Heute schon gelogen, Knopp?

Von Frank Kretzschmar

Mail vom 14.4.11
An: peter.hahne@bams.de
Betreff: Berufslügner unter sich

Neuerscheinung:
Sönke Neitzel, Harald Welzer “SOLDATEN. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben” Fischer Verlag

Besprechung:
1. Bild am Sonntag 10.04.11, Gedanken am Sonntag:
Peter Hahne : Brauchen wir wirklich eine neue Wehrmachts-Diskussion?
BILD-Interview mit Prof. Guido Knopp vom 6.4.11

2. SPIEGEL 14/4.4.11 S.43ff
Deutschland / Zeitgeschichte
Jan Fleischhauer: FRAUEN, KINDER, ALLES

Heute schon gelogen, Knopp?

Aber dann hopp-hopp! Nie standen die Sterne günstiger! Nach Thomas Webers bahnbrechenden Erkenntnis in “Hitlers erster Krieg”, dass es sich bei der Titelfigur um eine feige, verachtete Etappensau handelte, legte Wiegrefe, SPIEGEL 13/28.03.11, mit dem Brüller nach, dass Adolf EICHMANN keineswegs ein devoter Subalterner sondern – da schwappt der Wannsee über – kein Geringerer als DER Macher des Holocaust und überhaupt war. Da musste Jochen von Lang doch glatt die Peilung verloren haben, als er den Adolf nach 3564 Verhörseiten in “Das Eichmann-Protokoll” zum karrieregeilen Befehlsempfänger mittlerer Ebene abstempelte, der’s nicht mal bis zum Standartenführer (Oberst) brachte. Hannah Arendt, “Eichmann in Jerusalem”: “Hanswurst” statt “Ungeheuer.”

Hohe Zeit, den britischen Militärhistoriker Basil Liddell Hart vorzuführen, der sich nicht entblödete, in seinen 1966 auf Deutsch erschienenen “Lebenserinnerungen” zu fabulieren:

“Reiste man nach dem Krieg durch die befreiten Länder, so hörte man allenthalben das Lob der deutschen Soldaten und nur zu oft wenig freundliche Betrachtungen über das Verhalten der Befreiertruppen.”

Schon am 25. September 1951 behauptete dieses Individuum in “The Times” frech:

“Bei einem Besuch der Länder Westeuropas, bei einer Befragung bezüglich ihrer Erfahrungen unter der deutschen Okkupation wird einem immer wieder gesagt, dass das Naziregime hassenswert, aber die deutsche Armee äußerst korrekt in ihrem Verhalten war. Es ist in der Tat beunruhigend festzustellen, wie im Allgemeinen nachteilig das persönliche Verhalten vieler Mitglieder der Befreiungsarmee mit dem der deutschen Soldaten verglichen wird.”

“Ob wir in Afrika, in Italien oder in Frankreich auf die deutsche Wehrmacht stießen,”

so, ultimativ ohne Navi, der britische Journalist Reginald T. Paget,

“immer fanden wir in ihr einen anständigen Gegner. Der deutsche Soldat hat unter Verhältnissen von unvorstellbarer Grausamkeit seiner Gegner ein großes Maß an Zurückhaltung und Disziplin an den Tag gelegt. Was mich betrifft, so bin ich froh darüber. Wenn Europa überhaupt zu verteidigen sein soll, so müssen diese anständigen Soldaten unsere Kameraden werden.”

Der israelische Militärhistoriker Martin van Creveld hat nicht alle Zacken am Davidstern, stülpte er doch aus:

“Das deutsche Heer war eine vorzügliche Kampforganisation. In Hinblick auf Moral, Elan, Truppenzusammenhalt und Elastizität war ihm wahrscheinlich unter den Armeen des zwanzigsten Jahrhunderts keine ebenbürtig.”

Vom Blackout des britischen Feldherrn Lord Alexander

“Die Deutsche Wehrmacht waren die besten Soldaten der Welt”,

ganz zu schweigen.

Bloß gut, dass wenigstens auf olle Hölderlin Verlass ist:

“Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch”.

In diesem Falle in Neitzel und Welzers 524-Seiten-Schmöker “Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben”, soeben im Fischer Verlag erschienen und im SPIEGEL 14/11 auf acht Seiten breitgewalzt.

