus Linz, Mitglied der Innsbruck-Akademischen Burschenschaft Brixia, Begrüßungsrede am Festakt auf der Wartburg zum Beginn des Burschentages, 2007

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Deutsche Burschenschafter in der einstigen deutschen Reichsstadt Prag, um 1900

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Rechtsbestand des Bekenntnisses

Hans Globke in einem Schreiben an das Reichsinnenministerium vom 15. März 1934, in dem er den Einbezug Nicht-Deutscher in die Kategorie des „deutschen Volkszugehörigen“ rechtfertigte:

„(…) Ein Germanisieren liegt aber meines Erachtens dann nicht vor, wenn ein nichtdeutscher Volksteil oder einzelne seiner Angehörigen aufgrund etwa ihrer Überzeugung von der Höherwertigkeit deutscher Kultur freiwillig im deutschen Volkstum aufgehen und seine Kultur aufnehmen wollen. […] So ist […] das deutsche Volkstum als so kräftig anzusehen, daß es Teile fremden Volkstums arischer Rasse, die sich gesinnungsmäßig zu ihm bekennen, ohne Schaden aufnehmen kann.“

Juristische Definition des Begriffs „deutscher Volkszugehöriger“ vom 30. August 2001 (§ 6 des Bundesvertriebenengesetzes):

(1) „Deutscher Volkszugehöriger im Sinne dieses Gesetzes ist, wer sich in seiner Heimat zum deutschen Volkstum bekannt hat, sofern dieses Bekenntnis durch bestimmte Merkmale wie Abstammung, Sprache, Erziehung, Kultur bestätigt wird.

(2) Wer nach dem 31. Dezember 1923 geboren worden ist, ist deutscher Volkszugehöriger, wenn er von einem deutschen Staatsangehörigen oder deutschen Volkszugehörigen abstammt und sich bis zum Verlassen der Aussiedlungsgebiete durch eine entsprechende Nationalitätenerklärung oder auf vergleichbare Weise nur zum deutschen Volkstum bekannt oder nach dem Recht des Herkunftsstaates zur deutschen Nationalität gehört hat. Das Bekenntnis zum deutschen Volkstum oder die rechtliche Zuordnung zur deutschen Nationalität muss bestätigt werden durch die familiäre Vermittlung der deutschen Sprache. Diese ist nur festgestellt, wenn jemand im Zeitpunkt der Aussiedlung aufgrund dieser Vermittlung zumindest ein einfaches Gespräch auf Deutsch führen kann. Ihre Feststellung entfällt, wenn die familiäre Vermittlung wegen der Verhältnisse in dem jeweiligen Aussiedlungsgebiet nicht möglich oder nicht zumutbar war. Ein Bekenntnis zum deutschen Volkstum wird unterstellt, wenn es unterblieben ist, weil es mit Gefahr für Leib und Leben oder schwerwiegenden beruflichen oder wirtschaftlichen Nachteilen verbunden war, jedoch aufgrund der Gesamtumstände der Wille unzweifelhaft ist, der deutschen Volksgruppe und keiner anderen anzugehören“.

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Deutschtum in Polen, 1939–1945

Am 24. April 1940 legte der Chef des Amtes des Generalgouverneurs (Amtssitz: Krakau), Staatssekretär Dr. Joseph Bühler, die Grundsätze für das Verhalten der Deutschen in Polen fest:

„Die Dienstleistung in Polen ist Dienst im Feindesland und erfordert von uns Deutschen daher eine besonders verantwortliche Haltung auch außerhalb des Dienstes, die sich stets bewußt ist, daß jeder einzelne gegenüber dem Feindvolk die Ehre und Würde des Deutschen Reiches zu vertreten hat. Der Generalgouverneur macht die Beachtung nachstehender Richtlinien für alle Angehörigen seiner Verwaltung zur strengsten Dienstpflicht:

1) Das Bekenntnis zum Deutschtum hat jeder Deutsche, wo es auch immer sei, offen abzulegen. Nicht uniformierte männliche und weibliche Gefolgschaftsmitglieder haben stets die Abzeichen der Partei oder der Gliederungen, denen sie angehören, sichtbar zu tragen. Der verstärkte Zusammenhalt aller Deutschen äußert sich in ständiger Kameradschaft und Hilfsbereitschaft. Der sichtbare Ausdruck unserer Gemeinschaft ist die Grußpflicht aller Uniformierten und der Amtsangehörigen mit dem Deutschen Gruß.

2) Feindesland erfordert erhöhte Wachsamkeit. Größte Vorsicht ist im Ge­spräch über Dienstangelegenheiten dringendst geboten. Nur äußerste Sorgfalt kann die Ausweispapiere vor schwerwiegendem Mißbrauch bewahren. Insbesondere gefährdet Trunkenheit die notwendige Wachsamkeit und schädigt darüber hinaus das Ansehen des deutschen Beamten schlechthin. Sie st ein schwerer Verstoß gegen die Manneszucht. Feindesland erfordert besondere körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Die gebotenen Gelegenheiten zur Ausbildung im Waffengebrauch und in Leibesübungen sind daher von allen voll zu nützen.

3) Das Deutschtum im Generalgouvernement Polen untersteht als geschlossene Einheit in allen seinen Äußerungen, bei der Arbeit, beim Sport und beim gesellschaftlichen Verkehr dem Gesetz der nationalsozialistischen Weltanschauung. Diese Einheit setzt sich klar von ihrer Umwelt ab. Einen gesellschaftlichen Verkehr mit Polen oder Juden beiderlei Geschlechts wird jeder Deutsche von sich aus als selbstverständlich zurückweisen. Würdelos und gesundheitsgefährdend sind insbesondere intime Beziehungen zwischen deutschen Männern oder Frauen mit Angehörigen des Feindvolkes. Jede Gelegenheit zum Anknüpfen von Verbindungen zwischen Deutschen und Polen oder Juden (gemeinsamer Tanz, Annehmen von Einladungen, gemeinschaftliches Benutzen von Tischen) ist daher zu vermeiden.

4) Auch in Glaubensangelegenheiten ist diese Trennung unbedingt zu bewahren. Es stehen den Deutschen aller Bekenntnisse deutsche Seelsorger jederzeit zur Verfügung. Es ist mit der Haltung eines seiner Ehre bewußten Deutschen nicht vereinbar, daß Gottesdienste oder gottesdienstliche Handlungen irgendwelcher Art besucht werden, an denen polnische Geistliche beteiligt sind. Dies gilt insbesondere für Beichte bei polnischen Geistlichen.

Deutscher, zeige in Deinem Gesamtverhalten, daß Du der Aufgabe, die Dir der Führer mit Deiner Berufung nach Polen gestellt hat würdig bist.“

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Deutsches Bekenntnis-Kreuz

Die Allgemeine Deutsche Volksgemeinschaft (auch als Deutscher Volksorden bekannt; Dachverband deutsch-völkischer und nationalistischer Verbände in den 1920er Jahren) verlieh das Deutsche Bekenntnis Kreuz (ca. 1920–1936), dies konnte durch Vorschlag oder Stiftung erfolgen. Die Allgemeine Deutsche Volksgemeinschaft war ein Organ, das im Ausland befindliche deutsche Volksgemeinschaften betreute und Deutschtum förderte, wie das schon der „Deutsch Bund“ seit 1894 tat.

Klassen

  • I. Klasse: mit Schwertern
  • II. Klasse: ohne Schwerter
    • … beide Klassen mit unterschiedlichen Bändern für die Ordensschnalle.
  • ggf. gab es ein Komturkreuz

Gestaltung

Vorderseite:

Das Mittelschild Gold bordiert, mit roter Glasemaille, darunter eine durchscheinende Schraffur, darauf die goldene dreizeilige Schrift: −TREU− / −DEM− / −VATERLAND−.

Rückseite:

Glatt vergoldet ohne Emaille, mittig erhöht eine Kreislinie, darin die dreizeilige Schrift: −DEUTSCHES− / −BEKENNTNIS− / −KREUZ−, oberhalb und unterhalb der Schrift mittig ein fünfstrahliger Stern.

Deutsches Bekenntnis Kreuz der Allgemeinen Deutschen Volksgemeinschaft, II. Klasse, Vorderseite

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Bekannte Persönlichkeiten

Bekannte Persönlichkeiten, welche sich zum „Deutschsein“ bekannt haben (Auswahl):

  • Friedhelm Busse
  • Kaiser Franz Joseph — „Ich bin der Kaiser Österreichs, ein deutscher Fürst.“
  • Gerhard Frey
  • Emmanuel Geibel
  • Magda Goebbels
  • Andreas Hofer
  • Kaiser Karl der Erste
  • Gottfried Küssel
  • Andreas Mölzer
  • Wolfgang Amadeus Mozart
  • Ursel Peter
  • Feldmarschall Radetzky
  • Karl Renner — „Österreich bleibt deutsch!“
  • Bundeskanzler Dr. von Schuschnigg
  • Otto Scrinzi
  • Fritz Stüber

Vereine

Diese Vereine galten als „Bollwerke des Deutschtums“ im Ausland:

  • Allgemeiner Deutscher Schulverein, gegründet 1880 (Wien) / 1881 (Berlin)
  • Verein für das Deutschtum im Ausland, Schulverein e. V., gegründet 1908
  • Volksbund für das Deutschtum im Ausland, gegründet 1933
  • Volksdeutsche Mittelstelle, gegründet 1938
  • Verein für das Deutschtum im Ausland, wiedergegründet 1955

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Deutschland und Österreich in Treue gesellt, zerbrechen die Ränke der neidischen Welt

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Quelle: Metapedia

Das Lied der Deutschen wird am 11. August 1922 als Nationalhymne des Deutschen Reiches festgelegt

Lied der Deutschen

Das Lied der Deutschen (im Volksmund auch Deutschlandlied oder deutsche Nationalhymne) wurde am 26. August 1841 auf der damals zum britischen Machtbereich gehörenden Insel Helgoland von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben verfasst und ist auf die von Joseph Haydn stammende Melodie der österreichisch-ungarischen Kaiserhymnen zu singen. Das Lied ist eines von vielen patriotischen Werken des Dichters Hoffmann von Fallersleben. Besungen werden in ihm in Form dreier Strophen die Einheit der Nation, Besonderheiten der deutschen Kultur sowie das Bekenntnis zur Freiheit und dem brüderlichen Zusammenhalt unter den Deutschen. Ebenso versuchte Fallersleben mit der ersten Strophe des Liedes, die Grenzen des geschlossenen deutschen Siedlungsgebietes zu umreißen und somit eine Antwort auf die Frage zu geben, was bzw. wo genau Deutschland eigentlich sei.

Das Deutschlandlied erfreute sich in der Bevölkerung großer Beliebtheit und wurde zur heimlichen Hymne Deutschlands während der 1848er Revolutionsjahre. Hoffmanns Wunsch, die Hymne möge auch offiziell angenommen werden, erfüllte sich zu seinen Lebzeiten nicht, denn das 1871 gegründete Deutsche Kaiserreich hatte keine offizielle Nationalhymne, nur die Kaiserhymne. Bei offiziellen Anlässen wurde das Deutschlandlied aber wie andere Lieder benutzt. Das erste Mal geschah dies 1890, als Helgoland an das Deutsche Reich fiel. 1922 erklärte der Präsident des Deutschen Reiches, Friedrich Ebert (SPD) das Deutschlandlied in seiner Gesamtheit zur Nationalhymne des Reiches. In den schlimmen Jahren nach dem großen Krieg und dem Unfriedensvertrag von Versailles gab es auch eine inoffizielle vierte Strophe die mit den Worten „und im Unglück nun erst recht“ endete.

Erste Niederschrift des „Deutschlandliedes“
noch als „Das Lied der Deutschen“,
welches später den offiziellen Titel
„Lied der Deutschen“ tragen sollte

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Text des Liedes

1.
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt,
Wenn es stets zu Schutz und Trutze
Brüderlich zusammenhält.
Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt.
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt! 

2.
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang
Sollen in der Welt behalten
Ihren alten, schönen Klang.
Uns zu edler Tat begeistern
Unser ganzes Leben lang.
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang! 

3.
Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland,
Danach lasst uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand.
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand,
Blüh‘ im Glanze dieses Glückes,
Blühe, deutsches Vaterland!

Textvariante bei der dritten Strophe: „Stoßet an und ruft einstimmig: / Hoch das deutsche Vaterland!“

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Entstehung

Bericht Hoffmanns zur Entstehung

Hoffmann von Fallersleben wurde auf Helgoland von seinem Hamburger Verleger Julius Campe besucht. Er berichtet darüber:

„Am 28. August kommt Campe mit dem Stuttgarter Buchhändler Paul Neff. Er bringt mir das erste fertige Exemplar des zweiten Teils der ‚Unpolitischen Lieder‘ […] Am 29. August spaziere ich mit Campe am Strande. ‚Ich habe ein Lied gemacht, das kostet aber vier Louisdor.‘ Wir gehen in das Erholungszimmer. Ich lese ihm: ‚Deutschland, Deutschland über alles‘ vor, und noch ehe ich damit zu Ende bin, legt er mir vier Louisdor auf meine Brieftasche. Neff steht dabei, verwundert über seinen großen Kollegen. Wir beratschlagen, in welcher Art das Lied am besten zu veröffentlichen ist. Campe schmunzelt: ‚Wenn es einschlägt, so kann es ein Rheinlied werden. Erhalten Sie drei Becher, muß mir einer zukommen.‘ Ich schreibe es unter dem Lärm der jämmerlichsten Tanzmusik ab, Campe steckt es ein, und wir scheiden. Am 4. September bringt mir Campe das Lied der Deutschen mit der Haydn’schen Melodie in Noten, zugleich mein Bildnis, gezeichnet von C. A. Lill.“

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798–1874) dichtete den Text im Jahre 1841 auf der damals britischen Nordseeinsel Helgoland. Hoffmann war Professor für Germanistik an der Universität Breslau. Er war ein glühender Patriot und setzte sich für die Einheit des damals zersplitterten Deutschlands ein, was sich in seiner vaterländischen Lyrik zeigt. Hoffmann war Mitglied der Göttinger und Bonner Burschenschaft. Er wurde aufgrund seiner freiheitlichen Gesinnung seiner Professur enthoben und des Landes verwiesen. Als Vorlage für die Melodie benutzte er das von Joseph Haydn (1732–1809) 1797 komponierte „Kaiser-Quartett“ (opus 76, Nr. 3), welches er zu Ehren Franz II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, komponierte.

