Der Verräter (1936)

Verräter ist ein Spionagefilm mit Willy Birgel. Gedreht wurde er vom 8. Mai bis Juni 1936 in Wünsdorf (beim Panzerregiment). Die Uraufführung fand am 15. September 1936 im Ufa-Palast am Zoo in Berlin statt.

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Handlung

Bis auf die Zähne bewaffnet stehen sich die Armeen der Welt gegenüber. Jede Errungenschaft der Technik wird eingeschaltet in das System der Landesverteidigung und streng behütet vor den Blicken ausländischer Späher. Mit List, Gewalt und Bestechung versuchen die Agenten des Auslands den Schleier zu lüften, und dazu brauchen sie Verräter, Lumpen die ihr Vaterland für Geld verkaufen, oder arglose Schwätzer, die gar nicht ahnen, daß der Biedermann mit dem Frontkämpferzeichen im Knopfloch ein Agent des Auslands ist, der zielbewusst seine Fragen stellt und den geschwätzigen Wichtigtuer innerlich verachtet. – Ein großer Kraftwagen hält an einsamer Stelle. Drei Männer stellen fest, daß sie unbeobachtet sind. Die Aufgaben werden verteilt. Der eine erhält gefälschte Papiere, heißt von nun an Schulz und ist seines Zeichens Monteur. Er geht zu Fuß weiter, denn die Flugzeugwerke, die er ausspionieren soll, liegen ganz in der Nähe. Die beiden anderen, Morris und Geyer, fahren wieder in die Hauptstadt, harmlose Ausländer. Ein unverfängliches Zeitungsinserat erscheint: Ausländer, vorübergehend in Berlin, sucht Verbindung mit Herren der Industrie. Unter den Antworten ist nur eine interessant, das sieht der gerissene, skrupellose Geyer, ein gekaufter Agent des Auslands, sofort: Brockau! Wer ist Brockau? Ein höchst fähiger Konstrukteur; der neue Rohölvergaser der Metallwerke stammt von ihm. Der Mann kann was, aber – ist verschuldet bis über die Ohren, denn seine Geliebte, die schöne Marion, braucht Geld und immer wieder Geld, und Brockau weiß nicht mehr aus noch ein. Das ist der Mann, den Morris und Geyer brauchen. Aber Vorsicht, die geheime Staatspolizei und der Abwehrdienst des Heeres passen scharf auf. Das Inserat wäre ihnen verdächtig. Beobachten! Unauffällig verfolgen! – Leutselig begrüßt Morris, den in seinem Hotel die Angestellten kennen, die hübsche Hotelsekretärin Hilde Körner. Was macht der Bräutigam? Hans Klemm ist nicht mehr bei der Bank, er dient gerade beim Militär. Blitzschnell hat Morris seinen Plan fertig: einen Soldaten der Wehrmacht in die Hände zu bekommen – glänzende Chance. Hans Klemm wird ihm, wie früher, gelegentlich ein paar Börsentipps geben, und morgen Abend sollen er und Hilde mit Morris im Regina essen. Das Netz ist ausgeworfen . . , — Schultz ist als Monteur bei den Flugzeugwerken angekommen, seine Papiere sind in Ordnung, und der Mann kann was, das sieht man. Wie ein Kollege ausschwätzt, ist da eine neue Flugzeugtype – – – Schultz verliert kein Wort, sieht und hört alles, kalt und entschlossen geht er seinen Weg. – Geyer und Brockau sind handelseinig geworden. Die blindleidenschaftliche Liebe zu Marion übertäubt jedes Gewissensbedenken des Konstrukteurs. Er wird zum Landesverräter. Am Abend im Regina erhält Geyer die Papiere, zwei Mäntel wechseln unauffällig die Besitzer. Kurze Zeit darauf ist der Geheimbericht über die Grenze geschafft. Der erste Schlag ist geglückt, aber jetzt wird den Agenten der Boden heiß. Die Papiere des Schultz sind verdächtig, Geburtsort war Neustadt. Welches Neustadt? Auf gut Glück sagt Schultz: „Das in Schlesien.“ Dieser Fehler kann verhängnisvoll werden, darum ist Eile, höchste Eile geboten. Morris hat von Hans Klemm durch Hilde die Börsentipps erhalten und bietet dem Soldaten einen Gewinnanteil an. Klemm zögert und schöpft Verdacht, aber Hilde sieht den Termin der Hochzeit näher kommen und redet ihm zu, das Geld zu nehmen. Ein gemeinsamer Ausflug mit Morris verstrickt den Soldaten noch mehr, in die Netze der Agenten. Schließlich lassen Morris und Geyer brutal die Maske fallen. Klemm scheint verloren aber als anständiger Soldat faßt er den einzig richtigen Entschluß, er meldet den gesamten Vorgang seinem Kompaniechef. Polizei und Abwehrdienst sind sofort unterrichtet. Blitzschnell jagen sich die Ereignisse. Schultz entflieht durch die Luft mit dem neuen Bombermodell. Fliegeralarm! Deutsche Staffeln verfolgen ihn, kreisen ihn ein. Verzweifelt wehrt sich der Agent. – Morris und Geyer verlangen von Brockau, der durch seine Schuld ihr willenloses Werkzeug wurde, die Geheimpläne des großen, neuen Wasserwerkes, dessen Direktor Brockaus Freund Auer ist. Brockau, völlig, haltlos, willigt ein. Ein Nachschlüssel soll ihm Eingang verschaffen. Aber die Polizei ist schneller, jetzt, nachdem Klemms Meldung Klarheit geschaffen ist. – Während hoch oben in der Luft der Kampf tobt, bei dem Schultz sein Ende findet, gelingt es in raffinierter Einkreisungsarbeit Brockau und seine Hintermänner zu fassen. Morris fühlt sein Spiel verloren, das er für sein Land kühn gewagt hatte, Geyer, der Lump, der als Deutscher Helfershelfer des Auslands wurde, endet schimpflich im Sumpf neben der Eisenbahn, und Brockau erhält den verdienten Lohn als Landesverräter auf dem Schafott. Ein fluchwürdiges Verbrechen hat seine Sühne gefunden – jeder sollte auf sich achten und sich, wenn es nottut, so verhalten wie der Soldat Hans Klemm, von dem der feindliche Agent selbst bezeugte: Der Junge hat Courage. Wenn alle so handeln wie dieser deutsche Soldat – dann wird dies das Ende der Verräter.

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Quelle: Illustrierter Film-Kurier