Damit der Leser, dieser Dämlack, auch gleich weiß wo’s langgeht, steht die Rezension unter der Überschrift “Frauen, Kinder, alles” und es werden deutsche Soldaten gezeigt, wie sie, voll cool, einen erhängten Zivilisten fotografieren. Dass es sich bei dieser die Seite sprengenden Abbildung um eine Fälschung handelt, die selbst dem Laien ins Glubschauge springt, ficht Fleischhauer & Co nicht an. Wie auch?! Geht es doch darum, “endgültig den Mythos von der sauberen Wehrmacht zu begraben”.

Deshalb kam bereits im SPIEGEL 24/09 S. 132 “Zeitgeschichte: Zeugnisse der Überlebenden” das polnische Mädchen Zofia Finkelsztajn zu Wort:

“Die Deutschen nähern sich der Stadt, schießen und morden nach Lust und Laune… Sie errichten Ghettos und zwingen die Menschen in die Todesfabriken. Die Transportkosten für Kinder scheuen sie und schlagen deren Köpfe gegen die Mauer, bis sie tot sind. Die Vernichtung der Kinder beginnt schon im Leib ihrer Mütter: Schwangere Frauen werden bei der Selektion als Erste in den Tod geschickt…”

Da dieser Tobak offensichtlich noch immer nicht stark genug war, musste ein SENSATIONSFUND her, den – Germans first – “der Historiker Sönke Neitzel in britischen und amerikanischen Archiven gemacht hat… Je weiter Neitzel grub, desto mehr Material fand er, insgesamt 150.000 Seiten Originalquellen.” Häh? Originalquellen? Nach 70 Jahren? Aber immer doch:

“Mitschnitte aus eigens eingerichteten Abhöranlagen, mit denen die Alliierten ab 1939 deutsche Kriegsgefangene bei ihren Zellengesprächen belauschten.”

Die Piloten-Persönlichkeit Bäumer zum Beispiel:

“Da haben wir vorne eine Zwei-Zentimeter-Kanone einbauen lassen. Dann sind wir im Tiefflug über die Straße, und wenn uns Autos entgegenkamen, haben wir,”

ob mit Fern- oder Abblendlicht, lassen die Autoren offen,

“den Scheinwerfer angemacht, die dachten, es käme ein Auto entgegen. Dann haben wir mit der Kanone reingehalten… Das war sehr schön, das machte riesigen Spaß.”

Da mag Unteroffizier Fischer nicht hintanstehen und stülpte, damit es auch der Schlichteste schnallt, am 20. Mai 1942 aus:

“Ich hieß in unserer Staffel”,

typisch Soldaten-Jargon,

“der ‘Berufssadist’. Ich habe alles umgelegt, Autobus auf der Straße, Zivilzug in Folkestone”

und Münchhausen im Feindanflug auf zwei Uhr, möchte man hinzufügen.

Von den etwa eine Million Wehrmachts- und Waffen-SS-Angehörigen, so, bar jeder Sachkenntnis, Rezensent Fleischhauer, die den Amerikanern oder Briten in die Hände fielen, wurden 13.000 in verwanzten Speziallagern abgeschöpft. Die Lösung dafür, warum die Deutschen, von General zum Gefreiten, apokalyptischste Grausamkeiten im “Partygeplänkel”-Stil ins Zellen-Mikrophon plauderten, liefert Mitautor Harald Welzer, Sozialpsychologe, gleich mit:

“Der menschliche Drang zu reden,”

muss man erst mal drauf kommen,

“ist erkennbar stärker als die Furcht, der Feind könnte mithören.”

Dass das für den Harald zutrifft, steht außer Frage.

Darüber aber, ob das stille, qualvolle Sterben der eine Million deutscher Soldaten in ihren Rheinlagerwiesen-Erdlöchern abgehört wurde, wo sie Engländer, Amerikaner und Franzosen lebendigen Leibes verfaulen ließen und die der Kanadier James Bacque in “Der geplante Tod” unlängst dem Vergessen entriss, ist bei Fleischhauer, Neitzel , Welzer & Co nichts zu finden.

Wohl aber dazu, dass

“Die Rote Armee der Wehrmacht in ihrer Gewaltbereitschaft kaum nachstand.”

Klar, dass es da keine Rolle spielt, dass Schreibtisch-Massenmörder Ilja Ehrenburg den Sowjetsoldaten stets aufs Neue einpeitschte:

“Tötet den Deutschen, wo ihr ihn findet, macht keinen Unterschied zwischen Soldaten und Zivilisten, tötet Frauen und Kinder, rottet alle aus”.