Der Patriot und Burschenschafter
Hoffmann von Fallersleben 1819 in Altdeutscher Tracht;
Gemälde von Carl Georg Christian Schumacher (1797–1869)

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Historischer Hintergrund

Im Exil auf Helgoland war Hoffmann von Fallersleben voll Sehnsucht nach seinem Vaterland, das es eigentlich seit 1806 nicht mehr gab, denn der 1815 geschaffene Deutsche Bund war ein autoritärer Polizeistaat von Metternichs Gnaden, mit Wien als Hauptstadt. Da aber keine Ansätze zu einer echten Einigung getroffen worden waren, wurde der Wunsch nach einem einigen Vaterland das zentrale Anliegen der fortschrittlichen Kreise, speziell der Burschenschaft. Das Wartburgfest 1817 und das Hambacher Fest 1832 zeigten diese Forderung deutlich.

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Textverständnis

Hoffmann von Fallersleben war voller Sorge um des Vaterlandes Schicksal und erfüllt nach einem demokratischen, freien und geeinten Deutschland. Deshalb schrieb er „Deutschland, Deutschland über alles“. Dies war kein Hochmut, keine Überheblichkeit, keine imperialistische Gesinnung oder gar Herrschafts- oder Gebietsanspruch. Es war der ehrliche Wunsch nach Überwindung alles Trennenden und nach der Einigung Deutschlands, das damals aus vielen Einzelstaaten bestand. „Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt“ reichten damals die Grenzen des Deutschen Bundes, in dem Menschen lebten, die trotz mannigfaltiger stammesunterschiedlicher Eigenarten Deutsche waren.

Die westliche Grenze des deutschen Raumes bildete die Maas, ein Fluss der in der Hochebene von Langres entspringt, durchs nördliche Lothringen, durch die Ardennen, vorbei an den Städten Namur und Lüttich fließt und mit dem südlichen Rheinarm in Holland in die Nordsee mündet. Dem Niederrhein gegenüber markiert die Maas die westliche Grenze des deutschen Volks- und Sprachgebietes.

Die östliche Grenze des deutschen Raumes bildete die Memel, ein Fluß der südlich von Minsk entspringt, sich unterhalb von Tilsit teilt und in Ostpreußen ins Kurische Haff mündet. Die Memel war für Jahrhunderte auf insgesamt 500 km Länge deutscher Grenz bzw. Binnenfluss. Im südlichen Grenzgebiet des deutschen Raumes fließt die Etsch, ein Fluss der am Reschenpass entspringt, den Vinschgau durchfließt und am Nordrand des Po-Deltas in die Adria mündet.

Die nördliche Grenze des deutschen Raumes bildete der Belt, genauer gesagt der „Kleine Belt“ zwischen Fünen und Jütland. An diesem endet der Siedlungsraum des deutschen Volkes. „Einigkeit und Recht und Freiheit“ sollten die Grundsäulen eines neuen gesamtdeutschen parlamentarischen Vaterlandes sein: die alten burschenschaftlichen Ideale, die schon am Wartburgfest 1817 erhoben worden waren.

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Melodie

Hoffmann von Fallersleben wählte die Melodie der von Joseph Haydn geschaffenen Kaiserhymne: „Gott erhalte Franz den Kaiser, unsern guten Kaiser Franz“, die sich auf den in Wien residierenden Kaiser Franz II. bezog. Dieser war der letzte deutsche Lothringer-Habsburger Kaiser. Haydn hatte mit dieser Melodie eine der schönsten Hymnen der Welt geschaffen, von der er selbst sagte:

„Ich spiele das Lied an jedem morgen und oft habe ich Trost und Ergehung daraus genommen, in den Tagen der Unruhe … Mir ist herzlich wohl, wenn ich es spiele, und noch eine Weile nachher.“

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Weitere Entwicklung

  • 1848: Die Hymne wird bei der Freiheitlichen Revolution von den Teilnehmern der Versammlung in der Frankfurter Paulskirche begeistert gesungen.
  • 1871: Bei der Reichsgründung wird das „Lied der Deutschen“ nicht zur Hymne erkoren, was Hoffmann von Fallersleben sehr enttäuschte. Das bis dahin bereits in Preußen übliche Lied Heil dir im Siegerkranz wurde im Sinne einer Nationalhymne verwendet und die Hymne Hoffmanns von Fallersleben durch die Krone als republikanisch abgelehnt. Beim Volk war zu dieser Zeit dagegen auch Die Wacht am Rhein sehr beliebt.
  • 1914: Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird es in Wien begeistert gesungen; von allen Bevölkerungsteilen und von allen Parteien, auch von den Sozialdemokraten.
  • 1918: Nach der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg wird das Lied der Deutschen von den Besatzern verboten.
  • 1922: Der sozialdemokratische Reichspräsident, Friedrich Ebert, erhob durch einen Erlass das „Lied der Deutschen“ (offizieller Titel ohne Hinzufügung des ursprünglichen Artikels „Das“) am 11. August 1922 zur offiziellen deutschen Nationalhymne. Er sagte: „So wie einst der Dichter, so lieben wir heute Deutschland über alles.“
  • 1930: Am 18 Februar 1930 verkündete der sozialdemokratische Stadtschulrat für Wien anlässlich der Einführung der Kernstock-Hymne: „Eine der schönsten Melodien Haydns wurde in den ersten Jahren der Republik in den Wiener Schulen weniger geübt. … Der schönen österreichischen Melodie hat auch Hoffmann von Fallersleben einen Text unterlegt, der als ‚Deutschlandlied‘ der gefühlsmäßige und auch der offizielle Ausdruck des Einheitsbewußtseins des gesamten deutschen Volkes ist. Wir haben als Österreicher und als Deutsche allen Grund, unserer Jugend das Deutschlandlied mit dem Text von Hoffmann von Fallersleben … näherzubringen. Der Stadtschulrat erwartet, daß dieses Lied in allen Schulen geübt und bei geeigneten Anlässen gesungen wird, um so die nationale und republikanische Erziehung der Jugend zu fördern.“
  • 1933: Die erste Strophe wurde von den Nationalsozialisten zu einem Vorspann für das Horst-Wessel-Lied verwendet. Die zweite Strophe und dritte Strophe traten in den Hintergrund.
  • 1952: Das gesamte Lied wird Hymne des deutschen Teilstaates, der Bundesrepublik Deutschland. In einem Briefwechsel zwischen dem ersten Bundespräsidenten, Theodor Heuss, und Bundeskanzler Konrad Adenauer wurde das Hoffmann-Haydn’sche Lied wieder als Nationalhymne anerkannt. Ausdrücklich bilden alle drei Strophen die Hymne. Bei staatlichen Veranstaltungen soll jedoch nur die dritte Strophe gesungen werden. Gerade ihr Text – „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland“ – konnte die Lage des gespaltenen Deutschlands lange Zeit eindrucksvoll bewusst machen.
  • 1989: Beim Eintreffen der Nachricht vom Fall der Berliner Mauer wurde es spontan im Deutschen Bundestag gesungen, nur einige Abgeordnete der Grünen flüchteten verstört aus dem Plenarsaal.
  • 1991: In einem Briefwechsel zwischen Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Bundeskanzler Helmut Kohl wird die dritte Strophe des Deutschlandlieds zur Nationalhymne erklärt. Festgehalten ist dies auch im Bundesgesetzblatt Teil I 1991, Seite 2135.
  • 1998: In einer Rede zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 1998 bestätigt der Bundesratspräsident, Gerhard Schröder, dass die dritte Strophe des Deutschlandliedes Nationalhymne bleibt. Es gab Stimmen, bzw. Parteien, die das „Kinderlied“ des Kommunisten Bertolt Brecht als Nationalhymne forderten.

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Vergleich mit anderen Hymnen

Jede Dichtung muss man aus der Zeit der Entstehung erklären. Andere Hymnen enthalten oft recht kräftige Formulierungen, wie zum Beispiel: die französische Marseillaise: „… das unreine Blut möge unserer Äcker Furchen tränken …“ die Hymne der VSA: „… Handgranatenblitze und grellrote Raketen bezeugen durch die Nacht, daß die Flagge noch loht …“‘

Hoffmanns „Lied der Deutschen“ ist, entgegen der Hetze germanophober Kritiker und deutscher Linksextremisten, kein Lied der Macht und des Chauvinismus, sondern ein Lied der Innigkeit und der Sehnsucht.

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Ergänzungen

„Vierte Strophe“

Während der sogenannten Weimarer Republik wurde von Albert Matthai eine vierte Strophe hinzu geschrieben, die auf Deutschlands Schmach durch das Versailler Diktat anspielte und betonte, dass nun Deutschland über allen anderen Sachen des Lebens stehen sollte:

Deutschland, Deutschland über alles
Und im Unglück nun erst recht.
Nur im Unglück kann die Liebe
Zeigen ob sie stark und echt.
Und so soll es weiter klingen
Von Geschlechte zu Geschlecht:
Deutschland, Deutschland über alles
Und im Unglück nun erst recht.

Eine Textvariante dazu lautet:

Deutschland, Deutschland über alles,
Und im Unglück nun erst recht,
denn im Unglück kann sich zeigen,
ob die Liebe treu und echt,
und so soll es weiter schallen,
von Geschlechte zu Geschlecht.
Deutschland, Deutschland über alles,
Und im Unglück nun erst recht.

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„Fünfte Strophe“

Eine weitere (wohl ebenso nach dem Ersten Weltkrieg verfasste) Zusatzstrophe lautet:

Deutschland, Deutschland, über alles
trotz des Unglücks, trotz der Not!
Deutschland, du geliebte Heimat,
dir gehör ich bis zum Tod.
Ob du wachest, ob du welkest,
ob das Todeslos dir fällt:
Deutschland, Deutschland, über alles,
über alles in der Welt!

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„Sechste Strophe“

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand eine weitere Zusatzstrophe, die die Teilung Deutschlands in verschiedene Zonen und Länder anprangert, deren Urheber jedoch nicht festgestellt werden kann:

Über Länder, Grenzen, Zonen
hallt ein Ruf, ein Wille nur;
überall, wo Deutsche wohnen,
zu den Sternen dringt der Schwur:
Niemals werden wir uns beugen,
nie Gewalt für Recht anseh’n,
Deutschland, Deutschland über alles
und das Reich wird neu ersteh’n!

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Zeitweiliges Verbot

1945 kapitulierte die Deutsche Wehrmacht und das Reich wurde besetzt, das Deutschlandlied verboten. 1952 wurde durch einen Schriftwechsel zwischen dem bundesdeutschen Präsidenten Theodor Heuss und dem Kanzler Konrad Adenauer festgelegt, dass alle drei Strophen des Liedes der Deutschen Hymne der BRD sind, aber bei feierlichen Anlässen nur die dritte Strophe zu singen sei. Nichtsdestotrotz wurde zum Beispiel nach dem deutschen Sieg im Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 im Stadion die altbekannte erste Strophe angestimmt. Von linken Kreisen und den Massenmedien wurde mit der Zeit und mit Erfolg die Lüge verbreitet, die erste Strophe sei verboten, obwohl sie in Wahrheit offiziell Teil der BRD-Hymne war. 1991 gab es einen erneuten Briefwechsel zwischen Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Bundeskanzler Helmut Kohl, in dem festgelegt wurde, dass nur noch die dritte Strophe Hymne der Bundesrepublik sei. Das Volk wurde dazu nicht befragt. Verboten ist damit zur Zeit keine Strophe des Liedes der Deutschen, obschon diese Behauptung immer wieder in den Medien auftaucht.

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Manuskript liegt im polnischen Machtbereich

Der Nachlass des Dichters und Philologen Hoffmann von Fallersleben gelangte 1903 durch dessen Sohn in die Königliche Bibliothek, die heutige Staatsbibliothek zu Berlin. Ein Teil dieses Nachlasses wurde im Zweiten Weltkrieg zum Schutz vor Kriegszerstörung in das schlesische Kloster Grüssau ausgelagert und gelangte nach Ende des Krieges, als das Gebiet östlich von Oder und Lausitzer Neiße unter vorübergehende polnische Verwaltung kam, in polnische Hände. Dieser Teilnachlass befindet sich derzeit (2014) völkerrechtswidrig in der Biblioteka Jagiellonska in Krakau und gehört dort zu den Berliner Beständen, den sogenannten Berlinka. In dem kleineren Teil des Nachlasses, der weiterhin in der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin aufbewahrt wird, befindet sich eine eigenhändige Handschrift des Deutschlandliedes mit der Signatur „Nachl. Hoffmann v. Fallersleben 70“.

Ob diese Handschrift, die das eigenhändige Datum 26. August 1841 trägt, die Originalhandschrift (die Urschrift) des Deutschlandliedes ist, lässt sich nicht feststellen. Eine weitere eigenhändige Handschrift des Deutschlandliedes mit der gleichen Datierung findet sich in der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund.

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Kritik und Lügen

Da die erste Strophe des Deutschlandliedes während der nationalsozialistischen Regierungszeit zusammen mit dem Horst-Wessel-Lied Nationalhymne wurde, – Hier zum Anhören! – gilt das vollständige Lied in der heutigen BRD als „politisch inkorrekt“.

So brachte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) eine Broschüre namens „Argumente gegen das Deutschlandlied“ heraus. Die Aversion leitender Funktionäre der GEW gegen die deutsche Hymne der Weimarer Republik wird durch den Untertitel „Geschichte und Gegenwart eines furchtbaren Lobliedes auf die deutsche Nation“ offensichtlich. Gerechtfertigt wird der vernichtende Umgang der GEW mit der deutschen Nationalhymne damit, dass deren antideutsch ausgerichtete Argumentation in „Diskussionen über dieses furchtbare Lied“ helfen sollen, „gegen den deutschen Nationalismus“ (S.4) vorzugehen.

