Der Teufel war ein Nachrichtenmann (I.)

Von Gernot L. Geise

Über unsere Vorfahren, die Kelten (oder Germanen? Sagen wir: Keltogermanen) ist uns nicht allzu viel in schriftlicher Form überliefert. Dabei müssen Historiker auf die nicht sehr wahrheitsgetreuen Schilderungen aus griechischer und „römischer“ Zeit zurückgreifen. Archäologisch sieht das Ergebnis schon anders aus. Es ist beeindruckend, was die Archäologen im Laufe der Zeit über unsere Vorfahren herausgefunden haben. Das weitverbreitete ehemalige keltische Nachrichtennetz ist ihnen bisher allerdings ganz offensichtlich entgangen. Dabei ist es faszinierend, wie hier verschiedene Fakten zusammenspielen.

Was wissen wir über die Kelten?

Um das keltische Nachrichtensystem besser verstehen zu können, müssen wir uns kurz vergegenwärtigen, was uns über die Kelten bekannt ist. Herm nennt sie „…das Volk, das aus dem Dunkel kam“ (1). Genauso meint Cunliffe: „… Ein Volk aus dem Dunkel der Vorgeschichte“ (2). Kelten tauchten also irgendwann aus dem Dunkel der Geschichte auf, und werden oft in Verbindung mit den Germanen genannt. Doch: wer waren dann eigentlich die Germanen? Waren sie etwa auch Kelten? Tatsächlich können hier weder Historiker noch Archäologen bis heute eine begründbare Unterscheidung treffen, obwohl zu beobachten ist, dass heute anscheinend die Germanen wieder favorisiert werden, nachdem sie wegen der Vereinnahmung durch das Dritte Reich lange Zeit regelrecht geächtet waren. Beide Völker unterschieden sich nicht im geringsten und besaßen dieselbe Kultur. Herm vertritt die Meinung, man gehe heute davon aus, dass die griechischen Historiker mit der Bezeichnung Germanen – die später von den „Römern“ übernommen wurde – ausdrücken wollten, dass diese die eigentlichen Kelten seien. Das Wort Germani sei abgeleitet von echt im Sinne von originär (3). Doch es spielt keine Rolle, welche Ableitung man nimmt: die Germanen waren offenbar die „keltischsten“ aller Kelten.

Ich kann hier nicht die ganze Geschichte der Kelten aufrollen, dazu gibt es reichlich Spezialliteratur. Allerdings muss ein gewisser Einblick in die keltische Kultur gegeben werden, um den Komplex des von uns gefundenen keltischen Nachrichtensystems verstehen zu können.

Die Kelten waren im Ursprung Indoeuropäer. Die Bezeichnung Kelte ist griechisch und abgeleitet von Keltoi, lat. Celtae. Das heißt nach der Lehrmeinung die Tapferen, die Erhabenen. Wörtlich übersetzt heißt dieses Wort jedoch die Angekommenen! In unseren Worten ausgedrückt heißt das: Kelten oder Keltoi waren Neueinwanderer. Und das passt durchaus zu ihrem Äußeren: sie hatten eine helle Hautfarbe, blonde Haare, blaue Augen. Damit standen sie im Gegensatz zu der von ihnen überlagerten Vorbevölkerung, die dunkle Haare, Schlitzaugen und einen dunklen Teint besaß (4). Die Kelten lebten nach der keltischen Überlagerung Europas mit der Urbevölkerung friedlich zusammen und vermischten sich teilweise mit ihnen. Wegen der noch längst nicht zweifelsfrei geklärten Zuordnungen der einzelnen Völker oder Volksgruppen sprechen die Archäologen bei ihren Ausgrabungen auch nicht von Kelten, sondern von der sogenannten Hallstatt- oder Latène-Kultur, benannt nach Ausgrabungsstätten.

In den Beschreibungen griechischer und „römischer“ Schriftsteller erscheinen die Kelten kulturell und technisch gesehen schlicht als Volk von „Barbaren“, das keine Kultursprache besessen habe (5). Das könnte möglicherweise allerdings damit zusammenhängen, weil die antike Literatur, nach neuesten Untersuchungen, fast ausschließlich im Mittelalter geschrieben und künstlich zurückdatiert wurde. Nach dem christlichen Selbstverständnis der mittelalterlichen Fälscher „mussten“ die heidnischen Keltogermanen einfach barbarisch sein.