Freibrief für eine apokalyptische Gewalt- und Vergewaltigungsorgie. Geschichtlich ohne Gleichen.

Kinder sind, wenn’s ans Hetzen geht, erste Sahne. Je kleiner, je besser. Wie die belgischen, denen deutsche Soldateska im Ersten Weltkrieg, ritsch-ratsch, die Patschhändchen abschnitt oder Kuwaits Frühchen, die irakische Aggressoren, hui, nur so aus den Brutkästen zerrten. Klar, dass Fleischhauer, gleich im Titel, nicht davon lassen kann: “Frauen, Kinder, alles.” Aber auch sonst müssen die lieben Kleinen herhalten. So plappert Funker Kehrle locker vom Zellen-Hocker:

“Im Kaukasus, wenn da einer von uns umgelegt worden ist, da hat gar kein Leutnant Befehl geben brauchen. Pistole raus, Frauen, Kinder, alles was sie gesehen haben, rein…”

“Vor allem das Erschießen kleiner Kinder”,

so Fleischhauer an anderer Stelle,

“galt als Problem, nicht aus ethischen Gründen, sondern weil sie nicht so still hielten wie die Erwachsenen”.

Kein Problem aber sah Generalmajor Bruns, der laut Sensationsfund-Originalquelle Zeuge von Judenerschießungen war:

“Ein Stück weiter mussten sie sich ausziehen, durften nur Hemd und Schlüpfer anbehalten. Das waren alles nur Frauen und kleine Kinder, so Zweijährige.”

Den Kinder-Vogel aber schießt Oberleutnant Hartigs vom Jagdgeschwader 26 ab, dem im Januar 1945 auf Feindflug nach England befohlen ward,

“auf alles zu schießen, nur auf nichts Militärisches”

und der mit “mit Genugtuung” berichtete:

“Wir haben Frauen und Kinder mit Kinderwagen umgelegt”.

Kinder mit Kinderwagen? Doppel-Kinder sozusagen. Klein Eve, die ihr Brüderchen Austin ausfuhr. Und die Munitionsfabrik blieb heil.

Wenn Wehrmachtssoldaten nicht gerade Probleme mit Zappel-Philipp hatten, der beim Erschießen einfach kah Ruh’ geben wollte, ließen sie es sich wohl sein:

“Zu den Reizen des Lebens in der Fremde, gehörte neben exotischem Essen und den Aufregungen des Waffengangs der Genuss von frei verfügbarem Sex.”

Borschtsch und Natascha zum Nachtisch.

“Geschlechtskrankheiten”,

so viel Ekel muss sein,

”waren in der Truppe so verbreitet, dass ganze Kompanien regelmäßig zur Behandlung antreten mussten.”

Ganze Kompanien? Regelmäßig? Was denn sonst, wenn

“eine Massenvergewaltigung allenfalls,”

– Du! Du! –

“einen milden Tadel provozierte.”

Der geneigte Leser aber übt Geduld und lasset gütig Nachsicht walten. Was soll aus Fleischhauer, Weber, Wiegrefe, den Milchreisbubis Neitzel und Welzer sowie aus Ihnen, Knopp, auch werden, wenn sich die historische Wahrheit durchsetzt, dass es die ritterlichen Helden der deutschen Wehrmacht waren, die dem an der Grenze aufmarschierten, bis an die Zähne bewaffneten Millionen-Heer der Roten Invasions-Armee in den Arm fielen und so verhinderten, dass der kommunistische Genickschuss-Mordblock bis zum Atlantik vorrückt und Stalins Blutrausch ganz Europa überzog?

Und so sieht der Kummer-gewohnte Leser dem Rezensenten nach, dass der sich ohne mit der Wimper zu zucken auf die Ausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung “Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht” bezieht, auch wenn in der

“einige Bilder zeitweise falsch zugeordnet waren.”

Teilweise falsch zugeordnet?! Offensichtlich entging Fleischhauer im Sudel-Wahn glatt, dass sich von Reemtsmas Schand-Ausstellung der ultimativen Fälschung, der Lüge und des Betrugs nicht nur Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker scharf distanzierten, sondern der renommierte Historiker und Ordinarius der Freiburger Universität, Prof. Dr. Gerhard Kaiser, gar von

“demagogischer Inszenierung”

sprach? Und so konnte diese der deutschen Wehrmacht noch immer nicht den Todesstoß versetzen, nach dem Fleischhauer mit der Frage

“Was wussten die Wehrmachtssoldaten von der Judenvernichtung?”

lechzt und die er sogleich selbst beantwortet:

“Erkennbar mehr, als sie später zugeben wollten.”