Vergessen wurde dabei aber wohl, dass die deutsche Nationalhymne im Gegensatz zu den Hymnen anderer Staaten ohne martialische Untertöne auskommt. Die französische Nationalhymne z. B. hat im Kehrreim den Wortlaut „Zu den Waffen, Bürger! / Schließt die Reihen, / Vorwärts, marschieren wir! / Das unreine Blut / tränke unserer Äcker Furchen!“, während bei dem Lied der Deutschen solch martialische Aussagen nicht zu finden sind. Auch die polnische Nationalhymne ist ein altes Kriegslied, in dem die Deutschen und Russen als Feinde dargestellt werden, die die Hand nach polnischem Land ausstrecken. Insgesamt kann man sagen, dass die reichsdeutsche Hymne (wie auch die tschechische oder österreichische) zu den friedlichsten Hymnen Europas gehören und lediglich ihr Land besingen, ohne andere Völker dabei zu verachten. Die zumeist als besonders anstößig empfundene erste Strophe ist dabei rein defensiven Charakters und drückt keineswegs ein oft unterstelltes deutsches Weltherrschaftsstreben aus, wie oft behauptet wird. Auch wird gerne behauptet, die Nennung der Grenzen im Lied sei maßlos. Hierbei bezog sich Hoffmann von Fallersleben jedoch auf den damaligen deutschen Sprachraum und die Grenzen des entstandenen Deutschen Bundes, womit der Vorwurf von Eroberungsplänen historisch inkorrekt ist.

Friedrich Nietzsche schrieb 1884 über den ersten Satz der ersten Strophe der deutschen Nationalhymne:

„Deutschland, Deutschland über Alles – ist vielleicht die blödsinnigste Parole, die je gegeben worden ist. Warum überhaupt Deutschland – frage ich: wenn es nicht Etwas will, vertritt, darstellt, was mehr Werth hat, als irgend eine andere bisherige Macht vertritt! (…)“

Ernst Bertram kommentierte dies 1919:

„Wann hat ein Deutscher je stolzer von deutschem Wesen als deutscher Verantwortung gesprochen? ‚Deutschland über alles – das könnte, das dürfte ihm nur heißen: der Deutsche muß innere Weltweite behalten, jenes einzigartige (in der äußersten Sphäre sich ‚kosmopolitisch‘ darstellende Verantwortlichkeitsgefühl: eine Welt zu sein, ein echter Kosmos mit all seinen werdenden Möglichkeiten; die Last einer Welt, die Zukunft einer Welt zu tragen – nicht ‚dieser‘ Welt, sondern einer ‚anderen‘, einer neuen Welt deutscher Verwirklichung.“

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Heinrich Gerstenberg: Deutschland über alles.
Vom Sinn und Werden der deutschen Volkshymne.
Ernst Reinhardt Verlag, München, 1933

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Quelle: Metapedia

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Deutsches Bekenntnis

Ein Deutsches Bekenntnis ist das klare vaterländische Bekenntnis zum Deutschtum und zur germanisch-deutschen Blutabstammung und/oder Gesinnung, unabhängig von der offiziellen Verwaltungseinheit der deutschen Staaten und den politisch-territorialen Grenzen des aktuellen Staatsgebildes.

„Und es mag am deutschen Wesen einmal noch die Welt genesen!“ Auszug aus dem Gedicht „Deutschlands Beruf“ von Emanuel Geibel

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Österreich

In Österreich, auch Deutschösterreich oder Ostmark genannt, werden Personen, die sich offen zu ihrem Deutschsein und Deutschtum bekennen, als Deutschnationale bezeichnet.

„Auch in unserer Brust schlägt ein stolzes deutsches Herz und niemandem räumen wir das Vorrecht ein, deutscher zu empfinden als wir. […] Österreichs Krieger reichen durch mich Preußens tapferem Heer die Hand zum Schutze deutscher Freiheit, deutscher Größe und vor allem deutscher Einigung durch alte deutsche Treue und Tapferkeit.“ 

– Feldmarschall Joseph Graf Radetzky von Radetz in Beantwortung einer Huldigungsadresse der königlich preußischen Garde (Gratulation und die Betonung eines „österreichischen“ Sieges der Offiziere) nach der Schlacht bei Novara 1849 –

„Ich verstehe ja die Deutschen, bin ganz für sie, ich bin doch selbst ein Deutscher.“ 

–  Karl der Erste, Kaiser von Österreich, 1917

Ich fühle bis zu einem gewissen Punkte eine Befriedigung darüber, daß das blaguirende Franzosentum eine derbe Lektion erhalten, daß Deutsche es waren, die sie gegeben, daß Deutsche es sind, die fortan eine große Rolle in Europa spielen werden.“ 

– Admiral Wilhelm von Tegetthoff –

„Von allen Idealen ist mir nur mehr eines geblieben: Meine Nationalität. Diese lasse ich mir nicht rauben. Ich war, bin und bleibe ein Deutscher. Niemand wäre glücklicher als ich, unsere alte Monarchie – wie sie war – wieder erstehen zu sehen. Leider muß ich diese Möglichkeit bezweifeln und perhorresziere jede Kombination, in der Fremdnationale uns Deutschen den Strick um den Hals legen oder uns zwingen würden, gegen Deutsche zu kämpfen. Es ist Zeit, daß wir Deutsche Österreichs uns darauf besinnen, daß wir Deutsche sind.“ 

– Franz Graf Conrad von Hötzendorf –

„Wir sind in Wien, dem glücklichen Sitze […] einer Nation, die darauf stolz ist, daß sie eine deutsche Nation ist.“ 

– Josef Freiherr von Sonnenfels, 1770 –

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„In Treue fest“; Kaiser Wilhelm II. und Kaiser sowie deutscher Fürst Franz Josef I., Ölgemälde von E. Bieler, Berlin um 1910

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Schweiz

In der Schweiz leben hauptsächlich vier Nationalitäten, wobei die Deutschschweizer die Mehrheit bilden. Deutsche, Franzosen, Italiener und Rätoromanen sind gleichberechtigte Bürger. Sie bilden die Schweizer Staatsnation, nichtsdestoweniger gehören die Deutschschweizer der deutschen Kulturnation an. Das Bekenntnis zum Deutschtum in der Schweiz ist seit dem Zweiten Weltkrieg stark tabubehaftet, der „politisch-korrekte“ Zeitgeist versucht gar, das Adjektiv „deutschschweizerisch“ reduktionsartig als ausschließliche Spracheinheit oder Sprachregion (Deutschschweiz/deutsche Schweiz) darzustellen. Die Fakten jedoch sprechen für sich:

„Die Schweizerische Eidgenossenschaft ist ein oberdeutscher Staat. Im Norden wird sie von der BRD und Elsaß-Lothringen, im Osten von Deutschösterreich und Liechtenstein, im Süden von Italien und im Westen von Frankreich begrenzt. Bis in das 18. Jahrhundert wurde die Schweiz offiziell als Alter Bund Oberdeutscher Lande bezeichnet.“

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Politisch-kulturelles Bekenntnis

  • VdU (aufgelöst):

Nach dem Krieg erfolgte die erfolgreiche Reorganisation des Dritten Lagers Österreich. Der Deutschnationalismus diente als einigendes Band der verschiedenen im Verband vertretenen Positionen. 1955 ging der Verband in der FPÖ auf.

  • FPÖ:

Ein zentraler Traditionsbestandteil der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) ist das Bekenntnis zur „deutschen Sprach- und Kulturgemeinschaft“.

  • DFDKK:

Das Demokratische Forum der Deutschen im Kreis Kronstadt bekennt sich öffentlich zu unserer „deutschen Sprach- und Kulturgemeinschaft“.

  • Burschenschaft/Korporation:

Die meisten österreichischen Burschenschaften sind in der pflichtschlagenden Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG) organisiert, zu der 43 Burschenschaften gehören, die überwiegend der Deutschen Burschenschaft (DB) und der Deutschen Burschenschaft in Österreich (DBÖ) oder dem Conservativen Delegierten Convent der fachstudentischen Burschenschaften in Österreich (CDC) angehören. Diese national-freiheitlichen Studentenverbindungen bekennen sich ausnahmslos zur deutschen Volksgemeinschaft. Dies gilt auch für Deutsche Burschenschaften im Ausland, z. B. in Südamerika.

„Wir Burschenschafter haben uns im Jahre 1817 entschieden, einen ganz bestimmten Vaterlandsbegriff für unsere politischen Ziele zu definieren. Es geht darum, daß wir die deutsche Kultur, die deutsche Sprache und unser Bekenntnis zum Deutschtum ohne Rücksicht auf politische Grenzen verwirklichen können, jedoch diese Umsetzung ohne Änderung politischer Grenzen erfolgen muß. Das klar zu machen, wenn wir von einem deutschen Vaterland reden, das zu vermitteln und nicht Mißverständnisse herbeizuführen, ist unsere Aufgabe. In diesem Sinne: Heil Deutsche Burschenschaft!“ 

— Dietrich Helmel aus Linz, Mitglied der Innsbruck-Akademischen Burschenschaft Brixia, Begrüßungsrede am Festakt auf der Wartburg zum Beginn des Burschentages, 2007

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Deutsche Burschenschafter in der einstigen deutschen Reichsstadt Prag, um 1900

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Rechtsbestand des Bekenntnisses

Hans Globke in einem Schreiben an das Reichsinnenministerium vom 15. März 1934, in dem er den Einbezug Nicht-Deutscher in die Kategorie des „deutschen Volkszugehörigen“ rechtfertigte:

„(…) Ein Germanisieren liegt aber meines Erachtens dann nicht vor, wenn ein nichtdeutscher Volksteil oder einzelne seiner Angehörigen aufgrund etwa ihrer Überzeugung von der Höherwertigkeit deutscher Kultur freiwillig im deutschen Volkstum aufgehen und seine Kultur aufnehmen wollen. […] So ist […] das deutsche Volkstum als so kräftig anzusehen, daß es Teile fremden Volkstums arischer Rasse, die sich gesinnungsmäßig zu ihm bekennen, ohne Schaden aufnehmen kann.“

Juristische Definition des Begriffs „deutscher Volkszugehöriger“ vom 30. August 2001 (§ 6 des Bundesvertriebenengesetzes):

(1) „Deutscher Volkszugehöriger im Sinne dieses Gesetzes ist, wer sich in seiner Heimat zum deutschen Volkstum bekannt hat, sofern dieses Bekenntnis durch bestimmte Merkmale wie Abstammung, Sprache, Erziehung, Kultur bestätigt wird.

(2) Wer nach dem 31. Dezember 1923 geboren worden ist, ist deutscher Volkszugehöriger, wenn er von einem deutschen Staatsangehörigen oder deutschen Volkszugehörigen abstammt und sich bis zum Verlassen der Aussiedlungsgebiete durch eine entsprechende Nationalitätenerklärung oder auf vergleichbare Weise nur zum deutschen Volkstum bekannt oder nach dem Recht des Herkunftsstaates zur deutschen Nationalität gehört hat. Das Bekenntnis zum deutschen Volkstum oder die rechtliche Zuordnung zur deutschen Nationalität muss bestätigt werden durch die familiäre Vermittlung der deutschen Sprache. Diese ist nur festgestellt, wenn jemand im Zeitpunkt der Aussiedlung aufgrund dieser Vermittlung zumindest ein einfaches Gespräch auf Deutsch führen kann. Ihre Feststellung entfällt, wenn die familiäre Vermittlung wegen der Verhältnisse in dem jeweiligen Aussiedlungsgebiet nicht möglich oder nicht zumutbar war. Ein Bekenntnis zum deutschen Volkstum wird unterstellt, wenn es unterblieben ist, weil es mit Gefahr für Leib und Leben oder schwerwiegenden beruflichen oder wirtschaftlichen Nachteilen verbunden war, jedoch aufgrund der Gesamtumstände der Wille unzweifelhaft ist, der deutschen Volksgruppe und keiner anderen anzugehören“.

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Deutschtum in Polen, 1939–1945

Am 24. April 1940 legte der Chef des Amtes des Generalgouverneurs (Amtssitz: Krakau), Staatssekretär Dr. Joseph Bühler, die Grundsätze für das Verhalten der Deutschen in Polen fest:

„Die Dienstleistung in Polen ist Dienst im Feindesland und erfordert von uns Deutschen daher eine besonders verantwortliche Haltung auch außerhalb des Dienstes, die sich stets bewußt ist, daß jeder einzelne gegenüber dem Feindvolk die Ehre und Würde des Deutschen Reiches zu vertreten hat. Der Generalgouverneur macht die Beachtung nachstehender Richtlinien für alle Angehörigen seiner Verwaltung zur strengsten Dienstpflicht:

1) Das Bekenntnis zum Deutschtum hat jeder Deutsche, wo es auch immer sei, offen abzulegen. Nicht uniformierte männliche und weibliche Gefolgschaftsmitglieder haben stets die Abzeichen der Partei oder der Gliederungen, denen sie angehören, sichtbar zu tragen. Der verstärkte Zusammenhalt aller Deutschen äußert sich in ständiger Kameradschaft und Hilfsbereitschaft. Der sichtbare Ausdruck unserer Gemeinschaft ist die Grußpflicht aller Uniformierten und der Amtsangehörigen mit dem Deutschen Gruß.

2) Feindesland erfordert erhöhte Wachsamkeit. Größte Vorsicht ist im Ge­spräch über Dienstangelegenheiten dringendst geboten. Nur äußerste Sorgfalt kann die Ausweispapiere vor schwerwiegendem Mißbrauch bewahren. Insbesondere gefährdet Trunkenheit die notwendige Wachsamkeit und schädigt darüber hinaus das Ansehen des deutschen Beamten schlechthin. Sie st ein schwerer Verstoß gegen die Manneszucht. Feindesland erfordert besondere körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Die gebotenen Gelegenheiten zur Ausbildung im Waffengebrauch und in Leibesübungen sind daher von allen voll zu nützen.

