Operation „Weserübung“

Unternehmen „Weserübung“ (auch: Fall Weserübung) war der Deckname für die Besetzungen Dänemarks und Norwegens während des Zweiten Weltkrieges durch die deutsche Wehrmacht auspräventivkriegstaktischen Gründen. Die militärische Offensive hatte das Ziel, die von den Briten bereits angelaufene Besetzung Norwegens und Dänemarks zu verhindern.

„Ich bin der Überzeugung, daß dieser Schritt des Führers einen altehrwürdigen Teil Europas vor dem sicheren Untergang und der absoluten Vernichtung, die unseren englischen und französischen Feinden offensichtlich gleichgültig sind, bewahrt hat.“

– Joachim von Ribbentrop, bislang letzter amtierender deutscher Außenminister in seiner Erklärung vor der Auslandspresse vom 9. April 1940 –

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Überblick der Seeoperation

Der Einsatz der sechs Kampfgruppen, deren Landungstruppen nur leicht bewaffnet waren, war so abgestimmt, dass sie gleichzeitig ihre Ziele erreichten, wo sie auf die Schiffe der „Ausfuhrstaffel“ stoßen sollten. Tatsächlich waren alle verfügbaren Überwasserkriegsschiffe eingesetzt. Im Falle einer Gefechtsberührung mit der übermächtigen Royal Navy wäre sowohl das Unternehmen als auch der Bestand der Flotte gefährdet gewesen, wie es sich bei der Narvik-Operation später zeigen sollte. Es kam zu einem Wettlauf nach Norwegen. Faktisch waren beide Flotten gleichzeitig unterwegs, so dass es zu gelegentlichen Zusammentreffen kam, was aber nur die Deutschen nach Möglichkeit vermeiden wollten.

  • Kampfgruppe 1 mit Ziel Narvik:
    • Die Kampfgruppe 1 bestand aus zehn Zerstörern mit 2.000 Gebirgsjägern der 3. Gebirgs-Division an Bord. Fernen Geleitschutz gaben die beiden Schlachtkreuzer „Scharnhorst“ und „Gneisenau“. Die Zerstörer versenkten die beiden alten norwegischen Küstenpanzerschiffe „Norge“ und „Eidsvold“ (rund 4.000 t). Narvik konnte vorerst besetzt werden.
  • Kampfgruppe 2 mit Ziel Trondheim:
    • Die Kampfgruppe 2 bestand aus dem Schweren Kreuzer „Admiral Hipper““ und vier Zerstörern mit 1.700 Mann. Die „Admiral Hipper“ versenkte den Zerstörer „HMS Glowworm“. Das Fort Agdenes bei Trondheim musste sich nach dreistündigem, heftigem Kampf ergeben.
  • Kampfgruppe 3 mit Ziel Bergen:
    • Die Kampfgruppe 3 bestand aus den Leichten Kreuzern „Königsberg“ und „Köln“, dem Artillerieschulschiff „Bremse“, dem Transporter „Karl Peters“, zwei Torpedobooten und fünf Schnellbooten mit 1.700 Mann. Die Forts von Bergen beschädigten drei Schiffe, mussten sich aber innerhalb von Stunden ergeben. Am 10. April wurde die „Königsberg“ im Hafen von britischen Trägerflugzeugen versenkt.
  • Kampfgruppe 4 mit Ziel Kristiansand:
    • Die Kampfgruppe 4 bestand aus dem Leichten Kreuzer „Karlsruhe“, drei Torpedobooten, sieben Schnellbooten und dem Begleitschiff „Tsingtau“ mit 1.100 Mann. Die „Karlsruhe“ wurde vor Kristiansand von einem britischen U-Boot torpediert und sank.
  • Kampfgruppe 5 mit Ziel Oslo:
    • Die Kampfgruppe 5 bestand aus dem Schweren Kreuzer „Lützow“, dem Schweren Kreuzer „Blücher“, dem Leichten Kreuzer „Emden“, drei Torpedobooten und acht Minenräumbooten mit 2.000 Mann. Die „Blücher“ wurde durch Artillerie- und Torpedobatterien von der Festung Oskarsborg aus versenkt, wodurch die Besetzung von Oslo verzögert wurde. So konnten das Königshaus, der Storting (Parlament) und die Regierung nach Norden fliehen.
  • Kampfgruppe 6 mit Ziel Egersund:
    • Die Kampfgruppe 6 bestand aus vier Minenräumern mit 150 Mann. Die Besetzung Egersunds erfolgte, ohne auf wesentlichen Widerstand zu stoßen.

