Die Kugel: das Symbol des alten Nachrichtensystems

Von Gernot L. Geise; veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 18/1996

Schaut man sich alte Darstellungen an, ob es Bilder, Skulpturen oder Deckengemälde in alten Kirchen sind, so muss dem wachen Betrachter auffallen, dass überdurchschnittlich oft Szenen dargestellt werden in Verbindung mit irgendwelchen Kugeln. Die auf hier dargestellten Kugeln müssen damals immens wichtig gewesen sein, denn sie befinden sich ausnahmslos an exponierter Stelle, meist mitten im Bild. Die dargestellten Figuren gruppieren sich um die Kugel herum und weisen mit Gesten oder mit Gegenständen auf sie.

Oft wird „Gottvater“ thronend dargestellt, wobei er entweder einen Fuß oder gleich beide Füße auf der Kugel stehen hat, als ob sie ein besiegter Feind wäre. Auf anderen Darstellungen legt er einen Arm (meist seinen linken) besitzergreifend auf oder um die Kugel.

Wieder andere Darstellungen zeigen oftmals kirchliche oder weltliche Würdenträger in Verbindung mit einer Kugel. Späterhin findet man die Kugel wieder in den Darstellungen des sogenannten Reichsapfels – wobei anzumerken sei, dass ein Apfel ganz anders aussieht, eben nicht kugelförmig, aber anscheinend ist das noch niemandem aufgefallen.

Die Darstellungen mit „Gottvater“ und der Kugel zeigen jeweils eine – den Proportionen nach zu urteilen – etwa einen halben bis einen Meter durchmessende Kugel. Sie ist auf Gemälden oftmals in hellblauer Farbe gehalten. Dass sie so wichtig ist, erkennt man daran, dass vielfach um sie herum gruppierte Personen darauf zeigen, und mit einiger Ahnung der „Verborgenen Geometrie“ von Volker Ritters erkennt man, dass man Linien von einzelnen wichtigen Gegenständen zur Kugel ziehen kann. Fahnenstangen, Schwerter, Lanzen, Hände, Füße, ja sogar die Blicke der Umstehenden sind auf die Kugel gerichtet.

Welcher geheimnisvolle Gegenstand wurde hier immer wieder abgebildet? Die einfachste Erklärung wäre – und tatsächlich hört man dies hier und da -, dass es sich um die Darstellung der Erdkugel handele (obwohl keinerlei Andeutungen von Kontinenten darauf zu sehen sind). Diese Erklärung scheint mir jedoch insgesamt zu einfach, und für die älteren Darstellungen ganz unakzeptabel: Hätte nämlich ein Künstler des Mittelalters oder der Renaissance es gewagt, die Erde als Kugel darzustellen, er wäre unverzüglich als Ketzer verbrannt worden. Man darf nicht vergessen, dass die Kirche schließlich bis fast in die Neuzeit darauf beharrt hat, die Erde sei eine Scheibe. Bei solchen Behauptungen werden sie doch nicht eine kugelförmige Erde in ihren Gotteshäusern abbilden und sich somit selbst der Lüge bezichtigen

Ebenso rätselhaft ist die Symbolik des sogenannten Reichsapfels. Es gibt keine einzige logische Erklärung dafür, warum ein Herrscher unbedingt mit einer Kugel in der Hand seine Macht demonstrieren sollte. Für diesen Zweck gab es wahrlich bessere, eindrucksvollere Gegenstände. Man vertritt hier allgemein die Erklärung – die keine ist -, der Reichsapfel symbolisiere die Macht des Kaisers (bzw. Königs) über den „Erdkreis“ (1). Nähere Erklärungen finden sich nicht. Doch auch ein (christlicher) Herrscher hätte sich die Darstellung einer kugelförmigen Erde keinesfalls erlauben dürfen! Außerdem hätte man dieses Herrscher-Utensil dann nicht „Apfel“, sondern etwa Erde, Erdkugel, Welt oder sonst wie genannt.