3) Das Deutschtum im Generalgouvernement Polen untersteht als geschlossene Einheit in allen seinen Äußerungen, bei der Arbeit, beim Sport und beim gesellschaftlichen Verkehr dem Gesetz der nationalsozialistischen Weltanschauung. Diese Einheit setzt sich klar von ihrer Umwelt ab. Einen gesellschaftlichen Verkehr mit Polen oder Juden beiderlei Geschlechts wird jeder Deutsche von sich aus als selbstverständlich zurückweisen. Würdelos und gesundheitsgefährdend sind insbesondere intime Beziehungen zwischen deutschen Männern oder Frauen mit Angehörigen des Feindvolkes. Jede Gelegenheit zum Anknüpfen von Verbindungen zwischen Deutschen und Polen oder Juden (gemeinsamer Tanz, Annehmen von Einladungen, gemeinschaftliches Benutzen von Tischen) ist daher zu vermeiden.

4) Auch in Glaubensangelegenheiten ist diese Trennung unbedingt zu bewahren. Es stehen den Deutschen aller Bekenntnisse deutsche Seelsorger jederzeit zur Verfügung. Es ist mit der Haltung eines seiner Ehre bewußten Deutschen nicht vereinbar, daß Gottesdienste oder gottesdienstliche Handlungen irgendwelcher Art besucht werden, an denen polnische Geistliche beteiligt sind. Dies gilt insbesondere für Beichte bei polnischen Geistlichen.

Deutscher, zeige in Deinem Gesamtverhalten, daß Du der Aufgabe, die Dir der Führer mit Deiner Berufung nach Polen gestellt hat würdig bist.“

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Deutsches Bekenntnis Kreuz

Die Allgemeine Deutsche Volksgemeinschaft (auch als Deutscher Volksorden bekannt; Dachverband deutsch-völkischer und nationalistischer Verbände in den 1920er Jahren) verlieh das Deutsche Bekenntnis Kreuz (ca. 1920–1936), dies konnte durch Vorschlag oder Stiftung erfolgen. Die Allgemeine Deutsche Volksgemeinschaft war ein Organ, das im Ausland befindliche deutsche Volksgemeinschaften betreute und Deutschtum förderte, wie das schon der „Deutsch Bund“ seit 1894 tat.

Klassen

  • I. Klasse: mit Schwertern
  • II. Klasse: ohne Schwerter
    • … beide Klassen mit unterschiedlichen Bändern für die Ordensschnalle.
  • ggf. gab es ein Komturkreuz

Gestaltung

Vorderseite:

Das Mittelschild Gold bordiert, mit roter Glasemaille, darunter eine durchscheinende Schraffur, darauf die goldene dreizeilige Schrift: −TREU− / −DEM− / −VATERLAND−.

Rückseite:

Glatt vergoldet ohne Emaille, mittig erhöht eine Kreislinie, darin die dreizeilige Schrift: −DEUTSCHES− / −BEKENNTNIS− / −KREUZ−, oberhalb und unterhalb der Schrift mittig ein fünfstrahliger Stern.

Deutsches Bekenntnis Kreuz der Allgemeinen Deutschen Volksgemeinschaft, II. Klasse, Vorderseite

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Bekannte Persönlichkeiten

Bekannte Persönlichkeiten, welche sich zum „Deutschsein“ bekannt haben (Auswahl):

  • Friedhelm Busse
  • Kaiser Franz Joseph — „Ich bin der Kaiser Österreichs, ein deutscher Fürst.“
  • Gerhard Frey
  • Emmanuel Geibel
  • Magda Goebbels
  • Andreas Hofer
  • Kaiser Karl der Erste
  • Gottfried Küssel
  • Andreas Mölzer
  • Wolfgang Amadeus Mozart
  • Ursel Peter
  • Feldmarschall Radetzky
  • Karl Renner — „Österreich bleibt deutsch!“
  • Bundeskanzler Dr. von Schuschnigg
  • Otto Scrinzi
  • Fritz Stüber

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Vereine

Diese Vereine galten als „Bollwerke des Deutschtums“ im Ausland:

  • Allgemeiner Deutscher Schulverein, gegründet 1880 (Wien) / 1881 (Berlin)
  • Verein für das Deutschtum im Ausland, Schulverein e. V., gegründet 1908
  • Volksbund für das Deutschtum im Ausland, gegründet 1933
  • Volksdeutsche Mittelstelle, gegründet 1938
  • Verein für das Deutschtum im Ausland, wiedergegründet 1955

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Deutschland und Österreich in Treue gesellt, zerbrechen die Ränke der neidischen Welt

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Quelle: Metapedia

So entstand 1945 das Land „Bayern“

Mit der Kapitulation der deutschen Streitkräfte am 8. Mai 1945 sowie der „Gefangennahme“ der letzten deutschen Reichsregierung unter Dönitz wurde die Souveränität und Hoheitsgewalt Deutschlands von den Besatzern beseitigt. Das gesamte Reichsgebiet wurde von den Siegermächten militärisch besetzt.

Auf bayerischem Gebiet hatte die amerikanische Besatzungsmacht schon im Mai 1945 eine bayerische Regierung eingesetzt. Ausschließlich die Militärregierung unter Führung von US-General Lucius D. Clay entschied darüber, ob Länder gegründet, welche Parteien zugelassen und wann Wahlen abgehalten wurden. Dieser US-General signalisierte im Herbst 1945 die Vertreibung aller Deutschen aus Ostdeutschland (Schlesien; Pommern u.s.w.) Sudetenland (Tschechoslowakei) und Ungarn. Am 19. September 1945 entstanden innerhalb der amerikanischen Besatzungszone per Anordnung völkerrechtswidrig die ersten drei Länder: Bayern ohne Pfalz, Groß-Hessen und der Kunststaat Württemberg-Baden (1952 mit Württemberg-Hohenzollern und Baden aus der französischen Besatzungszone zu Baden-Württemberg vereint).

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Das Spitzenpersonal, die vermeintlichen Ministerpräsidenten, suchte US-General Clay persönlich aus. Gelegentlich lud er die Männer ins Hauptquartier der US-Streitkräfte im Gebäude der I.-G.-Farben in Frankfurt am Main ein. Die US-Besatzer übten allumfassende Macht aus. Weil der erste von der Militärregierung am 28. Mai 1945 eingesetzte (Temporary Minister-Präsident for Bavaria) Ministerpräsident „Fritz Schäffer“, die Erwartungen nicht erfüllte, bestellten die US-Militärs am 28. September 1945 ihn und zwei seiner Minister ein. Der aus dem Schweizer Exil zurückgekehrte Wilhelm Högner (SPD), ein ehemaliger Reichstagsabgeordneter, mußte ebenfalls erscheinen.

Ein US-Oberst empfing die einberufenen Herren hinter einem Schreibtisch, umgeben von Offizieren mit Stahlhelmen. Die Deutschen hatten sich im Halbkreis aufzustellen. Der Offizier machte es kurz:

„Sie, Herr Fritz Schäffer, Ministerpräsident von Bayern, sind hiermit abgesetzt. Hier ist Ihr Brief.“ Dann wandte er sich an den Sozialdemokraten: „Sie Herr Dr. Wilhelm Högner, werden hiermit zum Ministerpräsidenten von Bayern ernannt. Hier ist Ihr Brief. Haben die Herren noch etwas zu sagen?“ Die Herren verneinten gehorsam.

Am 28.9.1945 verkündete der Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte General Eisenhower seine Proklamation Nr. 2 vom 19.9.1945, deren Artikel I lautet:

„Innerhalb der amerikanischen Besatzungszone werden hiermit Verwaltungsgebiete gebildet, die von jetzt ab als Staaten bezeichnet werden.“

Im Auftrag der Militärregierung trat im März 1946 ein improvisierter Verfassungsausschuß zusammen, der nach einem vom damaligen Ministerpräsidenten Högner ausgearbeiteten Entwurf einer bayerischen Verfassung im wesentlichen annahm. Im Juli des gleichen Jahres begannen die Beratungen der am 30.6.1946 angeblich vom bayerischen Volk gewählten Verfassungsgebenden Landesversammlung über den Verfassungsentwurf. Mit einem Schreiben ihres Militärgouverneurs vom 24.10.1946 genehmigte die amerikanische Militärregierung für Deutschland die sog. bayerische Verfassung. Am 26.10.1946 wurde die Verfassung mit 136 gegen 14 Stimmen angenommen. Die bayerische Verfassung wurde angeblich durch Volksentscheid vom 1.12.1946 mit Mehrheit gebilligt und nach der Ausfertigung durch den Ministerpräsidenten am 2.12.1946 und der Verkündung im Gesetz und Verordnungsblatt am 8.12.1946 angeblich in Kraft gesetzt. Einige Tage später am 16.12.1946 trat der Ministerpräsident Wilhelm Högner zurück. Warum wohl?

Um den Anspruch auf den Titel eines Staates zu haben, bedarf es den felsenfesten Nachweis, daß ein Land für seine Zukunft selbstständig und souverän handeln kann und muß, will es die Zukunft seines Volkes nicht verlieren. Leider weit gefehlt.

Erst viele Jahre später wurde aus dem Verwaltungsgebiet „Bayern“ der Begriff „Freistaat Bayern“ vorgetäuscht. Eine Gründungsurkunde für einen „Freistaat Bayern“ existiert nicht, weil es diesen vermeintlichen Staat nicht gibt. Den Bayern ist nur ein Verwaltungsgebiet der amerikanischen Besatzungsmächte. Ein Friedensvertrag fehlt bis heute.

Und dieses widerspenstige Bayern, hat in der Sitzung vom 19. auf den 20. Mai 1949 auch noch das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (BRD) mit 101 gegen 64 Stimmen, also mit einer klaren Mehrheit abgelehnt.

Was z. B. bedeutet in Art. 180 der Bayerischen Verfassung: „Bis zur Errichtung eines deutschen demokratischen Bundesstaates…“?

https://i2.wp.com/www.kaiserkurier.de/kurier102/images/karte-zoneneinteilung.jpg

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Liegt es ganz einfach daran, daß wir bis heute keinen „demokratischen Bundesstaat“ haben?

Was sind wir eigentlich für ein „Staat“? Heißen wir „Deutsches Reich“, „BRD“, eventuell „Deutschland als Ganzes“ (Nach willkürlicher Festlegung der Alliierten in den Grenzen vom 31.12.1937), nur „Deutschland“, gar „Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH“ oder wie schon im Grundgesetz in Artikel 127 erwähnt ein: „Vereinigtes Wirtschaftsgebiet“?

Unsere Bemühungen dieses mit den Vertretern der „BRD“ aufzuklären scheiterten an der Sprachlosigkeit der „Behörden“.

Wer sollte von denen schon so tapfer sein?

Wir können dieses hier auch nicht komplett besprechen, da es jeden Rahmen sprengen würde; wir können aber zumindest immer wieder auf Merkwürdigkeiten hinweisen.

Ist es Ihnen auch schon aufgefallen, daß die ehemaligen Behörden langsam „privatisiert“ werden!?

Da wurden die Arbeitsämter und Sozialämter gegen Job-Center und diverse Sozialfirmen getauscht. Diese sind in der Regel als GmbH strukturiert (ARGE GmbH usw.). Somit sind aus Antragstellern Kunden geworden. Aus Aktenzeichen wurden Geschäftszeichen und dergleichen mehr. Dabei wurde dies so geschickt angestellt, dass kaum jemand dagegen protestiert. Das tragische dabei ist jedoch, daß damit einhergehend Rechtsansprüche verloren gehen, die normalerweise in der Staatspflicht anzusiedeln sind.

Haben Sie diese Veränderungen denn nicht gesehen z.B :

Arbeitsamt = Agentur für Arbeit

Einwohnermeldeamt = Stadt… Bürgerservice

Sozialamt = ARGE GmbH

Gewerbeamt = Stadt… Abteilung Gewerbe

Oder allgemein:

Amt für… = Betrieb für…

Gerichtsurteile werden nicht mehr „Im Namen des Deutschen Volkes“, sondern nur noch „Im Namen des Volkes“ gesprochen. Der eigentliche Souverän, das Deutsche Volk, ist hier schon entmachtet!

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Auf unseren Briefmarken steht nicht mehr: „Bundesrepublik Deutschland“, sondern nur noch: „Deutschland“.

Auf der folgenden alten Briefmarke können Sie es sehen, und Sie sehen noch etwas, den Hinweis auf die Weimarer Verfassung, auf die auch im Grundgesetz bezuggenommen wird.

Wenn man an das erloschene Grundgesetz denkt, ist dieses Verfassung für uns auch gültig!

Wenn das Wörtchen wenn nicht wär…. , Sie kennen das.