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Der Kampf

Die militärische Offensive wurde eingeteilt in die beiden Operationen „Weserübung Süd” und „Weserübung Nord”. Die deutsche Besetzung Dänemarks spielte lediglich eine strategische Nebenrolle. Es wurde dem Land gestattet, seine Regierung zu behalten und es soll zu nur einem Schusswechsel zwischen deutschen und dänischen Truppen gekommen sein.

Norwegen jedoch war kriegswichtig. Das Reich bezog aus dem skandinavischen Raum den Großteil seiner Eisenerz- und Nickellieferungen. Dies wollten die Engländer durch die Verminung der Westküste Skandinaviens unterbinden. Mit der Operation „Wilfried“ plante England selbst die Besetzung. Einen Tag nach Beginn dieser Operation am 5. April 1940 startete die Operation „Weserübung“, wobei sich die gesamte deutsche Flotte nach Norden bewegte. Nur um wenige Stunden entschieden die Deutschen den Wettlauf nach Norwegen für sich. Die Operation kam jedoch erst am 9. April mit der Landung deutscher Gebirgsjägereinheiten richtig in Gang. Die deutsche Führung hoffte auf eine friedliche Besetzung, aber die norwegische Regierung entschloss sich zum aussichtslosen Widerstand. Dabei hatte sie auch den Weg der Neutralität verlassen, als der Befehl, auf deutsche Schiffe zu feuern, auf britische aber nicht, erteilt wurde. Die erbittertsten Kämpfe gab es um den kriegswichtigen Hafen Narvik.

Es kam deutscherseits nur zum Einsatz einer einzigen kleinen Panzerabteilung, darunter aber ein paar der wenigen schweren Panzer, über die das deutsche Heer damals verfügte, sogenannte Neubaufahrzeuge mit drei Türmen.

Am 13. April kam es zu einigen schweren Seegefechten, bei denen es neun britischen Zerstörern und dem Schlachtschiff HMS „Warspite“ gelang, im Ofot-Fjord alle dortigen deutschen Zerstörer, denen der Rückzugsweg abgeschnitten war, zu versenken. Die schiffbrüchigen Matrosen dieser Schiffe verstärkten danach die deutschen Gebirgsjäger und konnten so in der Folge gegen die große Übermacht der feindlichen Truppen aushalten. Weiterhin gingen die leichten deutschen Kreuzer „Karlsruhe“ (englische U-Boot-Torpedos) und „Königsberg“ (englischer Luftangriff) sowie etliche Frachter durch Angriffe alliierter See- und Luftstreitkräfte verloren. Der nagelneue Schwere Kreuzer „Blücher“ musste nach Torpedotreffern einer den deutschen Streitkräften nicht bekannten norwegischen Küsten-Torpedobatterie aufgegeben werden.

Am 17. April landeten die Alliierten schließlich und setzten die Truppen der Wehrmacht auch durch massiven Beschuss seitens der Royal Navy unter starken Druck. Bis zum 19. April wurden umfangreiche alliierte Verbände, unter anderem auch polnische Soldaten und Reste der Fremdenlegion, in Norwegen angelandet.

Inzwischen verbesserte sich, bedingt durch die Jahreszeit, das Wetter in Norwegen, so dass die Wehrmacht ihre Fronten festigen konnte. Bei schweren Angriffen der deutschen Luftwaffe wurden am 2. Mai ein britischer und ein französischer Zerstörer vor der Hafenstadt Namsos versenkt.

Noch im selben Monat beschloss Winston Churchill wegen der deutschen Erfolge in Frankreich den Abzug der Alliierten aus Norwegen. Bevor die 24.500 Soldaten evakuiert werden konnten, gelang es ihnen jedoch noch, in Narvik einzudringen und den wichtigen Hafen zu zerstören. Der englische Befehlshaber ließ dem norwegischen Kommandanten noch einen Brief zukommen, in dem er ihm noch viel Glück bei der weiteren Verteidigung wünschte, und machte sich sodann aus dem Staub. Der Norweger war darüber dermaßen empört, dass er das Schreiben dem deutschen Befehlshaber Dietl persönlich zeigte. Er war aber weder der erste noch der letzte, der in diesem Krieg den Wert der englischen Hilfe und Treue kennenlernen sollte. Am 10. Juni kapitulierten schließlich die verbliebenen norwegischen Soldaten, womit das Unternehmen „Weserübung“ abgeschlossen war.