Als der EFODON e.V. im Jahre 1991 das EFODON-Projekt „Holzhausen“ ins Leben rief, ging es hierbei vordergründig um den Nachweis, ob es einen Zusammenhang zwischen den unzähligen „Holz“- Orten und Keltenschanzen gibt. Durch eine Forschungsrichtung, die sich aus dem Befassen mit der keltischen Kultur herausentwickelte, konnte der EFODON e.V. den Nachweis erbringen, dass die Kelten ein überregionales Alarm- und Nachrichtensystem hatten – worüber bezeichnenderweise in keinem Lehrbuch ein Sterbenswörtchen steht (2).

Was hat ein keltisches Nachrichtensystem jedoch mit Kugeldarstellungen auf mittelalterlichen Gemälden zu tun?

Wir fanden bei unseren Recherchen heraus, dass die Kelten quasi ein „duales“ Nachrichtensystem benutzten. Es bestand zunächst aus einer ganzen Reihe von „Hell“-Plätzen (die heute noch auf Landkarten manifestiert sind), meist auf oder an Bergen oder Hügelkuppen, auf denen beim Anrücken eines feindlichen Heeres ein Alarmfeuer angefacht werden konnte, ähnlich wie heute noch die „Johannis-“ oder Sonnwendfeuer. Die eigentliche Nachrichtenübermittlung jedoch geschah durch Lichtsignale, die mithilfe von wassergefüllten Glaskugeln mit einer dahinter positionierten Lichtquelle laserstrahlähnlich und zielgenau von einer Station zur nächsten ausgerichtet waren.

Dass diese Art der Nachrichtenübermittlung wirklich funktioniert, haben wir in mehreren Testreihen selbst praktisch nachvollzogen.

Nachdem die Keltogermanen zwangschristianisiert waren, geriet ihr ehemaliges Nachrichtensystem in der Bevölkerung in Vergessenheit, denn dieses war schließlich das erste, was von den christlichen Eroberern zerstört und „verteufelt“ wurde. Nur eine vage Erinnerung blieb vorhanden, dass eine (Glas-) Kugel etwas eminent Wichtiges war. Dies hinderte jedoch die christlichen Eroberer nicht daran, das erbeutete System für die eigenen Zwecke zu nützen, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Bis Anfang unseres Jahrhunderts war beispielsweise noch eine solche Lichtsignalverbindung zwischen dem Kloster Andechs quer über den Ammersee nach Dießen (das sind rund acht Kilometer Luftlinie) und sogar bis nach Landsberg am Lech (rund zwanzig Kilometer Luftlinie) und zum Hohenpeißenberg (rund fünfundzwanzig Kilometer Luftlinie!) „klerikal“ in Betrieb. Sie funktionierte exakt nach dem von uns rekonstruierten System mit der Glaskugel.

Das ehemalige Nachrichtensystem bestand nur in der ersten Zeit aus relativ einfachen Feuerstellen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich ganze Nachrichtenturmreihen, die so errichtet waren, dass sie gerade an der Grenze des Sichtbaren standen. An diese Türme angebaut war meist ein Lagerhaus für Brennmaterial und zur Unterkunft der Bedienungsmannschaft. Den Turm krönte das „Zunftzeichen“ der Nachrichtenleute, die Kugel. Die Türme standen zueinander in Sichtverbindung, und im Obergeschoss stand die Vorrichtung zum Nachrichtenversenden, genau ausjustiert auf den nächsten Signalturm: die Glaskugel mit der dahinter ausgerichteten Lichtquelle, die nicht stärker sein musste als eine Kerzenflamme.

