Januar 1933

1.1.1933

  • Reichspräsident Paul von Hindenburg gibt in Berlin einen Neujahrsempfang für das Diplomatische Korps.
  • Die »Frankfurter Zeitung« schreibt in einer Betrachtung zur Jahreswende: »Der gewaltige nationalsozialistische Angriff auf den Staat ist abgeschlagen«. In Deutschland herrscht allgemein die Auffassung, die NSDAP sei am Ende.
  • Der „Völkische Beobachter“ erscheint wieder in Berlin, nachdem die Druckerei Adolf Müller, München, eine Zweigstelle eröffnet hat.
  • Die beiden Gaue Hessen-Nassau-Süd und Hessen-Darmstadt werden zum Groß-Gau Hessen-Nassau zusammengelegt. Zum Gauleiter wird Jakob Sprenger ernannt.
  • Adolf Hitler begibt sich nach München und besucht dort die Vorstellung „Meistersinger“ im Nationaltheater.
  • Edmund Schulthess löst Giuseppe Motta in Bern als Bundespräsident ab. Schulthess ist damit nach 1917, 1921 und 1928 zum vierten Mal Schweizer Staatsoberhaupt.
  • In der Münchner „Bonbonniere“ eröffnet die alkohol- und drogenabhängige Tochter von Thomas Mann, Erika Mann, das politische Kabarett „Die Pfeffermühle“.

3.1.1933

  • Adolf Hitler unterstreicht auf der agrarpolitischen Tagung der NSDAP in München in einer längeren Ansprache die Bedeutung des Bauerntums für die nationalsozialistische Bewegung. Er erklärt u.a.: „Die Verwirklichung des vom Nationalsozialismus wieder erweckten, fundamentalen volkspolitischen Gedankens, der in der These von Blut und Boden seinen Ausdruck findet, wird die tiefstgehende Umgestaltung bedeuten, die jemals stattgefunden hat!“

4.1.1933

  • Im Haus des Bankiers Kurt von Schröder in Köln sprechen NSDAP-Führer Adolf Hitler und Ex-Reichskanzler Franz von Papen über eine gemeinsame Regierungsbildung.
  • Reichspräsident Paul von Hindenburg empfängt den früheren NSDAP-Funktionär Gregor Strasser und billigt den Plan Reichskanzler Kurt von Schleichers, Strasser zum Reichsarbeitsminister und Vizekanzler zu berufen.
  • Am Abend hält Adolf Hitler eine Rede in Detmold anlässlich der Eröffnung des Landtagswahlkampfes in Lippe.
  • Ein Brand auf dem französischen Passagierdampfer „L’Atlantique“ im Ärmelkanal fordert 20 Tote.

5.1.1933

  • Die Reichsregierung bestätigt Berichte aus Washington, wonach sie einen Stundungsantrag für die am 31. März fälligen Zahlungen für Kriegsschäden und Besatzungskosten in Höhe von 33 Mio. Reichsmark gestellt hat.
  • Adolf Hitler hält eine Rede in Leopoldshöhe und in Örlinghausen, in der er prophezeit: „Es kommt ein Reich, aus der Kraft dieser Bewegung heraus geboren, und die Zeichen dieses kommenden Reiches werden die Zeichen unserer Bewegung sein.“
  • In einem gemeinsamen Kommuniqué, das Adolf Hitler und Franz von Papen über ihre Kölner Unterredung veröffentlichten, wird erklärt, dass die Besprechungen sich ausschließlich mit der Möglichkeit der Bildung einer großen nationalen und politischen Einheitsfront befassten.

6.1.1933

  • Der am 20. Juli 1932 durch eine Notverordnung für abgesetzt erklärte preußische Ministerpräsident Otto Braun (SPD) fordert von Reichskanzler Kurt von Schleicher, wieder ins Amt eingesetzt zu werden. Er regt an, vorübergehend ohne Parlament zu regieren.
  • Im Namen des SPD-Vorstandes rät Rudolf Breitscheid dem Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Theodor Leipart, die Gespräche mit Reichskanzler Kurt von Schleicher über einen Regierungseintritt abzubrechen.
  • Adolf Hitler hält Wahlkampfreden in Augustdorf und Horn.
  • Der deutsche Filmregisseur Ernst Lubitsch und die britische Schauspielerin Lilian Harvey reisen von Berlin nach Hollywood. Lubitsch bleibt nach dem 30. Januar dort, während Lilian Harvey nach Deutschland zurückkehrt.