Der deutsche Sieg war strategisch und wirtschaftlich von großer Bedeutung, noch größer vom Prestige her, brachte aber auch erwartungsgemäß empfindliche Verluste für die im Vergleich zur englischen oder französischen kleine deutsche Flotte. Durch die Torpedokrise, die viele mögliche Erfolge der deutschen U-Boote zunichte machte, waren die englischen Verluste auch kleiner als erhofft. Immerhin konnte noch der Flugzeugträger „Glorious“ samt seiner Zerstörereskorte „Ardent“ und „Acasta“ von den Schlachtschiffen „Scharnhorst“ und „Gneisenau“ versenkt werden.

Am 9. Mai richtete Adolf Hitler an den Oberbefehlshaber der deutschen Truppen in Norwegen folgenden Befehl:

„Entgegen dem Willen des deutschen Volkes und seiner Regierung haben König Haakon von Norwegen und sein Kabinett zum Kriege aufgefordert. In diesem Kampfe konnten folgende Feststellungen gemacht werden: Anläßlich des Krieges im Osten wurden von den Polen deutsche Soldaten, die das Unglück hatten, verwundet oder unverwundet in ihre Hände zu fallen, meist in der grausamsten Weise mißhandelt und zu Tode massakriert. Zum Unterschied muß von der norwegischen Armee festgestellt werden, daß sich in ihr nicht ein Fall einer solchen entwürdigenden Entartung der Kriegführung gezeigt hat.

Der norwegische Soldat hat alle feigen und hinterlistigen Mittel, wie sie bei den Polen an der Tagesordnung waren, verabscheut. Er hat offen und ehrlich gekämpft und unsere Verwundeten und Gefangenen nach seinem besten Vermögen anständig behandelt, geachtet und versorgt.

Die Zivilbevölkerung hat eine ähnliche Haltung bewiesen. Sie beteiligte sich nirgends am Kampf und nahm sich in fürsorglicher Weise unserer Verletzten an.

Ich habe mich daher entschlossen, in Würdigung dieser Umstände die Genehmigung zu erteilen, die gefangenen norwegischen Soldaten wieder in Freiheit zu setzen. Nur die Berufssoldaten müssen so lange in Haft behalten werden, bis die ehemalige norwegische Regierung ihren Aufruf zum Kampfe gegen Deutschland zurückgezogen hat oder bis sich Offiziere und Soldaten durch feierliches Ehrenwort im einzelnen verpflichten, unter keinen Umständen an weiteren Kampfhandlungen gegen Deutschland teilzunehmen.“

Norwegen wurde Reichskommissariat, sollte jedoch nach dem Willen Adolf Hitlers als selbständiger Staat bestehen bleiben und Teil des deutschen Verwaltungsgebietes sein. Im weiteren Verlauf wurde Norwegen stark befestigt, weil Adolf Hitler mit einer erneuten alliierten Invasion rechnete. Im Februar 1942 wurde eine neue Regierung unter Vidkun Quisling zugelassen. Deutscher Reichskommissar wurde Josef Terboven. Der norwegische König hatte bereits sein Land im Stich gelassen und sich nach England abgesetzt, um dort eine Exilregierung von Churchills Gnaden zu bilden.

Völkischer Beobachter, 10. April 1940: Deutschland rettet Skandinavien!

Fallschirmjäger

Eine wesentliche Rolle nahmen die Fallschirmjäger der deutschen Luftlandetruppen im April 1940 bei der Durchführung des Feldzuges gegen Dänemark und Norwegen ein. Zu ihren Aufträgen zählten vor allem die taktischen Aufträge zur Einnahme von Flugplätzen und operativ wichtigen Verkehrsknotenpunkten; sie ermöglichten damit die Anlandung weiterer deutscher Verbände (Flughäfen von Oslo [Fornebu], Kristiansand [Kjevik] und Stavanger [Sola], so dass Luftbrücken für schnellen Nachschub und Verstärkung entstehen konnten).