Ein Nachrichtensystem bildet in jedem Land die wichtigste Einrichtung, denn mit seiner Hilfe kann bei einem feindlichen Angriff schlagartig die Bevölkerung gewarnt und die eigene Abwehr organisiert werden. Aus diesem Grund wird auch heute noch bei einem kriegerischen Einfall in ein fremdes Land zuerst dessen Nachrichtensystem lahmgelegt. Genauso machten es seinerzeit die christlichen Eroberer, indem sie die Signaltürme mit den angebauten Lagerhallen zerstörten – oder für die eigenen Zwecke umfunktionierten.

Heute sagen wir „Kirche“ zu diesen alten Signaltürmen, doch sie stehen nach wie vor auf radiästhetisch relevanten Stellen und in Sichtverbindung, und selbst das „Zunftzeichen“, die Kugel, ist bis zum heutigen Tage darauf vorhanden. Sie wurde, wie so vieles, einfach mit übernommen und als eine Art Verzierung tradiert.

Dabei ging jedoch der Sinn und Ursprung verloren. Dass diese Kirchen mit ihren Türmen offensichtlich keine christliche Erfindung sind, sieht man auch daran, dass weder die christliche Religion noch ihre Vorläufer-Religionen irgendwelche Türme an ihren Sakralbauten kannten.

Und nun kommen wir wieder zurück zu den Darstellungen „Gottvaters“ mit der Kugel. Mit dem Hintergrundwissen um das alte Nachrichtensystem zeigt sich uns folgendes Bild:

Es ist die Darstellung des christlichen Sieges über das (feindliche) heidnische Nachrichtensystem, das durch die Kugel symbolisiert wird. Deshalb wird die Kugel auch oftmals hellblau (=durchscheinend!) dargestellt. Es ist also die Darstellung einer Glaskugel und nicht nur irgendeines kugelförmigen Gegenstandes. Seine Wichtigkeit wird hervorgehoben durch die umstehenden Personen, die z.T. auf sie zeigen. Der Sieg über das System wird durch auf der Kugel errichtete Kreuze, Fahnen, Lanzen usw. dargestellt. Und selbst die ehemalige Funktion der Nachrichtenübermittlung mittels der Glaskugel ist verschiedentlich dokumentiert, wenn sie so dargestellt ist, dass Strahlen von ihr ausgehen, meist in Verbindung mit einer Taube. Eine solcherart dargestellte Taube wird heute zwar als „Heiliger Geist“ interpretiert, sie ist jedoch auch ein Symbol für Nachrichtenübermittlung (man denke nur an die Brieftaube!).

Die Wichtigkeit der (Glas-) Kugel ist denn auch im sogenannten Reichsapfel manifestiert, der ursprünglich eine einfache Glaskugel war und erst im Laufe der Zeit zu einer kreuzbesetzten Goldkugel „mutierte“. Während man möglicherweise zur Zeit des gläsernen „Reichsapfels“ noch wusste, was man damit machen konnte, ging dieses Wissen später verloren, so dass der goldene „Reichsapfel“ nur noch einen reinen Symbolgehalt besaß: Der Sieg des Christentums über das heidnische (Nachrichten-) System, dargestellt durch das auf der Kugel befestigte Kreuz. Von dem Sieg über das Nachrichtensystem blieb in der Erinnerung nur noch pauschal ein Sieg über das Heidentum.

Anmerkungen

(1) Meyers Lexikon A – Z, Mannheim 1993. (2) Die Entdeckung und Rekonstruktion des ehemaligen keltischen Nachrichtensystems ist dargestellt in: Gernot L. Geise: „Das keltische Nachrichtensystem wiederentdeckt“, EFODON-Edition MESON ME-10, Hohenpeißenberg 1996.

Literatur

Gernot L. Geise: „Das keltische Nachrichtensystem wiederentdeckt. Die verschollene Nachrichtentechnik der Kelten rekonstruiert“, EFODON ME-10, Hohenpeißenberg 1996. Neu: Gernot L. Geise: „Das keltische Nachrichtensystem“, Michaels-Verlag 2002, ISBN 3-89539-606-0.

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