Die Kelten, so heißt es dort, hätten in Familienclans oder etwas größeren Gruppen gelebt, und immer mehr oder weniger im Streit miteinander. Ackerbau und Viehzucht hätten sie zwar beherrscht, doch nur das Nötigste, und kaum mehr. Cicero berichtet jedoch über die Kelten, sie würden es als schimpflich betrachten, das Feld mit eigenen Händen zu bestellen. Dem Ackerbau würden sie das Hirtenleben vorziehen, wobei sie bevorzugt Schweinezucht betrieben hätten (6). Erst die „Römer“ – so lehrt es unsere Geschichtswissenschaft – hätten im Zuge ihrer Eroberungen die „Zivilisation“ mit sich gebracht, und neben überlegenen Militärtechniken auch die schönen Künste. Sie hätten, so heißt es, in dem unwegsamen (Urwald-) Gebiet ein Straßennetz aufgebaut, Signalstationen angelegt und Wasserleitungen (Aquädukte) über weite Strecken gebaut. Nicht zuletzt hätten sie das Reich durch eine „Friedensmauer“, den Limes, „gesichert“. Das wären alles Dinge, die angeblich vorher nicht da gewesen seien, obwohl diese Beschreibungen völlig der archäologischen Fundsituation widersprechen und fast alles inzwischen widerlegt ist. Wenn unsere Vorfahren wirklich unfähige Barbaren waren, wo kommen dann die künstlerisch hochstehenden Grabbeigaben der Kelten (Keramik, Schmuck, Waffen) mit zum Teil hochkomplizierten Mustern und Verzierungen her?

Trotzdem hat die „römische“, abwertende Beschreibung der Kelten als unfähige Barbaren bis heute nachgewirkt, indem man beispielsweise den Kelten unterstellt, ihre künstlerischen Gegenstände würden aus Raubzügen und Überfällen stammen. So wurden – und werden heute noch – viele der archäologisch ergrabenen Fundstücke einfacherweise als „Importwaren“ oder Beutestücke aus keltischen Raubzügen deklassiert. Die hier vorgenommene Unterstellung übersieht jedoch geflissentlich, dass es auch bei den Kelten eine nachgewiesene Weiterentwicklung gab, die geradezu stürmisch verlief.

Die technische Entwicklung der Kelten

Die Kelten wurden Meister des Bergbaus. Diese Fähigkeit haben die Kelten sicherlich von der Vorbevölkerung übernommen. Sie bauten beispielsweise in Hallstatt und Umgebung im großen Maßstab Salz ab. Dabei legten sie 450 Meter lange und bis zu 240 Meter tiefe Stollen an. Mit dieser Industrie erreichten sie großen Wohlstand. Die Kelten vervollkommnten das Rad, indem sie aus dem vorher verwendeten Scheibenrad ein Speichenrad entwickelten. Dieses war mit einem Eisenreif versehen und – zusammen mit der Radaufhängung – technisch perfekt vollendet. Es sah nicht anders aus, als wie wir es heute noch kennen. Bekannt sind die „Wagengräber“ der Kelten, in denen zum Teil sehr kunstvoll verzierte, vierrädrige „Kultwagen“, zusammen mit anderen Grabbeigaben, den Beerdigten beigegeben wurden, bevor diese unter großen Hügeln beigesetzt wurden (7).

Wer solche Wagen bauen wollte, der musste zwangsläufig auch ein entsprechendes Straßennetz angelegt haben, denn das wurde für eine optimale Nutzung solcher Gefährte benötigt. Es verhält sich genauso, wie die Entwicklung eines Fernsehgerätes unsinnig ist, wenn man keine Sender und keinen elektrischen Strom kennt. Doch die offizielle, recht dümmliche Erklärung für die Entwicklung und Herstellung dieser Wagen ist die, dass an besonderen Tagen im Jahr das Dorfoberhaupt in diesem Wagen „rituell“ um das Dorf gefahren worden sei… Es wäre natürlich auch vorstellbar, dass ein Teil des Straßennetzes schon vor der keltischen Überlagerung der alten Westeuropäer vorhanden gewesen sein könnte.