Flughäfen Oslo und Stavanger

In den ersten Stunden des Unternehmens „Weserübung“ (am 9. April) wurde versucht, die 1. und 2. Kompanie des I./Fallschirm-Jäger-Regiments 1 auf dem Flugplatz Oslo-Fornebu abzusetzen. Dichter Nebel verhinderte dies. Nach dem Aufreißen des Nebels kämpften deutsche Tiefflieger die Verteidiger des Flugfeldes nieder und ermöglichten den Ju 52 mit den Soldaten an Bord die Landung. Die 3. Kompanie der Fallschirmjäger hatte den Befehl im Sprungeinsatz den Flughafen von Stavanger zu erobern, was auch nach kurzer Zeit gelang.

Dänemark

Die 4. Kompanie des I./Fallschirmjägerregiments 1 kam in Dänemark zum Einsatz. Ihr Ziel war die Brücke zwischen den Inseln Seeland und Falster. Die dänischen Brückenwachen wurden überrascht und nach kurzem Widerstand entwaffnet.

Dombås

Eine der Kompanien, die in Oslo eingesetzt waren, bestieg nach Klärung der Lage am 14. April wieder die Maschinen und wurde östlich von Dombås abgesetzt. Sie sollte dort die Vereinigung der in Namsos gelandeten Alliierten mit den Norwegern verhindern. Zudem sollte die Bahnlinie unterbrochen und die Straße weiter südlich gesperrt werden. Das Unternehmen stand unter Leitung von Oberleutnant Schmidt. Bereits im Anflug wurden jedoch drei der 15 Maschinen abgeschossen, beim Absetzen der Fallschirmjäger dann weitere fünf. Die Sprengung der Bahnlinie gelang, jedoch waren die feindlichen Verbände zu stark, so dass die Sperrung der Straße nur kurzfristig gelang. Nach fünf Tagen musste sich der aus nur noch 34 Männern bestehende Rest der Truppe den eingetroffenen Engländern ergeben. Kurz vor dem Abtransport über Narvik wurden sie von Soldaten der eigenen Division befreit.

Narvik

Nach der Anlandung deutscher Gebirgsjäger in Narvik entwickelten sich schwere Kämpfe mit den in Namsos angelandeten französischen und britischen Streitkräften. Die Nachschublage für die deutschen Truppen gestaltete sich schwierig, da der Landweg versperrt war. Um die dort kämpfenden Truppen zu verstärken, wurden nicht mehr benötigte Truppenteile der Fallschirmjäger (7. Flieger-Division/1. Fallschirmjäger-Division) ende Mai 1940 im Sprungeinsatz über Narvik abgesetzt. Am 8. Juni konnte Narvik dann nach fast zweimonatigem Kampf endgültig besetzt werden.

Fallschirmjägerdenkmal in Oskarsborg, Narvik (Nordland), 1940

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Militärhistorische Auswertung

Die Überraschung

Die Operation gelang taktisch und strategisch, da man die Geschwindigkeit unterschätzt hatte, mit der nur eine willensstarke deutsche Armee handeln konnte. Außerdem traute man der kleinen deutschen Flotte ein derartig riskantes Unternehmen im Angesicht der Royal Navy nicht zu.

Der Feldzug

Die „Weserübung“ war die erste große Kombinierte Operation, in der See-, Luft-, und Landstreitkräfte (Schiffsbesatzungen, Fallschirmjäger, Marine-Infanterie und Gebirgsjäger) über weite Entfernungen zum Einsatz kamen. Relativ wenige Stoßtruppen – ca. 16.000 Mann –, die auf schnellen Kriegsschiffen transportiert wurden, und drei Bataillone Fallschirmjäger zur Besetzung der wichtigsten Flugplätze, reichten für die Eroberung wichtiger Schlüsselpunkte und deren Konsolidierung, die zur anschließenden Besetzung des Landes führte.

Die Verluste

Die im Verlaufe des Unternehmens „Weserübung“ erlittenen Verluste der Deutschen von drei der insgesamt sieben Kreuzer und von zehn der insgesamt 14 Zerstörer sowie die schwere Beschädigung an drei weiteren Großkampfschiffen konnten vom Deutschen Reich nie mehr ersetzt werden. Sie sollten später bei der versuchten Unterbindung der alliierten Evakuierung bei Dünkirchen fehlen, und sie machten auch die geplante Invasion Großbritanniens mit dem Unternehmen „Seelöwe“ von vornherein zunichte.