7.1.1933

  • In Moskau beginnt ein bis zum 12. Januar dauerndes Plenum des Zentralkomitees und der Zentralen Kontrollkommission der KPdSU. Josef W. Stalin, der Generalsekretär der KPdSU, berichtet über den ersten Fünfjahresplan, der in vier Jahren und drei Monaten erfüllt worden sei.
  • NSDAP-Führer Adolf Hitler spricht in Hohenhausen und Calldorf.

8.1.1933

  • Adolf Hitler hält eine Wahlkampfrede auf Burg Schwalenberg. Am selben Tag unterstreicht Hitler in einem Interview mit Pressechef Otto Dietrich, dass bei einer etwaigen Regierungsbildung nur seine eigene Kanzlerschaft infrage kommt.
  • Die in Wien erscheinende sozialdemokratische „Arbeiter-Zeitung“ berichtet über die sog. Hirtenberger Waffenaffäre, einen großangelegten Waffenschmuggel aus Italien via Österreich nach Ungarn.
  • In Rumänien gründet der Rechtsanwalt Petru Groza die Landarbeiterfront, eine antifaschistische bäuerliche Partei.
  • In Barcelona und anderen spanischen Städten werden anarchistische Putschversuche niedergeschlagen.

9.1.1933

  • Reichspräsident Paul von Hindenburg beauftragt Ex-Reichskanzler Franz von Papen zur Fortsetzung der am 4. Januar begonnenen Gespräche mit der NSDAP über die Bildung einer Reichsregierung.
  • NSDAP-Führer Adolf Hitler hält eine Wahlkampfrede in Lage (Lippe).

10.1.1933

  • Reichsfinanzminister Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk (parteilos) informiert den Haushaltsausschuss des Deutschen Reichstages über die Finanzlage. Die Schulden des Reiches betrugen am 31. Dezember 1932 12264 Mrd. RM, das sind rund 112 Mio. RM mehr als am 31. März 1932.
  • Auf dem Danziger Langen Markt demonstriert die deutsche Danziger Jugend für die Wiedervereinigung der Freien Stadt mit dem Deutschen Reich.
  • In der Nacht zum 11. Januar findet ein geheimes Treffen zwischen Adolf Hitler und Franz von Papen im Haus von Joachim Ribbentrop in Dahlem statt. Das Gespräch bleibt allerdings ergebnislos.

11.1.1933

  • Das Präsidium des Reichslandbundes kritisiert die Agrarpolitik der von Kurt von Schleicher geführten Reichsregierung.
  • Adolf Hitler hält eine Wahlkampfrede in Lemgo, in welcher er erklärt: „Wir gehen in die Regierung, in dem Augenblick, in denen wir neben der Verantwortung auch die Führung erlangen! Und wenn man uns sagt, das wird uns nicht gelingen, warum ist denn dann die ganze Judenpresse so aufgeregt, als wenn ein Komet einschlägt, wenn ich nach Berlin komme? Wir kämpfen weiter! Wir werden siegen!“

12.1.1933

  • In Lippe suchen NSDAP-Führer Adolf Hitler und der frühere NSDAP-Spitzenfunktionär Gregor Strasser ohne Erfolg eine Verständigung.
  • Als Oberster SA-Führer bestätigt Adolf Hitler die von SA-Stabschef Ernst Röhm veranlasste Enthebung des Nürnberger Reichstagsabgeordneten Wilhelm Stegmann von seinem Posten als SA-Gruppenführer. Allerdings verfügt Stegmann, dem Verstöße gegen die Parteidisziplin vorgeworfen werden, im NSDAP-Gau Franken über erheblichen Anhang.
  • Der Reichsverband der Deutschen Industrie weist die Erklärung des Reichslandbundes vom 11. Januar zurück. Darin werde wider besseres Wissen die Industrie der Mithilfe an der „Ausplünderung der Landwirtschaft“ beschuldigt.

13.1.1933

  • Reichskanzler Kurt von Schleicher empfängt Alfred Hugenberg (DNVP). Dieser will als „Wirtschaftsdiktator“ ins Kabinett eintreten, was Schleicher ablehnt.
  • Vor dem Haushaltsausschuss des Reichstages beziffert Reichsfinanzminister Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk den vermutlichen Haushaltsfehlbetrag der Länder Ende 1932 auf 520 Mio. Reichsmark.
  • NSDAP-Führer Adolf Hitler hält Wahlkampfreden in Barntrup und in Blomberg. Im „Völkischen Beobachter“ veröffentlicht Adolf Hitler einer Erklärung über die „Lügenflut“ in der Presse.
  • Die Direktoren des Deutschen Theaters in Berlin, Karl Heinz Martin und Rudolf Beer, beenden ihre Tätigkeit. Theaterleiter Max Reinhardt beruft Heinrich Neft und Carl-Ludwig Achaz (eigtl. Duisberg) zu ihren Nachfolgern. Zu den Ursachen für den Wechsel gehören finanzielle Probleme des Theaters.