Was, the fuck, zu beweisen wäre.

Deshalb fand es, wie bestellt, statt, das Neitzel-Welzersche 150.000-Seiten-Abhörwunder und mit ihm das finale Wehrmachts-Todesurteil:

“Die Judenvernichtung, so lässt sich bündig zusammenfassen, ist Bestandteil der Wissenswelt der Soldaten.”

Und damit das auch so ist, muss die Schoah wieder mal umziehen. Erst aus den Lagern des Altreiches, wie Dachau, in die der besetzten Gebiete und dann, endlich, püh, in Auschwitz angekommen, aus den Krematorien in die Fritjof-Meyerschen Bauernhäuser außerhalb des Lagers.

Und nun das:

“Von den rund sechs Millionen Opfern des Holocaust endete allenfalls die Hälfte in Vernichtungslagern. Etwa drei Millionen Menschen starben in den Ghettos oder wurden von Hand umgebracht, häufig durch Genickschuss.”

Damit die Wehrmachtssoldaten, wenn sie nicht schon von Hause aus dabei waren, wenigstens davon wussten:

“Tatsächlich setzte in den eroberten Gebieten ein regelrechter Exekutionstourismus ein.”

Zum Zuschauen und Mitmachen. Imbiss und Erinnerungsfoto inklusive.

Schließlich verstieg sich der Fleischhauer in die Annahme, dass der Anteil der Sadisten

“bei der Wehrmacht wie bei allen gesellschaftlichen Kollektiven bei etwa fünf Prozent” lag. 

Wie jetzt?! Nur fünf Prozent Bekloppte im Wehrmachtskollektiv?! Logo, dass Ihnen da, Guido, die Knopp-Augen aus der Fassung sprangen und Sie im BILD-Interview vom 6. April zu den Perversen, die

“Spaß oder Vergnügen an der Tötung wehrloser Zivilisten hatten,”

klarstellten:

“Es waren sicher auch weit mehr als bisher vermutet. Aber ich bin, “

– im Kaffeesatz gelesen, Knopp?-

“überzeugt: Allenfalls zehn Prozent der knapp 18 Millionen Wehrmachtssoldaten haben sich so verhalten.”

Und da der Iwan als

“Untermensch misshandelt und ermordet”

wurde, waren Karl-Heinzens

“Überlebenschancen immer noch weit größer als für Russen in deutscher Gefangenschaft.”

Claro. Kehrten doch von 110.000 Mann der 6. Paulus-Armee, die bei Stalingrad in Gefangenschaft gingen, 5.000 nach Hause zurück. Heimkehrende Russkis aber war der Dank des Vaterlands gewiss: Exekution oder Lager.

Ihnen, Knopp, Sie lassen sich als “Deutschlands bekanntesten Historiker” sowie “ZDF-Chefhistoriker” bauchpinseln, muss um die Zukunft nicht bange sein. Nachdem Ihr Hitler, die britische SUN berichtete unlängst, in Swansea/Wales als Adolf-Haus sowie in Stockport als Adolf-Fisch reinkarnierte, wird er Ihnen, aber auch Weber, Neitzel und Welzer alsbald erscheinen und zu Neuem, Großen inspirieren:

“Fastnacht im Führerbunker – Volkstum unter Feindbeschuss?” 

Man darf gespannt sein!

Bis dahin aber sollten Sie den unglücklichen John Galliano exorzieren, in den der Hitler – hiu – leibhaftig einifuhr und zwang, Dinge zu orakeln, die ihm zum 1. März den Chefdesigner-Job bei CHRISTIAN DIOR kosteten.

Dr. Frank Kretzschmar

.
Quelle: National-Journal

5 Gedanken zu “Heute schon gelogen, Knopp?

  1. В Германии известный популист-историк Гвидо Кнопп, ставит документальные фильмы на эти „щекотливые“ темы, интервью у „очевидцев“ берет.. Он же Г. Кнопп автор одной любопытной поговорки, им же усиленно тиражируемой: „Русский Папа, все папа… имеет и свои причины, например каждые 100 лет огребать по полной программе от России…“ Вот и интересно кто же этот, или эта? Вроде как получается, какое общество такой и историк))

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