Deutsche Verluste

Die deutschen Verluste während der Feldzüge in Norwegen und Dänemark betrugen 1.317 Tote (darunter 341 der Luftwaffe), 1.604 Verwundete und 2.375 Vermisste (darunter 448 der Luftwaffe), die überwiegend auf hoher See zu beklagen waren. Im Oslofjord versenkte eine norwegische Küstenbatterie am 9. April den Schweren Kreuzer „Blücher“. Zwei Leichte Kreuzer, zehn Zerstörer, ein Torpedoboot und vier U-Boote erlitten innerhalb der nächsten Wochen dasselbe Schicksal. Durch die Zerstörungen sowie weiteren schweren Beschädigungen größerer Schiffe verlor die Kriegsmarine rund ein Drittel ihres Bestandes. Die Luftwaffe verlor 242 Maschinen.

Schwerer Kreuzer Blücher

Feindverluste

Auf alliierter Seite fielen in den Kämpfen zu Lande 1.899 Briten, 1.335 Norweger, 16 Dänen sowie je 530 Franzosen und Polen. Auf See verlor die Royal Navy Großbritanniens einen Flugzeugträger, zwei Leichte Kreuzer, neun Zerstörer und sechs U-Boote mit zusammen über 2.500 Toten. Mit den totgeglaubten Vermissten ergab das eine Verlustzahl von 6.116 Soldaten.

Das Ergebnis

Obwohl die Verluste groß waren, für die deutsche Kriegsmarine eigentlich unersetzbar, war der strategische Gewinn für Deutschland mehr als lohnend:

  • die Erzzufuhr nach England war unterbunden und für die deutsche Schwerindustrie ab Anfang 1941 gesichert;
  • die Besetzung Dänemarks sicherte die Verbindung nach Norden und zur Ostsee;
  • eine britische Blockade war verhindert und nach dem Westfeldzug in eine deutsche Gegenblockade mit U-Booten und Flugzeugen umgewandelt worden;
  • die nordnorwegischen Stützpunkte sollten sich auch gegen die späteren arktischen Geleitzüge nach Murmansk und Archangelsk von unschätzbarem Wert für die Einsatzführung erweisen;
  • im Gegensatz zur passiven Flottenstrategie – „fleet in being“ – des Ersten Weltkrieges konnte Deutschland nun aufgrund seiner flankierenden Außenbasen trotz seiner gegenüber damals wesentlich kleineren Flotte Großbritannien mit Handelsstörern und U-Booten blockieren und in seiner Existenz als kriegführende Macht gefährden.

Filmbeiträge

UfA-Tonwoche: Unternehmen „Weserübung” Dänemark-Norwegen

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UfA-Tonwoche – Kampf um Norwegen

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Quelle: Metapedia

Die Totenschiffe auf dem Meeresgrund

Von Heinz Schön

20.000 Opfer bei den Katastrophen „Gustloff“, „Steuben“, „Goya“ – Wracks offiziell noch nicht als Kriegsgräber anerkannt. 

Zwischen der Südspitze der Halbinsel Hela und der Stolpebank vor der pommerschen Küste rauscht eintönig die See. Viel zu wenig Menschen wissen, dass sich hier, in diesem Ostseeraum, in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges drei Schiffstragödien ereigneten, die in der Geschichte der Seefahrt ohne Beispiel sind. Fast 20.000 Menschen, meist Frauen, Kinder und Greise, fanden dabei den Tod. Sie starben auf den sinkenden Schiffen, ertranken oder erfroren in der eisigen See. Die letzten Überreste dieser, aus ihrer angestammten Heimat in Ostpreußen, Westpreußen, Danzig und Pommern vertriebenen Menschen haben hier, unschuldig und ungewollt, in 40 bis 70 Meter Tiefe ihr Grab gefunden, auf dem niemals Blumen liegen werden. Sind diese Opfer eines unseligen Krieges heute schon vergessen?

Kaum Jemand spricht noch von ihnen. Wer erinnert sich noch daran, dass vier Monate vor Kriegsende die große Völkerwanderung über das Meer, die Vertreibung über die Ostsee, der Treck der Flüchtlingsschiffe, begann? 1081 Handels- und Kriegsschiffe, vom Binnenkahn bis zum ehemaligen Luxus-Passagierschiff, vom U-Boot bis zum schweren Kreuzer, waren an dieser größten Rettungsaktion der Seegeschichte beteiligt. Es gelang, mehr als 2,5 Millionen Menschen über die Ostsee zu retten. Es war eine Heldentat der Humanität, an der Seeleute der Handels– wie auch der Kriegsmarine gleichermaßen beteiligt waren.

