Der Tag von Potsdam – Tag der nationalen Erneuerung

Der Tag von Potsdam (früher auch Tag der nationalen Erneuerung) am 21. März 1933 war die öffentlich bekundete Verschmelzung von preußisch-deutscher Tradition und Nationalsozialismus.

Tag_von_Potsdam

Verlauf

Durch ein Spalier jubelnder Millionen geht die Fahrt Hindenburgs, der Regierung und der Abgeordneten von Berlin nach Potsdam. Millionen in ganz Deutschland hören im Rundfunk die von Dr. Goebbels glänzend arrangierten Reportagen zur feierlichen Reichstagseröffnung am 21. März 1933. Zurückhaltend und maßvoll beschwört der Führer die preußischchristliche Tradition, die Vermählung zwischen den Symbolen der alten Größe und der neuen Bewegung. Feierlich bekennt sich der Reichskanzler zur „nationalen Erhebung“.

Für Potsdam, die Stadt der preußischen Könige, heißt die Parole am Dienstag, dem 21. März 1933: „Tag der Nation“. Es ist frisch, der Himmel zeigt Wolken, einige Schneeschauer wehen daher, dann jedoch herrschen klares Blau und eitel Sonnenschein. Am 21. März 1871 hatte der Reichskanzler Fürst Bismarck den ersten Reichstag des neuen deutschen Kaiserreiches in Berlin eröffnet, des „Zweiten Reiches“ nach dem selig-unseligen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.

An genau dem gleichen 21. März soll jetzt der erste Reichstag des beginnenden „Dritten Reiches“ in der Stadt der preußischen Soldatenherrschers eröffnet werden, und zwar in der Garnisonkirche, wo die Särge König Friedrich Wilhelms I. und seines Sohnes Friedrich des Großen stehen.

Seit knapp acht Wochen ist Adolf Hitler der 21. Reichskanzler der auf dem Papier noch existenten Republik von Weimar, an der Spitze eines nationalsozialistisch konservativen Koalitionskabinettes. Mit der Wahl Potsdams als Stätte eines Staatsaktes zur Parlamentseröffnung will Hitler den Kontrapunkt zu Weimar setzen, wo die deutsche Nationalversammlung 1919 unter Führung der Novemberverbrecher die Republik aus der Taufe gehoben hatte.

Salutschüsse_(Tag_von_Potsdam)
Tag von Potsdam: Soldaten der Reichswehr im Lustgarten der Garnisonkirche beim Abfeuern von 21 Salutschüssen, nachdem Hindenburg auf dem Grab von Friedrich dem Großen einen Kranz niedergelegt hatte

Programm

Das Programm sieht vor:

  • 6.30 bis 7.30 Uhr: Platzkonzert der Reichswehr vor dem Stadtschloss.
  • 10.30 Uhr: Gottesdienst; für evangelische Teilnehmer aus Reichsregierung und Reichstag in der Nicolaikirche (Predigt D. Dr. Otto Dibelius, Generalsuperintendent der Kurmark), für Katholiken in der Pfarrkirche (Hochamt Domvikar Banasch).
  • 11.30 Uhr: Feierlicher Zug der Akteure, Kabinettsmitglieder und Abgeordnete sowie Ehrengäste, zur Garnisonkirche. 12.00 Uhr-. Staatsakt mit Ansprachen des Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Hindenburg (Jahrgang 1847) und des Reichskanzlers.
  • 12.45 Uhr: Vorbeimarsch der Potsdamer Garnison, der Schutzpolizei und der paramilitärischen Verbände, SA (Sturmabteilungen), SS (Schutzstaffeln) und des „Stahlhelm Bund der Frontsoldaten“ vor dem Reichspräsidenten. Unter den Ehrengästen finden sich die Notabeln des 1918 abgedankten Hohenzollernhauses, an der Spitze Kronprinz Wilhelm, preußische Prinzen, zahlreiche Generale und Admirale, pittoreskeste Figur der greise Generalfeldmarschall von Mackensen im Kalpak der Danziger Leibhusaren.
Hitler_und_Papen_Garnisonkirche_21.03.1933
Adolf Hitler und Franz von Papen auf dem Weg zur Garnisonkirche am sogenannten „Tag von Potsdam“ am 21. März 1933

Keine Mandate zugeteilt

Mit dem am 5. März 1933 frei gewählten Deutschen Reichstag hat es eine besondere Bewandtnis. Stärkste Partei ist die NSDAP mit 288 Mandaten, zweitstärkste die SPD mit 120 und drittstärkste die KPD mit 81 Sitzen. Was die Sozialdemokraten betrifft, so können sie am 21. März 1933 noch mit 94 Abgeordneten aufwarten. Den Kommunisten sind keine Mandate mehr zugeteilt worden, da sie an der Inbrandsetzung des Reichstagsgebäudes am 27. Februar beteiligt waren, die Partei wurde hiermit das erste Mal aufgelöst, ihr Funktionärsapparat weitgehend zerschlagen.