Bereits bis zum 7. Jahrhundert vor der Zeitenwende beherrschten die Kelten alle zur Bronzebearbeitung benötigten Techniken, die sie kunstvoll ausführten. Und nur kurze Zeit später beherrschten sie schon perfekt die Eisenverhüttung. Dabei beschränkten sie sich auf den Abbau über Tage, da Eisenerz überall (in Form von sogenanntem Raseneisenerz oder Bohnerz) gefunden werden konnte. Um das Roheisen zu gewinnen, entwickelten die Kelten die sogenannten Rennöfen. Die Verarbeitung weiterer Rohstoffe wie Gold, Kupfer, Zinn, Silber, Graphit und Hämatit zur Verzierung von Keramiken, Korallen, Bernstein und Glas zeigen auf, dass die Kelten in ihren Techniken und den handwerklichen Fähigkeiten vergleichsweise bis zu unserem 18. Jahrhundert in Europa kaum übertroffen wurden. Bereits im späten 3. Jahrhundert vor der Zeitenwende prägten die Kelten Mittel- und Westeuropas ihr erstes Münzgeld (8). Die keltischen Münzen der vorrömischen Zeit waren meist Goldmünzen und werden von unseren heutigen Historikern „Regenbogenschüsselchen“ genannt. Sie wurden u.a. an der oberen Donau geprägt. Man nimmt an, dass ihr Gepräge griechischen Münzen entlehnt, jedoch sehr entstellt sei (9). Diese Annahme trifft jedoch höchstens für spätere Prägungen zu. Die ältesten Münzen sind durchaus eigene Entwicklungen und zeigen auch in den dargestellten Motiven keinerlei Verwandtschaft mit griechischen Münzen.

Die Kelten kannten auch bereits Dreh- und Drechselbänke, die sich von unseren heutigen nur unwesentlich unterscheiden, abgesehen davon, dass sie mit Menschenkraft über eine Übersetzung angetrieben wurden. Diese Geräte sind bei ihnen seit 700 vor unserer Zeitrechnung nachgewiesen.

Die glänzenden Rüstungen, welche die Kelten schmiedeten, hatten vieles gemeinsam mit denen des Mittelalters. Und mit den Rüstungen bildete sich ein Ritterwesen wie im Mittelalter heraus: Jedem berittenen Freien (Ritter) folgten zwei ebenfalls berittene Knappen. Im Gegensatz zu den „Römern“ und Griechen beherrschten die Kelten bereits perfekt die Sitte des ritterlichen Zweikampfs. Auch in Friedenszeiten veranstalteten sie Ritterturniere – wie die Ritter des späteren Mittelalters. Feinde pflegten sie vor dem Kampf mit Worten und Gebärden zu verhöhnen. Und nach dem Kampf war es üblich, gemeinsame Zechgelage zu veranstalten (10). Ebenso werden die (berittenen) Kämpfer der Kimbern (Cimbern) geschildert: mit kupfernen, oft reich geschmückten Helmen, einem großen Schwert und einem langen, schmalen Schild. Zusätzlich trugen die Ritter noch eine schwere Metallpanzerung (11).

Aber das Mittelalter mit seiner Ritterkultur fand doch erst tausend Jahre später statt, oder etwa nicht? Sollten sich etwa die keltische Zeit und das christliche Mittelalter überlappen? Haben wir hier Verdopplungen durch geschichtsverfälschend eingefügte Phantomzeiten?

Das Vorurteil, unsere Vorfahren mit unzivilisierten Halbwilden gleichzusetzen, besteht also völlig zu Unrecht, wenn es auch fest betoniert erscheint.

Eine wichtige Errungenschaft der Keltogermanen wird bisher jedoch aus jedem Geschichtsbuch ausgeklammert. Es mag hierfür mehrere Gründe geben, möglicherweise will man sich nur keine Blöße geben, da man sonst ja die Herabsetzung der vorchristlichen Zeit gegenüber dem christlichen Mittelalter nicht mehr fortsetzen könnte. Und doch haben sie etwas geschaffen, das – zumindest zu ihrer Zeit – möglicherweise einmalig war: das keltogermanische Nachrichtensystem.

Die Europäische Gesellschaft für frühgeschichtliche Technologie und Randgebiete der Wissenschaft EFODON e.V. hat hier Forschungen angestellt, wobei es sich herauskristallisiert hat, dass dieses System in der Tat einzigartig war!

Die Kelten hatten das ganze von ihnen bewohnte Land mit einem engmaschigen Netz von Nachrichtenstationen überzogen, die untereinander in Verbindung standen. Diese Stationen sind teilweise heute noch nachweisbar!

