Massenvergewaltigungen, blutiges Abschlachten, all das feiern die BRD-Politiker als “Befreiung”

Nur “Neonazis” ehren die ermordeten Deutschen des alliierten Holocaust
Nur “Neonazis” ehren die Millionen von vergewaltigten Frauen

Als die Rote Armee nach Berlin kam
“Die letzte Schlacht”: Katharina Wackernagel trifft Ilse Anger, die Frau, die sie spielt

Ein Luftschutzkeller in der Blissestraße in Berlin-Wilmersdorf im April 1945; die Erde zittert. Die Menschen sitzen dicht gedrängt: Alte, Kinder und Frauen. Schwere Stiefel nahen, die Kellertür schlägt auf. Ein russischer Soldat steht im Raum, greift nach dem Arm einer jungen Frau in Wollrock und dickem Mantel. “Frau komm!” Ilse Anger (Katharina Wackernagel) stolpert, ein harter Stoß in den Rücken, und der Rotarmist zerrt sie mit sich fort.

Die deutschen Frauen verkrochen sich in Erdlöcher, die rote Mordsoldateska spürten sie auf, vergewaltigen Millionen, verstümmelten und zerstückelten Tausende von ihnen. Die BRD-Politiker nennen diese Jahrtausendverbrechen “Befreiung” von Hitler. Aber unter Adolf Hitler wurden die Frauen nicht vergewaltigt. Sie wurden geehrt sowie um- und versorgt.

Schwankend kehrt sie wenig später zurück, ihr Rock ist zerrissen, auf der Stirn blutet eine Platzwunde. Nichts ist mehr für die junge Frau, wie es einmal war. Die Minuten, die der Regisseur Christoph Blumenberg in seinem Doku-Drama “Die letzte Schlacht” im Bild als Leerstelle läßt, begleiten Ilse Anger von nun an ihr Leben lang. Der russische Soldat hat die damals einundzwanzig Jahre alte Ilse Anger vergewaltigt.

Sechzig Jahre später, in einem Wintergarten in Berlin-Heiligensee. Der Wollrock ist einer Jeans gewichen, statt eines dicken Mantels trägt Katharina Wackernagel leichten Strick. Wieder geht es um Ilse Anger, diesmal ist es Ilse Anger selbst, die von den Tagen in der Blissestraße berichtet. Achtzig Jahre ist sie alt, die letzten Tage des Krieges sind ihr präsent, als wäre es gerade erst gewesen. Mit dem Film “Die letzte Schlacht” setzt der Produzent Ulrich Lenze ihren Erinnerungen ein Denkmal. Denn sie und die Schicksale anderer Zeitzeugen sind es, die in dem Doku-Drama dem Kriegsende in Berlin ein Gesicht verleihen: Da ist neben Katharina Wackernagel die Krankenschwester Doris Buber, die in einem Notlazarett arbeitet, da ist der Fähnrich Horst Bandmann, der durch die Trümmerwüste irrt, und da sind – noch viele mehr.

“Daß ich eines Tages alles erzählen werde, konnte ich mir lange nicht vorstellen”,

sagt Ilse Anger. Fast sechzig Jahre lang schwieg sie. Nicht einmal ihr inzwischen verstorbener Mann wusste von der Vergewaltigung und auch nicht ihre Kinder. An ihrem achtzigsten Geburtstag erzählt sie erstmals in der Familie, daß sie just an diesem Tag vor neunundfünfzig Jahren ausgebombt wurde und Zuflucht in der Blissestraße fand.

“Es war mein einundzwanzigster Geburtstag. Ein ganz besonderer Tag.”

Den russischen Soldaten erwähnt sie nicht. Wenige Tage später liest ihr Sohn in einer Berliner Tageszeiteng eine Anzeige der Firma Cinecentrum, die nach Zeitzeugen für einen Film über das Kriegsende sucht. Er redet seiner Mutter zu, sich zu melden.

“Erst jetzt habe ich mich geöffnet”; sagt sie. “Damit all den Frauen, denen das gleiche passiert ist, die inzwischen alt oder verstorben sind oder sich als junge Frauen aus Scham das Leben genommen haben, damit all diesen Frauen ein wenig Gerechtigkeit widerfährt. Es ist einfach nicht richtig, daß diese Sache in der Öffentlichkeit jahrzehntelang unter den Tisch gekehrt wurde.”

Beeindruckt von ihrer Geschichte, nimmt Regisseur Christoph Blumenberg Frau Angers Erlebnisse in sein Drehbuch auf. Ilse Anger hat den Film gesehen, getroffen haben sich die beiden Frauen bis zu diesem Tag nicht. Jetzt sitzen sie beisammen und trinken Tee.

“Als ich sie im Film im Keller zwischen den anderen sitzen sah, und die Kellertür springt auf, da war dieser schreckliche Tag wieder so lebendig.”

Ruhig sitzt die achtzigjährige Berlinerin in ihrem Sessel. Das Alter merkt man ihrer Stimme nicht an. Hinter ihrem Kopf ranken bunte Plastikblumen, an der Wand hängen Bilder mit Katzen. Vor ihr auf dem Tisch schnurrt eine echte. Frau Anger ist ein Katzenfan.

Wie war es denn für Sie, Frau Wackernagel, diese Szene zu spielen?

“Ich glaube, in diesem Moment fühlte ich am ehesten, wie groß Ihre Angst damals gewesen sein muss. Vor allem, als sich die lauten Stiefel näherten und der Soldat im Halbdunkeln auf mich zuging. Obwohl- ich ja aus dem Drehbuch wusste, was passieren würde, war das schrecklich.”