14.1.1933

  • Die Reichsregierung warnt vor aufreizender Agitation und verweist dabei u.a. auf eine Erklärung vom Vorstand des Pommerschen Landbundes, der seine Mitglieder dazu aufgerufen hat, „seine Scholle und seine Arbeitsstelle mit den letzten Mitteln zu verteidigen“.
  • Adolf Hitler spricht in Bad Salzuflen zum Wahlkampf. In Grewenburg trifft sich Hitler mit Wilhelm Stegmann zu einer Aussprache. Stegmann entschuldigt sich bei Hitler und unterschreibt eine Erklärung, in welcher er auf sein Reichstagsmandat freiwillig verzichtet.

15.1.1933

  • Bei den Landtagswahlen im ostwestfälischen Lippe wird die NSDAP mit 39,6% der Stimmen und neun von 21 Sitzen stärkste Partei vor der SPD (sieben Sitze, minus zwei).
  • NSDAP-Führer Adolf Hitler spricht in Weimar auf einer SA- und Gauleitertagung.
  • Im Berliner Sportpalast feiert der Kriegerverband Kyffhäuserbund die Reichsgründung. Als Gast versichert Reichskanzler Kurt von Schleicher den Teilnehmern, die Reichswehr sei von demselben Geist beseelt wie das alte Heer.
  • In Berlin führt die KPD eine Kundgebung zu Ehren der 1919 ermordeten KPD-Führer Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg durch. Die Hauptredner sind der Komintern-Vertreter Wilhelm Pieck und der Generalsekretär der französischen KP, Maurice Thorez.
  • Papst Pius XI. erlässt eine Bulle zum Heiligen Jahr 1933/34 anlässlich des 1900. Todestages Jesu Christi.

16.1.1933

  • Das Reichskabinett billigt den Plan Kurt von Schleichers, die zu erwartende Abkehr der NSDAP von ihrer Tolerierungspolitik mit der Auflösung des Reichstages und der Verzögerung der Neuwahlen zu beantworten.
  • Vor den in Weimar versammelten NSDAP-Gauleitern rechnet Adolf Hitler mit dem »abtrünnigen« Gregor Strasser, seinem ehemaligen Reichsorganisationsleiter, ab. Die Gauleiter geloben Hitler unbedingte Gefolgschaft.
  • Reichskanzler Kurt von Schleicher empfängt Prälat Ludwig Kaas (Zentrum), der eine Regierungsbeteiligung jedoch ablehnt.

17.1.1933

  • Der sozialpolitische Ausschuss des Reichstages lehnt die von der NSDAP geforderte Arbeitsdienstpflicht ab. Er nimmt eine Resolution der Zentrumspartei an, die eine Fortführung des freiwilligen Arbeitsdienstes vorsieht.
  • NSDAP Führer Adolf Hitler, Alfred Hugenberg und der Fraktionsvorsitzende der Deutschnationalen Volkspartei im Reichstag Otto Schmidt-Hannover konferieren in Berlin über die Möglichkeit einer gemeinsamen Regierung oder einer gemeinsamen Opposition. Die Sitzung bleibt ergebnislos.

18.1.1933

  • Vor dem Haushaltsausschuss des Reichstages beziffert Reichswirtschaftsminister Hermann Warmbold die Verschuldung der deutschen Landwirtschaft für Ende 1932 auf rund 11,4 Mrd. RM und die jährlichen Kreditzinsen auf rund 620 Mio. RM.
  • Adolf Hitler spricht erneut mit Franz von Papen in der Dahlemer Villa des Henkelvertreters Joachim von Ribbentrop über eine Regierungsbildung. Anwesend sind auch Ernst Röhm und Heinrich Himmler. Hitler fordert erneut die Kanzlerschaft. Von Papen erklärt dass sein Einfluss auf den Reichspräsidenten Hindenburg nicht ausreicht, um das zu bewerkstelligen. Daraufhin sagte Hitler, dass er keinen Sinn in weiteren Gesprächen sieht.