Unsere Nachkriegsaufbaueltern nahmen die Alliierten beim Wort und unternahmen alle Anstrengungen, unverzüglich eine geeignete Regierung für Friedensverhandlungen zu bilden. Bezeichnenderweise kam für sie dabei die „Weimarer Verfassung“ nicht mehr in Betracht. Aus der Massenbewegung für die Einheit Deutschlands und einen gerechten Frieden war im Dezember 1947 der Deutsche Volkskongreß entstanden. Der von dieser Vertretung des deutschen Volkes gebildete Deutsche Volksrat, insbesondere der von ihm gegründete Verfassungsausschuß, arbeitete Richtlinien aus, die alle Wünsche berücksichtigten, die national gesinnte Kräfte an eine gesamtdeutsche Verfassung zu stellen hatten. Mit diesen Richtlinien, in denen die Grundgedanken der künftigen Verfassung bereits festere Formen angenommen hatten, trat der Deutsche Volksrat vor die Öffentlichkeit. Auf der 4. Tagung am 3. August 1948 wurden die Richtlinien angenommen. Die Ausarbeitung der eigentlichen Verfassung konnte beginnen. Im Oktober 1948 wurde der Verfassungsentwurf vom Verfassungsausschuß des Deutschen Volksrates gutgeheißen und dem deutschen Volk zur Stellungnahme übermittelt. Die folgenden Monate wurden zu einer historischen Periode. Zum zweiten Male nahmen die Deutschen selbst das Wort in Versammlungen der politischen Parteien, der demokratischen Massenorganisationen, der Betriebe, in den Zeitungen und im Rundfunk. Mehr als 9.000 Versammlungen, die sich ausschließlich mit dem Verfassungsentwurf beschäftigten, wurden durchgeführt. Über 15.000 Resolutionen gingen dem Deutschen Volksrat zu. Es wurden 503 Abänderungsvorschläge eingereicht. Als im März 1949 Otto Grotewohl den neuen Verfassungsentwurf dem Deutschen Volksrat unterbreitete, waren von den 144 Artikeln der Verfassung, 52 entsprechend den von der Bevölkerung unterbreiteten Vorschlägen geändert worden. Der Deutsche Volksrat stimmte dem Verfassungsentwurf am 19. März 1949 zu und überwies ihn dem Deutschen Volkskongreß zur Bestätigung. Die Initiative für diese Verfassungsbewegung ging von der sowjetischen Besatzungszone aus, da die Sowjets an einem Friedensschluß mit einem wieder handlungsfähigen deutschen Staat in Übereinstimmung mit den Potsdamer Beschlüssen interessiert waren. Die CDU u. CSU stand einer deutschen Souveränität feindselig gegenüber. Der 3. Deutsche Volkskongreß bestätigte „einhellig“ mit 2.010 Abgeordneten, die aus allgemeinen, geheimen und direkten Wahlen hervorgegangen waren, am 30. Mai 1949 die Verfassung in der Reichshauptstadt Berlin. Aus der sowjetischen Besatzungszone waren 1400 Abgeordnete gekommen und 610 aus der Westzone. (vgl.: das Bonner Grundgesetz wurde am 08.05.1949 mit 53 gegen 12 Stimmen angenommen). Der Verfassungsbildungsprozeß erstreckte sich also auf alle Besatzungszonen. Damit ist diese Verfassung die einzige, die sich das deutsche Volk in breiter Mitwirkung selbst gegeben hat. Sie enthält auch das Recht auf Volksbegehren und Volksentscheide, worin eine besondere Gefährlichkeit für die Feinde des deutschen Volkes besteht.

Diese Verfassung wurde also am 30. Mai 1949 bestätigt, das Grundgesetz der „BRD“ am 08. Mai 1949 angenommen. Da im Grundgesetz im Artikel 146 aber steht:

GG Art 146

Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.

Da diese Verfassung ja bereits vorhanden war, hätte das Grundgesetz sofort wieder durch diese Verfassung ersetzt werden müssen.

Es ist festzustellen, daß sowohl Adenauer als auch das Team Kohl/Genscher die Deutsche Einheit nicht wollten und verhindert haben.

Um diesen Problemen mit der rechtlichen Position des Deutschen Reiches, allen völkerrechtlichen Unstimmigkeiten, angefangen mit dem Versailler „Vertrag“, zu entgehen, mußte der „Lissabon-Vertrag“ her.

Nur: Dieses ist ein Staatsstreich gegenüber dem einzigen Souverän, dem Deutschen Volk!

Wie sehr das Recht in der „BRD“ mit Füßen getreten wird, können Sie dem Antwortschreiben des Bundespräsidialamt entmehmen.

Zwar wird hier noch bestätigt, daß das Bundesverfassungsgericht entsprechende Urteile gefällt hat, doch schreibt Herr Pieper im Auftrag des Bundespräsidenten von einer in der Praxis eher bedeutungslosen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes.

Außerden ist die „Bundesrepublik Deutschland weder souverän noch handlungsfähig und schon gar nicht „wiedervereinigt“!

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Quelle: Kaiserkurier

Die deutsch-britisch-polnischen Verhandlungen vor Kriegsausbruch 1939

Die letze Woche vor dem Kriegsausbruch

Adolf Hitler ist entschlossen, die offene Danzig-Frage, das Problem der Verkehrsanbindung Ostpreußens an das Reich und den Minderheitenschutz für die Deutschen in Polen noch vor dem Winter auf dem Verhandlungswege oder – wenn das nicht möglich ist – mit einem Krieg zu lösen. Die Generalität hat zwar mehrmals gewarnt, dass ein Krieg mit Polen auch Krieg mit England, mit Frankreich und bei längerer Dauer auch mit den USA nach sich ziehen werde, und dass ein Zweifrontenkrieg nicht zu gewinnen sei. Aber sie hat auch beraten, dass militärische Operationen, wenn es denn zum Kriege kommen sollte, aufgrund der Klima- und Wetterdaten nicht nach dem 2. September begonnen werden dürften. Die Wegeverhältnisse würden für das Heer und das Flugwetter für die Luftwaffe danach in Osteuropa bald zu schwierig werden. So ist Hitlers Entscheidung nicht frei vom Einfluss dieses Datums.

Mittwoch, der 23. August 1939 – Neun Tage vor dem Kriegsausbruch:

Die Sensation der Morgenpresse ist die Nachricht von Stalins Einladung an den deutschen Außenminister von Ribbentrop nach Moskau. Premierminister Chamberlain, der inzwischen vom Scheitern der englischen Bemühungen in Moskau um einen Pakt mit der Sowjetunion gegen Deutschland erfahren hat, schickt Botschafter Henderson mit einem Brief zu Hitler. Hitler versichert Henderson zunächst seine persönliche Wertschätzung, beklagt sich aber dann über Englands Haltung gegenüber Deutschland in der Danzig-Frage. Henderson entgegnet, dass die deutsche Regierung der polnischen zwar ein Verhandlungsangebot unterbreitet habe, doch das habe den Charakter eines Diktats.

Hitler bedauert, dass England sich ihm,

„der er selbst der größte Freund Englands sein wollte, zum Feinde macht“ und er betont, „dass Deutschland niemals etwas zum Schaden Englands unternommen habe und dass sich England trotzdem gegen Deutschland stelle.“

Hendersons Antwort stellt die Dinge britisch dar:

„man habe sich nur gegen den Grundsatz der Gewalt gestellt.“

Hitler droht,

„dass er bei dem geringsten polnischen Versuch, noch weiterhin gegen Deutsche oder gegen Danzig vorzugehen, sofort eingreifen werde.“„Bei der nächsten polnischen Provokation werde ich handeln.“

Da Tätlichkeiten gegen Deutsche in Polen an der Tagesordnung sind und Zwischenfälle an Danzigs Grenzen keine Seltenheit, sagt Hitler damit, dass Deutschland auf dem Sprung ist, Polen anzugreifen. Damit ist dies Gespräch beendet. Hitler hat Botschafter Henderson klargemacht, dass er England die Schuld dafür gibt, dass Verhandlungen mit Polen inzwischen zwecklos sind. Und Henderson hat versucht, Hitler klarzumachen, dass Krieg mit Polen Krieg mit Großbritannien nach sich zieht, auch wenn die Sowjetunion nun nicht mehr auf der Seite Englands steht.

Chamberlains Brief, den Henderson an Hitler übergibt enthält zwei Angebote. Das erste ist ein Spiel auf Zeit. Chamberlain schlägt vor, die Verhandlungen mit Polen so lange auszusetzen, bis sich das deutsch-polnische Verhältnis abgekühlt und beruhigt hat. Das zweite Angebot muss Hitler locken. Der britische Premier stellt Verhandlungen in Aussicht, die parallel zur Danzig-Frage

„gleichzeitig die großen zukünftigen internationalen Beziehungen regeln könnten, einschließlich derer, die England und Deutschland interessieren“.

Das ist verklausuliert das Angebot, mit der Regelung der Polen-Sache auch das deutsch-englische Verhältnis neu zu arrangieren. Das ist es, was Adolf Hitler seit seinem Amtsantritt versucht.

Adolf Hitler antwortet Chamberlain am gleichen Tag. Der deutsche Kanzler betont in diesem Brief den Wunsch nach Freundschaft mit Großbritannien, und er beklagt sich über Polen:

„Deutschland war bereit, die Frage Danzig und die des Korridors durch einen wahrhaft einmalig großzügigen Vorschlag auf dem Wege von Verhandlungen zu lösen.“

England habe, so argumentiert er, dieses Angebot durch Stimmungsmache gegen Deutschland und durch die Garantieerklärung an die Polen sabotiert. Deutschland werde Druck auf die deutsche Minderheit in Polen und Ultimaten gegen die Stadt Danzig nicht mehr weiter dulden. Der Brief endet mit den Sätzen:

„Die Frage der Behandlung der europäischen Probleme im friedlichen Sinn kann nicht von Deutschland entschieden werden, sondern in erster Linie von jenen, die sich seit dem Verbrechen des Versailler Diktats jeder friedlichen Revision beharrlich und konsequent widersetzt haben. … Ich habe Zeit meines Lebens für eine deutsch-englische Freundschaft gekämpft, bin aber durch das Verhalten der britischen Diplomatie – wenigstens bisher – von der Zwecklosigkeit eines solchen Versuchs überzeugt worden. Wenn sich dies in der Zukunft ändern würde, könnte niemand glücklicher sein als ich.“

Dieser erste Notenaustausch in der letzten Woche vor dem Krieg lässt noch auf Verständigung hoffen. Beide Regierungschefs versichern sich, dass sie Krieg vermeiden wollen. Doch beide verfolgen jeder für sich eine Doppelstrategie, die in sich widersprüchlich ist. Chamberlain will die Lösung der anstehenden Probleme nur auf dem Verhandlungswege dulden, doch den hat er mit seinem Garantieversprechen an die Polen de facto selbst versperrt. Und Hitler will sowohl eine Annäherung an England als auch in der Danzig-Frage nicht weiter auf der Stelle treten. Auch das ist kaum vereinbar. Hitler steht vor dem „entweder – oder“ und er bereitet beides vor: Verhandlungen und Krieg.

Zum 23. August gehören noch Außenminister von Ribbentrops Moskauer Verhandlungen mit Stalin und Außenminister Molotow. Es wird späte Nacht, ehe der Deutsch-Sowjetische Nichtangriffspakt die Unterschriften beider Seiten trägt.

Donnerstag, der 24. August 1939 – Acht Tage vor dem Kriegsausbruch:

Um 2 Uhr morgens meldet von Ribbentrop am Telefon aus Moskau dem „Führer“ die Unterzeichnung des Vertrags. Hitler schöpft nun wieder Hoffnung, dass England seine Rolle bei der Unterstützung Polens angesichts der neuen Lage überdenkt, und dass auch Polen eher bereit sein wird, wegen Danzig zu verhandeln.

Als Göring die Briefe Chamberlains und Hitlers liest, schöpft auch er Hoffnung für einen Ausweg aus der inzwischen deutsch-englischen Auseinandersetzung um die Danzig-Polen-Frage. Göring spielt nun an Außenminister von Ribbentrop vorbei. Er nutzt dazu Gesprächskontakte, die er selbst nach London hat, und einen schwedischen Mittelsmann, den Industriellen Dahlerus. Der Marschall bittet den Schweden, am Folgetag nach London zu fliegen und der englischen Regierung zu übermitteln, dass die Deutsche Reichsregierung zu einer deutsch-britischen Verständigung zu kommen wünsche.

In London hält Premier Chamberlain derweilen eine Rede vor dem Unterhaus. Er bestätigt erneut die Bündnistreue der Briten zu den Polen. Er beklagt, dass die Deutsche Reichs-regierung, nun kompromisslos Danzig fordert, und weist außerdem das Ansinnen Hitlers, Osteuropa als deutsche Interessensphäre anzuerkennen, mit dem Hinweis von sich, England stehe für die Freiheit und die Unabhängigkeit der Völker. Die Rede ist aus britischem Selbstverständnis genauso nachvollziehbar, wie sie aus damaliger deutscher Sicht scheinheilig wirkt. Polen ist in der Danzig-Sache genauso kompromisslos wie das Deutsche Reich. Und Großbritannien hält sich in Asien und Afrika selbst seine Interessensphären. Es schert sich wenig um die Freiheit und Unabhängigkeit der kolonial gehaltenen Völker von Indien bis Nigeria. Dennoch, die Rede baut keine neue Hürden auf.

Gegen Mittag, mit der Unterzeichnung eines englisch-polnischen Beistandsvertrags, zerstört sich vorerst Hitlers Hoffnung, dass der deutsch-sowjetische Vertragsabschluss von letzter Nacht die Briten dazu bewegen könnte, den Polen anzuraten, in der Danzig-Frage einzulenken. Er lässt General Keitel, den Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, kommen und verschiebt den schon befohlenen Angriff gegen Polen ein erstes Mal. Er müsse – so Hitler –

„Zeit für weitere Verhandlungen gewinnen.“

Der „Führer“ bevorzugt an diesem Tage, dem 24. August, offensichtlich noch immer eine Lösung ohne Blutvergießen.

In Paris bemüht man sich inzwischen auf die eigene Art um Frieden.

„Die Französische Regierung empfiehlt nachdrücklichst der Polnischen, sich vor jeder militärischen Reaktion zu hüten und mit einer diplomatischen Aktion zu antworten, wenn der Danziger Senat von sich aus den Anschluss Danzigs an das Deutsche Reich erklären sollte.“

Was verwundert, ist, dass Frankreich diesen „Selbstanschluss“ nicht als Idee und Kompromiss in die deutsch-englisch-polnische Debatte wirft. Es wirkt vielmehr so, als ob die französische Regierung in dieser hoch angespannten Lage lieber wartet, bis Deutschland selbst nach Danzig greift und die Schuld am Kriege übernimmt.

In Washington lässt Roosevelt die Polen wissentlich in eine Falle laufen.. Am frühen Morgen dieses Tages verrät ein deutscher Diplomat in Moskau einem amerikanischen Kollegen den Inhalt des gerade geschlossenen geheimen Zusatzabkommens, das Osteuropa in eine russische und eine deutsche Interessensphäre teilt. Die Trennungslinie teilt auch Polen. Mittags um 12 Uhr kabelt der amerikanische Botschafter den Inhalt des geheimen Zusatzprotokolls nach Washington. Nur wenig später kennt Präsident Roosevelt die heiße Nachricht und damit auch die Gefahr, die Polen ab sofort von Russland droht. Roosevelt tut nichts, um Warschau, London und Paris zu warnen.. Eine Warnung noch am gleichen Tage hätte die Polen vielleicht dazu bewegen können, Hitlers Vorschlag vom 28. April zu akzeptieren. Dieses letzte Hitler-Angebot war ein Freihafen und Wirtschaftsprivilegien in Danzig, die Anerkennung der polnischen Gebietsgewinne seit 1918 in Posen, Westpreußen und Südost-Oberschlesien und ein Friedensvertrag für 25 Jahre gegen exterritoriale Wege durch den Korridor und Danzig. Eine Warnung an die Briten hätte den Garantievertrag für Polen, der an diesem Tag geschlossen wird, vielleicht verhindert. Doch für Roosevelt ist wichtig, dass Hitler sich im Danzig-Streit verfängt.