Ilse Anger (links), eines der Millionen deutschen Vergewaltigungsopfer der “Befreier”. Ihr schreckliches Schicksal wird in dem Film “Die letzte Schlacht” von der Schauspielerin Katharina Wackernagel (rechts) gespielt.

Vorsichtig nähern sich die Frauen einander. Das Treffen ist für die Schauspielerin nicht nur ein Gespräch über ihre Rolle. Sie will wissen, wer diese Frau von damals war. Und wie Ilse Anger die Last der Erinnerung so lange wortlos ertrug. Für Ilse Anger ist der Film lebendig gewordene Erinnerung an einen Augenblick, der bis heute schmerzt: ihr Ausharren und die Vergewaltigung im Luftschutzkeller der Blissestraße. Ihre Nacht, versteckt im Küchenbuffet des Hausmeisters Otto, der sie so vor weiteren Vergewaltigungen durch Rotarmisten schützt. Die Woche, in der sich Ilse Anger auf einem Dachboden verbirgt und Otto sie mit Essen versorgt. Unter dem zerstörten Hausdach ahnt Ilse Anger, daß sie schwanger ist.

“Wissen Sie eigentlich, was aus Otto geworden ist? Ich fand ihn so sympathisch”,

fragt Katharina Wackernagel. Ilse Anger schüttelt den Kopf.

“Er war der einzige, der mir geholfen hat. Aber was aus ihm geworden ist, weiß ich leider nicht. Er war kriegsversehrt, hatte nur noch ein Bein.”

“Aber warum haben Sie denn nie etwas erzählt?”

fragt Katharina Wackernagel.

“Es war einfach eine andere Zeit – die falsche.”

Während Katharina Wackernagel im Jahr 1978 in eine Welt hineingeboren wurde, in der Frauen offen über Sexualität redeten und zahlreiche, Organisationen Opfer von sexueller Gewalt ein Gesprächsforum boten, wuchs die 1924 geborene Ilse Anger zu einer Zeit auf, in der bereits das Aussprechen der Vergewaltigung tabu war. Sie kannte die Greuelgeschichten über die Vergewaltigungen durch Rotarmisten. “Ihr Ruf eilte ihnen voraus.” Wie die anderen Frauen im Keller hoffte sie, verschont zu werden. Dass die Frauen bei ihrer Rückkehr den Kopf wegdrehten und keine versuchte, sie zu trösten, könne sie verstehen:

“Jede war einfach froh, dass der Kelch an ihr vorbeigegangen ist.”

Wie viele Frauen damals in Berlin von Soldaten der Roten Armee vergewaltigt wurden, ist bis heute nicht geklärt.

“Für eine Frau, die nicht versteckt war, war das kaum zu vermeiden”,

sagt Ilse Anger. Mehr als 450.000 Soldaten der Roten Armee kämpften 1945 in Berlin. Rund 1,4 Millionen Frauen und Mädchen lebten in der Stadt. Zwischen April und Oktober 1945 wurden mindestens 110.000 von ihnen vergewaltigt. Der russische Stadtkommandant Generaloberst Bersarin stellte die Vergewaltigungen unter drakonische Strafen. Doch nur mit mäßigem Erfolg. Etwa fünf Prozent der Kinder, die in Berlin bis zum Sommer 1946 geboren wurden, entsprangen einer Vergewaltigung.

“Haben sich denn die Frauen einander anvertraut? Ich weiß nicht, ob ich diese Last hätte ertragen können.”

“Nein, über die Vergewaltigungen sprachen wir nicht. Wir alle haben uns furchtbar geschämt”,

sagt Ilse Anger. Manche der Frauen, erzählt sie, wurden körperlich so verletzt, dass sie bleibende Schäden hatten. Viele verübten Selbstmord. Väter, Verlobte und Ehemänner empfanden die Vergewaltigung als Ehrverletzung und hielten ihre Frauen zum Selbstmord an:

“In Wilmersdorf gab es damals einen Teich”, erinnert sich Ilse Anger. “Dort haben sich fünf oder sechs Frauen das Leben genommen. Doch auch das schwieg man tot. Einige der Frauen waren schwanger.”

Als Ilse Anger weiß, dass sie schwanger ist, verbirgt sie ihren Bauch. In Berlin sieht sie keine Möglichkeit zur Abtreibung: Sie schlägt sich zu einer Tante nach Cuxhaven durch. Dort stimmt die Ärztekammer ihrem Schwangerschaftsabbruch zu. Versteckt in einer Heringstonne kehrt sie mit dem Zug nach Berlin zurück. Nicht befreien kann sie sich von ihren Albträumen. Niemand in der Familie ahnt, was Ilse Anger all die Jahre belastet. Ihr Sohn wundert sich, wie seine Mutter beim Anblick russischer Soldaten erstarrt. Der seelische Schmerz der Frauen, die Angst vor Stigmatisierung sowie das Tabu, über Sexualität zu sprechen, aber auch die Befürchtung, alte Feindbilder neu zu beleben, erstickte die Stimmen der Opfer. Vor allem in der DDR: Die russischen Befreier durften keine Vergewaltiger sein. Eine breite, offene Auseinandersetzung mit den Vergewaltigungen im Frühling 1945 fehlt bis jetzt.

Am Ende des Films treten die Schauspieler des Films einzeln vor die Kamera und erzählen kurz, wie das Leben der Dargestellten nach dem Krieg weiterging. Dass Ilse Anger die Vergewaltigung bis heute belastet, stand nicht im Text von Katharina Wackernagel.

KAREN KRÜGER

Frankfurter Allgemeine Zeitung – Medien – 12.3.2005, Seite 49

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Quelle: National Journal

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