19.1.1933

  • Im Haushaltsausschuss des Reichstages verlangt Joseph Ersing (Zentrum) eine Untersuchung über die Verwendung der Osthilfegelder durch die Großgrundbesitzer.
  • Nach der Zusammenlegung Niederbayern-Oberpfalz und Oberfranken, wird Hans Schemm Gauleiter des neuen Gaues Bayerische Ostmark.
  • In der Nacht zum 20. Januar sprechen Adolf Hitler, Josef Goebbels und Hermann Göring in dessen Privatwohnung die zukünftige Richtung durch.

20.1.1933

  • Der Ältestenrat des Reichstages vertagt auf Antrag der Zentrumsfraktion die Eröffnung des Parlaments vom 24. auf den 31. Januar. Bis dahin sollen gemäß einer am selben Tag getroffenen Absprache zwischen Reichskanzler Kurt von Schleicher und dem Zentrum weitere Gespräche über eine Regierungsbildung geführt werden.
  • Das SPD-Zentralorgan „Vorwärts“ kommentiert die Intrigen um die Regierungsbildung mit den Worten: „Wer findet sich noch zurecht in der Geheimpolitik, die ohne das deutsche Volk getrieben wird?“
  • Der SA-Gruppenführer Wilhelm Stegmann wird von Adolf Hitler aus der Partei ausgeschlossen. Stegmann hatte seinen Austritt schon selbst erklärt, und mit seinen Unterführern das „Freikorps Franken“, unabhängig von der NSDAP, gegründet.
  • NSDAP Führer Adolf Hitler hält abends im Berliner Sportpalast auf einer Amtswalterversammlung der NSDAP eine Rede.

21.1.1933

  • Die Reichstagsfraktion der DNVP kündigt dem Kabinett von Kurt von Schleicher offene Opposition an und fordert eine „starke Staatsführung“. Die Erklärung wird auf Bitten des Kanzlers erst am 24. Januar veröffentlicht.
  • Im Vortrag bei Reichspräsident Paul von Hindenburg erklärt Theodor Leipart, der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, unter Hinweis auf die über sechs Mio. Arbeitslosen: „Die Verelendung hat ihren schlimmsten Grad erreicht“.

22.1.1933

  • In Berlin spricht NSDAP-Führer Adolf Hitler mit Ex-Reichskanzler Franz von Papen und Oskar von Hindenburg, dem Sohn des Reichspräsidenten, über eine Regierungsbildung. Er betont, die demokratischen Spielregeln achten zu wollen.
  • Ohne Zwischenfälle verläuft eine von der Polizei geschützte nationalsozialistische Großdemonstration von 35.000 SA und SS-Männern auf dem Bülowplatz vor dem Karl-Liebknecht-Haus, dem Sitz der KPD-Leitung in Berlin. Die Gedenkveranstaltung für den „Sänger unserer deutschen Freiheitsbewegung“, Horst Wessel, endet auf dem Nikolaifriedhof am Grab von Horst Wessel. Adolf Hitler enthüllt einen Gedenkstein und hält eine Rede für den ermordeten SA-Mann Wessel. Noch am gleichen Abend findet im Berliner Sportpalast eine Horst-Wessel-Gedenkfeier statt. Adolf Hitler preist in seiner Rede „jene Fanatiker, die erfasst sind von der großen Aufgabe ihrer Zeit, die leben in ihrer Aufgabe, und sterben in ihr.“
  • Zum Auftakt des Betriebsrätewahlkampfes organisiert der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund in Berlin eine Konferenz von 400 Betriebsräten. Unter der Parole „Sachliche Arbeit im Interesse der Arbeiterklasse“ sollen KPD und NSDAP gleichermaßen bekämpft werden.
  • Am Staatlichen Schauspielhaus in Berlin wird unter der Regie von Gustav Lindemann Johann Wolfgang von Goethes Drama „Faust II“ aufgeführt. In der Rolle des Mephisto erfährt Gustaf Gründgens besonderes Lob.
  • Der Vorstand des Deutschen Fußball-Bundes berät in Berlin ohne Ergebnis über die Einführung des Berufsspielertums.