Unter den verbleibenden Parteien haben die Koalitionspartner der NSDAP, die „Kampffront Schwarz-Weiß-Rot“ (Deutschnationale und Stahlhelm), noch 52 Sitze ergattert. Den bedeutsamsten Block bilden die katholischen Schwesterparteien, Zentrum mit 73 und Bayerische Volkspartei mit 19 Mandaten. Dazu npch ein Dutzend Abgeordnete von fünf liberalbürgerlichen, christlichen oder agrarischen Splittergruppen, die früher mächtigen Demokraten und die nationalliberalen Deutschen Volksparteiler zählen noch drei beziehungsweise zwei Vertreter.

Die Sozialdemokraten verzichteten stillschweigend auf einen Canossagang nach Potsdam. Für Adolf Hitler spielte die Haltung des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei die Hauptrolle. Adolf Hitler verkündete am 23. März das Ermächtigungsgesetz für vier Jahre, dazu bedurfte er im Reichstag einer Zweidrittelmehrheit. die nur mit Hilfe der „Schwarz-Weiß-Roten“ nicht zu erbringen war. Auf Seiten des Zentrums hofft dessen Vorsitzender, Prälat Ludwig Kaas, dass die neue nationale Regierung endlich das lange geplante Reichskonkordat mit dem Vatikan abschließen wird. Diese Hoffnung teilt auch der katholisch-konservative Vizekanzler von Papen.

Potsdamer_Kurs

Zum Hochamt ging Adolf Hitler nicht

Die Fraktionen, die nach Potsdam wallfahren, haben Omnibusse für ihre Abgeordneten gemietet. Es gibt eine Panne. Im Bus der Zentrumsleute wollen Kriminalbeamte Kontrollen auf Waffenbesitz vornehmen. Prälat Kaas alarmiert den preußischen Innenminister Hermann Göring, der diese Aktion stoppt. Franz von Papen erlebt einen Rückschlag, als Adolf Hitler und Josef Goebbels, beide aus gutkatholischen Familien, sich hartnäckig weigern, am Hochamt in der Pfarrkirche teilzunehmen, weil, wie die Haltung des Episkopates gegenüber dem Nationalsozialismus ihnen einen solchen Schritt unmöglich mache. Der Reichspräsident nimmt am Gottesdienst in St. Nicolai teil. Potsdam wimmelt von Schaulustigen, die die nationale Erhebung feiern, die Straßen sind ein Fahnenmeer, niemand weiß, ob Schwarzweißrot überwiegt oder die neue Hakenkreuzfahne. Die schwarzrotgoldenen Farben der sogenannten Weimarer Republik sieht man nicht.

Der Geist aus Preußens Ruhmesstätte

Kurz nach 12.00 Uhr mittags verliest der hünenhafte uralte Generalfeldmarschall, mit der Linken sich auf den Degen stützend, stehend eine kurze Eröffnungsansprache in der Garnisonkirche. Er will, dass das „heutige Geschlecht“ jenseits von „Eigensucht und Parteizank“ den Geist der preußischen Ruhmesstätte sich zu eigen mache. Dann gibt er dem Reichskanzler das Wort.

Die Mitglieder der NSDAP trugen an diesem Tag die Parteiuniform, das Braunhemd. Adolf Hitler erschien in Zivil. Die Anrede lautete:

„Herr Reichspräsident, Abgeordnete, Männer und Frauen des Deutschen Reichstages.“

Dann folgte eine Regierungserklärung, obwohl nicht viel Zeit bis zum Vorbeimarsch um 12.45 Uhr blieb. Adolf Hitler sprach gegen die Lüge von der Alleinschuld Deutschlands am Ersten Weltkrieg, verlangt die Einheit der Nation in Wille und Geist und sagt ganz klar, was ihm bei diesem Akt in Potsdam vor Augen steht, die Überwindung aller Unterschiede zwischen Berufen, Ständen und der bisherigen Klassen. Es folgt ein Bekenntnis zum Frieden mit den anderen Völkern, eingedenk der Opfer des Krieges.

Von draußen ertönt der Donner der Geschütze, im Lustgarten feuert eine Batterie vom Artillerieregiment 3 einundzwanzig Schuß Salut, während Hindenburg Kränze an den Särgen der Preußenkönige niederlegt. Dann beginnt die Parade bei Marschmusik vor der Garnisonkirche.

Tag_von_potsdam

.

1933-03-21 – Deutscher Rundfunk – Reportage vom Tag von Potsdam in der Potsdamer Garnisonskirche (13m 39s)

1933-03-21 – Paul von Hindenburg und Adolf Hitler – Ansprache in der Potsdamer Garnisionskirche (3m 43s)

.

Der Staatsakt in Potsdam am 21. Maerz 1933 (14 S., Scan, Fraktur)

.
Quelle: Metapedia