Die Durchführung einer solchen überregionalen Einrichtung war natürlich nur dann möglich, wenn auch eine überregionale Verständigung existierte. Sie konnte nicht funktionieren, wenn die Keltogermanen

1) so zerstritten waren, wie sie uns von der christlichen und „römischen“ Geschichtsschreibung hingestellt werden, und wenn sie
2) so ungebildet waren, dass sie nicht lesen und schreiben konnten. Auch dieses falsche Bild wird uns über sie suggeriert.

Das Nachrichtensystem

Das ehemalige keltische Nachrichtensystem bestand nach den Erkenntnissen des EFODON e.V. aus einem Netz von Feuer- oder Lichtsignalstationen und basierte auf der Übermittlung von codierten Lichtsignalen (später auch Klang- der Rauchsignalen). Diese Signale wurden zwischen den einzelnen Signalstationen ausgetauscht, die sich meist auf einer Anhöhe befanden. Es gibt kaum einen wichtigen Berg, auf dem nicht ein solcher Signalplatz lag. Der EFODON e.V. fand die Zusammenhänge um diese ehemaligen „Ludrenplätze“ heraus. Eine Lichtstation hatte offensichtlich zwei Funktionen:

1) Ein Alarmsignal zu geben mithilfe eines großen, weit sichtbaren Alarmfeuers, der Lohe (In späterer Zeit kamen hier akustische Mittel [„Gelocke“] hinzu).
2) Die reine Nachrichtenübermittlung mithilfe eines gezielten, eng gebündelten Lichtstrahls.

Die Signalstationen

Ein durchschnittlicher, so genannter Ludrenplatz (die erste Form des Signalplatzes) bestand aus einer Feuerstelle, die von einem etwa zwei bis zehn Meter durchmessenden Steinkreis umgeben war, zur Eingrenzung des Feuers. Das ständig unterhaltene Feuer ermöglichte es, sekundenschnell eine haushohe Lohe zu erzeugen, wenn ein Alarmfall eingetreten war. Diese Nachrichtenstationen mussten, um effektiv funktionieren zu können, ständig bemannt gewesen sein, wobei die Betreiber der Stationen zwangsläufig aus dem normalen Erwerbsleben ausschieden, das heißt, sie konnten sich nicht – wie jeder andere Bewohner – selbst um ihre Nahrung und ihre Bedürfnisse kümmern. Deshalb mussten sie von der jeweiligen zu beschützenden Gemeinde versorgt werden. Diese Leute waren die Hellmänner (die Männer in der Helle) oder, wie sie im Volksmund hießen: die Teufel (in der Hölle).

Die anfangs unbefestigten Lichtstationen wurden später mit Warttürmen ausgebaut. Die einzelnen Stationen waren durch sogenannte Hellwege untereinander verbunden, die man oft heute noch auf Landkarten finden kann. Der bekannteste Hellweg war die heutige Bundesstraße B 1 (vom Rhein bei Duisburg über Dortmund, Soest, Paderborn, Hildesheim, über den Harz mit seinen Erzbergwerken, Braunschweig bis nach Helmstedt zur Magdeburger Warte). An diesem Hellweg liegt u.a. auch – südöstlich von Paderborn – die Haxter Warte (Originalname: Lichtenturm). Auf dem Höxberg bei Beckum liegt die Soester Warte.

Der Drache und die Drachenlinien

Die Stationen waren immer durch Sichtlinien – Hellwege, die jedoch nicht unbedingt zu Handelswegen ausgebaut worden sein mussten – miteinander verbunden. Diese Linien wurden auch Drachenlinien (Leylines) genannt. Wir sagen zu diesen Linien heute „Wachstumslinien“, denn sie sind keine Erfindung des Menschen zum Zwecke der Verbindung von Nachrichtenstationen untereinander, sondern ein natürliches irdisches Phänomen, das in der Radiästhesie auch unter dem Begriff „Drittes Gitter“ bekannt ist. Die Betreiber des Nachrichtennetzes wussten jedoch um verschiedene Phänomene, die dem „Dritten Gitter“ eigen sind, und nutzten diese geschickt.

Die Sichtlinien zwischen den Stationen sind virtuelle Linien, die nur manchmal in Form von gut sichtbaren Hellwegen manifestiert wurden, beispielsweise im Leistruper Wald bei Detmold.