23.1.1933

  • Reichspräsident Paul von Hindenburg empfängt Reichskanzler Kurt von Schleicher und lehnt dessen Wunsch nach Auflösung des Reichstages und Ausrufung des Staatsnotstandes ab.
  • Reichskanzler Kurt von Schleicher, dessen Pläne zur Ausrufung eines Staatsnotstandes und des Verbots von NSDAP und KPD bekanntgeworden sind, dementiert derartige Überlegungen und erklärt, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln die Verfassung erhalten zu wollen.
  • Das Präsidium der in Genf tagenden Abrüstungsversammlung billigt eine Konvention über Rüstungskontrolle und regelmäßige Überprüfungen. Vier Staaten, darunter das Deutsche Reich, melden gegen dieses Regelwerk einen Generalvorbehalt an, da jede Kontrolle abhängig von einer grundlegenden Übereinstimmung in der Abrüstungsfrage sein müsse.
  • Unter Führung von Theodor Lewald wird in Berlin das Organisationskomitee für die Olympischen Sommerspiele 1936 gegründet. Die dafür nötigen Geldmittel will man durch eine Lotterie und einen Olympia-Groschen, der bei jeder Sportveranstaltung erhoben wird, aufbringen.

25.1.1933

  • Bei der Auflösung einer Kundgebung des kommunistischen Kampfbundes gegen den Faschismus in Dresden durch die Polizei, werden sieben Personen durch Schüsse getötet und zwei weitere infolge einer Panik zu Tode getrampelt.
  • Die Berliner Akademie der Künste bestätigt den Architekten Hans Poelzig, gegen den der nationalsozialistische Kampfbund für deutsche Kultur eine Hetzkampagne begonnen hat, in seinem Amt als stellvertretenden Präsidenten.
  • Auf einer Versammlung des Parteiaktivs der Moskauer Garnison berichtet Kliment J. Woroschilow, der Volkskommissar für das Heerwesen, dass der aktive Teil der Roten Armee mittlerweile bereits zu 59% aus Mitgliedern der KPdSU oder Jungkommunisten bestehe.

26.1.1933

  • Reichspräsident Paul von Hindenburg verweigert Reichskanzler Kurt von Schleicher die erbetenen Vollmachten erneut. Schleicher verlangte, mit »der gesamten vollziehenden Gewalt im Reichsgebiet ohne Einschränkung und Befristung« betraut zu werden.
  • Bei einem Empfang des Chefs der Heeresleitung, Generaloberst Kurt Freiherr von Hammerstein-Equord, erklärt Reichspräsident Paul von Hindenburg in Bezug auf Adolf Hitler: »Sie werden mir doch nicht zutrauen, dass ich diesen böhmischen Gefreiten zum Reichskanzler berufe«.
  • Die anhaltende Kältewelle im Deutschen Reich führt in Breslau zu Temperaturen von minus 32 Grad.

27.1.1933

  • Der preußische SPD-Politiker Otto Braun warnt Reichskanzler Kurt von Schleicher in einem offenen Brief vor dem Versuch, den Reichstag ausschalten zu wollen.
  • Adolf Hitler bricht im Zorn alle Verhandlungen ab und kann nur mit Mühe davon abgehalten werden, von Berlin nach München abzureisen. Papens Versicherung, er bekenne sich nun uneingeschränkt zu einer Kanzlerschaft Hitlers, wendet Hitlers Stimmung.
  • Wegen der hohen Benzinsteuern blockieren die Wiener Taxifahrer für mehrere Stunden die Innenstadt.

28.1.1933

  • Nachdem Reichspräsident Paul von Hindenburg eine Auflösung des Reichstages abgelehnt hat, erklärt Reichskanzler Kurt von Schleicher mit dem gesamten Kabinett seinen Rücktritt.
  • In einem Telegramm an den Reichspräsidenten warnen die Spitzenverbände der Gewerkschaften vor der Berufung einer „arbeiterfeindlichen Regierung“.
  • Das Sekretariat der KPD ruft die Bezirksleitungen der Partei auf, den für den 12. März angesetzten Parteitag der SPD zu nutzen, um „die Rolle und den Charakter der SPD als soziale Hauptstütze der Bourgeoisie“ zu entlarven.
  • Im Restaurant Zoologischer Garten in Berlin findet der traditionelle Ball des Vereins Berliner Presse statt.
  • Unter Mitwirkung des Komponisten wird in Frankfurt am Main das 2. Klavierkonzert von Bela Bartok uraufgeführt. Es dirigiert Hans Rosbaud.