Polens Beitrag dieses Tages ist, dass es am Vormittag um 11 Uhr die Außengrenzen Danzigs schließt. Die dadurch erzeugten Versorgungsschwierigkeiten in der Stadt tragen dazu bei, die Stimmung der Danziger für einen schnellen Anschluss weiter anzuheizen.

Freitag, der 25. August – Sieben Tage vor dem Kriegsausbruch:

Gegen 8 Uhr startet der schwedische Vermittler Dahlerus in Marschall Görings Auftrag mit einer Sondermaschine von Berlin-Tempelhof nach London.

In Berlin jagt inzwischen eine Nachricht die andere, alle für den „Führer“ nicht gerade angenehm. Es sind die Berichte von den Zusammenstößen und Handstreichaktionen beider Seiten. Noch immer werden deutsche Bauernhöfe auf der polnischen Seite der Grenze abgebrannt. Deutsche Stoßtrupps vergelten die Brandstiftungen noch in gleicher Nacht auf der Gegenseite. Auch der Flüchtlingsstrom hält weiter an. Polnische Grenztruppen versuchen, die deutschen Flüchtlingsgruppen mit Gewehr- und MG-Feuer von der Grenze wegzutreiben. Wieder sind in der Nacht acht Menschen auf der Flucht erschossen worden. Überdies ist ein ziviles Passagierflugzeug auf dem Weg nach Königsberg über der Ostsee von polnischen Flak-Geschützen beschossen worden.

Die Aussicht, wegen Danzig und der Transitwege in einen Krieg mit England zu geraten, verträgt sich nicht mit Hitlers strategischen Vorstellungen von einer zukünftigen deutsch-britischen Zusammenarbeit und Freundschaft. So beschließt Adolf Hitler noch am Vormittag des 25. August, den Angriff gegen Polen weiter aufzuschieben und England erneut ein Angebot zu machen. Er lässt den Angriff ein zweites Mal verschieben. Dann bestellt er den englischen Botschafter Henderson zu sich in die Reichskanzlei. Um 13.30 Uhr stehen sich die beiden Männer gegenüber. Hitler knüpft an das letzte Gespräch an, in dem Henderson die Hoffnung auf eine deutsch-britische Verständigung geäußert hatte und stellt ein großes, umfassendes Bündnis mit England in Aussicht, wenn erst einmal das deutsch-polnische Problem gelöst sei. In der Sache aber bleibt Adolf Hitler hart. Er sagt:

„Das Problem Danzig und Korridor muss gelöst werden.“ Und er legt nach: „Wenn die britische Regierung diese Gedanken erwägen würde, so könnte sich daraus ein Segen für Deutschland und auch für das Britische Weltreich ergeben. Wenn sie diese Gedanken ablehnt, wird es Krieg geben.“

Henderson beharrt auf Englands Bündnis mit den Polen und erwidert, das deutsche Bündnisangebot könne erst in Betracht gezogen werden, nachdem die polnische Frage auf dem Verhandlungswege gelöst worden sei. Nachdem Henderson gegangen ist, beschleichen Hitler offensichtlich Zweifel, dass er den Engländer hat überzeugen können. Er bringt seine Anliegen noch einmal in sechs Punkten zu Papier und schickt sie Henderson unverzüglich in die Botschaft nach. In Punkt zwei der Liste schlägt Hitler einen Ton an, der so bisher fehlt. Er bittet, dass Großbritannien bei der Rückgewinnung Danzigs und des Korridors behilflich ist. Damit ist der Ball bei England, das nun vermitteln könnte oder Polen drängen, auf die moderaten deutschen Forderungen einzugehen.

Um 17.30 Uhr meldet sich der französische Botschafter Coulondre bei Hitler, der das Gespräch eröffnet:

„Angesichts des Ernstes der Lage will ich Ihnen eine Erklärung abgeben, die ich Sie bitte, Herrn Daladier ( franz. Ministerpräsident)  zu übermitteln. Ich hege keine feindseligen Gefühle gegen Frankreich. Ich habe persönlich auf Elsaß-Lothringen verzichtet und die deutsch-französische Grenze anerkannt. Ich will keinen Konflikt mit Ihrem Land. … Infolgedessen ist mir der Gedanke, dass ich Polens wegen mit Frankreich kämpfen müsste, außerordentlich schmerzlich. … Ich habe vor mehreren Monaten Polen, als ich die Rückkehr Danzigs und einen schmalen Gebietsstreifen als Verbindung dieser Stadt mit Ostpreußen forderte, außerordentlich vernünftige Vorschläge gemacht. … Die polnische Regierung hat nicht nur meine Vorschläge zurückgewiesen, sondern sie hat auch die deutschen Minderheiten auf das Schlimmste misshandelt. … Frankreich würde so etwas genauso wenig dulden wie Deutschland.  …  Ich werde Frankreich nicht angreifen, aber wenn es in den Konflikt eingreift, so werde ich bis zum Ende gehen. … Sagen Sie das, bitte, Herrn Daladier von mir.“

Botschafter Coulondre erwidert:

„Jetzt, da jedes Missverständnis behoben ist, lege ich Wert darauf, Ihnen mein Ehrenwort als Soldat zu geben, dass Frankreich Polen, falls es angegriffen würde, mit seinen Streitkräften zur Seite stehen wird. Ich kann Ihnen aber gleichfalls mein Ehrenwort geben, dass die Regierung der Französischen Republik bis zum letzten Augenblick alles tun wird, was in ihrer Macht steht, um den Frieden zu bewahren. Sie wird es der polnischen Regierung an Mahnungen zur Vorsicht nicht fehlen lassen.“

Adolf Hitler musste hier – und eigentlich schon lange – erkennen, dass ihm nun die Rechnung für die Besetzung der Rest-Tschechei vorgelegt wird. Auf der Rechnung stehen unausgesprochen weitere Posten:

– Die Kündigung von Versailles,

– die Angliederung Deutsch-Österreichs,

– die Häresie der autoritären Staatsform,

– der Machtzuwachs des Reiches in den vergangen sechs Jahren,

– die schnell wachsende deutsche Konkurrenz auf internationalen Märkten,

– die Aufrüstung der Wehrmacht,

– Hitlers Forderung nach Rückgabe der ehemals deutschen Kolonien und

– der deutsche Wille, zur Vormacht in Mittelosteuropa aufzusteigen.

Es geht hier nicht mehr allein um Danzig und um Transitwege. Danzig ist für Großbritannien und Frankreich nun die Hürde, vor der sie das Deutsche Reich zum Stehen oder mit der sie es zum Fallen bringen wollen.

Auch zwischen der englischen Botschaft in Warschau und dem Außenministerium in London gehen Telegramme hin und her. Um 1 Uhr fordert Halifax aus London Kennard in Warschau auf, die Polen zu ermahnen,

„jede Handung zu unterlassen, die sie in die Rolle des Aggressors versetzen könnte.“

Um 14 Uhr schickt Kennard noch eine Einschätzung der Lage an Halifax in London:

„Ich bezweifele ausgesprochen, dass es irgendeinen Nutzen bringt, wenn der polnische Botschafter ein Gespräch mit Hitler sucht.“

Paris und London sind in Sorge, dass der Krieg von Polen statt von Deutschland losgetreten wird. In Warschau bezeichnet man die Gesprächsversuche von deutscher Seite als Intrige, und Kennard zeigt keine Neigung, die Polen zu Gesprächen mit den Deutschen zu bewegen.

Mittlerweile hat der schwedische Vermittler Dahlerus in London bei Außenminister Lord Halifax vorgesprochen. Etwa um 18.30 Uhr – also Stunden nach der Unterzeichnung des Polnischen-Britischen Beistandspakts – erklärt Lord Halifax, dass er seit dem Besuch von Henderson bei Hitler heute morgen hoffnungsvoll gestimmt sei. Obwohl er noch keinen genauen Bericht über das Resultat dieser Besprechung erhalten habe, hoffe er, dass die Initiative zur Aufnahme offizieller Verhandlungen eine friedliche Lösung ermöglichen würde. Dahlerus glaubt an einen Durchbruch und ruft um 22.20 Uhr Marschall Göring an, um ihm zu berichten. Göring wirkt sehr nervös. Er erklärt, dass er für jeden Augenblick den Kriegsausbruch befürchtet. Der englisch-polnische Vertrag vom Vormittag werde vom „Führer“ als eine ausdrückliche Erklärung Englands dahingehend aufgefasst, dass es nun keine friedliche Lösung mehr wünsche. Dahlerus informiert noch in der gleichen Nacht den Chef der Zentralabteilung des Außenministeriums in London, wie der Vertrag mit Polen auf den deutschen Kanzler wirkt. Der drückt seine Verwunderung darüber aus, dass der Vertrag in Deutschland missverstanden werde. Dahlerus bittet um einen neuen Termin bei Halifax.

An diesem Freitag, eine Woche vor dem Kriegsausbruch, wiederholt die britische Regierung ihren Schachzug vom 23. März des Jahres. Mit ihrer Unterschrift unter den britisch-polnischen Schutzvertrag bekräftigt sie noch einmal ihre Rückendeckung für die Polen. Die Chamberlain-Regierung will damit Hitler daran hindern, Danzig dem Deutschen Reich ohne englisch-polnische Zustimmung anzugliedern. Doch sie muss auch wissen, dass sie bei der nun gestärkten Haltung Warschaus Hitler vor die Wahl stellt, auf Danzig und den Schutz der deutschen Minderheit in Polen zu verzichten, oder Krieg zu führen. Mit der englischen Unterschrift unter den britisch-polnischen Vertrag am heutigen Tag dreht Chamberlain den Schlüssel in der Tür zum Konferenzsaal der deutsch-polnischen Verhandlungen noch einmal um.

Sonnabend, der 26. August – Sechs Tage vor dem Kriegsausbruch:

Um 7.50 Uhr fliegt Botschafter Henderson nach London, um Hitlers Vorschlag an die britische Regierung zu überbringen. Um 11 Uhr spricht Dahlerus, erneut bei Außenminister Halifax vor. Er schildert ihm die Wirkung des britisch-polnischen Vertrags auf Hitler. Der Schwede bittet Halifax, Göring einen Brief zu schreiben und Englands ernsten Willen zu einer friedlichen Lösung zu bestätigen. Dahlerus fliegt zurück mit dem erbetenen Schreiben und übergibt es Göring. Der hält die Botschaft für so wichtig, dass er sofort zu Adolf Hitler fährt und ihn davon in Kenntnis setzt. Inzwischen ist es wieder Mitternacht. Der Brief und Dahlerus’ mündliche Übermittlung machen Hitler nun für eine Zeitlang glauben, dass England an einer friedlichen Danzig-Lösung interessiert sei, aber bei einer einseitigen gewaltsamen Lösung von deutscher Seite Krieg erklären werde.

Kurz nach Mitternacht (27.8.) lässt Hitler Dahlerus zu sich in die Reichskanzlei bestellen. Jetzt wird der Schwede vom Vermittler zwischen Göring und der englischen Regierung zum Vermittler zwischen Hitler und den Briten. Die Konferenz zu tiefer Nacht, die nun über eineinhalb Stunden folgt, wird zum Dialog zwischen Hitler und dem Schweden, bei dem beide ihre Auffassungen über die Kriegschanzen austauschen. Zum Schluss geht Hitler sehr erregt im Zimmer auf und ab, bleibt plötzlich vor Dahlerus stehen und sagt:

„Sie, Herr Dahlerus, haben meine Auffassung gehört. Sie müssen sofort nach England reisen, um sie der englischen Regierung mitzuteilen. Ich glaube nicht, dass Henderson mich verstanden hat, und ich wünsche aufrichtig, dass eine Verständigung zustande kommt.“

Hitlers Position wird wiederum in sechs Punkte definiert, die nun zum Teil schon weiter greifen, als die sechs Punkte, die Hitler Henderson mit auf den Weg gegeben hat:

1. Deutschland wünscht ein Bündnis mit England, das alle Streitfragen politischer oder wirtschaftlicher Art in Zukunft beseitigen soll.

Dieses Angebot gilt also unverzüglich und nicht erst nach der Danzig-Lösung, wie es Hitler vorher vorgeschlagen hatte.

2. England wird gebeten mitzuwirken, dass Deutschland Danzig und den Korridor erhält, jedoch mit Ausnahme eines Freihafens in Danzig, der Polen zur Verfügung stehen soll. Polen soll einen Korridor zur Hafenstadt Gdingen erhalten und ganz über diese Stadt und ein hinreichend großes Gebiet um sie herum verfügen.

Hier wird nun mit dem Korridor mehr verlangt, als nur die exterritorialen Transitwege. Da Polen bisher auf die von Adolf Hitler vorgeschlagene Minimallösung von sich aus nicht eingegangen ist, hofft er, mit Englands Rückendeckung auch den nicht polnisch bewohnten Nord-Teil des Korridors für Deutschland heimzuholen.

3. Deutschland verpflichtet sich, Polens Grenzen zu garantieren.

4. Deutschland wünsche ein Abkommen über Kolonien, über die Rückgabe seiner ehemaligen Besitzungen oder Kompensationen.

5. Deutschland wünsche Garantien über die Behandlung der deutschen Minderheit in Polen.

6. Deutschland verpflichtet sich, das Britische Empire, wo immer es angegriffen werden könnte, mit seiner Wehrmacht zu schützen.

Dahlerus sagt zu, den neuen Vorschlag so schnell wie möglich in London vorzutragen.