Doch die Vertreibung über die Ostsee forderte auch Opfer. Viele Schiffe gingen durch Bomben, Minen und Torpedos verloren. Drei Katastrophen ragen aus dem Geschehen heraus, sind Sinnbilder des Krieges, der kein Krieg der Männer mehr war, sondern die Entfesselung der Hölle gegen wehrlose Frauen und Kinder.

Am 30. Januar 1945, einem wahrhaft symbolischen Tag, dem „Tag der Machtübertragung“ mit dem das Hitlerreich seinen Anfang nahm, sank 12 Seemeilen querab Stolpmünde das Propagandaschiff der „Kraft-durch-Freude“-Flotte „Wilhelm Gustloff“. 6.600 [9.000] Menschen, darunter 5.500 Flüchtlinge, befanden sich auf diesem zum „Flüchtlingsschiff“ degradierten KdF-Urlauberschiff, glaubten fest daran, am nächsten Tag den Zielhafen Kiel zu erreichen. Doch die „Gustloff“ kam nie dort an.

Schon wenige Stunden nach dem Auslaufen aus Gotenhafen trafen um 21.16 Uhr drei Torpedos das Schiff und schickten es auf den Grund der Ostsee. 62 Minuten dauerte der Todeskampf der „Gustloff“. Bei 18 Grad unter Null überlebten nur 1.252 die vom Wintersturm gepeitschte Katastrophennacht – darunter auch ich, 5028 fanden den Tod in den eisigen Fluten.

Obwohl die Nachricht vom Untergang der „Gustloff“ sich in Windeseile in den Ostseehäfen herumsprach, strömten zehntausende Flüchtlinge weiter auf die Schiffe. Es gab keinen anderen Fluchtweg. So war das auch in den ersten Februartagen in Pillau. Mit 4.267 Menschen an Bord, darunter 1.600 Schwerverwundete, verließ der Dampfer „General Steuben“ am 9. Februar Pillau. 53 Minuten nach Mitternacht gab der Kommandant des sowjetischen U-Bootes „S 13“, Alexander Marinesco, der Zehn Tage zuvor die „Gustloff“ versenkt hatte, das Kommando „Feuer“. Eine Minute später trafen zwei Torpedos die „Steuben“. Tonnenweise stürzte die See in das todwunde Schiff das sofort zu sinken begann und 3.608 Menschen mit in den Tod nahm.

Konnte noch Schrecklicheres, Grauenhafteres geschehen als beim Untergang der „Gustloff“ und der „General Steuben“? Es geschah: Am Morgen des 16. April lag auf der Reede von Hela der nur 523 BRT große Frachter „Goya“. Auf vier Reisen hatte dieses „Flüchtlingsschiff“ bereits 19.785 Menschen über die Ostsee gerettet. Jetzt sollte die fünfte Reise beginnen. Am Kai auf Hela stehen rund einhunderttausend Menschen. Mit kleineren Schiffen und Booten werden sie zur „Goya“ befördert. Viele warten seit Stunden, manche die ganze Nacht. Den meisten geht die Einschiffung zu langsam. Sie sehen in der „Goya“ eine „Arche Noah“, das letzte Schiff von Hela. Aus dem verhangenen Himmel stürzen sich urplötzlich sowjetische Bomber auf die Menschen, werfen ihre todbringende Last ab. Kinder, Mütter, Greise, Verwundete sterben wie die Fliegen, wälzen sich im eigenen Blut – übrig bleiben Mauerreste, Menschenreste, ein Bild des Grauens. Danach Panik, Chaos. Boote und Kutter, Schiffe und Schiffchen werden buchstäblich gestürmt. Alle wollen auf die in Sichtweite liegende „Goya“. Der Kampf dauert Stunde um Stunde.

Um 18 Uhr wird dem Kapitän gemeldet:

„Das Schiff ist total überfüllt, an Bord befinden sich mehr als 7200 Menschen!“

Kurze Zeit später nimmt das Schiff Fahrt auf und geht ungewollt auf Todeskurs.