Die Bezeichnung Drachenlinie ist angelehnt an den Drachen, der erst in christlicher Zeit zu einem Ungeheuer gemacht wurde. Vorher war ein Drache keinesfalls so gefährlich, wie er hinterher dargestellt wurde. Wir finden im Lexer (12): trache, tracke, drache, dracke = drache, teufel (lat. draco). Der Drache wird hier also mit dem Teufel gleichgesetzt. Das war möglicherweise der Grund, warum er von der christlichen Kirche gleich „mitverteufelt“ wurde. Es muss jedoch einen Unterschied zwischen beiden gegeben haben. Und der ist tatsächlich vorhanden: Drache = [griech.] drakon = Scharfblickender (13). Ein Drache war also eine Person, die aufgrund guter Augen die Funktion eines Wächters ausführte. Und damit erfüllte er zwar durchaus ähnliche Aufgaben wie der Teufel, war jedoch möglicherweise nicht immer identisch mit ihm. Ein Drache konnte also zwar durchaus ein Teufel gewesen sein oder umgekehrt, jedoch nicht zwingend.

Der griechische Drakon – von dem diese Bezeichnung herrührt – war um 621 v.C. ein tyrannischer Herrscher, ein Archont, dessen Strafen so drastisch waren, dass man sie drakonisch nannte. Das wurde späterhin auf alles übertragen, was zu fürchten war, beispielsweise auf Verbrecher, Feinde, Feuerwaffen, Basilisken, Schlangen und ähnliches. Auch Feuerwaffen nannte man zunächst nur Dragoner! Die menschliche Urangst vor Unbekanntem wurde – durch den griechischen Drakon – auch auf die mythologischen Drachen übertragen, die schließlich kein Mensch jemals zu sehen bekommen hat. Es bleibt zu klären, wer zuerst da war: die Figur, die man mit Drachen benannte, oder die Bezeichnung selbst. Wie wir sahen, waren das, was in den Überlieferungen mit Drachen bezeichnet wird, reale Menschen, die eine Tätigkeit als Wachtposten ausübten. Die „Drakonisierung“ ihrer Tätigkeit oder ihrer Person mag später erfolgt sein, als das Nachrichtensystem in der Periode der frühmittelalterlichen Zwangschristianisierung zerschlagen war und die wenigen Überlebenden – wie die Teufel – ihren Lebensunterhalt beispielsweise durch (nächtlichen) Diebstahl erwirtschafteten.

Dass der Drache heute manchmal mit legendären Urerinnerungen an überlebende Saurier gedeutet wird, mag an der relativen Ähnlichkeit zwischen den überlieferten Drachendarstellungen und Sauriern liegen. Ich halte hier einen Zusammenhang für gegenstandslos, denn die Menschen des Mittelalters (woher die überlieferten Darstellungen letztendlich stammen) versuchten ja nicht, ein mythologisches Tier darzustellen, sondern sie kreierten Fantasiefiguren, die „Angst und Schrecken“ darstellen sollten, weil der Drache mit Angst und Schrecken gleichgesetzt wurde (siehe Teufel!). So sind die Darstellungen des Drachen durchaus nicht gleich, sondern zeigen die verschiedensten Fantasiefiguren. Man könnte sie vielleicht vergleichen mit den „Wolpertingern“ der Alpenregion.

In China gilt der Drache hingegen heute noch als Glücksbringer. Er wird dort allgemein mit Wasser und Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht. Im deutschen Sprachraum wird der Drache auch als Lintwurm bezeichnet [lint = leuchtend (!) ]. Hier haben wir wieder den Zusammenhang zu unseren Lichtstationen.

Die Drachenlinien waren also virtuelle Sichtlinien, die den Drachen eine Verbindung zum nächsten „Drachenhorst“ ermöglichten. Der – hauptsächlich im englischen Sprachraum übliche – Begriff Leyline besagt, wörtlich übersetzt, nicht mehr und nicht weniger als „eine hingelegte Linie“. Eine solche Definition ergäbe jedoch wenig Sinn. Zunächst finden wir im Mittelhochdeutschen (14): „lê = hügel; lêwer = hügel, hügelartiger aufwurf als grenzzeichen“. Danach wäre eine Leyline eine Linie zwischen zwei Grenzzeichen. Dazu muss man wissen, dass bis in jüngere Zeit Grenzmarkierungen fast ausnahmslos radiästhetisch nach dem irdischen Globalgitternetz angelegt wurden, weil diese Gitterlinien unverrückbar sind und kaum manipuliert werden konnten. Grenzmarkierungen nach diesem System waren also wesentlich sicherer als willkürlich gesetzte Grenzsteine, die – etwa bei Nacht und Nebel – zum eigenen Vorteil versetzt werden konnten.

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4 Gedanken zu “Der Teufel war ein Nachrichtenmann (I.)

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