Am gleichen 26. August erhält Präsident Daladier Hitlers Brief, in dem er schreibt, dass Deutschland von sich aus keinen Krieg gegen Frankreich eröffnen werde. Daladier und Außenminister Bonnet verfassen eine Antwort, welche die drei bekannten Positionen wiedergibt: Frankreichs Bündnistreue zu Polen, Frankreichs Friedenswillen und der Vorschlag, mit Warschau zu verhandeln. Daladier ergeht sich in einer langen Folge von Friedensbeteuerungen, die alle meinen:

„Wir Franzosen sind friedlich, und wer den Danzig-Status anrührt, ist es nicht.“

Die französische Regierung denkt also noch immer nicht daran, das von ihr in Versailles mitgeschaffene deutsch-polnische Problem, den Danzig-Status zur Disposition zu stellen und Polen zu veranlassen, in dieser Sache einzulenken.

Sonntag, der 27. August – Fünf Tage vor dem Kriegsausbruch:

In London berät das Kabinett über Hitlers ersten, in sechs Punkten formulierten Vorschlag. Im Mittelpunkt der Überlegungen steht, dass der für gestern erwartete Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen ausgeblieben ist. Man sieht darin ein Zurückweichen Hitlers vor der eigenen Politik der Unnachgiebigkeit, statt es als Entgegenkommen zu bewerten. Sobald Dahlerus in London eintrifft, wird er hinzugezogen. Die Herren prüfen Hitlers Offerte Punkt für Punkt. Dann wird vereinbart, dass der schwedische Vermittler an Stelle Hendersons mit der englischen Antwort nach Berlin zu Hitler fliegt, dessen Reaktion darauf sofort nach London übermittelt, damit die Londoner Regierung dann erneut beraten kann. Dahlerus fliegt nach Deutschland, wo er sofort von Göring in Empfang genommen wird. Es ist inzwischen wieder später Abend.

Göring hält die Antwort aus London für nicht in allen Punkten günstig und besteht darauf, sie Hitler persönlich vorzutragen und ihn unter vier Augen vom Nutzen der Reaktion aus London zu überzeugen. Die Antwort bezieht sich strikt auf Hitlers Punkte. Sie lautet zu Punkt 1, dass England grundsätzlich bereit ist, einen Vertrag mit Deutschland zu schließen, der eine friedliche Entwicklung auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet sichert. In Bezug auf
Punkt 2, die Bitte bei der Wiedergewinnung von Danzig und dem Korridor zu helfen, steht die englische Regierung einer Lösung der Frage wohlwollend gegenüber und empfiehlt, hierfür direkte Verhandlungen zwischen Berlin und Warschau. Zu
Punkt 3, der deutschen Garantie der zukünftigen Grenzen Polens, besteht die britische Regierung darauf, dass Polens zukünftige Grenzen nicht allein von Deutschland, sondern auch von Russland, Italien, Frankreich und Großbritannien garantiert werden müssen. Zu
Punkt 4, den ausreichenden Garantien für die deutsche Minderheit in Polen, akzeptiert die englische Regierung Deutschlands Forderung und empfiehlt, diese Frage ebenfalls durch direkte Verhandlungen mit Polen zu lösen. Den in
Punkt 5 erhobenen deutschen Anspruch auf die spätere Rückgabe der früheren deutschen Kolonien oder auf Ersatz lehnt die englische Regierung zunächst ab, stellt aber spätere Verhandlungen dazu in Aussicht. Das Angebot in
Punkt 6, das britische Weltreich im Bedarfsfall militärisch zu unterstützen, wird gleichfalls abgelehnt.

Görings Zweifel an Hitlers positiver Reaktion sind nicht ganz unberechtigt. Schließlich trifft der Vorschlag, die Danzig- und Korridor-Sache deutsch-polnisch zu verhandeln, den wunden Punkt der deutschen Position. Außenminister Beck in Warschau ist in der Danzig-Transitfrage seit Oktober vorigen Jahres nicht einen Schritt auf Deutschland zugegangen. Die britischen und französischen Garantien und Versprechen vom März und Mai und von vor zwei Tagen haben Beck bestärkt, davon nicht abzugehen. Auch der Vorschlag, in der Minderheitenfrage zu verhandeln ist ein Hohn. Polen hat die im Versailler Vertrag unterzeichneten Minderheiten-schutzbestimmungen gekündigt und einen Minderheitenschutzvertrag mit Deutschland im eigenen Land nie durchgesetzt. Was sollte die Polen jetzt beflügeln, sich in Bezug auf Danzig, den Korridor und die Minderheiten umzustellen? Als Göring sich mit der von Dahlerus überbrachten Chamberlain-Antwort beim „Führer“ meldet, ist es fast Mitternacht.

Am gleichen Tag liegt in London der nächste Bericht aus Warschau vor. Botschafter Kennard teilt mit, wie er die Dinge sieht:

„Soweit ich das beurteilen kann, sind die deutschen Behauptungen über die massenhaften Misshandlungen an Angehörigen der deutschen Minderheit in Polen grobe Übertreibungen, wenn nicht sogar Fälschungen. … Jedenfalls handelt es sich dabei schlicht und einfach um deutsche Provokationen im Zusammenhang mit einer Politik, die die zwei Nationen gegeneinander aufgebracht hat. Ich nehme an, dass dies geschieht, um (a) Kriegsstimmung in Deutschland zu entfachen, (b) die öffentliche Meinung im Ausland zu beeindrucken und (c) entweder Niedergeschlagenheit oder offensichtliche Aggressionen in Polen zu provozieren.“

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Montag, der 28. August – Vier Tage vor dem Kriegsausbruch:

Frühmorgens 1.30 Uhr: Göring kommt von Adolf Hitler zurück und hat mit der Dahlerus-Botschaft Erfolg gehabt. Trotz der Schlafenszeit fährt Göring noch zu Dahlerus und berichtet:

„Mit Freude begrüße Hitler Englands Wunsch, mit Deutschland zu einer friedlichen Abmachung zu gelangen. Der Reichskanzler würde größten Wert darauf legen, ein wirkliches Bündnis zwischen Großbritannien und Deutschland zustande zu bringen und nicht nur einen Vertrag. Hitler respektiere Englands Entschluss, seine Garantie für Polen aufrechtzuerhalten und ebenso die englische Forderung nach internationaler Garantie der polnischen Grenzen durch die fünf Großmächte. Er akzeptiere auch den englischen Vorschlag, die Fragen Korridor und Danzig endgültig durch direkte Verhandlungen zwischen Deutschland und Polen zu regeln. Er habe auch seiner Überzeugung Ausdruck gegeben, dass die Engländer bei den damit zusammenhängenden Verhandlungen ihr Bestes tun würden, um eine befriedigende Lösung herbeizuführen.“

Der Friede scheint gerettet. Immerhin gibt Adolf Hitler zu erkennen, dass er noch einmal wartet, und dass er einer Garantie der Grenzen Polens durch England, Frankreich, Italien und die Sowjetunion zustimmt. Dies Einverständnis lässt darauf schließen, dass sein Interesse an der Eroberung des Nachbarlandes Polen relativ gering ist.

Dahlerus beeilt sich, die Reaktionen Hitlers und Görings so schnell wie möglich nach London durchzugeben. Er hebt dabei hervor, dass England nun Polen überzeugen muss, dass es sofort beginnt, mit Deutschland zu verhandeln. Dahlerus übermittelt außerdem, dass es äußerst wichtig ist, dass die offizielle Antwort , die Henderson später überbringen soll, erwähnt, dass England sich verpflichtet, die Polen zu Verhandlungen mit Deutschland zu bewegen.

In London wird derweilen die offizielle Antwort der britischen Regierung auf Hitlers Sechs-Punkte-Angebot zu Ende formuliert. Um 14 Uhr geht ein Telegramm von Lord Halifax an den englischen Botschafter in Warschau Kennard mit dem Auftrag, sofort beim polnischen Außenminister nachzufragen, ob sich die polnische Regierung zu direkten Verhandlungen mit der deutschen bereit erklärt. Im Telegramm steckt ein Schachzug Londons, der unweigerlich zum Kriege führt. Minister Halifax betont in diesem Auftrag an Botschafter Kennard, dass man in London genau zwischen der Methode der empfohlenen Verhandlung und den Zielen der Verhandlung unterscheide. Man werde die Andeutung der Verhandlungsbereitschaft von polnischer Seite nicht als Zustimmung zu Hitlers Forderungen in irgendeiner Weise missverstehen. Großbritannien stehe weiter hinter Polen.

Das Telegramm enthält nicht ein einziges Wort zu Danzig und nicht den geringsten Hinweis an die Adresse Warschaus, den Deutschen ein Stück des Wegs entgegenzukommen. Die verklausulierte Botschaft lautet, dass die englische Regierung die polnische Verhandlungsbereitschaft nicht als ein Nachgeben in der Danzig-Frage missverstehen werde und dass Warschau das auch nicht tun sollte. Man erwarte, dass Polen verhandele und nicht mehr. Nach dieser Botschaft kann man in London sicher sein, dass Warschau in Bezug auf Danzig mauert.

Um 16 Uhr trifft die Antwort aus Warschau im Foreign Office ein:

„Außenminister Beck ist äußerst dankbar für die vorgeschlagene Antwort an Hitler und ermächtigt seiner Majestät Regierung, die deutsche Regierung zu informieren, dass Polen bereit ist, sofort in direkte Verhandlungen mit dem Reich einzutreten.“

Um 17 Uhr fliegt Henderson zurück nach Berlin. Um 22.30 Uhr, als Henderson das Antwortschreiben Chamberlains an Hitler übergibt, betont er wieder die Bündnistreue Englands zu Polen und erklärt:

„Das englische Volk und besonders Mister Chamberlain wünschten eine Verständigung mit Deutschland, brauchten allerdings bei der Durchführung dieser Absicht die Mitwirkung Deutschlands, das versuchen müsste, sich mit den Polen auf friedlichem Wege zu einigen.“

Adolf Hitler entgegnet,

dass er bereit gewesen sei, die schwebenden Fragen mit der polnischen Regierung auf einer sehr vernünftigen Grundlage zu regeln. … Jetzt hätten sich die Dinge aber soweit zugespitzt, dass täglich neue Zwischenfälle und neue Gewalttaten gegenüber den Volksdeutschen geschähen. … Für ihn bestehe die Wahl jetzt darin, die Rechte des deutschen Volkes zu verteidigen oder um den Preis einer Einigung mit England aufzugeben. Das sei für ihn keine Wahl, sondern er habe die Pflicht, für die Rechte des deutschen Volkes einzutreten.

Die erste Durchsicht des Briefes aus London stellt Hitler offensichtlich zunächst zufrieden. Dahlerus, der schwedische Vermittler, wird jedenfalls noch um 1.15 Uhr davon informiert,

„dass die Antwort höchst zufriedenstellend wäre und dass nun große Hoffnung bestehe, daß die Kriegsgefahr vorbei sei.“

Am gleichen Tage gibt es noch einen weiteren Hoffnungsschimmer für die deutsche Seite. Mussolini lässt dem Auswärtigen Amt mitteilen, dass das deutsche Anrecht auf Danzig grundsätzlich anerkannt werden müsse, und dass er für alle übrigen Fragen, wie die der Abrüstung, die der Rohstoffversorgung für Deutschland und die der Kolonien, eine Vierer- oder Fünferkonferenz anregen werde.

Dienstag, der 29. August – Drei Tage vor dem Kriegsausbruch:

Gegen 11 Uhr morgens sehen sich Göring und Dahlerus wieder. Der Marschall drückt dem schwedischen Vermittler die Hand und sagt ganz aufgeregt:

„Es bleibt Frieden! Der Frieden ist gesichert.“

Inzwischen ist man in der Reichskanzlei dabei, den Antwortbrief der englischen Regierung sorgfältig auszuwerten. Hitler ist mit alledem offensichtlich einverstanden. Doch der Brief enthält drei kritische Passagen. Der dritte und wohl folgenschwerste Haken in der Antwort aus London ist die Reihenfolge der Voraussetzungen, die nun gelten sollen. Adolf Hitler hat einen Freundschaftspakt geboten, wenn England bei der Danzig-Sache hilft. Die britische Regierung antwortet: wenn Deutschland und Polen den Danzig-Streit auf dem Verhandlungsweg gelöst haben, ist England bereit, einen Freundschaftspakt zu schließen. Hitlers Voraussetzung für Deutschlands Einigung mit Polen ist der Freundschaftspakt mit England. Chamberlains Voraussetzung für den Freundschaftspakt mit England ist Deutschlands Einigung mit Polen. Die Briten zeigen Hitler also nach wie vor die verschlossene Tür in Warschau und sagen „Geh hindurch“. Hitlers Rechnung oder Hoffnung geht also auch in diesem Punkt nicht auf. Dennoch ist ihm sein Fernziel eines Ausgleichs und eines Freundschaftspakts mit Großbritannien nun wichtiger als das Nahziel Danzig. Er geht auf Chamberlains schwierige Konditionen ein.