29.1.1933

  • In Berlin lehnt der am Vortag von seinem Posten als Reichskanzler und Wehrminister zurückgetretene Kurt von Schleicher vor hohen Reichswehr-Offizieren einen Militärputsch ab.
  • Reichspräsident Paul von Hindenburg bittet Franz von Papen, selbst ein Kabinett zu bilden. Papen weiß, dass er jetzt keine Chance mehr hat, zum zweiten Mal Reichskanzler zu werden, und strebt eine Vizekanzlerschaft unter Hitler an, gegen den sich Hindenburg nicht mehr grundsätzlich zu wehren scheint. Am späten Abend legt Papen dem Reichspräsidenten eine Liste mit konservativen und „gemäßigten“ Ministerkandidaten vor, die einen Kanzler Hitler „einrahmen“ sollen. Hindenburg lässt zum ersten Mal seine Zustimmung zu Hitlers Kanzlerschaft erkennen. Hitler wird für elf Uhr am nächsten Morgen zur Vereidigung bestellt.
  • Reichspräsident Paul von Hindenburg beruft den in Genf weilenden General Werner vom Blomberg nach Berlin. Er will ihn zum Reichswehrminister ernennen.

30.1.1933

  • Reichspräsident Paul von Hindenburg beruft Adolf Hitler, in der Alten Reichskanzlei in der Wilhelmstraße, zum Reichskanzler. Neben Hitler gehören dem Kabinett mit Wilhelm Frick (Inneres) und Hermann Göring (ohne Geschäftsbereich) zwei weitere NSDAP-Mitglieder an.
  • Aus Anlass der Machtübernahme paradierten in Berlin etwa 15.000 Mitglieder von SA, Schutzstaffel (SS), und „Stahlhelm“ mit Militärmusik und Fackeln durch das Brandenburger Tor und an der hell erleuchteten Staatskanzlei vorbei, von der aus der neuernannte Reichskanzler Adolf Hitler und seine Parteifreunde Göring, Hess und Goebbels dem Spektakel beiwohnten. Reichspräsident Hindenburg saß nur wenige Meter von der Reichskanzlei entfernt. Tausende Zivilisten waren auf der Straße, die angesichts dieses Festzuges hellauf begeistert waren. Joseph Goebbels ließ das Rundfunkprogramm unterbrechen um das Ereignis zu übertragen. Auch in anderen deutschen Städten und Dörfern fanden ebenfalls Fackelzüge statt, allerdings erreichte der Festakt nur den nationalsozialistisch eingestellten Bevölkerungsteil. Die KPD rief im Gegenzug zum Generalstreik auf.        

31.1.1933

  • Durch zwei am 31. Januar bzw. 2. Februar in Kraft tretende Notverordnungen des Reichspräsidenten werden Franz von Papen zum Reichskommissar für Preußen und Hermann Göring (NSDAP) zum Reichskommissar für die Luftfahrt ernannt.
  • Auf der Sitzung des SPD-Parteiausschusses in Berlin sagt der Fraktionsvorsitzende Rudolf Breitscheid, man müsse auf ein Ende der Hitler-Regierung hinarbeiten.
  • Vor dem Bundesausschuss des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes erklärt der Vorsitzende Theodor Leipart auch die Hitler-Regierung werde nicht: „die deutsche Arbeiterschaft und deren Organisationen überwältigen können“.
  • Reichskanzler Adolf Hitler verhandelt mit dem Prälaten Ludwig Kaas, Vorsitzender der Zentrumspartei, über eine mögliche Regierungsbeteiligung. Die Gespräche verlaufen allerdings ergebnislos.
  • Auf der Kabinettssitzung am Nachmittag spricht sich Reichskanzler Adolf Hitler für die Auflösung des Reichstages und baldige Neuwahlen aus. Hitler erklärt, das soll die letzte Neuwahl zum Reichstag sein. Die Rückkehr zum parlamentarischen System sei unbedingt zu vermeiden.
  • Der SS-Gruppenführer Sepp Dietrich wird von Adolf Hitler mit der Aufstellung einer zuverlässigen „Stabswache“ beauftragt.
  • Als Nachfolger für den am 29. Januar zurückgetretenen Joseph Paul-Boncour bildet der Radikalsozialist Edouard Daladier in Frankreich eine neue Regierung.
  • Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung beziffert die Zahl der Arbeitslosen im Deutschen Reich mit 6 013 612 Personen.

Jetzt beginnt Adolf Hitlers gewaltiges wirtschaftliches, soziales und kulturelles Aufbauwerk im Sinne des Nationalsozialismus und zum Wohle der Nation! Was Adolf Hitler mit seinen Mitarbeitern in den folgenden sieben Jahren erreicht – ist ein geschichtlich einmaliges Ergebnis!

.