„Fahrt zur Hölle!“

hat ein Zurückbleibender, der nicht mehr an Bord kam, dem Schiff nachgerufen – fünf Minuten vor Mitternacht zerreißen zwei russische Torpedos die Schiffswände. Die „Goya“ sinkt in sieben Minuten. Vieles was in diesen 420 Sekunden auf dem sinkenden Schiff geschieht, ist mit Worten nicht zu beschreiben. Manches kann man nur ahnen. Gnädig verhüllt die Dunkelheit das fürchterliche, unmenschliche Drama der Totgeweihten in den Ladeluken, in den Gängen und auf dem Oberdeck. Nur 172 von 7200 überleben.

Fast 16.000 Menschen fanden bei diesen drei Katastrophen in der Ostsee den Tod: Frauen, Kinder, Greise und Verwundete. In 40 bis 70 Meter Tiefe liegen die Schiffswracks der „Gustloff“, der „Steuben“ und der „Goya“, der Plünderung freigegeben. Denn trotz aller Bemühungen sind diese Wracks bis heute nicht als offizielle Kriegsgräber anerkannt. In zunehmendem Maß werden diese Massengräber der Ostseeflucht von Schatzsuchern und Sporttauchern heimgesucht und die Toten in ihrer Ruhe gestört. Die Bundesregierung sollte endlich Mittel und Wege finden, dies zu verhindern.

Heinz Schön (Pommersche Zeitung, 28. November 1992)

Das deutsche Frachtschiff Altmark wird mit 303 gefangenen alliierten Matrosen an Bord vom britischen Zerstörer HMS Cossack in Hoheitsgewässern des im Zweiten Weltkrieg neutralen Norwegen angegriffen und geentert

Beim Altmark-Zwischenfall am 16. Februar 1940 im Jössingfjord erfolgte ein englischer Angriff auf das deutsche unbewaffnete Handelsschiff „Altmark“ in neutralen norwegischen Hoheitsgewässern, wobei sieben deutsche Matrosen von Engländern ermordet wurden. Ein Enterkommando des englischen Zerstörers „HMS Cossack“ entführte dabei rund 300 englische Kriegsgefangene, die zuvor von der „Admiral Graf Spee“ im Süd-Atlantik gerettet worden waren. Die Räume der „Altmark“ wurden geplündert, obwohl die Deutschen keinen Widerstand leisteten.

Datei:Altmark Incident.jpg
Die von Engländern ermordeten deutschen Matrosen werden von Bord gebracht

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Am 16. Februar 1940 wurde die „Altmark“ von norwegischen Torpedobooten angehalten und kontrolliert. Man gestattete die Weiterfahrt unter Begleitung. Inzwischen hatten jedoch die Briten das Schiff geortet und es wurde von englischen Flugzeugen innerhalb der norwegischen Hoheitsgewässer gesichtet. Als drei britische Zerstörer in Sicht kamen, zog sich die „Altmark“ in den neutralen Jössing-Fjord zurück. Inzwischen hatten die norwegischen Torpedoboote Anweisung, sich längsseits der „Altmark“ zu legen, um ein Entern durch die Engländer zu verhindern. Eine halbe Stunde vor Mitternacht lief jedoch der britische Zerstörer „Cossack“ in den Fjord ein, legte sich längsseits der „Altmark“ und führte völkerrechtswidrig den Überfall durch. Der Befehl an die norwegischen Torpedoboote, dies zu verhindern, war inzwischen widerrufen worden.

Dass Norwegen weder fähig noch willens war, seine Neutralität wirksam zu schützen, zeigte spätestens der englische Überfall auf die „Altmark“. Ab dem 5. April 1940 wurde dann zusätzlich die norwegische Küste von den Engländern vermint.

Zu diesem Vorgang schrieb Erich Raeder in seinen Erinnerungen:

„Durch dieses Ereignis erhielt die Norwegenfrage ein wesentlich anderes Gesicht, denn nun war eindeutig bewiesen, dass die norwegische Regierung nicht in der Lage war, ihre Neutralität aufrechtzuerhalten.“

Der Altmark-Zwischenfall säte berechtigte Zweifel über die norwegische Neutralität, der nachfolgend ebenso geplante englische Überfall auf Norwegen konnte durch die Kundschaftertätigkeit von Vidkun Quisling vereitelt werden und führte schließlich zur Rettung Skandinaviens durch die deutsche Besetzung von Dänemark und Norwegen.

Die Freiburger Zeitung vom 17. und 18. Februar 1940 zum Vorgang:

Datei:Frz.1940-02-17.01.jpg

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Quelle: Metapedia