Hitler antwortet mit einer Note, in der er als erstes die Bedingungen aus London akzeptiert. Erst zum Schluss des Briefes baut er eine Hürde auf, über die nun die Briten und die Polen gehen müssen. Er beendet seinen Brief mit der Erwartung, dass die deutsch-polnischen Verhandlungen nun wirklich am Mittwoch, dem 30. August also binnen 29 Stunden aufgenommen werden:

Der deutsche Kanzler steht in vieler Hinsicht mit dem Rücken an der Wand. Er will so schnell wie möglich von den Briten Taten sehen oder herausfinden, ob er hingehalten wird. Außerdem will Adolf Hitler sich von der polnischen und der französischen Presse nicht wieder „weiche Knie“ wie vor drei Wochen attestieren lassen. Um 19 Uhr übergibt Hitler seine Antwort an Botschafter Henderson, der sie sofort lesend überfliegt. Henderson macht aus dem Entsetzen über die so kurz gesteckte Frist nicht den geringsten Hehl:

„Sie geben dem polnischen Unterhändler 24 Stunden Zeit, um nach Berlin zu kommen. Das klingt wie ein Ultimatum.“

„Aber keineswegs“, entgegnet Hitler. „Dieser Satz unterstreicht nur die Dringlichkeit des Augenblicks. Bedenken Sie, dass es jederzeit zu einem schweren Zwischenfall kommen kann, wenn sich zwei mobilisierte Armeen gegenüberliegen.“

Henderson beharrt auf seiner Ansicht:

„Die Frist ist unzureichend.“

„Nein“, so Hitler. „Es ist jetzt eine Woche, dass wir immer dasselbe wiederholen. Wir tauschen unablässig Noten und Antworten aus. Dieses unsinnige Spiel kann nicht ewig weitergehen. … Denken Sie an die Gewehre, die jeden Augenblick von allein losgehen können.“

Nach dem Besuch bei Hitler informiert Henderson sofort seinen polnischen Kollegen Lipski über das Gespräch mit Hitler und den Inhalt des Briefs an Chamberlain und dringt händeringend auf die sofortige Entsendung eines bevollmächtigten Unterhändlers von Warschau nach Berlin. Dann erst, um 21 Uhr, wendet er sich per Telegramm an Minister Halifax in London. Er kündigt Hitlers Brief an und weist darauf hin, dass Hitler morgen, am 30. August, einen bevollmächtigten Unterhändler Polens in Berlin erwartet. Henderson ringt offensichtlich ehrlich um den Frieden.

In Warschau beraten derweil Außenminister Beck, Verteidigungsminister Kasprzycki und der Oberbefehlshaber der Streitkräfte Marschall Rydz-Śmigły. Ihr Ergebnis: in der Danzig-Frage wird nicht nachgegeben. Ein Entschluss zu verhandeln, wie von den Briten dringend angeraten, kommt nicht zustande. Am Nachmittag beschließt der polnische Ministerrat für morgen, den 30. August, die Allgemeine Mobilmachung offiziell bekanntzugeben. Der französische Botschafter und der englische, die unbedingt verhindern wollen, dass der Krieg im letzten Moment doch noch von Polen provoziert wird, protestieren sofort im polnischen Außenministerium gegen den Beschluss, öffentlich mobil zu machen.. Wenn Warschau jetzt den Krieg auslöst und nicht Berlin, ist kein Bündnisfall gegeben, und Paris hätte völkerrechtlich keine Legitimation, mit Deutschland abzurechnen.

Mittwoch, der 30. August – Zwei Tage vor dem Kriegsausbruch:

Morgens um 4 Uhr erhält Henderson aus London die Weisung, der Deutschen Reichsregierung mitzuteilen, dass man nicht damit rechne, binnen 24 Stunden einen bevollmächtigten Unterhändler aus Warschau nach Berlin zu bekommen. Die Warnung, dass an diesem „letzten“ Tag kein Pole kommen werde, gibt Henderson weder an Außenminister von Ribbentrop noch an Hitler weiter.

Den ganzen Morgen erarbeitet eine Gruppe von Diplomaten und Juristen nach Hitlers Weisungen und Görings Vorschlägen das neue Verhandlungsangebot an die polnische Regierung. Adolf Hitler hat die früheren deutschen Wünsche aus der Zeit seiner demokratischen Vorgängerregierungen weit zurückgefahren. Ost-Oberschlesien und die Provinz Posen sind endgültig abgeschrieben. Auch in Bezug auf Westpreußen und den Korridor hat er die Forderungen, die er noch vor vier Tagen gegenüber Henderson geäußert hat, wieder reduziert. Hitler will offensichtlich die Briten mit einem sehr moderaten Vorschlag überzeugen, so dass sie guten Gewissens die Polen zu einem Entgegenkommen drängen können. Die Auflistung der deutschen Wünsche und Angebote umfasst 16 Punkte. Dazu gehören:

– Danzig kehrt heim ins Reich.

– Im nördlichen Korridor soll die Bevölkerung in einer Abstimmung selbst entscheiden, ob as Gebiet polnisch oder deutsch wird.

– Die Hafenstadt Gdingen bleibt dabei auf jeden Fall polnisch.

– Je nach Abstimmungsergebnis im Korridor erhält entweder Deutschland exterritoriale Verkehrswege nach Ostpreußen oder Polen exterritoriale Verkehrswege nach Gdingen.

– Die Beschwerden der deutschen Minderheit in Polen und die der polnischen Minderheit in Deutschland werden von einer internationalen Kommission untersucht. Beide Nationen zahlen Entschädigungen an betroffene Geschädigte nach Maßgabe der Kommission.

– Im Falle einer Vereinbarung nach diesen Vorschlägen demobilisieren Polen und Deutschland sofort ihre Streitkräfte.

Der Vertragsvorschlag wahrt das Selbstbestimmungsrecht der betroffenen polnischen, kaschubischen und deutschen Bevölkerungsanteile in einer zeitgemäßen Weise. Aber so neuzeitlich und demokratisch die vorgeschlagene Regelung auch ist, für den Vielvölkerstaat Polen mit seinen nicht integrierten Minderheiten birgt sie eine ungeheure Sprengkraft. Die ukrainische, die weißrussische und die tschechische Minderheit könnten dem deutschen Beispiel später folgen und das von ihnen ungeliebte Polen ebenfalls mit regionalen Volksabstimmungen verlassen wollen.

Der 30. August vergeht, ohne dass ein polnischer Unterhändler in Berlin erscheint, um den neuen Verhandlungsvorschlag Hitlers in Empfang zu nehmen. Statt dessen berichtet die deutsche Botschaft in Warschau, dass seit morgens in ganz Polen die Generalmobilmachung bekanntgegeben wird. Als auch am Nachmittag noch niemand aus Warschau angekündigt wird, schwindet Hitlers Hoffnung. Er verschiebt den bisher auf den 31. August festgelegten Beginn des Angriffs gegen Polen noch einmal um 24 Stunden. Die dritte Verschiebung unmittelbar vor Kriegsbeginn. Hitler räumt sich damit selber eine weitere Chance ein, ohne Blutvergießen zum Erfolg zu kommen. Für ihn ist ein Krieg, zwei Tage bevor er ihn eröffnet, offensichtlich noch immer nur der schlechtere von zwei Lösungswegen.

In Warschau ist die polnische Regierung derweil nach wie vor der Überzeugung, dass Hitler blufft und selber in der Klemme steckt. Man hält die letzte Drohung Hitlers, am 26. August in Polen einzumarschieren, nachträglich für ein missglücktes Einschüchterungsmanöver, dem nun ein weiteres folgen wird. Außenminister Beck glaubt, man müsse das nur mit guten Nerven aussitzen. Er ist entschlossen, niemand nach Berlin zu entsenden.

Um 19.00 Uhr schickt Halifax ein Telegramm nach Warschau. Er weist Kennard an, Beck zu informieren, dass die deutsche Seite die englischen Vorschläge zu direkten deutsch-polnischen Verhandlungen und zur Fünf-Mächte-Garantie angenommen und versichert hat, Deutschland werde die vitalen Interessen Polens respektieren. Doch von den neuen 16 Punkten Hitlers, die er zum Teil schon von Dahlerus kennt, wird kein Sterbenswort erwähnt. Chamberlain versucht ganz offensichtlich, Hitlers Zeitreserve zu verbrauchen.

Gegen Abend wird auch für die deutsche Seite sichtbar, dass Außenminister Halifax die ganze Frist, die Hitler für eine Friedens- und Verhandlungslösung offenlässt, hat verstreichen lassen, ohne dass er Polen drängt, sofort Gespräche mit den Deutschen aufzunehmen. Um 18.50 Uhr schickt er Henderson in Berlin die Weisung, der deutschen Reichsregierung „nahezulegen, den polnischen Botschafter einzuladen, die neuen deutschen Vorschläge entgegenzunehmen und nach Warschau weiterzuleiten“. Halifax unterläuft Hitlers Forderung nach einer sofortigen Aufnahme von Verhandlungen, indem er schreibt, er habe der polnischen Regierung nicht raten können, einen polnischer Unterhändler mit Vollmachten zur Entgegennahme der deutschen Vorschlage zu entsenden. Das Unterlaufen ist perfekt, weil Halifax den Brief so spät auf die Reise schickt, dass Hitlers Termin für den Beginn der deutsch-polnischen Gespräche bei Ankunft schon verstrichen ist. So ist der 30. August zum Kräftemessen zwischen Chamberlain und Hitler geworden, statt zum Ringen um den Frieden.

Der letzte Tag vor Kriegsausbruch, Donnerstag, 31. August

Kurz vor Mitternacht spricht Botschafter Henderson bei Minister Ribbentrop vor und übergibt die gerade erwähnte Antwort aus London auf den letzten Hitler-Brief. Das Treffen wird entgegen beider Männer Absicht zum Desaster. Von Ribbentrop beginnt, dem Botschafter den neuen deutschen 16-Punkte-Vorschlag vorzulesen. Henderson bittet nach kurzem Zuhören um Überreichung des Papiers, was Ribbentrop mit der Begründung ablehnt, der Vorschlag sei inzwischen überholt, da kein polnischer Unterhändler erschienen sei. Hendersons Vermittlung ist damit erst einmal gescheitert.

Henderson verlässt das Auswärtige Amt und eilt, um nichts unversucht zu lassen, in die polnische Botschaft. Er informiert Lipski von dem, was er von Hitlers 16 Punkten aus dem Gespräch mit Ribbentrop behalten hat, z. B. dass Deutschland lediglich die Abtretung Danzigs und eine Volksabstimmung im Korridor vorsähen,  und dass die Vorschläge insgesamt nicht unvernünftig seien. Angesichts der äußerst kritischen Lage – so drängt Henderson in aller Schärfe – solle Lipski unverzüglich Außenminister von Ribbentrop anrufen und bitten, dass man ihm die neuen deutschen Vorschläge aushändigt. Lipski mauert und erklärt, dass er dies ohne Rücksprache mit Warschau nicht tun könne. Henderson beharrt auf seinem Rat und Lipski verspricht nun wenigstens, mit seiner Regierung zu telefonieren.

Noch in der Nacht erfahren Göhring und Dahlerus von der verpatzten Übergabe der 16 Punkte von von Ribbentrop an Henderson. Göhring schickt den Schweden, um zu retten, was zu retten ist, mit einer Kopie des 16-Punkte-Vorschlags zum Stellvertreter Hendersons, dem Diplomaten Sir Ogilvie-Forbes, um ihn zu bitten, den Text so schnell wie möglich dem polnischen Botschafter Lipski zu überbringen. Um 11 Uhr treffen die beiden Emissäre bei Lipski ein. Die Szene, die nun folgt, hat etwas gespenstisch Unwirkliches. Die Botschaft ist so gut wie leergeräumt. Das Botschaftspersonal ist damit beschäftigt, die Abreise vorzubereiten. Dahlerus liest Lipski in dessen fast leerem Zimmer Hitlers 16-Punkte-Vorschlag an die polnische Regierung vor. Lipski unterbricht nach kurzem Zuhören und erklärt, den Inhalt nicht zu verstehen. Der Schwede verlässt den Raum, um eine Abschrift der Hitler-Note zu fertigen und zu übergeben. Derweil eröffnet Lipski dem zurückgebliebenen Ogilvie-Forbes, dass er

„keinerlei Anlass habe, sich für Noten oder Angebote von deutscher Seite zu interessieren. Er kenne die Lage in Deutschland. … Er sei überzeugt, dass hier im Falle eines Krieges Unruhen ausbrechen werden und dass die polnischen Truppen gegen Berlin marschieren werden.“

Um etwa 13 Uhr erhält Henderson per Telefon den Auftrag, die Reichsregierung davon zu informieren, dass die polnische Regierung nun ihren Botschafter ins Außenministerium schicken werde. Fast zeitgleich geht ein Telegramm direkt per Funk von Beck an Lipski in Berlin, wo sie von der deutschen Funkaufklärung mitgeschnitten und entschlüsselt wird. In der Niederschrift des Mitschnitts der deutschen Funkaufklärung hat diese Weisung einen Anhang, der da lautet:

„Lassen Sie sich unter keinen Umständen in sachliche Diskussionen ein. Wenn die Reichsregierung mündliche oder schriftliche Vorschläge macht, müssen Sie erklären, dass Sie keinerlei Vollmacht haben, solche Vorschläge entgegenzunehmen oder zu diskutieren, und dass Sie ausschließlich obige Mitteilung Ihrer Regierung übermitteln.“

Inzwischen, gegen 16 Uhr, sucht Botschafter Lipski um ein Gespräch bei Außenminister von Ribbentrop nach. Der weiß ja seit ein paar Stunden, daß Lipski weder verhandeln noch die deutschen Verschläge entgegennehmen darf. Um 18.30 Uhr stehen sich die beiden Männer gegenüber. Lipski verliest die polnische Erklärung, die von Ribbentrop bereits aus dem entschlüsselten Telegramm aus Warschau kennt. Der Minister fragt daraufhin, ob der Botschafter verhandeln dürfe. Der verneint. Dann fragt von Ribbentrop Botschafter Lipski ein weiteres Mal, ob er verhandeln dürfe. Als der ein zweites Mal verneint, ist das Gespräch beendet. Weder von Ribbentrop noch Lipski machen den leisesten Versuch, dem Gegenüber einen Weg zu lassen. Beide wissen, dass das den Krieg bedeutet.

So sind die letzten Versuche gescheitert und im Sand verlaufen, den Angriffsbeginn der Wehrmacht am 1. September zu verhindern. Gescheitert ist das Bemühen, mit Polen Gespräche über Hitlers 16-Punkte-Vorschlag zu beginnen, und im Sand verlaufen ist der Versuch, mit England statt mit Polen zu verhandeln.

Um 21 Uhr gibt der deutsche Rundfunk Hitlers 16-Punkte-Vorschlag bekannt. Zwischen 21 und 22 Uhr überreicht Staatssekretär von Weizsäcker die schriftlichen Ausfertigungen des Hitler-Vorschlags nacheinander an die Botschafter Englands, Frankreichs, Japans und an die Geschäftsträger der USA und der Sowjetunion.
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Quelle: Nach Gerd-Schultze-Rhonhof – 1939 Der Krieg, der viele Väter hatte